Archive

Rush, Jennifer: Escape

Originaltitel:
Altered
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, , ,
Reihe:
Altered 1 von 3(?)
Seiten: 320
Preis: 12,95 €, Trade Paperback
ISBN: 9783785575161
Erscheinungsdatum: 16.01.2013
Bewertung:

Die Handlung

Ich empfehle euch, sofern noch nicht geschehen, den deutschen Klappentext nicht zu lesen, da er zuviel von der Handlung verrät. Deshalb an dieser Stelle nur so viel: es geht um die Jugendliche Anna, die zusammen mit ihrem Vater ein genetisches Projekt betreut, das aus den vier jungen Männern Sam, Trev, Cas und Nick besteht, die in einem Labor in Annas Keller leben. Als die Jungs von der „Sektion“ abgeholt werden sollen, fliehen sie zusammen mit Anna und machen sich auf die Suche nach Sams Vergangenheit.

Das war gut

Ich habe das Buch im Rahmen einer Notizbuchrunde gelesen und hatte sehr viel Spaß daran, das Buch mit meinen Gedanken vollzukritzeln. Vielleicht war es deshalb auch ganz gut, dass es mir nicht so gut gefallen hat, sonst hätte ich vielleicht nicht so viel zu sagen gehabt ;)

Mir gefällt die Grundidee sehr gut, eine Art Bourne Identität für Jugendliche zu schaffen. Ich hätte mir aber mehr Erklärungen gewünscht. Zu welcher Zeit spielt z. B. die Handlung? Es wirkt nicht wie eine zukünftige Gesellschaft und ich möchte mir einfach nicht vorstellen, dass in den heutigen USA Menschenversuche von der Regierung abgesegnet werden.

Die fünf Hauptcharaktere waren für mich gut unterscheidbar, alle hatten ihren eigenen Kopf und wirkten nicht wie der Klon des jeweils anderen. Besonders gefallen haben mir Trev, Annas bester Freund (soweit das unter den Umständen möglich ist…), und Nick, der zwar ständig miese Laune hat, dafür aber als einziger die bittere Wahrheit ausspricht.

Das hat mir nicht gefallen

Leider verrät der deutsche Klappentext bereits im Vorfeld das wohl größte Geheimnis des Buches, was der Geschichte einen Großteil der Spannung nimmt. Für mich waren die daraufhin folgenden Wendungen nicht wirklich überraschend, da ich mir diese ja schon aus der vorweggenommenen Enthüllung denken konnte. Lieber Verlag, wieso macht ihr mir als Leser das Buch so kaputt?

Schon auf Seite 3(!) bekommt man Edward Nr. 3543680423466 der Literatur präsentiert. „Selbst seine Narben waren perfekt.“ KOTZ! Ich habe sowas von keine Lust mehr auf diese geheimnisumwitterten, perfekten fanserviceorientierten Männer, die sich bereitwillig die Klamotten vom Leibe reißen und an denen einfach alles unglaublich ist, nur damit die geneigte Leserin die Seiten vollsabbern kann. Es reicht!

Anna hat ein total gestörtes Verhältnis zu Sam. Wie kann man jemanden fünf Jahre lang in seinem Gefängnis besuchen und glauben, derjenige ist ein Freund, obwohl er doch ein Gefangener ist? Stockholm-Syndrom mal andersrum, oder wie?

Die Autorin dreht und wendet die Geschichte so, wie es ihr gerade passt: um die Spannung zu erhöhen, verwendet Anna im Labor ein Betäubungsmittel, das nur wenige Minuten wirkt, obwohl es doch auch Mittel gibt, die ihre Arbeit sehr viel sicherer machen würden. Auf der einen Seite wissen die Figuren unglaublich wenig, auf der anderen Seite sind sie in manchen Dingen plötzlich allwissend, wenn es in die Handlung passt. Das führt dann z. B. zum Tod von acht Agenten, ohne dass man weiß, ob sie überhaupt was Böses wollten. Ihre Absichten konnten sie nämlich nicht mehr erklären, bevor sie ermordet wurden. An einer Stelle weiß Anna dann anscheinend ganz plötzlich, dass eine Person tot ist, ohne es wissen zu können. Ach, ich könnte ewig so weitermachen. Für den Fanservice sperren sich zwei Charaktere in einem Badezimmer ein, weil sie es dunkel brauchen. Dabei wird ein paar Sätze vorher gesagt, dass es auch im größeren Hotelzimmer fast stockduster ist…allgemein habe ich das Gefühl gehabt, dass die Autorin nicht wirklich darüber nachgedacht hat, was sie da tut, sondern solche Sachen eher nach dem Kriterium „Coolness“ mit reingenommen hat.

Und daraus folgt

Dieses Buch ist nichts für mich, obwohl die Grundzutaten in der richtigen Mischung zu einem meiner Lieblingsbücher hätten werden können. Spaß gemacht hat es trotzdem, denn normalerweise ärgere ich mich im Stillen über schlechte Bücher. Diesmal konnte ich meine Meinung ganz ungeniert direkt ins Buch schreiben, was ich normalerweise ja nie machen würde. Gerne mehr davon :D

Die Reihe

Forged (Altered, #0.5) Escape (Altered, #1) Betrayed (Altered, #1.5) Hide (Altered, #2) Reborn (Altered, #3) Played (Altered, #3.5)


Münk, Katharina: Die Eisläuferin

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 256
Preis: 14,90 €, Trade Paperback
ISBN: 9783423248815
Erscheinungsdatum: 01.11.2011
Bewertung:

Der Regierungschefin einer westlichen Nation fällt bei ihrem heimlichen Sommerurlaub mit der Transsibirischen Eisenbahn in Omsk ein Bahnhofsschild auf den Kopf, welches sie nicht nur die letzten 20 Jahre vergessen lässt, sondern auch dafür sorgt, dass sie keine neuen Erinnerungen mehr bilden kann. Fortan wacht sie jeden Morgen auf und glaubt sich in einer Phase „demokratischen Aufbruchs“ zu befinden, in der gerade die Mauer gefallen ist. Ihren engsten Mitarbeiterstab stellt dies vor eine schwierige Herausforderung. Es steht kein geeigneter Ersatzkandidat für die Regierungsposition zur Verfügung und so entscheidet man sich notgedrungen, die Chefin jeden Morgen zu briefen und weiterhin als Kanzlerin auftreten zu lassen. Leider haben sie nicht damit gerechnet, das die erinnerungslose Frau ihre ganz eigenen Vorstellungen von Regierungsarbeit hat.

Vielleicht merkt man es schon an meiner Zusammenfassung. Es handelt sich um die „Regierungschefin einer westlichen Nation“. Der Autorin gelingt es dabei hervorragend klarzumachen, dass sie natürlich Deutschland meint, die Handlung in weiten Teilen in Berlin spielt und die Bundeskanzlerin wohl Angela Merkel sein soll, auch wenn sich die Figur teilweise sehr vom öffentlichen realen Bild unterscheidet. Dies geschieht aber alles nur aufgrund von Andeutungen, alles wird umschrieben. Die Regierungschefin bleibt ebenso wie das Land und ihre zahlreichen Mitarbeiter und Mitpolitiker namenlos, einzige Ausnahmen stellen hierbei ihr Leibwächter Herr Bodega und ihr aus Russland eingeschiffter Therapeut Dimitrij dar. Dadurch entsteht leider eine große Distanz zu den Figuren und ihrer Geschichte, man fühlt sich als weit entfernter Beobachter statt mittendrin zu sein. Die Sprache tut ihr übriges dazu. Sie war mir zu sperrig und gewollt gehoben ausgedrückt, als das sie mich hätte mitreißen können.

Gelesen habe ich das Buch aufgrund des verheißungsvoll klingenden Klappentextes. Mit Gedächtnisverlusten kann man mich sowieso immer locken und dann auch noch bei einer Regierungschefin? Klingt lustig, war für mich im Endeffekt aber genauso interessant wie die Debatte um Wulffs diverse Affären. Nämlich gar nicht. Die Rettungsversuche des Beraterstabs sind unlustig und die Verkettung der Umstände, die zu den positiven Schlagzeilen führt, hat mir nur ein Augenrollen entlockt. Das Traurige an der Sache ist, dass ich es mir absolut vorstellen kann, dass die Regierungs“arbeit“ in Wirklichkeit genauso unkoordiniert abläuft, wie sie hier persifliert wird.


Watson, S.J.: Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Originaltitel:
Before I Go to Sleep
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 400
Preis: 14,95 €, Trade Paperback
ISBN: 9783651000087
Erscheinungsdatum: 25.08.2011
Bewertung:

Christine wacht in einem fremden Schlafzimmer auf und ist verwirrt. Sie erinnert sich nicht, wie sie dorthin gekommen ist oder wer der Mann ist, der nackt neben ihr liegt. Als sie sich selbst im Spiegel sieht erkennt sie sich nicht wieder. Obwohl sie Anfang 20 sein müsste, blickt ihr von dort eine ältere Frau entgegen. Der fremde Mann erklärt ihr, dass sie 47 Jahre alt ist und vor Jahren ihr Gedächtnis verlor. Christine kann außerdem keine neuen Erinnerungen bilden. Jede Nacht, wenn sie schläft, wird ihr Gedächtnis gelöscht und sie erwacht am nächsten Morgen ohne Erinnerungen an den vorhergehenden Tag. Christine ist vollkommen abhängig von ihrem Ehemann Ben, der sich um sie kümmert und ihr jeden Tag erklärt, was passiert ist. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen? Als Ben zur Arbeit geht, erhält Christine einen Anruf von Dr. Nash, der ihr bei einem Treffen ein geheimes Tagebuch überreicht, in dem Christine die letzten zwei Wochen ihres Lebens festgehalten hat.

Als Thriller, wie der Titel vermarktet wird, empfinde ich das Buch nicht. Erst die Handlung gegen Ende des Buches macht es für mich verständlich, dass man Christines Geschichte überhaupt in diese Kategorie einteilen könnte.
Wer den Film 50 erste Dates mit Adam Sandler und Drew Barrymore gesehen hat, dem kommt diese Geschichte bekannt vor. Ich. Darf. Nicht. Schlafen mag zwar die gleiche Ausgangssituation haben, schlägt ansonsten aber einen ganz anderen Weg ein. Bei Christine ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen wenn sie morgens aufwacht. Sie verliebt sich nicht jeden Tag aufs Neue in Ben, nur weil er ihr erklärt, dass er ihr Ehemann ist. Stattdessen hat sie Zweifel an der Wahrheit, die ihr gereicht wird. Das Tagebuch, von dem Ben nichts weiß, lässt Christine Zusammenhänge erkennen, die in ihrer Situation normalerweise nicht möglich wären.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Es startet mit „Heute“, einem neuen Tag, an dem Christine aufwacht und sich orientieren muss. 2/3 der Seiten bestehen aus Christines Tagebuch, dass sie im „Heute“ liest und der Leser mit ihr. Im Anschluss daran geht es weiter mit dem „Heute“, mit einer durch das Lesen veränderten Frau, die mehr weiß als ihr Ehemann ahnen kann. Christine war mir sehr sympathisch. Trotz ihrer hoffnungslosen Situation gibt sie nicht auf, bleibt dabei aber sehr menschlich. Sie hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, misstraut sich selbst, muss sich jeden Tag aufs Neue davon überzeugen, dass sie das Tagebuch auch wirklich geschrieben hat, braucht Beweise für die ihr fremden Geschichte. Trotz der daraus resultierenden Wiederholungen und der doch teils recht eintönigen Tage, die Christine erlebt, langweilt man sich keine Sekunde. Die winzigen Brotkrumen, die Christine jeden Tag hingeworfen bekommt, pickt man als Leser begierig auf, um endlich das Gesamtbild erkennen zu können. Was stimmt nicht mit Ben? Wem kann Christine wirklich trauen? Und was ist die einzig richtige Wahrheit?

Alle Figuren außer Christine bleiben dabei undurchsichtig, was sicherlich auch so gewollt ist. Ben ist kaum zuhause – und wenn, dann tischt er Christine Halbwahrheiten auf. Dr. Nash erklärt immer wieder aufs Neue, dass er nur helfen will, aber Christine und auch ich stellten seine Motive öfters infrage.

Ich hätte dem Buch fünf Sterne gegeben, aber einen Punkt Abzug gibt es für…

Achtung, hier wird das Ende verraten!
…die Auflösung der Geschichte. Ich finde es nicht nachvollziehbar, dass weder Christine noch Dr. Nash bemerken, dass aus dem Tagebuch ein Stapel Seiten herausgeschnitten wurde. Sowas merkt man doch. Außerdem wäre ich auch stutzig geworden, dass nirgendwo im Tagebuch vermerkt ist wann Christine „Vertraue Ben nicht“ auf die erste Seite geschrieben hat.
Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass das Waring House seine geistig verwirrten Patienten einfach so in die Obhut einer Person übergibt, ohne diese gründlich zu prüfen. Wo kämen wir denn da hin?

Insgesamt aber trotzdem ein sehr lesenswerter Debütroman. Für Thrillerfans wahrscheinlich zu langweilig, für mich aber genau richtig. Eine Hollywoodverfilmung ist laut Klappentext übrigens schon geplant. Definitiv ein Film, den ich mir ansehen werde.


Kinsella, Sophie: Kennen wir uns nicht?

Originaltitel:
Remember Me
Autor/in:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 416
Preis: 8,95 €, Taschenbuch
ISBN: 9783442466559
Erscheinungsdatum: 08.09.2008
Bewertung:

Lexi Smart ist eine lebenslustige junge Frau mit den drei besten Freundinnen, die man sich nur vorstellen kann, einem schlecht bezahlten Job, einer winzigen Wohnung und einem unzuverlässigen Freund, der sie eines Abends wieder mal versetzt. Auf der Suche nach einem Taxi rutscht Lexi auf einer regennassen Treppe aus…
und erwacht kurz darauf mit Gedächtnisverlust im Krankenhaus. Drei Jahre sind aus ihrem Gedächtnis verschwunden, als hätten sie nie existiert. Blöd nur, dass in diesen drei Jahren verdammt viel passiert ist: Lexi ist zur Abteilungsleiterin in ihrer Firma aufgestiegen, hat einen erfolgreichen, liebevoll wirkenden und verdammt gut aussehenden Architekten geheiratet und sich aus irgendeinem Grund mit ihren Freundinnen zerstritten.

Lexi kann nicht glauben, was ihre Familie ihr erzählt. Sie scheint das perfekte Leben zu führen. Doch dann taucht ein Kollege ihres Ehemanns auf und erzählt ihr, dass sie zwar in einem riesengroßen und durchgestylten Loft lebt und viel Geld hat, aber alles andere als glücklich mit ihrem Leben sei. Wie kann das möglich sein? Stück für Stück versucht Lexi, sich in ihrem scheinbar wahrgewordenen Traum zurechtzufinden und die letzten drei Jahre zu ergründen. Und es sollte ihr schnellstens gelingen, denn zu allem Überfluss versucht ein Arbeitskollege, aus ihrem Unfall Kapital zu schlagen und ihr ihren Job wegzuschnappen…

„Kennen wir uns nicht?“ beleuchtet die allseits beliebte „Hauptfigur verliert Gedächtnis“ Geschichte, die auch gerne für Krimis genutzt wird, von ihrer lustigen Seite. Lexi ist eine sympathische Hauptfigur und viele Dinge, die ihr passieren, sind so herrlich überzogen dargestellt, dass man gar nicht anders kann, als zu lachen. So verfasst Lexis Ehemann Eric als Hilfestellung für seine Frau ein „Ehehandbuch“, in dem er alphabetisch und akribisch genau alle Punkte auflistet, die seiner Meinung nach in ihrer Ehe wichtig sind, inklusive der Beschreibung des üblichen Vorspiels und der Tatsache, dass er jeden Morgen seine Hoden nach Knötchen abtastet. Überhaupt scheint Eric ein ziemlich merkwürdiger Typ zu sein, auch wenn er auf den ersten Blick wie der perfekte Mann erscheint.

Genauso fremd wie Eric ist Lexi aber sich selbst. Drei Jahre zuvor war sie noch eine graue Maus ohne besondere Karriereambitionen und jetzt ist sie plötzlich hübsch und, wie sie von den Beschreibungen anderer hört, absolut karrieregeil. Was kann bloß zu einer solch drastischen Veränderung geführt haben, für die sie sogar ihre besten Freundinnen aufgegeben hat? Und will Lexi wirklich wieder zu dieser Person werden?

Das Buch ist der erste Titel von Sophie Kinsella, den ich gelesen habe. Weitere werden folgen, denn wie ich bereits erwartet hatte, hat mir der Roman sehr gut gefallen. Lockerleichte Lektüre für zwischendurch, die einen gut unterhält.