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[Rezension] Leander sieht Maud

Originaltitel:
Liber et Maud
Autor/in:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 176
Preis: 14,95 €, Trade Paperback
ISBN: 9783868737523
Erscheinungsdatum: 12.08.2014
Bewertung:

Die Handlung

Maud hatte einen schweren Unfall und hat davon nicht nur große Narben im Gesicht davongetragen, sondern auch ihr Augenlicht verloren. Sie verkriecht sich zuhause und kommt kaum aus ihrem Bett. Leander war vor dem Unfall zwar nicht wirklich mit ihr befreundet, verspürt aber trotzdem den Drang, Maud zu besuchen und sie aufzumuntern.

Das war gut

Ich kann mir nicht vorstellen, wie furchtbar es als Sehende sein muss, blind zu werden. Aber Mauds Charakter scheint mir da eine gute Vorstellung von zu geben – da die Autorin mit Blinden arbeitet, gehe ich von einer realistischen Darstellung aus. Maud lässt sich völlig gehen, sieht keinen Sinn mehr im Leben und stößt Leander ständig von sich. Sie tat mir sehr leid.

Das hat mir nicht gefallen

Über die gesamten 176 Seiten wird immer wieder angedeutet, dass Leander nicht aus reiner Nettigkeit handelt, sondern Maud eigentlich nur ins Bett kriegen will bzw. spricht er es in Gedanken selbst aus. Das machte ihn leider sehr unsympathisch, auch weil mehrmals durchscheint, dass er für seine „guten Taten“ und Geschenke Dankbarkeit von Maud erwartet. Klang für mich wie ein ganz schön gestörter Charakter.

Leander und Maud könnten gut und gerne die letzten Menschen auf Erden sein. Die Eltern der beiden sind weniger als Randfiguren, werden nur ganz selten erwähnt und die Schulkameraden existieren bis auf eine winzig kleine Begegnung auch nicht wirklich. Die zwei befinden sich in ihrem eigenen Mikrokosmos. Leander scheint auch nicht mehr zur Schule zu gehen, zumindest wird er „in Mathe vermisst“. Andererseits wird aber auch nicht deutlich dargestellt, dass es sich bei diesem Verhalten um eine ungesunde Beziehung handelt, was es aber eindeutig ist.

Und daraus folgt

Nach der Inhaltsangabe schien das Buch wie für mich gemacht, auch das Cover fand ich sehr ansprechend. Leider hat mich die Geschichte dann aber enttäuscht. Während ich Mauds abweisendes und auch bockiges Verhalten nach dem Verlust ihres Augenlichts sehr gut verstehen konnte und auch Leanders Hartnäckigkeit, die Freundschaft zu erhalten, sehr bewundert habe (wer hätte nicht gerne jemanden, der einen nicht bei der ersten Abweisung verlässt), hat mich Leander insgesamt irritiert zurückgelassen. Natürlich ist er ein Teenager und denkt viel an Sex, aber sein Verhalten ließ regelmäßig Zweifel an seinen Motiven aufkommen.

Und so bleibt ein fader Beigeschmack nach dem Beenden des Buches, auch weil ich mich frage, was für eine Botschaft die Autorin dem Leser mitgeben wollte. So wie ich sie verstanden habe, gefällt sie mir auf jeden Fall nicht.


Steinert, Andrea: Haut, so weiß wie Schnee

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 304
Preis: 12,99 €, Hardcover
ISBN: 9783833900426
Erscheinungsdatum: 16.09.2011
Bewertung:

Jette ist ein hübsches Mädchen mit sehr reiner Haut, macht sich aber nichts aus ihrem Aussehen. Ganz im Gegensatz zum skrupellosen Vorstandsvorsitzenden eines Kosmetikkonzerns, der glaubt in Jettes makelloser Haut die Revolution der Kosmetikindustrie gefunden zu haben. Er beauftragt seinen Gärtner damit, Jettes Tagesablauf auszukundschaften und ihr möglichst bald und ohne viel Aufsehen Blut abzunehmen. Natürlich lässt sich diese verrückte Idee nicht ohne Komplikationen umsetzen. Der vernachlässigte Sohn des Vorstandsvorsitzenden hört mit seinem blinden Freund Jonah sämtliche Gespräche des finsteren Duos ab. Jonah erkennt die dramatische Lage und beschließt, Jette zu warnen. Eine Reihe abstruser Zufälle führt dazu, dass Jonah Jette aufspürt und mit ihr zusammen entführt wird. Während ihrer Gefangenschaft kommen sich die beiden näher und versuche einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden, derweil die Polizei vollkommen im Dunkeln tappt und die Jugendlichen auf einer Liebesreise in Italien wähnt.

Klingt an den Haaren herbeigezogen? Ist es auch! Während der Lektüre der 304 Seiten habe ich nicht nur einmal verständnislos den Kopf geschüttelt. Die Grundkonstruktion des Buches ist schon so lächerlich, dass man sich gar nicht traut sie wiederzugeben. Beim Vorstandsvorsitzenden Dr. Kai Saalfeld sind wohl so einige Schrauben locker. Aus Angst, dass die Konkurrenz ihm seine grandiose Idee wegschnappt, entspinnt er den wahnwitzigen Jette-Entführungsplan, den sein GÄRTNER ausführen soll. Anstatt einfach die Eltern von Jette anzurufen, seine Vermutung zu schildern, ihnen ein bisschen Geld zu zahlen, Jette Blut abzunehmen und die gesamte Familie zur Verschwiegenheit zu verpflichten. Aber nö, ist ja nur halb so spannend. Ach ja und seine Motivation? Er steht wegen sinkender Aktien kurz vor der Entlassung, muss aber noch sein neu angeschafftes Tropenhaus bezahlen. Logisch, für meine Pflanzen entführe ich ja auch regelmäßig junge Mädchen.

Andere Charaktere des Buches scheinen sich ebenfalls in einer Art Delirium zu befinden. So schnappt sich Jettes Freundin Klara in einem entscheidenden Moment mal eben so den Kinderwagen einer unbeteiligten Mutter, um ihn vor ein Auto zu werfen und den Gärtner aufzuhalten. Hallo? Die Mutter kümmert das allerdings überhaupt nicht, jedenfalls gibt es keinen lesbaren Protest von ihrer Seite. Jonah ist auch nicht besser. Er rät Jette, sich selbst Blut abzunehmen und an einem geheimen Ort zu hinterlegen. Als Druckmittel. Da hat wohl jemand zu viele Krimis gelesen. Genau wie der Aufzugführer des Kosmetikkonzerns, dessen Figur eigentlich völlig überflüssig ist, der den Jugendlichen aber mit seinem „unerschöpflichen Krimiwissen“ zur Seite steht. Welches er aus Kriminalromanen bezieht. Und Jette und Jonah gemeinsam sind der Gipfel der umnachteten Charaktere. Sie sind tatsächlich enttäuscht, als sie durch eine Befreiungsaktion ihrer Freunde bei ihrer körperlichen Annäherung unterbrochen und aus dem Verlies geholt werden. Enttäuscht! Wie soll man sich in diese zwei Kinder hineinversetzen, wenn sie ihre eigene Entführung nicht ernst nehmen?

Leider kaufe ich der Autorin die in Deutschland spielende, realitätsferne Geschichte nicht ab. Das gleiche Problem hatte ich auch schon bei Arno Strobels Thriller Der Trakt. Andrea Steinert bedient sich übrigens derselben Holzhammermethode, was die Namen angeht. Kai Saalfeld und Wim Tanner waren mir schon allein deswegen unsympathisch, weil sie nur aus Vor- und Nachnamen zu bestehen scheinen. Wenn ich ständig Sätze lesen muss wie „Offenbar auch nichts, was Kai Saalfeld hätte belasten können. Dennoch stand es um Kai Saalfeld nicht gut.“ dann werde ich wahnsinnig dabei. Wo ist die Variation?

Meine Empfehlung: spart euch das Geld und kauft euch irgendein anderes schönes Buch. Der Baumhaus Verlag hat ja auch bessere Titel im Angebot…


Kahawatte, Saliya: Mein Blind Date mit dem Leben

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:

Reihe:
-
Seiten: 208
Preis: 17,95 €, Hardcover
ISBN: 9783821857046
Erscheinungsdatum: 22.09.2009
Bewertung:

Saliya Kahawatte ist 15 Jahre alt, als er durch eine Netzhautablösung den Großteil seines Augenlichts verliert. Doch gegen alle Widerstände besteht er darauf, weiterhin ein normales Leben zu führen, an einer normalen Schule sein Abitur zu machen und danach eine Ausbildung zum Hotelfachmann zu beginnen. Jahrelang verheimlicht er seine Sehschwäche vor Bekannten, Kollegen und Vorgesetzten, weiht nur engste Freunde ein, die ihm dabei helfen, zurechtzukommen. 15 Jahre lang erhält er diese Lüge aufrecht, durchlebt dabei alle Höhen und Tiefen, die man sich nur vorstellen kann. In seinem Buch berichtet er offen und ehrlich über sein Leben, seinen Glauben und seine Überzeugungen und lässt einen so manches mal staunen, was ein Mensch leisten kann.

Inzwischen hat sich Saliya Kahawatte selbstständig gemacht und ist als Berater (oder neudeutsch: Consulting, Training und Coaching) in Gastronomie und Einzelhandel tätig.

Als ich das erste Mal die Inhaltsangabe zu dieser Biographie gelesen habe, hat mich das Buch sofort fasziniert. Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, wie ein Mann 15 Jahre lang verheimlichen kann, dass er fast blind ist und so gut wie niemand es merkt! Sind die Menschen wirklich alle so unaufmerksam? Ich wüsste gerne, ob auch ich getäuscht worden wäre, wäre ich Herrn Kahawatte begegnet. Ich verneige mich auf jeden Fall vor der unglaublichen Leistung, die dieser Mann in seinem Leben bisher vollbracht hat, was er alles auf sich genommen hat, um ein ganz normales Leben zu führen trotz der zahlreichen, auch behördlichen Widerstände, die sich ihm entgegenstellten. Saliya Kahawatte erzählt seine Geschichte selbst und wirkt auch weite Teile des Buches über sehr sympathisch, an manchen Stellen allerdings kam er mir ein wenig zu selbstbewusst vor. Ich könnte glaube ich mit einem Menschen wie ihm nicht befreundet sein, so wie er seine Anforderungen an eine Freundschaft beschreibt. Trotz allem kann ich nur jedem Interessierten empfehlen, die Biographie einmal in die Hand zu nehmen. Dieses Buch macht Mut und zeigt außerdem, dass es nicht unmöglich ist, seine Träume zu verwirklichen.