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Reichs, Kathy: Virals – Tote können nicht mehr reden

Originaltitel:
Virals
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
Tory Brennan 1
Seiten: 480
Preis: 18,99 €, Hardcover
ISBN: 9783570152881
Erscheinungsdatum: März 2011
Bewertung:

Tory Brennan ist 14 Jahre alt und hat vor sechs Monaten ihre Mutter verloren. Infolge dessen lernte sie ihren Vater kennen und lebt seitdem bei ihm auf Morris Island, einer Insel vor Charleston, South Carolina. Sie erfährt auch, dass sie mit der berühmten forensischen Anthropologin Tempe Brennan verwandt ist, mit der sie auch die gleiche wissenschaftliche Leidenschaft teilt.
Gemeinsam mit ihren drei Freunden entdeckt Tory eines Tages eine Erkennungsmarke des Militärs, die der Ausgangspunkt eines großen Abenteuers wird. Die Tochter des Soldaten, dem die Erkennungsmarke gehörte, Katherine Heaton, verschwand vor vierzig Jahren spurlos, nur kurz nachdem ihr Vater im Krieg gefallen war. Dank ihrer Beobachtungsgabe und ihres Scharfsinns findet Tory schon bald die Leiche, bzw. das Skelett des vermissten Teenagers, ohne zu wissen in welche Gefahr sie sich damit begibt. Denn Katherine Heatons Mörder setzt alles daran, dass sein Geheimnis nicht aufgedeckt wird. Zu allem Überfluss wird Torys Clique bei der Rettung eines Wolfshunds von einem genetisch veränderten Virus infiziert, der ihre DNA für immer verändert.

Virals schien mir als erstes Buch einer Reihe ein perfekter Einstieg in das Werk von Kathy Reichs zu sein, da ich zuvor noch nie einen Roman von ihr gelesen hatte. Leider hat mir das Buch überhaupt nicht gefallen. Die Grundidee einer Teenagerclique, die einen Mord aufklärt, gefällt mir dabei eigentlich noch ganz gut und auch die Charaktere selbst sind mir recht sympathisch, aber das ganze Drumherum ist gewöhnungsbedürftig. Zuerst die Sprache: Tory tritt als Ich-Erzählerin auf und begleitet einen durch die Geschichte. Dabei bemüht sie sich, dem unwissenden Leser alles genau zu erklären, was mich schon sehr irritiert hat. Tory spricht mit mir! Und das ging mir schon ziemlich bald auf den Keks. Diese betonte Coolness und Jugendlichkeit nervt einfach tierisch. Ich will nicht, das die Protagonistin ständig Sätze wie „Hab ich schon erwähnt[…]?“ oder „Was, ihr seid nicht beeindruckt?“ vom Stapel lässt, um mich als quasi fünftes Mitglied in der Clique einzubeziehen.
Dann wäre da noch die Konstruktion der Geschichte. Alles ist geheimnisvoll und verschwörerisch und Katherine Heaton wurde ganz offensichtlich von einer machtvollen Person umgebracht. Auch der Leiter des Instituts, in dem Torys Vater arbeitet, führt zwielichtige Geschäfte und scheint der große Böse zu sein. Und dann vergisst er, den Werkscode seiner ach so geheimen und hochgesicherten Labortür zu ändern, damit die Clique dort einfach hindurchspazieren kann?! Genauso unglaubwürdig sind einige andere Stellen, an denen Tory oder einem der Jungs etwas schier unglaubliches gelingt und Tory keine andere Erklärung hat als „Fragt mich nicht, wie ich das gemacht habe[…]“ Ist Frau Reichs da etwa nichts besseres eingefallen? Überhaupt hat es sich die Autorin mit der Einführung der Infizierung der Protagonisten sehr einfach gemacht. Immer wenn Gefahr droht oder Hindernisse unüberwindbar scheinen macht es einfach KLICK und die Virals, wie sich die vier später nennen, verwandeln sich in eine bessere, wolfsartige Version ihrer selbst, damit ihnen niemand etwas anhaben kann. Ist doch praktisch, oder? Schwächen? Anscheinend keine.

Zusammengefasst erscheint mir Frau Reichs Virals als schlechte Kopie ihrer Bestsellerreihe um Tempe Brennan mit unnötigen SciFi-Elementen. Überhaupt ist die Verwandschaft zwischen Tory und Tempe eigentlich völlig unerheblich für die Geschichte, bietet aber in Zukunft wahrscheinlich noch einigen Raum für gegenseitige Gastauftritte. Apropos Verwandtschaft, vielleicht kann jemand für mich Licht ins Dunkel bringen? Tory sagt, dass ihr Vater Kit bis zum Tod ihrer Mutter keine Ahnung von seiner Vaterschaft hatte. Er trägt auch einen anderen Namen als Tory. Es liegt also nahe, dass Tempe Brennan eine Verwandte von Tory Brennan mütterlicherseits sein muss. Aber Tory erfährt erst von ihrem Vater, dass Tempe mit ihr verwandt ist, was diese automatisch zur Tante von Kit (Tempe ist die Schwester der Großmutter von Tory) machen müsste. Und zu einer alten Schachtel. Wie kommt dann die Namensgleichheit zustande? Wäre für Hinweise sehr dankbar!


Winter, Hanna: Die Spur der Kinder

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 342
Preis: 8,95 €, Taschenbuch
ISBN: 9783548282558
Erscheinungsdatum: August 2010
Bewertung:

Vor zwei Jahren wurde Fiona Seebergs kleine Tochter Sophie entführt. Die Ermittlungen verliefen in der Sackgasse, Sophie wurde nie gefunden. Nun steht plötzlich der Kommissar Piet Karstens erneut vor Fionas Tür und teilt ihr mit, dass wieder ein Kind entführt wurde. Der Täter ist zurück und scheint nicht bei einem Kind Halt machen zu wollen. Zur selben Zeit wird eine Jugendliche im Spreewald ermordet. Die Polizei erkennt zwar keinen Zusammenhang, doch die beiden Fälle haben mehr gemeinsam als man ahnt.
Soviel zur Grundgeschichte des Buches. Im Rahmen meiner selbst auferlegten Krimichallenge habe ich mir das Lesexemplar einer Kollegin geschnappt, die kein Interesse an dem Krimi hatte. Vielleicht hatte sie da schon den richtigen Riecher, denn ich fand Die Spur der Kinder furchtbar. Die Protagonisten sind mir allesamt unsympathisch und die vielen Fehler im Buch haben mir die Haare zu Berge stehen lassen. Bin ich zu pingelig? Hier eine Auswahl der Dinge, die mich gestört haben (Achtung, Spoiler!):

# Fiona hat ein Alkoholproblem. Auf einer Party bestellt ihre Bekannte Theresa, die sie von den Anonymen Alkoholikern kennt, deshalb zwei Champagnergläser mit Apfelschorle bei der Kellnerin. Fiona und Theresa trinken ihre Apfelschorle allerdings bereits eine Seite bevor die Kellnerin ihnen die Gläser überhaupt bringt.

# Fiona ist Schriftstellerin und arbeitet an einem Roman. Insgesamt drei Mal wird aus ihrem Manuskript gelesen. Der Name ihrer Protagonistin wechselt dabei von Katrin Taubert zu Katrin Siebig und wieder zurück.

# Fiona hat einen Stalker, der über das Buch hinweg versucht, ihr einen Umschlag zuzustecken. Erst am Ende der Geschichte schaut sie sich den Inhalt an und erfährt so, was wirklich mit ihrer Tochter geschah. Der Stalker hat zwei Jahre zuvor das komplette Verbrechen mit Fotos dokumentiert und ist dann in den Knast gewandert. In all der Zeit hat er es nicht für nötig gehalten, der Polizei davon zu berichten? Es geht hier um den Tod eines Kindes!

# Die Partnerin des Kommissars, Frauke, ist bisexuell (auch ganz wichtig für die Handlung…) und feiert mit ihrer Freundin Astrid in einem Restaurant, als sie über Telefon die Nachricht erhält, dass ihr Partner spurlos verschwunden, womöglich tot ist. Natürlich will Frauke sofort los, um nach ihm zu suchen. Astrid ist daraufhin stinksauer und wirft ihr vor, dass es ja immer nur um sie und ihren Job gehe und macht quasi Schluss mit Frauke. Verzeihung? Der Partner ist vielleicht tot und die Freundin eifersüchtig, weil man deshalb die Feier abbläst?

# Der Täter bzw. die Täterin liefert das dämlichste Klischeegeständnis ab, das es gibt. Nach dem Motto „Haha ihr kommt hier eh nicht lebend raus, na dann erzähle ich euch erstmal meine Lebensgeschichte, bevor ich euch umbringe.“ erklärt sie haargenau ihr (absolut nicht nachvollziehbares) Motiv dafür, die Kinder grausam gefoltert und umgebracht zu haben. Klar.

# Die Mutter der entführten Luna hat sich praktischerweise erhängt, sodass die immer noch um Sophie trauernde Fiona am Ende des Buches ganz ohne Formalitäten die neue Mutter von Luna wird. Das schwer traumatisierte Kind lächelt bei dieser Nachricht auch noch. Kein „Wo ist meine Mama?“ oder ähnliches.

# Luna hat übrigens noch einen Vater. Der hat zwar Vorstrafen und befindet sich gerade in Kolumbien, aber er ist der Vater! Hat der kein Mitspracherecht? Kann man seine Tocher einfach so weiterreichen? Der Vater war zwischendurch auch ein Verdächtiger, weil zum Zeitpunkt der Entführungen verräterische Anrufe von seinem Telefon getätigt wurden. Ach, egal. Handlungsstrang ist gar nicht so wichtig, vergessen wir einfach. Der Vater wird mit keinem Wort mehr erwähnt.

Zusammengefasst: dämliche Ermittler, zu viele Fehler und zwei sinnlose Täter, die einfach nur auf Monster getrimmt wurden, ohne ein wirkliches Motiv erkennen zu lassen. Ich weiß nicht, ob meine schlechte Bewertung nur davon herrührt, dass ich keine begeisterte Krimileserin bin oder ich einfach ein derart schlechtes Händchen für dieses Genre habe. Eins ist jedenfalls sicher: es kann nur besser werden :-(


McEuen, Paul: Spiral

Originaltitel:
Spiral
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 448
Preis: 18,95 €, Hardcover
ISBN: 9783502102182
Erscheinungsdatum: 29.10.2010
Bewertung:

Nach Ende des zweiten Weltkriegs wird der Mykologe Liam Connor Zeuge, wie ein Pilz namens Uzumaki (jap. für Spirale) die Besatzung eines Schiffs erst komplett wahnsinnig macht und dann tötet. Der hochgefährliche Pilz wird unschädlich gemacht, doch Liam nimmt heimlich eine Probe davon an sich, ohne es jemandem zu sagen.
60 Jahre später ist Liam ein weltweit anerkannter und mehrfach geehrter Wissenschaftler, der in seinem Labor immer noch Pilze erforscht. Bis er von einer mysteriösen Asiatin grausam gefoltert und kurze Zeit später tot aufgefunden wird. Alle Indizien deuten darauf hin, dass die Asiatin auf der Suche nach dem Uzumaki ist. Sollte der Pilz in ihre Hände gelangen, wäre die Bedrohung für die Welt unbeschreiblich.
Verschiedene Behörden, das Militär, Liams Assistent Jake und seine Enkelin Maggie setzen alles daran, den Vorfall aufzuklären und den Uzumaki zu finden.

Soweit zur Geschichte des Buches. So interessant die Idee eines Killerpilzes, der die gesamte Menschheit in Windeseile auslöschen könnte, auch sein mag, die Umsetzung war mir zu kompliziert. Die Geschichte springt ständig zwischen den verschiedensten Orten und Personen hin und her, regelmäßig werden außerdem neue Charaktere eingeführt, die nach kurzer Zeit für mich alle zu einem „US-Behörden“ Einheitsbrei verschwammen. Ich konnte die Leute und wer nun über wen Befehlsgewalt hat beim besten Willen nicht unterscheiden. Die einzigen, die sich aus der Masse abheben, sind Jack, Maggie und Orchid, die böse Asiatin. Aber auch zu ihnen kann man schwierig eine Beziehung aufbauen, da man nie lange bei ihnen bleibt und stattdessen im nächsten Kapitel bei einer der gefühlten 50 Behörden „nach dem Rechten sehen“ muss.

Der Autor Paul McEuen ist selbst einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Nanotechnologie, was man dem Buch auch anmerkt. Die vielen wissenschaftlichen Begriffe und Erklärungen verkomplizieren die Lektüre zusätzlich. Ich war dankbar, zumindest einige der angewandten Methoden bereits vorher einmal gehört zu haben. Trotzdem habe ich nach einer Weile die Erklärungen mehr oder weniger überflogen.

Fazit: ein Killerpilz und viele US-Behörden machen noch keinen guten Thriller. Die Filmrechte hat der Autor laut Wikipedia trotzdem schon verkauft. Und das vor Erscheinen des Buches in den USA. Na dann.


Grossman, Lev: Fillory – Die Zauberer

Originaltitel:
The Magicians
Autor/in:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
The Magicians 1
Seiten: 617
Preis: 19,95 €, Hardcover
ISBN: 9783841421005
Erscheinungsdatum: 08.09.2010
Bewertung:

Quentin Coldwater ist ein hochbegabter Jugendlicher, der furchtbar gelangweilt durch sein Leben geht. Deshalb flüchtet er sich so oft wie möglich in die Buchreihe um die magische Welt Fillory, die er seit seiner Kindheit abgöttisch liebt. Der Tag, der seine Welt verändert, beginnt für ihn genauso gleichgültig wie immer. Zusammen mit seinem besten Freund James wird er zu einem Vorstellungsgespräch für ein College erwartet. Doch ihr Termin fällt aus, weil sie den Prüfer tot in seinem Haus vorfinden. Stattdessen gelangt Quentin kurz darauf wie durch Zufall an das geheimnisvolle Brakebills College und nimmt dort an einer Prüfung teil, die er auch besteht. Ihm wird erklärt, dass Magie wirklich existiert und er in Brakebills zu einem Zauberer ausgebildet werden kann, wenn er dies möchte. Mangels interessanterer Alternativen entscheidet sich Quentin für das Studium der Magie, das bei weitem nicht so leicht ist, wie man vermutet. Statt einfacher Sprüche und Zauberstäben erwarten Quentin fünf harte Collegejahre, in denen die Studenten komplizierte Fingerübungen und unzählige Stunden stupiden Auswendiglernens über sich ergehen lassen müssen.

Das faszinierende Cover und die interessante Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches versprechen Spannung, Magie und Abenteuer. Leider hält das Innenleben diese Versprechungen nicht. Inhaltlich ist Fillory in drei Bücher gegliedert. Das erste Buch nimmt über die Hälfte der Seiten ein und lässt uns an Quentins quälend langweiligen Studienjahren teilhaben. Er trifft Freunde, er lernt auswendig, er gibt sich den Sauf- und Sexgelagen hin. Schon nach kurzer Zeit ist Quentin wieder genauso gelangweilt wie vor seinem Eintritt in Brakebills, was ihn sehr unsympathisch macht und es erschwert, sich in ihn hineinzuversetzen. Er ist der arme Hochbegabte, der niemals überfordert ist und anscheinend niemals glücklich werden kann.
Ach ja, und dann ist da noch Fillory. Bereits auf der Rückseite des Buches erfährt man, dass Fillory wirklich existiert und Quentin sich zusammen mit seinen Freunden auf eine gefährliche Reise begeben und einem Kampf stellen wird…leider kommt nichts davon im ersten Teil des Buches vor.

Nach 350 Seiten und der Beendigung des ersten Teils war es mir genug, denn am Anfang von Teil 2 zelebriert Quentin wieder einmal seine Lustlosigkeit, anstatt endlich etwas zu tun. Besonders „gefallen“ hat mir außerdem Lev Grossmans große Kreativität. Quentin berichtet dem geneigten Leser in aller Ausführlichkeit von den Fillorybüchern, die er so vergöttert. Kleine Kostprobe gefällig? In den Grundzügen geht die Geschichte so: fünf Geschwister werden zu ihren Verwandten aufs Land geschickt und entdecken einen geheimen Zugang zur magischen Welt Fillory. Jahr für Jahr schaffen sie es daraufhin, auf unterschiedlichen Wegen wieder nach Fillory zu gelangen. Quentin und seine Freunde erfahren später – selbst in Fillory angelangt – dass die Welt von zwei Königen und zwei Königinnen regiert werden muss. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich weder die Bücher gelesen, noch die Filme gesehen, und trotzdem waren selbst für mich die Ähnlichkeiten zu Narnia unübersehbar. Hätte Lev Grossman irgendwo einen Hinweis darauf hinzugefügt, dass es sich um eine Hommage an C.S. Lewis handelt, wäre es eine schöne Idee gewesen. So ist es einfach nur schamlos abgekupfert.