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Watson, S.J.: Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Originaltitel:
Before I Go to Sleep
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 400
Preis: 14,95 €, Trade Paperback
ISBN: 9783651000087
Erscheinungsdatum: 25.08.2011
Bewertung:

Christine wacht in einem fremden Schlafzimmer auf und ist verwirrt. Sie erinnert sich nicht, wie sie dorthin gekommen ist oder wer der Mann ist, der nackt neben ihr liegt. Als sie sich selbst im Spiegel sieht erkennt sie sich nicht wieder. Obwohl sie Anfang 20 sein müsste, blickt ihr von dort eine ältere Frau entgegen. Der fremde Mann erklärt ihr, dass sie 47 Jahre alt ist und vor Jahren ihr Gedächtnis verlor. Christine kann außerdem keine neuen Erinnerungen bilden. Jede Nacht, wenn sie schläft, wird ihr Gedächtnis gelöscht und sie erwacht am nächsten Morgen ohne Erinnerungen an den vorhergehenden Tag. Christine ist vollkommen abhängig von ihrem Ehemann Ben, der sich um sie kümmert und ihr jeden Tag erklärt, was passiert ist. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen? Als Ben zur Arbeit geht, erhält Christine einen Anruf von Dr. Nash, der ihr bei einem Treffen ein geheimes Tagebuch überreicht, in dem Christine die letzten zwei Wochen ihres Lebens festgehalten hat.

Als Thriller, wie der Titel vermarktet wird, empfinde ich das Buch nicht. Erst die Handlung gegen Ende des Buches macht es für mich verständlich, dass man Christines Geschichte überhaupt in diese Kategorie einteilen könnte.
Wer den Film 50 erste Dates mit Adam Sandler und Drew Barrymore gesehen hat, dem kommt diese Geschichte bekannt vor. Ich. Darf. Nicht. Schlafen mag zwar die gleiche Ausgangssituation haben, schlägt ansonsten aber einen ganz anderen Weg ein. Bei Christine ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen wenn sie morgens aufwacht. Sie verliebt sich nicht jeden Tag aufs Neue in Ben, nur weil er ihr erklärt, dass er ihr Ehemann ist. Stattdessen hat sie Zweifel an der Wahrheit, die ihr gereicht wird. Das Tagebuch, von dem Ben nichts weiß, lässt Christine Zusammenhänge erkennen, die in ihrer Situation normalerweise nicht möglich wären.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Es startet mit „Heute“, einem neuen Tag, an dem Christine aufwacht und sich orientieren muss. 2/3 der Seiten bestehen aus Christines Tagebuch, dass sie im „Heute“ liest und der Leser mit ihr. Im Anschluss daran geht es weiter mit dem „Heute“, mit einer durch das Lesen veränderten Frau, die mehr weiß als ihr Ehemann ahnen kann. Christine war mir sehr sympathisch. Trotz ihrer hoffnungslosen Situation gibt sie nicht auf, bleibt dabei aber sehr menschlich. Sie hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, misstraut sich selbst, muss sich jeden Tag aufs Neue davon überzeugen, dass sie das Tagebuch auch wirklich geschrieben hat, braucht Beweise für die ihr fremden Geschichte. Trotz der daraus resultierenden Wiederholungen und der doch teils recht eintönigen Tage, die Christine erlebt, langweilt man sich keine Sekunde. Die winzigen Brotkrumen, die Christine jeden Tag hingeworfen bekommt, pickt man als Leser begierig auf, um endlich das Gesamtbild erkennen zu können. Was stimmt nicht mit Ben? Wem kann Christine wirklich trauen? Und was ist die einzig richtige Wahrheit?

Alle Figuren außer Christine bleiben dabei undurchsichtig, was sicherlich auch so gewollt ist. Ben ist kaum zuhause – und wenn, dann tischt er Christine Halbwahrheiten auf. Dr. Nash erklärt immer wieder aufs Neue, dass er nur helfen will, aber Christine und auch ich stellten seine Motive öfters infrage.

Ich hätte dem Buch fünf Sterne gegeben, aber einen Punkt Abzug gibt es für…

Achtung, hier wird das Ende verraten!
…die Auflösung der Geschichte. Ich finde es nicht nachvollziehbar, dass weder Christine noch Dr. Nash bemerken, dass aus dem Tagebuch ein Stapel Seiten herausgeschnitten wurde. Sowas merkt man doch. Außerdem wäre ich auch stutzig geworden, dass nirgendwo im Tagebuch vermerkt ist wann Christine „Vertraue Ben nicht“ auf die erste Seite geschrieben hat.
Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass das Waring House seine geistig verwirrten Patienten einfach so in die Obhut einer Person übergibt, ohne diese gründlich zu prüfen. Wo kämen wir denn da hin?

Insgesamt aber trotzdem ein sehr lesenswerter Debütroman. Für Thrillerfans wahrscheinlich zu langweilig, für mich aber genau richtig. Eine Hollywoodverfilmung ist laut Klappentext übrigens schon geplant. Definitiv ein Film, den ich mir ansehen werde.


McEuen, Paul: Spiral

Originaltitel:
Spiral
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 448
Preis: 18,95 €, Hardcover
ISBN: 9783502102182
Erscheinungsdatum: 29.10.2010
Bewertung:

Nach Ende des zweiten Weltkriegs wird der Mykologe Liam Connor Zeuge, wie ein Pilz namens Uzumaki (jap. für Spirale) die Besatzung eines Schiffs erst komplett wahnsinnig macht und dann tötet. Der hochgefährliche Pilz wird unschädlich gemacht, doch Liam nimmt heimlich eine Probe davon an sich, ohne es jemandem zu sagen.
60 Jahre später ist Liam ein weltweit anerkannter und mehrfach geehrter Wissenschaftler, der in seinem Labor immer noch Pilze erforscht. Bis er von einer mysteriösen Asiatin grausam gefoltert und kurze Zeit später tot aufgefunden wird. Alle Indizien deuten darauf hin, dass die Asiatin auf der Suche nach dem Uzumaki ist. Sollte der Pilz in ihre Hände gelangen, wäre die Bedrohung für die Welt unbeschreiblich.
Verschiedene Behörden, das Militär, Liams Assistent Jake und seine Enkelin Maggie setzen alles daran, den Vorfall aufzuklären und den Uzumaki zu finden.

Soweit zur Geschichte des Buches. So interessant die Idee eines Killerpilzes, der die gesamte Menschheit in Windeseile auslöschen könnte, auch sein mag, die Umsetzung war mir zu kompliziert. Die Geschichte springt ständig zwischen den verschiedensten Orten und Personen hin und her, regelmäßig werden außerdem neue Charaktere eingeführt, die nach kurzer Zeit für mich alle zu einem „US-Behörden“ Einheitsbrei verschwammen. Ich konnte die Leute und wer nun über wen Befehlsgewalt hat beim besten Willen nicht unterscheiden. Die einzigen, die sich aus der Masse abheben, sind Jack, Maggie und Orchid, die böse Asiatin. Aber auch zu ihnen kann man schwierig eine Beziehung aufbauen, da man nie lange bei ihnen bleibt und stattdessen im nächsten Kapitel bei einer der gefühlten 50 Behörden „nach dem Rechten sehen“ muss.

Der Autor Paul McEuen ist selbst einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Nanotechnologie, was man dem Buch auch anmerkt. Die vielen wissenschaftlichen Begriffe und Erklärungen verkomplizieren die Lektüre zusätzlich. Ich war dankbar, zumindest einige der angewandten Methoden bereits vorher einmal gehört zu haben. Trotzdem habe ich nach einer Weile die Erklärungen mehr oder weniger überflogen.

Fazit: ein Killerpilz und viele US-Behörden machen noch keinen guten Thriller. Die Filmrechte hat der Autor laut Wikipedia trotzdem schon verkauft. Und das vor Erscheinen des Buches in den USA. Na dann.