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[In wenigen Worten] Big Game – Die Jagd beginnt

Originaltitel:
Big Game
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 304
Preis: 15,99 €, Hardcover
ISBN: 9783551520739
Erscheinungsdatum: 24.04.2015
Bewertung:

Kurzes Fazit

Dan Smith legt mit Big Game die Adaption des gleichnamigen Filmdrehbuchs vor. Wie nah sich seine Version an den kommenden Film hält, kann ich natürlich nicht sagen, aber der Vergleich mit dem Trailer lässt den Schluss nahe, dass beide Werke eng beieinander bleiben.

Oskaris Abenteuer in der Wildnis ist spannend inszeniert und lässt wenig Raum für Pausen. Ständig passiert irgendetwas und die Terroristen, die den Präsidenten gefangen nehmen wollen, sind allgegenwärtig. So erinnerte mich das Buch ein wenig an den Film White House Down, den ich vor kurzem gesehen habe und in dem Channing Tatum ebenfalls allein den mächtigsten Mann der Welt beschützen muss.

Das Buch schäumt geradezu über vor Testosteron und ist wohl die perfekte Empfehlung für verzweifelte Eltern und andere Verwandte, die ein actionreiches Jugendbuch für den (männlichen) Nachwuchs suchen. Wer auf Diversität Wert legt, der hat allerdings verloren. Ohne Witz, es gibt nicht eine einzige Frau in diesem Buch!


Ani, Friedrich: Die unterirdische Sonne

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 336
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783570162613
Erscheinungsdatum: 24.02.2014
Bewertung:

Die Handlung

Eine Insel. Ein Haus. Ein Keller. Fünf Jugendliche, die mit Gewalt darin festgehalten werden. Kein Tageslicht. Und täglich wird einer von ihnen nach oben geholt. Doch niemand spricht über das, was dort geschieht. Denn wer spricht, stirbt, bekommen sie gesagt. Die Lage scheint aussichtlos, und Angst, Wut, Schmerz, Verzweiflung und Sehnsucht lassen die Jugendlichen beinahe verrückt werden. Doch nichts kann sie retten vor den schrecklichen Dingen, die geschehen. Bis ein neuer Junge zu ihnen gebracht wird, der nicht bereit ist, die Gewalt zu akzeptieren.
Quelle: cbt

Das war gut

Der Ansatz des Autors ist sehr interessant: statt sich auf die Entführungsgeschichte zu konzentrieren und die Handlung voranzutreiben, vielleicht Befreiungsszenarien zu entwerfen, legt Friedrich Ani besonderes Augenmerk auf die Charakterisierung der Figuren und analysiert, was die Entführung und das Leben im Keller über eine lange Zeit – bei einem der Kinder sogar über ein Jahr lang – für Folgen auf die Psyche hat.

Dadurch sind die Gefühle der Figuren jederzeit greifbar. Als Leser ist man mittendrin, sitzt mit den Jugendlichen im Keller und kann ihre Empfindungen jederzeit nachvollziehen. Ein großes Lob an den Autor, er versteht es, mit Worten umzugehen. Dadurch, dass wir die Entführer fast überhaupt nicht zu Gesicht bekommen, wird die Isolation der Kinder nur umso deutlicher und die Situation hoffnungsloser. Man fragt sich genau wie die Entführten, warum das alles passiert, bekommt aber keine Antworten darauf. Die Entführer bleiben bis zum Schluss vage, ihre Motive lassen sich erahnen, werden aber nicht angesprochen.

Ebenso undeutlich bleibt die Frage, was mit den Kindern passiert, wenn sie aus dem Keller nach oben geholt werden. Auch hier bekommt man nur kleine Ausschnitte zu Gesicht, nicht mehr. So bleibt das Buch trotz seiner schwierigen Thematik erträglich und drängt den Leser dankbarerweise nicht in die Rolle eines Schaulustigen.

Das hat mir nicht gefallen

Das unglaubwürdige Ende. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass sowas wirklich passieren kann und frage mich, was sich der Autor dabei gedacht hat. Was ist hier „die Moral von der Geschicht“? Oder dient das Ende lediglich dazu, den Leser mit offenem Mund dasitzen zu lassen, weil er damit so gar nicht gerechnet hat?

Das Ende hat das ganze Buch für mich zerstört. Bis dahin fand ich es nämlich eigentlich ganz gut. Umso enttäuschter war ich, nachdem ich die letzte Seite umgeblättert hatte.

Und daraus folgt

Friedrich Ani ist an und für sich ein sehr interessantes Buch zum Thema Kindesentführung und Missbrauch gelungen. Die Charaktere wirken realitätsnah und zeigen auf dramatische Weise, wie eine solche Extremsituation Kinder kaputt macht und ihr Leben, ihre Psyche vollkommen zerstört. Leider konnte ich mich mit dem Ende des Buches überhaupt nicht anfreunden, weil es in meinen Augen absolut unglaubwürdig und für die in der Wirklichkeit angesiedelte Geschichte unpassend ist.


Steinert, Andrea: Haut, so weiß wie Schnee

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 304
Preis: 12,99 €, Hardcover
ISBN: 9783833900426
Erscheinungsdatum: 16.09.2011
Bewertung:

Jette ist ein hübsches Mädchen mit sehr reiner Haut, macht sich aber nichts aus ihrem Aussehen. Ganz im Gegensatz zum skrupellosen Vorstandsvorsitzenden eines Kosmetikkonzerns, der glaubt in Jettes makelloser Haut die Revolution der Kosmetikindustrie gefunden zu haben. Er beauftragt seinen Gärtner damit, Jettes Tagesablauf auszukundschaften und ihr möglichst bald und ohne viel Aufsehen Blut abzunehmen. Natürlich lässt sich diese verrückte Idee nicht ohne Komplikationen umsetzen. Der vernachlässigte Sohn des Vorstandsvorsitzenden hört mit seinem blinden Freund Jonah sämtliche Gespräche des finsteren Duos ab. Jonah erkennt die dramatische Lage und beschließt, Jette zu warnen. Eine Reihe abstruser Zufälle führt dazu, dass Jonah Jette aufspürt und mit ihr zusammen entführt wird. Während ihrer Gefangenschaft kommen sich die beiden näher und versuche einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden, derweil die Polizei vollkommen im Dunkeln tappt und die Jugendlichen auf einer Liebesreise in Italien wähnt.

Klingt an den Haaren herbeigezogen? Ist es auch! Während der Lektüre der 304 Seiten habe ich nicht nur einmal verständnislos den Kopf geschüttelt. Die Grundkonstruktion des Buches ist schon so lächerlich, dass man sich gar nicht traut sie wiederzugeben. Beim Vorstandsvorsitzenden Dr. Kai Saalfeld sind wohl so einige Schrauben locker. Aus Angst, dass die Konkurrenz ihm seine grandiose Idee wegschnappt, entspinnt er den wahnwitzigen Jette-Entführungsplan, den sein GÄRTNER ausführen soll. Anstatt einfach die Eltern von Jette anzurufen, seine Vermutung zu schildern, ihnen ein bisschen Geld zu zahlen, Jette Blut abzunehmen und die gesamte Familie zur Verschwiegenheit zu verpflichten. Aber nö, ist ja nur halb so spannend. Ach ja und seine Motivation? Er steht wegen sinkender Aktien kurz vor der Entlassung, muss aber noch sein neu angeschafftes Tropenhaus bezahlen. Logisch, für meine Pflanzen entführe ich ja auch regelmäßig junge Mädchen.

Andere Charaktere des Buches scheinen sich ebenfalls in einer Art Delirium zu befinden. So schnappt sich Jettes Freundin Klara in einem entscheidenden Moment mal eben so den Kinderwagen einer unbeteiligten Mutter, um ihn vor ein Auto zu werfen und den Gärtner aufzuhalten. Hallo? Die Mutter kümmert das allerdings überhaupt nicht, jedenfalls gibt es keinen lesbaren Protest von ihrer Seite. Jonah ist auch nicht besser. Er rät Jette, sich selbst Blut abzunehmen und an einem geheimen Ort zu hinterlegen. Als Druckmittel. Da hat wohl jemand zu viele Krimis gelesen. Genau wie der Aufzugführer des Kosmetikkonzerns, dessen Figur eigentlich völlig überflüssig ist, der den Jugendlichen aber mit seinem „unerschöpflichen Krimiwissen“ zur Seite steht. Welches er aus Kriminalromanen bezieht. Und Jette und Jonah gemeinsam sind der Gipfel der umnachteten Charaktere. Sie sind tatsächlich enttäuscht, als sie durch eine Befreiungsaktion ihrer Freunde bei ihrer körperlichen Annäherung unterbrochen und aus dem Verlies geholt werden. Enttäuscht! Wie soll man sich in diese zwei Kinder hineinversetzen, wenn sie ihre eigene Entführung nicht ernst nehmen?

Leider kaufe ich der Autorin die in Deutschland spielende, realitätsferne Geschichte nicht ab. Das gleiche Problem hatte ich auch schon bei Arno Strobels Thriller Der Trakt. Andrea Steinert bedient sich übrigens derselben Holzhammermethode, was die Namen angeht. Kai Saalfeld und Wim Tanner waren mir schon allein deswegen unsympathisch, weil sie nur aus Vor- und Nachnamen zu bestehen scheinen. Wenn ich ständig Sätze lesen muss wie „Offenbar auch nichts, was Kai Saalfeld hätte belasten können. Dennoch stand es um Kai Saalfeld nicht gut.“ dann werde ich wahnsinnig dabei. Wo ist die Variation?

Meine Empfehlung: spart euch das Geld und kauft euch irgendein anderes schönes Buch. Der Baumhaus Verlag hat ja auch bessere Titel im Angebot…


Lim, Rebecca: Gefangen

Originaltitel:
Mercy
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
Mercy 1 von 4
Seiten: 256
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783473400645
Erscheinungsdatum: Oktober 2011
Bewertung:

Mercy ist ein Wesen ohne Körper. Sie kennt ihren richtigen Namen nicht, weiß nicht wer sie ist und wo sie herkommt. Sie kann sich nur verschwommen an Vergangenes erinnern. Doch eins weiß sie sicher: in kurzen Zeitabständen wacht sie in den Körpern fremder Mädchen auf und übernimmt diese. Sie hat das Phämonen „Souljacking“ getauft.
Diesmal hat es Carmen erwischt. Mercy schlüpft in den zierlichen Körper des Mädchens, als diese auf dem Weg zu einer zweiwöchigen Chorveranstaltung an einer anderen Schule ist. Mercy erkennt schnell, dass sie diesmal wohl nicht ihrem Wirt helfen muss, sondern ihrer Gastfamilie, deren Tochter Lauren zwei Jahre zuvor entführt wurde. Dabei verliebt sich Mercy in Laurens Bruder Ryan.

Die Idee der Körperübernahme hat mich an diesem Buch besonders interessiert. Gleichzeitig habe ich mit Mercy gerätselt, warum sie zu dieser Art des Daseins wohl verdammt wurde. In ihren Träumen begegnet Mercy regelmäßig einer Person namens Luc, die Mercy näher zu kennen scheint und sie beschwört, ihn zu suchen. Gleichzeitig warnt er sie vor „den Acht“, die ihr Schaden zufügen wollen. Bis zum Ende des Buches kann Mercy sich nur vage daran erinnern, wer sie vor der Souljackingzeit war und es wird nicht klar ausgesprochen, was sie denn nun eigentlich ist. Dieses Rätsel hat für mich den Hauptreiz an der Geschichte ausgemacht, die eigentlich – kaum da sie angefangen hat – schon wieder vorbei ist. Nach der letzten Seite musste ich wirklich überlegen, was im ganzen Buch passiert ist, denn viel ist es nicht. Mercy geht in Carmens Körper zu den Chorproben und in die Schule, wo sie sich gegen die stichelnden Mitschüler behauptet und geht nach kurzer Überzeugungsarbeit ein bisschen mit Ryan auf die Suche nach Lauren. Zwischendurch träumt sie von Luc und beginnt an ihrem bedingungslosen Vertrauen ihm gegenüber zu zweifeln. Und dann ist irgendwie viel zu schnell Schluss…

Wenn man statt des Klappentextes die Beschreibung auf Amazon liest oder sich die englischen Bücher anschaut, verliert die Geschichte ein wenig von ihrem Reiz, denn dort steht bereits, was Mercy in Wirklichkeit ist. Natürlich habe ich mir das im Laufe des Buches auch halbwegs zusammengereimt, aber da es nicht bestätigt wird, war da immer noch ein kleiner Zweifel und die Spannung auf Teil 2, die mir jetzt teilweise genommen wurde. Weiterlesen werde ich trotzdem, denn ich bin sehr gespannt darauf, wohin Mercys Weg am Ende führen wird.

Die Serie