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Milne K. A.: Glückstreffer

Originaltitel:
Sweet Misfortune
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 352
Preis: 8,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783442377060
Erscheinungsdatum: März 2011
Bewertung:

Sophie geht als unverbesserliche Pessimistin durchs Leben. In ihrer Chocolaterie verkauft sie selbstgemachte Unglückskekse, die nicht nur ungenießbar bitter schmecken, sondern ebenso bittere Nachrichten enthalten. Ihre Einstellung lässt sich leicht erklären: an ihrem neunten Geburtstag starb ihre gesamte Verwandtschaft und nur sie überlebte. Zudem gibt sich Sophie die Schuld am tödlichen Autounfall, der einen weiteren Mann das Leben und einen anderen vier Finger kostete. Seither hat sie große Probleme damit an Glück zu glauben. Trotzdem schafft es der gutaussehende Garrett, ihr Herz zu erobern. Er verspricht ihr, sie nie zu verletzen – um sie dann eine Woche vor der Hochzeit ohne Erklärungen zu verlassen und aus ihrem Leben zu verschwinden. Auch nach einem Jahr hat Sophie dies immer noch nicht verkraftet, da taucht Garrett plötzlich wieder auf und verlangt ein klärendes Gespräch. Sophie ist nicht bereit ihm diese Chance zu geben und stellt Garrett vor die schier unmögliche Aufgabe, per Zeitungsannonce 100 gute Gründe für das Glück zu finden. Erst dann will sie ihn anhören.

K. A. Milne hat anscheinend ein Händchen für Tragödien. Nicht eine tragende Person dieses Romans wird davon verschont. Da ist Sophie, die ihre Eltern und Großmutter in dem Unfall verlor. Ihre Pflegeschwester Evalynn, deren Mutter Drogen konsumierte, deshalb ihre Tochter verlor und Evalynn damit das Gefühl gab, nicht geliebt zu werden. Ellen, die Pflegemutter der beiden, deren Ehemann kaltblütig ermordet wurde. Und natürlich Garrett, der sein ganz eigenes Päckchen zu tragen hat, dies aber erst zum Ende des Romans hin enthüllt. Und bis auf Ellen scheinen sich auch alle selbst zu bemitleiden oder sich die Schuld für irgendetwas zuzuweisen. Das Gejammer von Sophie und die ewige Vertrauensfrage an Garrett hätten auch mich vor dieser Frau flüchten lassen, auch wenn dies im Buch (leider) nicht der Grund für Garretts Handlungen ist. Nein, der ist natürlich viel tragischer.

Die Grundidee des Buches gefällt mir eigentlich sehr gut, nämlich die Suche nach Glück. Leider spielen die zahlreichen Zusendungen zu diesem Thema eine Nebenrolle und nur vereinzelt erfährt man etwas genaueres zum Inhalt der Briefe. Meistens werden sie einfach nur in Stapel sortiert und das war es dann. Dafür gibt es zum Anfang jedes Kapitels einen Unglückskeksspruch als Einleitung. Überhaupt sind die Unglückskekse das Beste an dem ganzen Buch, so einen möchte ich auch mal essen!

Ich kann nicht sagen, dass ich mich durch die 352 Seiten quälen musste. Das Buch lässt sich leicht lesen und ist auch sprachlich nicht sonderlich anspruchsvoll. Spaß gemacht hat mir die Lektüre aber nicht besonders. Schon nach ca. der Hälfte des Buches ahnte ich, worauf die Geschichte hinausläuft und wartete von dort an nur noch darauf, dass Sophie sich endlich einen Ruck gibt und mit Garrett redet. Ich verstehe sowieso nicht, wieso sie sich nicht einfach Garretts Erkärung angehört hat, so hätte sie sich viel Quälerei erspart. Aber halt, sie musste ja einen Grund haben, sich in Selbstmitleid zu suhlen…
Außerdem: für jemanden, der sich zwanzig Jahre lang täglich als Mantra vorbetet, Schuld am Unfall der Eltern zu sein, ist Sophies Wandlung zum Ende des Buches hin meiner Meinung nach absolut unglaubwürdig und viel zu abrupt.

Fazit: Obwohl ich tragische Geschichten eigentlich sehr mag, ging mir die Tragik in Glückstreffer im wahrsten Sinne des Wortes nur auf den (Unglücks)Keks. Ich hätte vielleicht auf den Hinweis „Für alle Leserinnen von Nicholas Sparks und Cecelia Ahern“ achten sollen. Für Leserinnen von Nicholas Sparks, weil K. A. Milne ebenfalls ein männlicher Schmonzettenautor ist…für Leserinnen von Cecelia Ahern, weil ständig von Vorsehung und Schicksal gefaselt wird und alle Ereignisse auf wundersame Weise miteinander verknüpft sind. Na dann. Viel Spaß an die Leserinnen dieser beiden Autoren. Nichts für mich.