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[Rezension] Von wegen Liebe

Originaltitel:
The DUFF
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 352
Preis: 8,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783570308394
Erscheinungsdatum: 11.02.2013
Bewertung:

Die Handlung

Als ausgerechnet Frauenheld Wesley ihr auf einer Party eröffnet, sie sei eine DUFF (= Die unattraktive fette Freundin), fällt Bianca aus allen Wolken. Was bildet der sich eigentlich ein? Aber die Bezeichnung trifft sie härter, als sie selbst zugeben möchte, vor allem weil sie auch einen Funken Wahrheit darin erkennt, obwohl sie weder fett noch unattraktiv ist. Und zuhause gibt es auch Stress, weil ihr Vater nicht wahr haben will, dass seine Ehe beendet ist.

Als Bianca für einen Aufsatz mit Wesley zusammenarbeiten muss, entwickeln sich die Dinge ganz anders als geplant, denn mit ihm rumzumachen ist die perfekte Ablenkung von ihrer komplizierten Gedankenwelt. Aber eigentlich hasst sie ihn doch, oder?

Das war gut

Ich finde es sehr amüsant, dass ausgerechnet eine minderjährige Autorin viel unverkrampfter mit dem Thema Sex in einem Jugendbuch umgeht als all die erwachsenen YA Autoren zusammen. Bianca, Wesley und Co. sind keine dieser Püppchen, die sich gegenseitig ewige Liebe schwören und mit dem Sex bis zur Hochzeit warten wollen, wie es überspitzt gesehen in 90 % aller anderen amerikanischen Jugendbücher der Fall ist.

Auch wenn in diesem Buch viel zu oft und leichtfertig mit dem Wort „Schlampe“ um sich geworfen wird, gibt es bei den Charakteren erfreulich wenig Schwarzweißmalerei. Alle haben positive und negative Eigenschaften und es gibt keinen „großen Bösewicht“, den es zu bekämpfen gilt.

Bianca ist nicht auf den Mund gefallen. Wenn ihr was nicht passt, dann sagt sie es und das bekommt u. a. Wesley mehr als deutlich zu spüren. Außerdem hat sie keine Lust, sich mit dem üblichen High School Drama zu beschäftigen und hält sich da lieber raus. Aber…

Das hat mir nicht gefallen

…gleichzeitig gibt sie dann doch viel zu viel darauf, was andere denken. Ihre selbst auferlegten „Ich bin eine DUFF“ und „Mein Hintern ist eh schon fett“ Beleidigungen ziehen sich leider durch das ganze Buch, was mich sehr gestört hat. Andererseits darf man nicht vergessen, dass das Buch von einer 17-jährigen geschrieben wurde und wohl niemand die Gefühlswelt Jugendlicher besser beurteilen kann als die Autorin selbst, sodass man Biancas Charakter hier wohl eine große Portion Authentizität bescheinigen kann. Und am Ende vermittelt Bianca auch eine wichtige Botschaft für alle Leser/innen.

Und daraus folgt

Kody Keplingers Erstlingswerk Von wegen Liebe ist definitiv einen Blick wert, wenn man zwar gerne High School Bücher liest, aber keine Lust mehr auf das typische Drama mit Küsschen links, Küsschen rechts und Keuschheitsgelübde hat. Hier geht es auch mal zur Sache, allerdings driftet es nicht in die New Adult Schiene ab, sondern überlässt das Meiste der Fantasie der Leser, sodass das Buch auf jeden Fall für die Zielgruppe geeignet ist.


Pitcher, Annabel: Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims

Originaltitel:
My Sister lives on the Mantelpiece
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, , ,
Reihe:
-
Seiten: 224
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783442312535
Erscheinungsdatum: 21.05.2012
Bewertung:

Zu seinem zehnten Geburtstag bekommt Jamie mit einigen Tagen Verspätung ein Spider-Man T-Shirt von seiner Mutter geschenkt, welches er von da an nicht mehr auszieht. Schließlich will er, dass seine Mutter es bei ihrem baldigen Besuch zu Gesicht bekommt und er will den Zeitpunkt nicht verpassen. Auf die Dauer wird das T-Shirt immer dreckiger und fleckiger und fängt an zu stinken, aber Jamie wartet weiter darauf, dass seine Mutter ihn besuchen kommt.

Schon alleine dieser Teilaspekt der Geschichte lässt einen schlucken und zeigt unmissverständlich, womit man es zu tun hat. Zwar lächelt Jamie den Leser niedlich und unschuldig vom Buchcover aus an, doch so unbeschwert, wie der erste Eindruck vermittelt, ist Jamies Leben ganz und gar nicht. Er ist das jüngste Kind der Familie und deshalb nicht von dem tragischen Ereignis der Familienvergangenheit gezeichnet. Stattdessen steht er abseits und lässt den Leser an seinen Beobachtungen teilhaben. Fünf Jahre zuvor starb Jamies Schwester Rose bei einem terroristischen Bombenanschlag in London. Seine Eltern können den Verlust nicht überwinden und ihre Ehe zerbricht an dem Tod der geliebten Tochter. In ihrer Welt der Trauer bemerken sie gar nicht, wie ihre anderen beiden Kinder für sie unsichtbar werden. Jamies ältere Schwester Jasmine kümmert sich um ihren kleinen Bruder, weil ihr Vater auch nach dem Umzug in eine „muslimfreie“ Gegend mehr Interesse für Bierflaschen und Roses Urne auf dem Kaminsims als für seine lebenden Kinder aufbringt. Wenn er nicht gerade trinkt, wettert er gegen Muslime, die in seinen Augen alle Terroristen sind und das Land zugrunde richten werden.

Wie es der Zufall will, freundet sich Jamie in der Schule ausgerechnet mit einem muslimischen Mädchen namens Sunya an, wohlwissend, dass er dieses Geheimnis unter allen Umständen für sich behalten muss.

Das Buch wird aus Jamies Sicht geschildert, was es mir ermöglichte, voll und ganz in seine Gedanken einzutauchen. Der Autorin gelingt es hervorragend, die Gefühle des Jungen auf den Leser zu übertragen, sodass ich genau wie Jamie keine Tränen für Rose übrig hatte, die ein Schatten der Vergangenheit bleibt und nicht greifbar wird. Ich habe mit Jamie am Fenster gesessen und gehofft, dass das nächste vorbeifahrende Auto das seiner Mutter ist und mit ihm gezittert, als Sunya zu Halloween unter einem Laken versteckt bei seinem Vater mit im Auto saß.

Das Einzige, was mich an dem Buch gestört hat, war Jasmines Unfähigkeit, die Familiensituation richtig einzuschätzen, was aber leider auch sehr realistisch ist. Es wäre weitaus besser für sie und ihren Bruder gewesen, wenn sie das Jugendamt eingeschaltet hätte, anstatt alles selbst regeln zu wollen.