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Niven, John: Gott bewahre

Originaltitel:
The Second Coming
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 400
Preis: 19,99 €, Hardcover
ISBN: 9783453675971
Erscheinungsdatum: 22.08.2011

Gott ist sauer. Da nimmt Er sich nach all den Jahrmillionen während der Renaissancezeit nur eine Woche Urlaub und geht gemütlich angeln – und bei seiner Rückkehr liegt die Erde, nunmehr 2011, förmlich in Trümmern. Im Himmel vergeht die Zeit „ein wenig“ langsamer als auf der Erde…
Inzwischen regiert Geld die Welt und die religiösen Heuchler und Fundamentalisten nutzen jede Menge Unsinnsinterpretationen, um ihre gläubige Meute zu unterjochen. Gott sieht nur einen Weg: Jesus, der Nichtsnutz von einem Sohn, muss zurück auf die Erde und ein zweites Mal Gottes wahres, einziges Gebot verbreiten: Seid lieb! Jesus würde natürlich viel lieber weiter mit Jimi Hendrix Gitarre spielen und seine Joints rauchen, fügt sich aber dem Befehl seines Vaters und wird 1979 in den vereinigten Staaten von Amerika wiedergeboren.
32 Jahre später lebt Jesus als Frontmann einer erfolglosen Rockband in New York City und hat seine ersten Jünger um sich geschart. Drogenabhängige, Verrückte, Alkoholiker. Die Zeiten des Predigens sind lange vorbei und Jesus schafft es nicht, die Massen zu erreichen. Doch ein Wink des Schicksals eilt ihm zu Hilfe: eine meterhohe Werbereklame von „American Pop Star“ zwingt den Sohn Gottes förmlich dazu, an dieser verlogenen Casting Show teilzunehmen. Und dies ist nur der Beginn einer wahnwitzigen Reise.

Gott bewahre ist mein erstes Buch von John Niven und obwohl mich die irre Thematik sofort angesprochen hat, hatte ich aufgrund des Labels „Heyne Hardcore“ doch einige Bedenken. Es stellte sich allerdings heraus, was ich schon vorher vermutet hatte: Als „Hardcore“ scheint das Buch vor allem wegen der Thematik statt blutiger Gewaltausbrüche und ekliger Szenen betitelt zu sein (auch wenn davon natürlich trotzdem einige zu lesen sind). Der Autor hat nämlich ein sehr…alternatives Bild von Gott, Jesus und dem Himmel. In diesem Buch ist Gott der Chef eines gigantischen Großraumbüros, trifft sich regelmäßig mit Satan zum Essen und kifft und säuft, was das Zeug hält. Außerdem „liebt er Schwuchteln“, befürwortet Abtreibungen und flucht ununterbrochen. Ach ja, und er schert sich einen Dreck darum, was die Menschen von ihm denken oder wollen könnten.

John Niven hat sichtlich Spaß daran, die verschiedenen Religionen durch den Kakao zu ziehen. So versucht Matthäus z. B. Gott auf vier endlosen Seiten aufzuzählen, wie viele christliche Splittergruppen es gibt und scheitert kläglich. Natürlich kriegt auch der Islam dabei ordentlich sein Fett weg. Herrlich ist auch die Darstellung der Hölle. Gott und Jesus treffen sich mit Satan im zehnten Höllenkreis zum Essen und werden dabei von Hitler und Ronald Reagan bedient, die dort wahrhaft endlose Höllenqualen erleiden müssen.

Insgesamt ist Gott bewahre eine bissige Gesellschaftskritik in verrückter Verkleidung. John Niven prangert die sinnlose Verschwendung von Lebensmitteln und natürlicher Ressourcen an, zeigt die traurige Sensationsgier der Menschen auf, die früher im Kolosseum ausgelebt wurde und heute Castingshow heißt und kritisiert die Waffengeilheit der Amerikaner, die zum großen und schockierenden Showdown des Buches führt. Und inmitten all des Chaoses befindet sich Jesus, der mit unerschütterlicher Ruhe sein Ding durchzieht und nur das Beste für die Menschheit will, obwohl er genau weiß, dass auch sein zweiter Besuch auf Erden genauso unglücklich enden wird wie sein erster.

Fazit: religiöse Menschen sollten definitiv die Finger von diesem Buch lassen. Aufgeschlossenen Lesern, die beim Lesen des Klappentexts denken „Ja, das klingt echt genial!“ kann ich das Buch nur empfehlen. Es gibt viel zu lachen, aber mindestens genauso viele Stellen, an denen man hart schlucken muss und sich wünscht, die Welt würde nur ein klitzekleines bisschen besser werden. Würdet ihr Jesus erkennen, wenn er vor euch stünde? Und vor allem: würdet ihr ihm glauben?


Choi, Angela S.: Hello Kitty muss sterben

Originaltitel:
Hello Kitty Must Die
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 288
Preis: 14,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783630873398
Erscheinungsdatum: 25.10.2010

Fiona Yu ist eine junge, amerikanische Chinesin. Sie ist Firmenanwältin in einer großen Anwaltskanzlei und verdient einen Haufen Geld, wohnt aber – auch aus Bequemlichkeit – noch immer bei ihren Eltern. Die sähen es gern, wenn Fiona mit ihren 28 Jahren endlich heiraten würde. Einen chinesischen Mann, versteht sich. Fiona allerdings hat kein Interesse daran, eine brave Hello Kitty Hausfrau zu werden und entschließt sich, die Familienehre zu zerstören, indem sie sich mit einem pinken Silikondildo selbst entjungfert. Letztendlich führt sie dies in die Praxis von Sean Killroy, denn wie sich herausstellt besitzt sie kein Jungfernhäutchen. Was also tut man mit all dem hart verdienten Anwaltsgeld? Richtig: man kauft sich einfach eins. Sean entpuppt sich allerdings als Fionas ehemaliger Schulfreund, den sie aus den Augen verloren hat, als er als Jugendlicher einer Klassenkameradin die Haare anzündete und in den Knast wanderte.
Nun also ist er „Hochqualifiziert in Hymenalchirurgie“ und verdient sich damit dumm und dämlich. Er überzeugt Fiona, dass sie kein Jungfernhäutchen braucht, um glücklich zu werden. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Oder eher: die Wiederaufnahme einer wunderbaren Freundschaft.

Soviel zur Grundgeschichte des Buches. Ich hatte vorher überhaupt keine Ahnung, worum es bei „Hello Kitty muss sterben“ geht, die Coverfarbe war einfach so verlockend. Hätte ich den Klappentext gelesen, hätte ich gewusst, dass Sean ein Serienkiller ist. So aber musste ich selbst erkennen, dass mit diesem Mann etwas nicht stimmt und war natürlich ziemlich überrascht. Fiona scheint schnell dahinter zu kommen, dass Sean reihenweise Leute umbringt, nur stört es sie nicht im Geringsten. Im Gegenteil: sie hilft im sogar dabei, sich die Opfer auszusuchen. Denn schließlich verrichtet Sean mit seinen Morden Gottes Werk. Getreu seinem Motto „Jeder muss einmal sterben.“ wählt er Personen aus, die es seiner Meinung nach verdient haben, um die Ecke gebracht zu werden. Dabei geht er so geschickt vor, dass die Behörden nie von einer Straftat ausgehen.

Die Beziehung zwischen Fiona und Sean ist schwer zu beschreiben. Fiona hat keinerlei sexuelle Interessen an Männern (oder Frauen) und auch Sean versucht nicht, Fiona körperlich näher zu kommen. Stattdessen treffen sie sich zum Reden und Trinken und natürlich, um Seans Zielpersonen in Bars zu finden. Währenddessen arrangiert Fionas Vater Dates mit chinesischen Männern und weist seine Tochter an, Lippenstift zu tragen. Als ob Lippenstift alle Probleme dieser Welt lösen könnte.
Auch außerhalb von Seans Aktivitäten stapeln sich zudem in Fionas Umfeld die Leichen. Da stirbt die Cousine im entfernten New York, weil sie ihrem Mann kein Kind gebären will oder der Freund eines von Fionas Dates ertrinkt beim Krabbenfischen. Chinesen leben offenbar gefährlich.

Was soll ich sagen? Dreist, schnell, rotzig und brilliante Bösartigkeit steht hinten auf dem Buch. Definitiv. Sehr, sehr böse. Aber auf jeden Fall unterhaltsam. Ich wusste wie gesagt am Anfang gar nicht, was mich da erwartet und nach der ersten Seite war ich auch nicht überzeugt davon, ob ich wirklich wissen will wie es weitergeht, aber ich würde sagen das Lesen hat sich gelohnt. Und gelernt habe ich auch etwas: Anwälte sind Arschlöcher und Chinesen ganz schön stur.
Hier kann man übrigens passend zum Buch für eine Menge toter Hello Kittys sorgen. Aber nicht das Buch abschießen, das gibt Minuspunkte.
PS: Meine Besucherzahlen wurden durch die Nennung des Spielzeugs nicht sonderlich beeinflusst. Allerdings scheinen einige Leute bei Google nach dem Buchtitel zu suchen, was mir ja dann auch zugute kommt ;-)