Schlagwort-Archive: Trade Paperback

Als Trade Paperback bezeichne ich alle Ausgaben, die weder eindeutig Hardcover noch Taschenbuch sind. Verlage betiteln diese meist als „broschiert“, „Softcover“ oder „Klappenbroschur“. Trade Paperbacks haben keinen harten Einband, sind meist aber genauso groß wie ein HC und haben hinten und vorne Klappen.

[Rezension] Zwei Worte vor und eins zurück

Originaltitel:
Landline
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 430
Preis: 14,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783863960742
Erscheinungsdatum: 04.12.2014

Die Handlung

Georgie und Neal sind seit vielen Jahren verheiratet, haben zwei bezaubernde Töchter und ein schönes Haus. Während Neal sich um die Kinder und den Haushalt kümmert, arbeitet Georgie an ihrer Karriere als Showrunnerin und Drehbuchschreiberin im TV. Als sie zu Weihnachten das Angebot ihres Lebens bekommt, hängt der Haussegen schief. Ihre Familie fliegt nach Omaha, während sie zuhause bleibt und in einer Woche mit ihrem Partner Seth vier Drehbücher schreiben muss. Als sie bei ihrer Mutter mit ihrem alten gelben Telefon versucht, Neal zu erreichen, glaubt Georgie verrückt zu werden, denn sie hat nicht ihren Ehemann, sondern Neal aus dem Jahr 1998 an der Strippe! Und während sie mit der Vergangenheit telefoniert fragt sie sich, ob es die richtige Entscheidung war, Neal zu heiraten.

Das war gut

Georgies Schwester Heather ist zwar etwas merkwürdig und man sollte ihr vielleicht keine Kinder anvertrauen, aber die Szenen, in denen sie vorkam, waren die besten des Buches. Außerdem ist sie in die Person vom Pizzaservice verliebt, bestellt deswegen ständig Pizza und wartet dann nervös an der Tür auf deren Ankunft. Das war so süß!

Auch Georgies Kinder sind purer Zucker, kommen aber leider nicht allzu häufig vor, da sie ja mit Neal zu ihrer Großmutter geflogen sind.

Rainbow Rowell hat hier das klassische Familienmodell einfach mal umgedreht. Die Frau macht Karriere und bringt Geld ins Haus, der Mann schmeißt den Haushalt. Ist mal was anderes, wobei ich mich über etwas mehr als den Klischeetausch auch gefreut hätte.

Das hat mir nicht gefallen

Ist euch schon mal aufgefallen, dass Geld in den meisten Büchern nie ein Thema ist, obwohl das höchst unrealistisch ist? Da werden mal eben Unsummen für ein Flugticket ausgegeben oder das Handy mit dem kaputten Akku gedankenlos in die Mülltonne geschmissen. Auf so eine Idee würde ich nie nie nie kommen. Aber das ist wahrscheinlich einfach die andere Mentalität.

Warum Georgie und Neal überhaupt verheiratet sind, ist mir schleierhaft. Besonders viele positive Charaktereigenschaften scheint der Mann ja nicht zu haben. Stattdessen ist er unzufrieden und bockig. Auch in den Rückblenden in die Vergangenheit war das nicht viel anders. „Sie liebt ihn halt“ reicht mir als Erklärung nicht.

Dieses Ende. Schon wieder. Verdammt, Rainbow, warum machst du das? Da sind so verdammt viele Fragen offen geblieben, dass ich mir eigentlich einen zweiten Band wünschen würde, um zu sehen, wie es mit Georgie und Neal (und auch Seth) weitergeht. Ob sie ihre Probleme in den Griff bekommen.

Und daraus folgt

Mit Zwei Worte vor und eins zurück hat Rainbow Rowell einen ganz netten Roman für Erwachsene geschrieben, ein Wow-Effekt hat sich bei mir aber nicht eingestellt. Dafür ist mir die Geschichte nicht rund genug. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass die Autorin beim Schreiben ähnlich verloren war wie Georgie bei dem Versuch, ihre Ehe und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Auch das Ende erschien mir wie eine Notlösung, als hätte die Autorin selbst eingesehen, dass die Situation zu verfahren ist und nicht zu einem befriedigenden Abschluss gebracht werden kann. Meine letzte Hoffnung auf ein gutes Ende in einem Rainbow Rowell Roman liegt jetzt ganz in den Händen von Fangirl ;)


[Rezension] Der erste letzte Kuss

Originaltitel:
The First Last Kiss
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 576
Preis: 11,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783955691455
Erscheinungsdatum: 01.10.2014

Die Handlung

Der erste letzte Kuss erzählt die Liebesgeschichte von Molly und Ryan von ihrem ersten bis zum letzten Kuss über alle Höhen und Tiefen, Trennungen und Hochzeiten hinweg aus der Sicht von Molly.

Das war gut

Den zweiten Stern gibt es für die Seiten 432 – 576, die immerhin noch interessanter waren, als alle vorherigen Seiten zusammen. Auch das positive Ende stimmt mich ein wenig milder, was die Bewertung angeht.

Das hat mir nicht gefallen

Das Cover und die Inhaltsangabe suggerieren dem Leser eigentlich sofort, dass es sich hier um eine traurige Liebesgeschichte handeln soll. Da ist es leider sehr unverständlich, warum die Autorin einen über 432 Seiten hinhält, bis sie mal mit dem Grund für diese Tragik herausrückt. Der Spannungsaufbau funktioniert einfach nicht. Das ist ungefähr so, als hätte man in den ersten drei Star Wars Filmen verheimlichen wollen, dass Anakin später mal Darth Vader wird…

Der Kern der Geschichte ist, dass Molly ihr Haus ausräumt, dabei Gegenstände in die Hand nimmt, die sie an die Vergangenheit erinnern und dann dieser Ausschnitt in Rückblenden erzählt wird. Dies geht aber so verwirrend vonstatten, dass ich überhaupt nicht mehr damit hinterherkam, die Informationen irgendwie einzuordnen. Die Gegenwart ist 2012, von dort aus geht es kapitelweise so weiter: 2005, 2007, 2004, 1994, 2005, 2001 usw. Wer da beim Lesen noch den Überblick behält, was in welcher Reihenfolge passiert ist: Respekt!

Und daraus folgt

Bei weltbild. de hat das Buch fast nur positive Bewertungen. Auch bei Goodreads muss man lange suchen, um eine negative Stimme zu finden. Schade, dass ich mich nicht in diese Begeisterung einreihen kann. Das Buch wirkt für mich leider unüberlegt und viel zu vollgestopft mit unwichtigen Episoden, die man großzügig hätte kürzen können. Wenn dies der zweite Roman der Autorin ist, will ich gar nicht wissen, wie der erste aussieht.

Natürlich gehören bei einer Liebesgeschichte über so einen langen Zeitraum sowohl Höhen als auch Tiefen dazu, aber über weite Strecken stimmte für mich die Chemie zwischen den zwei Figuren nicht. Genau wie in Zwei Worte vor und eins zurück (Rezension folgt) prallen hier zwei völlig verschiedene Lebensstile aufeinander und der Konflikt wird für mich nicht zufriedenstellend gelöst, sondern der Kompromiss besteht darin, dass eine der beiden Figuren ihre Wünsche für die andere opfert. Und dann ist das halt so. Schluss, aus.

Beim Tippen der Rezension habe ich mir außerdem nochmal das erste Kapitel durchgelesen und musste feststellen, dass dieses überhaupt keinen Sinn mehr ergibt, wenn man das letzte Kapitel kennt. Molly wiederspricht sich hier eindeutig. Was war denn DA los??

Wer sich auf meine Meinung zum Buch verlassen möchte: Finger weg! Wer die über 300 positiven Stimmen verständlicherweise mehr gewichten möchte: ab zu Weltbild und kaufen.


[Rezension] Die Drei

Originaltitel:
The Three
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
Die Drei 1 von 2
Seiten: 512
Preis: 14,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783442313716
Erscheinungsdatum: 11.08.2014

Die Handlung

Vier Flugzeuge stürzen kurz nacheinander an vier unterschiedlichen Orten ab. Niemand hätte diese furchtbaren Unfälle überleben können – und doch findet man an drei der Absturzstellen jeweils ein Kind. Sämtliche Medien stürzen sich auf „die Drei“. Man spricht von einem Wunder, vermutet hinter den Abstürzen Anschläge von Terroristen. Doch die hastig aufgenommene Handynachricht einer sterbenden Passagierin verändert alles.

Das war gut

Die Autorin hat sich etwas sehr interessantes ausgedacht: anstatt die Geschichte „normal“ zu erzählen, liest man hier das fiktive Sachbuch einer ebenso fiktiven Autorin, die dem Leser mithilfe von Zeitungsartikeln, Interviews, Chatprotokollen und Skype-Telefonaten einen Einblick in die Monate nach den Flugzeugabstürzen gewährt. Dabei kristallisieren sich einige Personen heraus, die die Hauptrollen in den weltweiten Verschwörungstheorien spielen. Die meisten davon sind Charaktere aus dem direkten Umfeld der drei überlebenden Kinder, aber auch ein fanatischer Prediger, der fest davon überzeugt ist, dass die Kinder drei der vier apokalyptischen Reiter sind und das Ende naht.

Über das Buch hinweg bleibt offen, ob es sich bei den Kindern um ganz normale, traumatisierte Menschen handelt und die Leute sich dazu manipulieren lassen, Gespenster zu sehen, oder sie vielleicht wirklich übernatürliche Wesen sind, die das Ende der Welt planen. So kann sich jeder Leser das aussuchen, was ihm am besten gefällt. Ich persönlich bevorzuge z. B. die erste Theorie.

Das hat mir nicht gefallen

Durch das Nachwort wird meiner Meinung nach die Interpretationsmöglichkeit stark eingeschränkt, da hier recht unmissverständlich in eine bestimmte Richtung gedeutet wird. Das fand ich vor allem im Hinblick auf eine mögliche Fortsetzung (die bisher nur vom deutschen Verlag wirklich kommuniziert wird) sehr schade.

Und daraus folgt

Die Autorin liefert einen stilistisch ungewöhnlichen und trotz der Sachbuchanleihen spannenden Thriller ab. Erst gegen Ende des Buches wird eine grausame Wahrheit enthüllt, die über weite Strecken nur angedeutet wurde, sodass man gar nicht anders kann, als dabei zu bleiben und immer weiter zu blättern.

Besonders gruselig an der Geschichte finde ich, dass ich mir genau vorstellen kann, dass so etwas auch in der Realität passieren könnte. Gerade in den doch immer noch sehr konservativ eingestellten USA könnte die Aussage der sterbenden Passagierin wohl wirklich für so viel Wirbel sorgen, wie sie es in Die Drei geschafft hat. Die meisten Menschen sind in dieser Hinsicht einfach sehr beeinflussbar. Hoffen wir also, dass niemals der verrückte Zufall eintreten wird, dass vier Flugzeuge gleichzeitig abstürzen und es dabei unmögliche Überlebende gibt ;)

Die Reihe

Die Drei Day Four (The Three #2)


[Rezension] Leander sieht Maud

Originaltitel:
Liber et Maud
Autor/in:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 176
Preis: 14,95 €, Trade Paperback
ISBN: 9783868737523
Erscheinungsdatum: 12.08.2014

Die Handlung

Maud hatte einen schweren Unfall und hat davon nicht nur große Narben im Gesicht davongetragen, sondern auch ihr Augenlicht verloren. Sie verkriecht sich zuhause und kommt kaum aus ihrem Bett. Leander war vor dem Unfall zwar nicht wirklich mit ihr befreundet, verspürt aber trotzdem den Drang, Maud zu besuchen und sie aufzumuntern.

Das war gut

Ich kann mir nicht vorstellen, wie furchtbar es als Sehende sein muss, blind zu werden. Aber Mauds Charakter scheint mir da eine gute Vorstellung von zu geben – da die Autorin mit Blinden arbeitet, gehe ich von einer realistischen Darstellung aus. Maud lässt sich völlig gehen, sieht keinen Sinn mehr im Leben und stößt Leander ständig von sich. Sie tat mir sehr leid.

Das hat mir nicht gefallen

Über die gesamten 176 Seiten wird immer wieder angedeutet, dass Leander nicht aus reiner Nettigkeit handelt, sondern Maud eigentlich nur ins Bett kriegen will bzw. spricht er es in Gedanken selbst aus. Das machte ihn leider sehr unsympathisch, auch weil mehrmals durchscheint, dass er für seine „guten Taten“ und Geschenke Dankbarkeit von Maud erwartet. Klang für mich wie ein ganz schön gestörter Charakter.

Leander und Maud könnten gut und gerne die letzten Menschen auf Erden sein. Die Eltern der beiden sind weniger als Randfiguren, werden nur ganz selten erwähnt und die Schulkameraden existieren bis auf eine winzig kleine Begegnung auch nicht wirklich. Die zwei befinden sich in ihrem eigenen Mikrokosmos. Leander scheint auch nicht mehr zur Schule zu gehen, zumindest wird er „in Mathe vermisst“. Andererseits wird aber auch nicht deutlich dargestellt, dass es sich bei diesem Verhalten um eine ungesunde Beziehung handelt, was es aber eindeutig ist.

Und daraus folgt

Nach der Inhaltsangabe schien das Buch wie für mich gemacht, auch das Cover fand ich sehr ansprechend. Leider hat mich die Geschichte dann aber enttäuscht. Während ich Mauds abweisendes und auch bockiges Verhalten nach dem Verlust ihres Augenlichts sehr gut verstehen konnte und auch Leanders Hartnäckigkeit, die Freundschaft zu erhalten, sehr bewundert habe (wer hätte nicht gerne jemanden, der einen nicht bei der ersten Abweisung verlässt), hat mich Leander insgesamt irritiert zurückgelassen. Natürlich ist er ein Teenager und denkt viel an Sex, aber sein Verhalten ließ regelmäßig Zweifel an seinen Motiven aufkommen.

Und so bleibt ein fader Beigeschmack nach dem Beenden des Buches, auch weil ich mich frage, was für eine Botschaft die Autorin dem Leser mitgeben wollte. So wie ich sie verstanden habe, gefällt sie mir auf jeden Fall nicht.