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Forman, Gayle: Wenn ich bleibe

Originaltitel:
If I Stay
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
If I Stay 1 von 2
Seiten: 272
Preis: 16,95 €, Hardcover
ISBN: 9783764503512
Erscheinungsdatum: 04.01.2010

Mia ist eine begabte Cellistin und glaubt, vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens zu stehen: soll sie ihrer Liebe zur Musik folgen und an der renommierten Juilliard School in New York studieren oder bei ihrer Familie und ihrem Freund bleiben?

Bis sich eines Morgens alles verändert. Nach einem schweren Verkehrsunfall erwacht Mia außerhalb ihres Körpers und beobachtet die Sanitäter bei ihrer Arbeit. Für ihre Eltern kommt jede Hilfe zu spät, doch sie und ihr kleiner Bruder Teddy werden ins Krankenhaus eingeliefert. Auf der Intensivstation reflektiert Mia ihr Leben, erzählt dem Leser ihre Geschichte und wie die Dinge so gekommen sind, wie sie sind. Dabei erkennt Mia, dass sie eine noch viel schwierigere Entscheidung zu treffen hat als ihre Zukunftspläne. Soll sie bleiben und weiterleben, so wie es sich ihre zahlreichen Verwandte und Freunde wünschen; oder soll sie sterben, um ihre Familie wiedersehen zu können?

Obwohl Wenn ich bleibe ein eher kurzer Roman ist, hat man nicht das Gefühl, dass irgendetwas fehlt. Mia erzählt ihre Geschichte nicht chronologisch, sondern in mehreren Rückblenden, während sie ihrer Familie und ihren Freunden dabei zusieht, wie sie mit der Situation umgehen.
Obwohl es eigentlich um ein trauriges Thema geht, besitzt der Roman doch die meiste Zeit über eine gewisse Leichtigkeit. Denn da Mia von ihrem Körper getrennt ist und nichts fühlen kann, hat sie glücklicherweise nicht das Bedürfnis, sich nur in eine Ecke zu setzen und über ihr Elend zu jammern. Der Roman hat mir sehr gut gefallen.


Adelaide, Debra: Das Beste am Leben

Originaltitel:
The Household Guide to Dying
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 416
Preis: 19,95 €, Hardcover
ISBN: 9783764503215
Erscheinungsdatum: 01.01.2009

Delia Bennet ist 40 Jahre alt, hat zwei wundervolle Töchter, einen liebevollen Ehemann – und Krebs. Nach mehreren Operationen und Chemotherapien steht fest, dass sich die Krankheit nicht besiegen lässt und sie sterben wird. Delia hat ihre ganz eigene Art, mit dieser Nachricht umzugehen: Sie beginnt, die bevorstehende Zukunft ihrer Familie zu organisieren. Sie schreibt ganze Listen, die ihrem Mann Archie z. B. helfen sollen, sich um die beiden Kinder zu kümmern, und plant für den Fall der Fälle schon einmal die Hochzeit ihrer jüngeren Tochter, der erst achtjährigen Daisy, inklusive Rezept für die Hochzeitstorte und Cateringvorschlägen. Und wer soll die nächste Frau an Archies Seite werden? Charlotte, seine Buchhalterin, kommt auf jeden Fall in die engere Wahl.

Delia beschließt, die ihr verbleibende Zeit auch dazu zu nutzen, einen weiteren Haushaltsratge­ber zu schreiben. Sie hat bereits mehrere Bestseller wie die „Anleitung zum richtigen Waschen“ verfasst und überzeugt ihre Verlegerin, dieser Ratgeberreihe ein weiteres, sehr exklusives Thema hinzuzufügen. So entsteht die „Anleitung zum richtigen Sterben“. Dass das Wort „Deadline“ in diesem Zusammenhang eine ganz neue Bedeutung erhält, findet Delia dabei mehr als amüsant.

Die Autorin dieses wunderbar Mut machenden Romans, Debra Adelaide, ist Dozentin an der Universität von Sydney, freie Lektorin und Herausgeberin. Ihre beiden Eltern-Ratgeber waren in Australien Bestseller. Mit „Das Beste am Leben“ behandelt Adelaide das Thema Sterben auf höchst ungewöhnliche Art und Weise. Zeitgleich mit ihrem Roman erschien in Deutsch­land das Buch einer weiteren australischen Autorin, das sich ebenfalls mit Krebs beschäf­tigt und großen Anklang fand: Helen Garners „Das Zimmer“. Doch trotz dieser Paralle­len könnten die zwei Bücher nicht unterschiedlicher sein. Während die Protagonistin in „Das Zimmer“ sich an jeden Strohhalm klammert und jede noch so abstruse Heilungsmethode ausprobiert, um den Krebs zu besiegen, tut Delia nichts dergleichen. Trotzdem bedeutet dies nicht, dass sie einfach aufgibt. Denn Debra Adelaide gelingt es in ihrem Roman, sich dem Thema Krebs ohne die sonst üblichen tragischen Erzählungen von Krankheit und Schmerz zu nähern. Sie verwendet stattdessen eine gehörige Portion Humor, viel Ironie und Haus­haltstipps von Isabella Beeton, einer legendären britischen Koch- und Haushaltsbuchautorin aus dem 19. Jahrhundert.

Delia verbindet die Recherche für ihren Ratgeber mit persönlichen Vorbereitungen auf ihren bevorstehenden Tod. So sucht sie beispielsweise verschiedene Bestattungsunternehmen auf, um einen Sarg zu bestellen, und bringt mit ihren gezielten Fragen die Angestellten in Verlegen­heit. Es überrascht am Ende wenig, dass sie sich für eine extravagante Lösung entscheidet: Sie bestellt einen Sarg Marke Eigenbau, den ihr Ehemann zusammenzimmert und der auf der Terrasse kurzerhand zum Tisch umfunktioniert und von ihren Kindern bemalt wird. Darüber hinaus überlegt Delia, sich für das Buchcover in ihrem Sarg liegend und Cocktail schlür­fend ablichten zu lassen.

Die Arbeit an dem Buch bringt Delia allerdings auch dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sie erkennt, dass sie nicht nur darüber schreiben kann, wie man angesichts des Todes alles zu einem Abschluss bringt, sondern dass sie dies auch für ihr eigenes Leben beherzigen muss. Und deshalb hinterlässt sie ihrer Familie eines Tages eine kurze Nachricht und macht sich auf den Weg gen Norden in ein kleines Städtchen namens Amethyst, das nicht ein­mal auf der Landkarte verzeichnet ist. Stück für Stück enthüllt sich dort eine tragische Ge­schichte, die Delia bisher nie aufarbeiten konnte und der sie sich nun endlich stellen kann.

„Das Beste am Leben“ ist definitiv kein Buch für jeden Geschmack. Wer indessen mit makab­rem Humor und einer selbstironischen Behandlung des Themas Tod umgehen kann, sollte sich unter keinen Umständen scheuen, einen Blick darauf zu riskieren.