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Ani, Friedrich: Die unterirdische Sonne

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 336
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783570162613
Erscheinungsdatum: 24.02.2014

Die Handlung

Eine Insel. Ein Haus. Ein Keller. Fünf Jugendliche, die mit Gewalt darin festgehalten werden. Kein Tageslicht. Und täglich wird einer von ihnen nach oben geholt. Doch niemand spricht über das, was dort geschieht. Denn wer spricht, stirbt, bekommen sie gesagt. Die Lage scheint aussichtlos, und Angst, Wut, Schmerz, Verzweiflung und Sehnsucht lassen die Jugendlichen beinahe verrückt werden. Doch nichts kann sie retten vor den schrecklichen Dingen, die geschehen. Bis ein neuer Junge zu ihnen gebracht wird, der nicht bereit ist, die Gewalt zu akzeptieren.
Quelle: cbt

Das war gut

Der Ansatz des Autors ist sehr interessant: statt sich auf die Entführungsgeschichte zu konzentrieren und die Handlung voranzutreiben, vielleicht Befreiungsszenarien zu entwerfen, legt Friedrich Ani besonderes Augenmerk auf die Charakterisierung der Figuren und analysiert, was die Entführung und das Leben im Keller über eine lange Zeit – bei einem der Kinder sogar über ein Jahr lang – für Folgen auf die Psyche hat.

Dadurch sind die Gefühle der Figuren jederzeit greifbar. Als Leser ist man mittendrin, sitzt mit den Jugendlichen im Keller und kann ihre Empfindungen jederzeit nachvollziehen. Ein großes Lob an den Autor, er versteht es, mit Worten umzugehen. Dadurch, dass wir die Entführer fast überhaupt nicht zu Gesicht bekommen, wird die Isolation der Kinder nur umso deutlicher und die Situation hoffnungsloser. Man fragt sich genau wie die Entführten, warum das alles passiert, bekommt aber keine Antworten darauf. Die Entführer bleiben bis zum Schluss vage, ihre Motive lassen sich erahnen, werden aber nicht angesprochen.

Ebenso undeutlich bleibt die Frage, was mit den Kindern passiert, wenn sie aus dem Keller nach oben geholt werden. Auch hier bekommt man nur kleine Ausschnitte zu Gesicht, nicht mehr. So bleibt das Buch trotz seiner schwierigen Thematik erträglich und drängt den Leser dankbarerweise nicht in die Rolle eines Schaulustigen.

Das hat mir nicht gefallen

Das unglaubwürdige Ende. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass sowas wirklich passieren kann und frage mich, was sich der Autor dabei gedacht hat. Was ist hier „die Moral von der Geschicht“? Oder dient das Ende lediglich dazu, den Leser mit offenem Mund dasitzen zu lassen, weil er damit so gar nicht gerechnet hat?

Das Ende hat das ganze Buch für mich zerstört. Bis dahin fand ich es nämlich eigentlich ganz gut. Umso enttäuschter war ich, nachdem ich die letzte Seite umgeblättert hatte.

Und daraus folgt

Friedrich Ani ist an und für sich ein sehr interessantes Buch zum Thema Kindesentführung und Missbrauch gelungen. Die Charaktere wirken realitätsnah und zeigen auf dramatische Weise, wie eine solche Extremsituation Kinder kaputt macht und ihr Leben, ihre Psyche vollkommen zerstört. Leider konnte ich mich mit dem Ende des Buches überhaupt nicht anfreunden, weil es in meinen Augen absolut unglaubwürdig und für die in der Wirklichkeit angesiedelte Geschichte unpassend ist.


Shirvington, Jessica: Ein Tag, zwei Leben

Originaltitel:
Between the Lives
Autor/in:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 384
Preis: 8,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783570380406
Erscheinungsdatum: 13.01.2014

Meine Ausgabe stammt von Skoobe.

Die Handlung

Sabine lebt in der Nähe von Boston – und das gleich in zwei Welten. In Roxbury ist sie die rebellische Außenseiterin, lebt in einem bescheidenen Haushalt und hat eine Schwester. In Wellesley dagegen ist sie ein beliebtes Mädchen, mit dem Schulschwarm zusammen, stinkreich und hat zwei Brüder. Nacht für Nacht springt Sabine vom einen in das andere Leben und wieder zurück und verbringt jeden Tag so zwei Mal. Sie hat sich mit ihrem merkwürdigen Schicksal arrangiert, bis sie eines Tages feststellt, dass sich etwas verändert hat: ihr Körper wechselt nicht mehr zwischen den beiden Welten hin und her! Dies könnte Sabines Chance sein, eines der Leben zu verlassen und endlich normal zu sein.

Das war gut

Trotz meiner unten genannten Kritikpunkte entscheidet sich Sabine letztendlich – wie ich finde – richtig und trifft ihre Wahl nicht aufgrund irgendwelcher Einflüsse von außen, sondern für sich selbst.

Und auch wenn ich es (wie ebenfalls unten genannt) sehr schade finde, dass Sabines Fähigkeiten nicht die Hauptrolle in dem Buch spielen, ist es doch auch eine sehr interessante Konstruktion, quasi das Erwachsenwerden und den Selbstfindungsprozess vor dem Hintergrund einer Science-Fiction Komponente spielen zu lassen, die zwar die Handlung unterstützt, aber eigentlich nur dazu dient, den inneren Konflikt der Hauptfigur zu zeigen.

Das hat mir nicht gefallen

Ich mag widersprüchlich sein, aber: Sabines Situation wird nicht erklärt, sondern einfach hingenommen, das fand ich ein bisschen schade. Woher hat Sabine ihre Fähigkeit, zwischen den Welten zu wechseln? Handelt es sich um verschiedene Dimensionen? Gibt es noch andere wie Sabine? Auch die Erkenntnis, dass sich der Wechsel verändert hat, ist für mich nicht logisch. Wie kann es sein, dass Sabine 18 Jahre lang mit ihrem Körper gewechselt ist und plötzlich hat sie einen zweiten, sodass sie ihre Körper zurücklassen kann?

Eigentlich ist von Anfang an klar, was die beste Entscheidung für Sabine ist, wenn sie ein Leben verlassen möchte. Es kam mir deshalb so vor, als musste die Autorin ein Haar in der Suppe einbauen, damit das eine Leben doch nicht perfekt ist. Diese Enthüllung kam für mich aus heiterem Himmel und war nicht gut vorbereitet – außerdem natürlich vollkommen unnötig. Es wäre mir lieber gewesen, wenn Sabine ihre Entscheidungen selbst getroffen hätte, statt sie von äußeren Einflüssen bestimmen zu lassen.

Und daraus folgt

Idee und Umsetzung der Geschichte gefallen mir gut, aber es hakt an einigen Stellen, wie z. B. der aus der Luft gegriffenen Wendung in der einen Welt. Außerdem habe ich nicht verstanden, wieso Sabine zwei verschiedene Persönlichkeiten besitzt. Sie scheint Rollen zu spielen, deshalb wird nicht ganz klar, welche denn nun die echte Sabine ist. Und wieso hat sie überhaupt unterschiedliche Persönlichkeiten, nur weil sie in zwei Welten lebt? Aus all den Erlebnissen, die ja alle IHR zustoßen, hätte sich eigentlich nur eine Persönlichkeit bilden können. Jedenfalls nach meiner Logik.
Trotzdem mit Abstrichen ein unterhaltsames Buch mit einer interessanten Idee. Einen Extrapunkt gibt es dafür, dass es ein Einzelband ist!


DeStefano, Lauren: Totentöchter

Originaltitel:
Wither
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
The Chemical Garden 1 von 3
Seiten: 400
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783570161289
Erscheinungsdatum: 19.09.2011

In einer nicht näher genannten Zukunft ist die Erde nach einem dritten Weltkrieg fast vollständig zerstört, nur Nordamerika existiert noch. Der technische Fortschritt hat das Land überleben lassen und ist gleichzeitig die Geißel der Menschheit. Denn die Veränderung des Erbguts hat zwar die inzwischen „Erste Generation“ genannte Bevölkerung genetisch verbessert, doch ihre weiblichen Nachkommen sterben im Alter von zwanzig, die männlichen mit fünfundzwanzig. Auch siebzig Jahre später ist noch kein Heilmittel entwickelt worden.
Die sechszehnjährige Rhine gehört zur dritten Generation. Mit ihrem Zwillingsbruder schlägt sie sich durchs Leben, bis sie eines Tages entführt und zusammen mit zwei weiteren Mädchen mit dem reichen Hauswalter Linden zwangsverheiratet wird. Gefangen in einem luxuriösen Anwesen und vor der Wirklichkeit behütet soll Rhine ihre letzten vier Lebensjahre verbringen. Doch sie hat nur einen Gedanken: Flucht!

In Lauren DeStefanos postapokalyptischem Jugendroman gibt es kein alles beherrschendes System, dass die Menschen kontrolliert. Diese Rolle übernimmt hier das Virus, das die Bevölkerung im jungen Alter dahinrafft. Ansonsten herrscht Anarchie. Die Erstgenerationer widmen ihr langes Leben der Erforschung der Krankheit und der Suche nach dem Heilmittel und gehen dabei über Leichen. Die zahlreichen elternlosen Kinder werden als Versuchskaninchen missbraucht, ermordet, zwangsverheiratet oder enden als Diener in einem herrschaftlichen Anwesen wie Rhines neuer Heimat. Auch ist neben den großen Fortschritten auch ein einschneidender Rückschritt zu erkennen: die Frauen bzw. Mädchen werden von der Straße weg entführt und als Bräute oder Prostituierte verkauft und scheinen keinerlei Rechte zu haben.

Die drei Bräute fügen sich alle unterschiedlich in ihr neues Leben: währen die erst dreizehnjährige Cecily sich nichts schöneres vorstellen kann als die Ehefrau von Linden zu sein und ihm Kinder zu gebären, ist Jenna, der Ältesten, alles egal. Sie hasst Linden, hab aber auch keinen Antrieb zu flüchten. Stattdessen wartet sie einfach auf ihren Tod und liest in der Zwischenzeit Liebesromane. Rhine dagegen will unbedingt zu ihrem Bruder zurück und zwingt sich, Linden ebenfalls zu hassen. Doch je länger sie mit ihm verheiratet ist, desto mehr muss sie erkennen, dass er im Grunde genau wie sie selbst ein Gefangener ist und keine Ahnung davon hat, wie seine Ehefrauen zu ihm gekommen sind. In Wahrheit hat sein Vater Vaughn, ein Erstgenerationer, das Zepter in der Hand. Dieser ist Wissenschaftler und davon besessen, ein Heilmittel für das Virus zu finden.

Mir hat Totentöchter sehr gut gefallen. Rhine ist ein leicht zugänglicher Charakter, in den ich mich gut hineinfühlen konnte. Trotz ihrer schwierigen Situation verbittert sie nicht, sondern bewahrt sich ihre Kämpfernatur und eine gute Laune, mit der sie die Herzen und Loyalität des Hauspersonals gewinnt. Auch dass sie ihren Ehemann nach einer Weile nicht mehr wirklich hassen kann, konnte ich absolut nachvollziehen. Linden tat mir im Verlauf des Buches immer mehr Leid, da er in seiner Naivität nicht erkennt, wie er von seinem Vater manipuliert wird. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es im zweiten Teil weitergeht, da die Geschichte sich nach dem Ende von Teil 1 in ganz verschiedene Richtungen weiterentwickeln könnte.

Die Serie

1. Totentöchter
1.5. Seeds of Wither (E-Book)
2. Fever (engl)
3. unbekannt


Blazon, Nina: Zweilicht

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 416
Preis: 18,99 €, Hardcover
ISBN: 9783570161173
Erscheinungsdatum: 29.08.2011

Jay aus Deutschland kommt als Austauschschüler nach New York, wo er bei seinem Onkel lebt. In der Schule verliebt er sich auf den ersten Blick in die zurückhaltende Madison. Mit der Zeit kommt er ihr auch näher, aber gleichzeitig trifft er anderes mysteriöses Mädchen, das sich Ivy nennt und anscheinend niemand außer ihm sehen kann. Ivy verhält sich sehr merkwürdig, greift Jays Hund an und stößt ihn vor ein Auto, sodass Jay fast überfahren wird. Ivy scheint Madison abgrundtief zu hassen und versucht Jay mehrmals dazu zu bringen, sich von ihr zu lösen. Warum sie dies tut, erschließt sich erst später und gehört zur Wendung des Buches, die an dieser Stelle nicht verraten werden soll.

Nina Blazon versteht es wirklich, in ihren Roman Überraschungseffekte einzustreuen. Nichts ist wie es scheint und fast niemand ist der, der er vorgibt zu sein. Beim Lesen des Buches wird man unweigerlich an die Geschichte eines sehr bekannten Films erinnert, doch Zweilicht ist trotz der Parallelen eine eigenständige Geschichte, die nicht abgekupfert wirkt.

Die Charaktere sind vielschichtig und undurchschaubar; das fängt schon im ersten Kapitel mit der Einführung des magischen Mädchens Mo und ihrer Gruppe an. Erst nach der Hälfte des Buches wird einem die Rolle dieser Wesen wirklich klar.

Ich erspare mir an dieser Stelle die wortreiche Schwärmerei, nur damit meine Rezension länger wird. Mir fehlen einfach die geeigneten Worte, um spoilerfrei mehr zu dem Buch zu schreiben. Ich kann nicht mehr sagen als: es ist toll und unerwartet und faszinierend. Lest es!