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[Rezension] Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam

Originaltitel:
Girl Unmoored
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, , ,
Reihe:
-
Seiten: 352
Preis: 17,90 €, Hardcover
ISBN: 9783551583178
Erscheinungsdatum: 22.07.2014

Die Handlung

Die Schule ist fast vorbei, der Sommer naht und Apron muss nicht nur den Tod ihrer Mutter verarbeiten, sondern sich auch mit ihrer neuen Familiensituation arrangieren. Die neue Freundin ihres Vaters, die Apron nur M nennt, ist schwanger und ins Haus eingezogen. Apron versucht ihrem Vater klar zu machen, dass M sie nicht leiden kann, stößt dabei aber auf taube Ohren und ihre beste Freundin will auch nichts mehr von ihr wissen. Glücklicherweise lernt Apron Mike und Chad kennen, die einen Blumenladen betreiben und die Hilfe des Mädchens gut gebrauchen können, den Chad ist todkrank und hat nicht mehr lange zu leben.

Das war gut

Was aus dem Klappentext nicht hervorgeht: die Geschichte spielt 1985! Ich dachte erst, dass es sich um eine Handlung in der Gegenwart handelt, aber so bekam die Freundschaft zwischen Apron, Mike und Chad nochmal einen ganz anderen Stellenwert, das fand ich sehr interessant. Insgesamt passt das Buch für mich auch super in dieses Jahr, da es Aids in den 80ern nach den Filmen Dallas Buyers Club und The Normal Heart nochmal aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachtet, wenn auch nur als Nebenhandlung und aus den Augen einer 13-jährigen.

Mike und Chad sind keine wandelnden Klischees. Sie wohnen zusammen und sie lieben sich, aber das bekommt man nicht ständig durch irgendwelche Schwulen-Klischees verbraten, sondern sie werden als ganz normale und sehr sympathische Menschen dargestellt. Leider auch heute immer noch nicht selbstverständlich.

Das hat mir nicht gefallen

Ich fand es schade, dass Aprons Familiensituation so klischeehaft dargestellt wird. Die böse Stiefmutter, der desinteressierte Vater, der seiner Tochter kein Wort glaubt…das hat man alles schon viele Male so gelesen. Besonders M scheint keine anderen Eigenschaften als die der besagten bösen Stiefmutter zu besitzen. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht.

Es wird eine Affäre von Aprons verstorbener Mutter angedeutet, die dann aber weder Einfluss auf den Rest der Geschichte hat noch näher thematisiert wird. Dann hätte man das auch gleich weglassen können.

Und daraus folgt

Es geht um Sommer, den Tod, Aids, verlorene und gewonnene Freundschaften, neue Familienverhältnisse, Blumen und das Erwachsenwerden. Klingt nach einer hoffnungslos überfrachteten Geschichte, ist aber genau die richtige Mischung. Am Ende habe ich ein, zwei Tränchen verdrückt und Apron alles Gute gewünscht. Es sei ihr gegönnt.


Niedlich, Sebastian: Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 372
Preis: 4,99 €, E-Book
ISBN: 9783955204501
Erscheinungsdatum: 01.03.2014

Die Handlung

Als seine Oma im Krankenhaus stirbt, lernt Martin im zarten Alter von sieben Jahren nicht nur, was sterben ist, sondern gleich den Tod persönlich kennen. Dieser ist begeistert davon, dass ihn endlich jemand sehen kann, denn er wandelt schon viel zu lange einsam auf Erden. Dies könnte der Beginn einer wundervollen Freundschaft sein…wenn der Tod Martin nicht zu einem Sonderling machen würde. Schließlich wirkt es auf andere reichlich seltsam, wenn ein Kind und später Erwachsener mit sich selbst redet und sogar Schach spielt!

Das war gut

dotbooks hat es geschafft, ein perfektes Cover für das Buch zu entwerfen. Vielen Dank dafür, das ist so selten geworden! Der Tod mit seinem Kescher, die Schmetterlinge, die Bowlingkugel als Ö – herrlich!

Mir gefällt es sehr, wie hier mit dem „Tabuthema“ Tod umgegangen wird – nämlich locker, lustig und unverkrampft. Der Tod ist eigentlich ein echt netter Kerl, der einen unbeliebten Job erledigen muss. Dass er dabei nur das ausführende Organ ist und keinerlei Einfluss darauf hat, welche Seelen er holen muss, bringt einen dazu, fast schon Mitleid mit ihm zu haben. Nur dass er des öfteren Martins Leben sabotiert, um ihn zu „schützen“ (wie er selbst behauptet), kostet ihn wieder einige Sympathiepunkte.

Die Seelen sind Schmetterlinge, die vom Tod mit einem Kescher eingefangen werden. Was für eine nette Idee! Und so ein einfaches Sinnbild dafür, dass unsere Seelen schön sind, egal wie der Mensch außenrum aussehen oder sich verhalten mag.

Das hat mir nicht gefallen

Die Figuren rund um Martin und den Tod bleiben allesamt recht blass. Obwohl Martin z. B. viele Jahre seines Lebens mit Anja teilt, habe ich keinen Zugang zu diesem Charakter gefunden. Sie ist da, sie liebt Martin und sie lebt mit ihm zusammen. Das wars dann auch. Warum genau Martin sich so unsterblich in sie verliebt hat, wird leider nie ganz klar. „Er liebt sie schon seit der Schulzeit“ ist für mich kein Argument.

Und daraus folgt

Martin führt als Ich-Erzähler durch seine eigene Lebensgeschichte, die er dem Leser rückblickend berichtet. Dadurch bekommt man natürlich nur einen sehr subjektiven Blick auf die Geschehnisse, was aber für das Buch sehr gut passt. Ich hätte mir manchmal aber auch gerne ein Kapitel aus der Sicht des Todes gewünscht. Wäre bestimmt interessant und auch sehr lustig geworden, in seine Gedanken einzutauchen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Sebastian Niedlich hier ein guter erster Roman mit einem humorvollen Blick auf den Tod gelungen ist. Gerne mehr davon!


Warman, Jessica: Manche Mädchen müssen sterben

Originaltitel:
Between
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 416
Preis: 14,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783764530693
Erscheinungsdatum: 09.01.2012

Nach einer feucht-fröhlichen Geburtstagsparty auf der familieneigenen Jacht wird die frischgebackene 18-jährige Liz von einem merkwürdigen Geräusch geweckt. Irgendetwas schlägt von außen gegen das Boot. Als Liz sich über die Reling beugt, erblickt sie voller Entsetzen ihre eigene Leiche im Wasser. Liz ist als Geist aufgewacht und kann sich kaum noch an ihr Leben, geschweige denn an ihr Ableben, erinnern. Während sie noch versucht sich von dem ersten Schock zu erholen, trifft sie auf Alex, einen ehemaligen Mitschüler, der bereits ein Jahr zuvor bei einem Unfall ums Leben kam. Er kann Liz nicht leiden, hilft ihr aber trotzdem dabei, die Situation zu verarbeiten. Alex glaubt, dass es einen bestimmten Grund dafür gibt, dass sie beide zusammengefunden haben und als Geister festsitzen. Zusammen beobachten sie über Wochen und Monate hinweg Liz‘ Familie und Freunde und entdecken dabei, dass sie alle dunkle Geheimnisse verbergen. Und Liz selbst ist auch nicht das unkomplizierte nette Mädchen, für das sie sich selbst hält.

Was für eine tolle Ausgangssituation für ein Buch! Liz‘ neues Leben als Geist ermöglicht eine sehr interessante Perspektive auf ihr Leben und ihre Umgebung, denn sie kann nicht nur alles beobachten, ohne selbst gesehen zu werden, sondern auch ihre Erinnerungen aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten. Leider krankt die Geschichte an einem großen Manko: Klischees, wohin das Auge reicht! In Amerika scheint es nur zwei Kategorien an High School Schülern zu geben: die Außenseiter und Loser, zu denen Alex zählt, und die beliebten und angesehenen Schüler, die sich einen großen Spaß daraus machen, erstere Kategorie zu mobben, glauben, sich alles erlauben zu können und in Wahrheit viel verkorkster sind als die „Loser“. Liz gehört natürlich zu den beliebten Schülern. Ihre Familie ist reich und ihr Freund der beliebteste Junge der Schule. Doch auf den zweiten Blick gibt es einige Risse in der heilen Welt. Ihr Freund hat eine Andere, sie selbst besteht nur noch aus Haut und Knochen und über ihren Vater und dessen zweite Frau wird in der ganzen Stadt getratscht.

Aufgrund von Liz‘ Verhalten bleibt ihr Charakter fast das gesamte Buch über unsympathisch, auch ihre Freunde tragen nicht gerade dazu bei, dass man die Clique mag. Alex ist natürlich das komplette Gegenteil von Liz. Der nette, unverstandene Junge von nebenan, der nicht so viel Geld hat wie die anderen und deshalb ausgegrenzt wurde. Netter ja, aber leider genauso stereotyp.
Auf jeden Fall lässt sich das Buch sehr zügig lesen, auch nachdem man recht schnell selbst auf die große Enthüllung kommt, die am Ende für den großen Schock sorgen soll. Wer also mit klischeebehafteten Charakteren leben kann, bekommt hier recht spannende Mysterykost geliefert.


Patrick, Cat: Die fünf Leben der Daisy West

Originaltitel:
Revived
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, , ,
Reihe:
-
Seiten: 304
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783414820617
Erscheinungsdatum: 20.07.2012

Im Sportunterricht wird ein Mädchen von einer Biene gestochen. Sie reagiert hochallergisch, bricht zusammen und kann nicht mehr rechtzeitig von den herbeieilenden Rettungshelfern versorgt werden. Sie stirbt. Ende der Geschichte…
…es sei denn, man heißt Daisy West. Denn Daisy ist Teil eines strenggeheimen Forschungsprogramms, in dem seit 11 Jahren ein neues Wundermittel getestet wird. Dieses nennt sich „Revive“ und kann tote Menschen zum Leben erwecken.

Der Bienenstich ist das Ende von Daisys viertem Leben. Um das Programm geheim zu halten, müssen sie und ihre „Eltern“ ihren Nachnamen wechseln und einmal quer durch die USA in ihre neue Heimatstadt reisen. An ihrer neuen Schule freundet sich Daisy zum ersten Mal mit einem Mädchen an. Audrey wird ihre beste Freundin und die beiden werden unzertrennlich. Als sich Daisy auch noch in Audreys Bruder Matt verliebt, scheint die schönste Zeit ihres Lebens anzubrechen. Aber schon bald zeigt sich, dass nicht alles so perfekt ist, wie es auf den ersten Blick aussieht und Daisy muss sich plötzlich intensiver und kritischer mit dem Revive-Programm auseinandersetzen, als ihr lieb ist.

Endlich mal wieder ein Buch, bei dem ich guten Gewissens sagen kann: wow! Die 304 Seiten flogen nur so an mir vorbei. Im Grunde genommen hätte das Buch auch ohne das Wundermittel funktionieren können, da sich die Handlung hauptsächlich um Daisy und die Beziehung zu ihren neugewonnenen Freunden geht, aber das Revive ist eine wunderbare Ergänzung der Geschichte, die im späteren Verlauf für einige Konflikte sorgt. Und davon abgesehen finde ich die Idee eines Auferstehungsmedikaments sehr faszinierend. Passenderweise wird der Leiter des Projekts von seinen Mitarbeitern „Gott“ genannt.

Daisy, Audrey und Matt sind mir schnell ans Herz gewachsen. Besonders Daisy, aus deren Perspektive das Buch geschildert ist, war mir sehr sympathisch. Ich konnte mich zu jeder Zeit in sie hineinversetzen, ihre Gefühle nachvollziehen und sie dabei beobachten, wie sie durch ihre ersten richtigen Freundschaften an Persönlichkeit gewinnt. Daisy ist eine Waise und lebt deshalb mit zwei Agenten des Programms zusammen, die sozusagen ihre Ersatzeltern spielen. Durch die Nähe zum Projekt war Daisy immer mehr in die Aktivitäten involviert als die anderen 20 Revive-Kinder, sodass sie erst, nachdem sie Matt einweiht, ihr Schicksal infrage zu stellen beginnt und dabei ein Geheimnis aufdeckt.

Die fünf Leben der Daisy West ist einfach ein rundum gelungenes Buch, das ich nur jedem ans Herz legen kann, der eine fesselnde, traurige, schöne Geschichte sucht und dabei auch einem leichten SciFi-Einschlag in Form eines wiederbelebenden Medikaments nicht abgeneigt ist.

Die erste Auflage des Buches hat übrigens ein todschickes Abreißcover, das alle fünf Leben von Daisy hintereinander abbildet. Eine tolle Idee!