Archive

[Rezension] Der erste letzte Kuss

Originaltitel:
The First Last Kiss
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 576
Preis: 11,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783955691455
Erscheinungsdatum: 01.10.2014
Bewertung:

Die Handlung

Der erste letzte Kuss erzählt die Liebesgeschichte von Molly und Ryan von ihrem ersten bis zum letzten Kuss über alle Höhen und Tiefen, Trennungen und Hochzeiten hinweg aus der Sicht von Molly.

Das war gut

Den zweiten Stern gibt es für die Seiten 432 – 576, die immerhin noch interessanter waren, als alle vorherigen Seiten zusammen. Auch das positive Ende stimmt mich ein wenig milder, was die Bewertung angeht.

Das hat mir nicht gefallen

Das Cover und die Inhaltsangabe suggerieren dem Leser eigentlich sofort, dass es sich hier um eine traurige Liebesgeschichte handeln soll. Da ist es leider sehr unverständlich, warum die Autorin einen über 432 Seiten hinhält, bis sie mal mit dem Grund für diese Tragik herausrückt. Der Spannungsaufbau funktioniert einfach nicht. Das ist ungefähr so, als hätte man in den ersten drei Star Wars Filmen verheimlichen wollen, dass Anakin später mal Darth Vader wird…

Der Kern der Geschichte ist, dass Molly ihr Haus ausräumt, dabei Gegenstände in die Hand nimmt, die sie an die Vergangenheit erinnern und dann dieser Ausschnitt in Rückblenden erzählt wird. Dies geht aber so verwirrend vonstatten, dass ich überhaupt nicht mehr damit hinterherkam, die Informationen irgendwie einzuordnen. Die Gegenwart ist 2012, von dort aus geht es kapitelweise so weiter: 2005, 2007, 2004, 1994, 2005, 2001 usw. Wer da beim Lesen noch den Überblick behält, was in welcher Reihenfolge passiert ist: Respekt!

Und daraus folgt

Bei weltbild. de hat das Buch fast nur positive Bewertungen. Auch bei Goodreads muss man lange suchen, um eine negative Stimme zu finden. Schade, dass ich mich nicht in diese Begeisterung einreihen kann. Das Buch wirkt für mich leider unüberlegt und viel zu vollgestopft mit unwichtigen Episoden, die man großzügig hätte kürzen können. Wenn dies der zweite Roman der Autorin ist, will ich gar nicht wissen, wie der erste aussieht.

Natürlich gehören bei einer Liebesgeschichte über so einen langen Zeitraum sowohl Höhen als auch Tiefen dazu, aber über weite Strecken stimmte für mich die Chemie zwischen den zwei Figuren nicht. Genau wie in Zwei Worte vor und eins zurück (Rezension folgt) prallen hier zwei völlig verschiedene Lebensstile aufeinander und der Konflikt wird für mich nicht zufriedenstellend gelöst, sondern der Kompromiss besteht darin, dass eine der beiden Figuren ihre Wünsche für die andere opfert. Und dann ist das halt so. Schluss, aus.

Beim Tippen der Rezension habe ich mir außerdem nochmal das erste Kapitel durchgelesen und musste feststellen, dass dieses überhaupt keinen Sinn mehr ergibt, wenn man das letzte Kapitel kennt. Molly wiederspricht sich hier eindeutig. Was war denn DA los??

Wer sich auf meine Meinung zum Buch verlassen möchte: Finger weg! Wer die über 300 positiven Stimmen verständlicherweise mehr gewichten möchte: ab zu Weltbild und kaufen.


[Rezension] Ich und Earl und das sterbende Mädchen

Originaltitel:
Me & Earl & the Dying Girl
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 304
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783453267848
Erscheinungsdatum: 30.09.2013
Bewertung:

Die Handlung

Greg hat ein einfaches Prinzip: freunde dich mit niemandem an der High School an, dann bleibst du unauffällig und bekommst keine Probleme. Blöderweise erzählt seine Mutter ihm dann, dass seine Mitschülerin Rachel Leukämie hat und er sie doch mal besuchen solle, da sie früher mal irgendwie sowas wie befreundet waren. Rachel wiederum kann auf Gregs Mitleid gut verzichten. Und dann ist da noch Earl, der irgendwie geistesgestört ist und mit Greg zusammen bescheuerte Filme dreht.

Das war gut

Das Buch ist verdammt realitätsnah. Es beschönigt nichts. Da Greg das Buch selbst schreibt, streut er immer wieder Kommentare in die Richtung „Wenn das hier ein Roman wäre, dann…ist es aber nicht“ und dann passiert das genaue Gegenteil :D So ist es halt im richtigen Leben. Da gibt es nicht immer die perfekte Liebe, die perfekten Antworten, die perfekten Enden.

Leider bekommt er in diesem Buch nicht viel Raum, aber Gregs Lehrer Mr. McCarthy war auch toll. Wir brauchen mehr von diesen Lehrern, die sich um ihre Schüler bemühen, an ihren Problemen interessiert sind und lehren wollen statt von denen, die keinen Bock auf ihren Job und ihre Schüler haben.

Das hat mir nicht gefallen

Gregs Erzählweise ist sehr anstrengend. Wie gesagt verfasst er das Buch selbst, liefert dabei aber keine fertige Geschichte ab, sondern schreibt seine Gedanken ungefiltert auf, was dazu führt, dass er zwischendurch den Faden verliert und sich für den Quatsch, den er schreibt, entschuldigt. Da er außerdem Filmemacher ist, schiebt er öfters Gespräche im Drehbuchstil ein.

Greg ist teilweise unerträglich peinlich. Ja, das trägt zum positiven Aspekt Realitätsnähe bei, aber manchmal war es einfach nur noch eklig, Stichwort Alien-Kotze. Hier war der Fremdschämfaktor sehr hoch.

Und daraus folgt

Jesse Andrews liefert mit seinem Debütroman ein interessantes Buch ab, das so ganz anders ist, als andere Titel seines Genres. Das muss man mögen und man muss sich darauf einlassen. Wer sich für die Thematik interessiert, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ aber zu pathetisch fand, ist bei Greg und Earl und seinem sterbenden Mädchen vielleicht besser aufgehoben.


[Rezension] Weiß wie Milch, rot wie Blut

Originaltitel:
Bianca come il latte, rossa come il sangue
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 288
Preis: 8,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783442744831
Erscheinungsdatum: 14.01.2013
Bewertung:

Die Handlung

Leo ist ein ganz normaler 16-Jähriger, der in perfekter Symbiose mit seinem iPod lebt, Fußball spielt und am liebsten auf seinem Moped durch Rom brettert. Leo ist fest davon überzeugt, Löwenkräfte zu besitzen, aber er hat einen Feind, der ihm zusetzt: die Farbe Weiß. Weiß ist die Stille, die Sehnsucht und die Einsamkeit. Rot dagegen ist die Farbe der Liebe, der Leidenschaft, des Blutes. Rot sind auch die Haare von Beatrice, die er anbetet, doch sie erkrankt an Leukämie…

Quelle: btb

Das war gut

Ich mochte den „Träumer“, Leos Vertretungslehrer, der ihm ein paar wichtige Lehrstunden zum Leben gibt. Leider kommt er viel zu kurz, wahrscheinlich ist er deshalb auch aus dem Klappentext zur Taschenbuchveröffentlichung gestrichen worden(?).

Das hat mir nicht gefallen

Im Grunde kamen alle eingeführten Charaktere außer Leo zu kurz. Da sind seine Eltern, der Träumer, Silvia, Beatrice, Nico… und alle davon bleiben relativ flüchtig. Silvia und Beatrice haben aus der Liste zwar die größeren Auftritte, waren für mich aber trotzdem nicht ganz greifbar. Gerade bei Beatrice bleibt dieser schale Beigeschmack, dass Leo sie doch eigentlich nur wegen ihrer roten Haare und grünen Auge mochte.

Silvia ist Leo eine gute Freundin, aber außer dass sie auf Abruf ständig für Leo da ist und ihn ganz offensichtlich heimlich liebt, erfährt man nicht viel über sie. Man möge ich korrigieren, wenn ich damit absolut falsch liege, siehe unten.

Und daraus folgt

Eigentlich ist Weiß wie Milch, rot wie Blut genau mein Beuteschema. Teenager, eine Krebserkrankung, viel Drama. Aber wenn ich Bücher wie dieses lese, komme ich mir immer wie ein Kulturbanause vor. Sicherlich ist es unglaublich schön geschrieben und poetisch und wertvoll, aber das kommt bei mir einfach nicht an. Ich habe bei dieser Art von Sprache leider nur das Gefühl, nicht vorwärts zu kommen und die Sätze verwehen meist so schnell wieder, dass ich schon nach ein paar Seiten nicht mehr weiß, was da eigentlich vorhin passiert ist. Und so bleibt am Ende nur ein großes frustriertes „Hmm“, weil ich das Gefühl habe, das Buch nicht angemessen würdigen zu können.

Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht die Zielgruppe. Ich bevorzuge wie bei Kinofilmen meist die leicht erzählte, popcorntaugliche Unterhaltung statt Arthouse.


Patrick, Cat: Die fünf Leben der Daisy West

Originaltitel:
Revived
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, , ,
Reihe:
-
Seiten: 304
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783414820617
Erscheinungsdatum: 20.07.2012
Bewertung:

Im Sportunterricht wird ein Mädchen von einer Biene gestochen. Sie reagiert hochallergisch, bricht zusammen und kann nicht mehr rechtzeitig von den herbeieilenden Rettungshelfern versorgt werden. Sie stirbt. Ende der Geschichte…
…es sei denn, man heißt Daisy West. Denn Daisy ist Teil eines strenggeheimen Forschungsprogramms, in dem seit 11 Jahren ein neues Wundermittel getestet wird. Dieses nennt sich „Revive“ und kann tote Menschen zum Leben erwecken.

Der Bienenstich ist das Ende von Daisys viertem Leben. Um das Programm geheim zu halten, müssen sie und ihre „Eltern“ ihren Nachnamen wechseln und einmal quer durch die USA in ihre neue Heimatstadt reisen. An ihrer neuen Schule freundet sich Daisy zum ersten Mal mit einem Mädchen an. Audrey wird ihre beste Freundin und die beiden werden unzertrennlich. Als sich Daisy auch noch in Audreys Bruder Matt verliebt, scheint die schönste Zeit ihres Lebens anzubrechen. Aber schon bald zeigt sich, dass nicht alles so perfekt ist, wie es auf den ersten Blick aussieht und Daisy muss sich plötzlich intensiver und kritischer mit dem Revive-Programm auseinandersetzen, als ihr lieb ist.

Endlich mal wieder ein Buch, bei dem ich guten Gewissens sagen kann: wow! Die 304 Seiten flogen nur so an mir vorbei. Im Grunde genommen hätte das Buch auch ohne das Wundermittel funktionieren können, da sich die Handlung hauptsächlich um Daisy und die Beziehung zu ihren neugewonnenen Freunden geht, aber das Revive ist eine wunderbare Ergänzung der Geschichte, die im späteren Verlauf für einige Konflikte sorgt. Und davon abgesehen finde ich die Idee eines Auferstehungsmedikaments sehr faszinierend. Passenderweise wird der Leiter des Projekts von seinen Mitarbeitern „Gott“ genannt.

Daisy, Audrey und Matt sind mir schnell ans Herz gewachsen. Besonders Daisy, aus deren Perspektive das Buch geschildert ist, war mir sehr sympathisch. Ich konnte mich zu jeder Zeit in sie hineinversetzen, ihre Gefühle nachvollziehen und sie dabei beobachten, wie sie durch ihre ersten richtigen Freundschaften an Persönlichkeit gewinnt. Daisy ist eine Waise und lebt deshalb mit zwei Agenten des Programms zusammen, die sozusagen ihre Ersatzeltern spielen. Durch die Nähe zum Projekt war Daisy immer mehr in die Aktivitäten involviert als die anderen 20 Revive-Kinder, sodass sie erst, nachdem sie Matt einweiht, ihr Schicksal infrage zu stellen beginnt und dabei ein Geheimnis aufdeckt.

Die fünf Leben der Daisy West ist einfach ein rundum gelungenes Buch, das ich nur jedem ans Herz legen kann, der eine fesselnde, traurige, schöne Geschichte sucht und dabei auch einem leichten SciFi-Einschlag in Form eines wiederbelebenden Medikaments nicht abgeneigt ist.

Die erste Auflage des Buches hat übrigens ein todschickes Abreißcover, das alle fünf Leben von Daisy hintereinander abbildet. Eine tolle Idee!