Schlagwort-Archive: Erschienen 2012

Pitcher, Annabel: Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims

Originaltitel:
My Sister lives on the Mantelpiece
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 224
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783442312535
Erscheinungsdatum: 21.05.2012

Zu seinem zehnten Geburtstag bekommt Jamie mit einigen Tagen Verspätung ein Spider-Man T-Shirt von seiner Mutter geschenkt, welches er von da an nicht mehr auszieht. Schließlich will er, dass seine Mutter es bei ihrem baldigen Besuch zu Gesicht bekommt und er will den Zeitpunkt nicht verpassen. Auf die Dauer wird das T-Shirt immer dreckiger und fleckiger und fängt an zu stinken, aber Jamie wartet weiter darauf, dass seine Mutter ihn besuchen kommt.

Schon alleine dieser Teilaspekt der Geschichte lässt einen schlucken und zeigt unmissverständlich, womit man es zu tun hat. Zwar lächelt Jamie den Leser niedlich und unschuldig vom Buchcover aus an, doch so unbeschwert, wie der erste Eindruck vermittelt, ist Jamies Leben ganz und gar nicht. Er ist das jüngste Kind der Familie und deshalb nicht von dem tragischen Ereignis der Familienvergangenheit gezeichnet. Stattdessen steht er abseits und lässt den Leser an seinen Beobachtungen teilhaben. Fünf Jahre zuvor starb Jamies Schwester Rose bei einem terroristischen Bombenanschlag in London. Seine Eltern können den Verlust nicht überwinden und ihre Ehe zerbricht an dem Tod der geliebten Tochter. In ihrer Welt der Trauer bemerken sie gar nicht, wie ihre anderen beiden Kinder für sie unsichtbar werden. Jamies ältere Schwester Jasmine kümmert sich um ihren kleinen Bruder, weil ihr Vater auch nach dem Umzug in eine „muslimfreie“ Gegend mehr Interesse für Bierflaschen und Roses Urne auf dem Kaminsims als für seine lebenden Kinder aufbringt. Wenn er nicht gerade trinkt, wettert er gegen Muslime, die in seinen Augen alle Terroristen sind und das Land zugrunde richten werden.

Wie es der Zufall will, freundet sich Jamie in der Schule ausgerechnet mit einem muslimischen Mädchen namens Sunya an, wohlwissend, dass er dieses Geheimnis unter allen Umständen für sich behalten muss.

Das Buch wird aus Jamies Sicht geschildert, was es mir ermöglichte, voll und ganz in seine Gedanken einzutauchen. Der Autorin gelingt es hervorragend, die Gefühle des Jungen auf den Leser zu übertragen, sodass ich genau wie Jamie keine Tränen für Rose übrig hatte, die ein Schatten der Vergangenheit bleibt und nicht greifbar wird. Ich habe mit Jamie am Fenster gesessen und gehofft, dass das nächste vorbeifahrende Auto das seiner Mutter ist und mit ihm gezittert, als Sunya zu Halloween unter einem Laken versteckt bei seinem Vater mit im Auto saß.

Das Einzige, was mich an dem Buch gestört hat, war Jasmines Unfähigkeit, die Familiensituation richtig einzuschätzen, was aber leider auch sehr realistisch ist. Es wäre weitaus besser für sie und ihren Bruder gewesen, wenn sie das Jugendamt eingeschaltet hätte, anstatt alles selbst regeln zu wollen.


Sabbag, Britta: Pinguinwetter

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 254
Preis: 8,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783404166527
Erscheinungsdatum: 22.06.2012

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erwartet Charlotte eine Beförderung zur Cheflektorin. Stattdessen bekommt sie eine betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen. Völlig überfordert von der Situation und den Ratschlägen der Arbeitsagenturmitarbeiterin („Sie sollten sich vielleicht ernsthaft überlegen, schwanger zu werden.“) verkriecht sie sich zuhause, schlüpft in ihre Babyelefantenhose und stopft sich mit Junk-Food voll. Charlottes schwangere Freundin Trine sieht ihre Chance auf ein wenig Entspannung gekommen und drückt Charlotte ihren kleinen Sohn Finn (irgendwas zwischen drei und fünf Jahre alt) aufs Auge. Charlotte geht mit dem kleinen Teufelsbraten in den Zoo – und trifft dabei auf Eric, seines Zeichens alleinerziehender Vater der kleinen Maya, sehr attraktiv und mit dem Hang zu peinlichen Zufallsbegegnungen.

Daneben hat Charlotte aber auch noch eine sehr merkwürdige Mutter, die in der Weltgeschichte herumreist und sich ebenso merkwürdige Männer anlacht. Ihr neuester Fang, über den sie Charlotte per SMS unterrichtet, ist ein Grönländer namens Jörn. Und Charlottes Gelegenheitsfreund Marc ist für sie das i-Tüpfelchen für den Nervenzusammenbruch: ausgerechnet Marc mit seiner Bindungsphobie hat sich verlobt und will heiraten! Dies bedeutet: keine zwanglosen Treffen zu grandiosem Sex mehr!

Pinguinwetter macht einfach Spaß. Ich hatte das Buch mit nach Leipzig genommen und habe einige Kapitel daraus einer Freundin vorgelesen, was nicht nur einmal in lautem Gelächter endete. Besonders Charlotte und ihre Freundin Trine trieben uns die Lachtränen in die Augen. Beide sind so herrlich chaotisch und liebenswert, dass man sie einfach gern haben muss.

Das Buch hat alles, was man für ein paar amüsante Lesestunden braucht: eine chaotische Heldin mit einer Vorliebe für kursiv gedruckte Selbstgespräche; sich sorgende Freundinnen, die Charlotte gerne helfen wollen, dabei aber eigentlich alles nur noch schlimmer machen; attraktive Männer, die Charlotte mit ihren unterschiedlichen Vorzügen umgarnen und eine herrlich schräge Familie, die Charlotte in den Wahnsinn treibt, ohne die sie aber auch nicht leben könnte. Insgesamt ergibt dies ein äußerst lesenswertes Debüt :-)


Price, Lissa: Starters

Originaltitel:
Starters
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
Starters and Enders 1 von 2
Seiten: 400
Preis: 15,99 €, Hardcover
ISBN: 9783492702638
Erscheinungsdatum: 12.03.2012

In den sogenannten Sporenkriegen starben in den USA alle Menschen zwischen 20 und 60. Seither teilt sich die Gesellschaft in junge Menschen und alte Menschen, genannt Starters und Enders. Minderjährige ohne Großeltern werden in Heimen zusammengepfercht, Sklavenarbeit wurde wieder legalisiert. Die Enders werden bis zu 200 Jahre alt und sehnen sich nach der Beweglichkeit junger Jahre zurück. Die geheime Firma Prime Destinations kann bei diesem „Problem“ helfen. Sie vermieten die Körper von Starters gegen Geld an Enders, die sich wieder jung fühlen wollen.
Callie ist 16 Jahre alt und schlägt sich zusammen mit ihrem kleinen Bruder Tyler und einem Freund namens Michael gerade so durch. Sie übernachten in verlassenen Bürogebäuden und sind immer auf der Flucht vor den Marshals, die sie einfangen und ins Heim bringen wollen. Tyler ist krank und Callie sieht keinen anderen Ausweg mehr, als ihren Körper an Prime Destinations zu verkaufen, um an Geld zu kommen. Drei Einsätze werden von ihr verlangt. Ihr wird ein Chip ins Gehirn gepflanzt, mit dem das Bewusstsein der Enders in ihr Gehirn übertragen werden kann. Doch etwas geht schief, Callie erwacht in ihrem Körper, bevor die Zeit der Mieterin abgelaufen ist. Als Callie zu Prime Destinations zurückkehren will, hört sie die Stimme der Mieterin, deren Name Helena ist, in ihrem Kopf. Helena warnt sie, zur Firma zu gehen, denn ihrer beider Leben steht auf dem Spiel!

Das Grundsetting mit den Körpern, in die ein Bewusstsein übertragen wird, erinnerte mich an die kurzlebige TV-Serie Dollhouse von Joss Whedon, in der Menschen ihren Körper verkaufen und andere Persönlichkeiten in das Gehirn „geladen“ werden, die dann Missionen erfüllen. Bis auf diese Übereinstimmung haben Buch und Serie aber wenig gemeinsam.

In der Welt von Starters sind junge Menschen nichts wert. Die Enders haben die Herrschaft übernommen und unterdrücken die Starters in allen Bereichen. Erklärt wird dies u.a. damit, dass aufgrund der höheren Lebenserwartung die Enders länger arbeiten und die Starters ihnen die Arbeit wegnehmen würden. Warum die Starters aber vollkommen unterjocht werden und keinerlei Rechte haben – sie dürfen auch nicht wählen – wird nicht zufriedenstellend erklärt. Sollten die Enders die Starters nicht eigentlich fördern und eine Möglichkeit finden, sie wieder fruchtbar zu machen? Seit den Impfungen gegen die Sporen sind Schwangerschaften nämlich ausgeblieben. Früher oder später würde die Gesellschaft also vollkommen aussterben.

Dass ein Krieg die Moral eines ganzen Landes so dermaßen über den Haufen werfen kann, fand ich etwas unglaubwürdig, spannend war die Geschichte aber trotzdem. Prime Destinations mit dem gruseligen „Old Man“ als Oberhaupt verfolgt grausame Ziele, die nur Callie mit der Unterstützung von Helena vereiteln kann. Dabei muss sie sehr genau aufpassen, wem sie vertraut, denn sie kann sich nie sicher sein, wem sie gerade gegenübersteht.
Natürlich darf auch die obligatorische Dreiecksgeschichte nicht fehlen, die allerdings nicht allzu detailliert ausgeschmückt wird und auf jeden Fall in eine andere Richtung geht als normalerweise. Eigentlich streicht sich eine Figur nämlich ganz von selbst aus der Gleichung und wenn sich die Autorin diese Person im nächsten Band trotzdem noch offen hält, möchte ich mir schon jetzt vorsorglich die Haare raufen. Von Romantik keine Spur. Ignorieren wir also die Liebesgeschichte und es bleibt eine spannende Zukunftsvision, bei der man wieder einmal betet, sie möge sich in der Realität niemals so umsetzen lassen!

Die Serie

Enders - Porträt eines Marshals: Die Bonus-Story (Starters, #1.25) Porträt einer Spore (Starters, #1.5)


Han, Jenny: Ohne dich kein Sommer

Originaltitel:
It's Not Summer Without You
Autor/in:

Verlag:

Themen:
, , ,
Reihe:
Sommer 2 von 3
Seiten: 256
Preis: 14,90 €, Trade Paperback
ISBN: 9783446238923
Erscheinungsdatum: 06.02.2012

Ohne dich kein Sommer ist der zweite Teil von Jenny Hans Sommertrilogie, kann aber auch gut ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes gelesen werden, da vorangegangene Ereignisse nochmals erklärt werden. Wer Teil 1 noch lesen möchte oder schon gelesen hat, für den gilt natürlich Spoilerwarnung!

Ein Jahr ist der letzte unbeschwerte Sommer von Belly her. Das erste Mal fährt sie nicht mit ihrer Familie ins Sommerhaus nach Cousins, sondern bleibt zuhause. Der Grund dafür ist, dass Suzannah, die beste Freundin von Bellys Mutter und Besitzerin des Sommerhauses, zwei Monate zuvor gestorben ist. Letztendlich ist daran auch Bellys Beziehung zu Conrad, Suzannahs älterem Sohn, gescheitert. Belly trauert der schönen Zeit hinterher und obwohl der Sommer immer ihre liebste Jahreszeit war, wünscht sie sich jetzt, dass er möglichst schnell vorüberzieht.
Als Conrads Bruder Jeremiah anruft und Belly um Hilfe bittet, weil Conrad verschwunden ist, zögert sie nicht lange. Sie sieht ihre Chance gekommen, mit Conrad wieder ins Reine zu kommen, sich für ihre grausamen Worte zu entschuldigen, die sie ihm bei der Beerdigung an den Kopf geworfen hat. Und so finden sich die drei Jugendlichen – vielleicht das letzte Mal – zusammen im Sommerhaus wieder. Während sie gemeinsam um den Erhalt ihrer zweiten Heimat kämpfen, müssen sich alle drei über ihre Gefühle klar werden. Ergänzt wird die Geschichte durch Erinnerungen an vergangene Zeiten, die teils aus Bellys, teils aus Jeremiahs Sicht erzählt werden.

Endlich wieder zurück in Cousins! Wie schon im ersten Teil vermag es die Autorin, dem Leser die Gefühle und Stimmungen der Figuren perfekt zu vermitteln. Sie fängt den Sommer so gut ein, dass man selbst glaubt am Strand zu sitzen. Aber auch die Trauer um Suzannah ist praktisch greifbar, nicht nur einmal wäre ich fast in Tränen ausgebrochen, als Belly oder Jeremiah über sie reden.

Belly möchte „ihren“ beiden Jungs wirklich zur Seite stehen, ihnen unter die Arme greifen und bei der Trauerbewältigung helfen. Conrad ist noch immer ihre große Liebe, aber er blockt Bellys Annäherungsversuche ab und ignoriert sie so gut wie möglich. Sein verschlossener Charakter macht es nicht leicht ihn gern zu haben, auch wenn hinter der Fassade ein liebenswerter und verletzlicher junger Mann verborgen zu sein scheint. Im dritten und letzten Buch soll ein Teil der Geschichte wohl aus seiner Sicht erzählt werden. Dies wird es hoffentlich leichter machen, Conrads Verhalten zu verstehen.

Bis dahin schlägt mein Herz aber auf jeden Fall für Jeremiah, der liebenswert und witzig ist und sich sehr um das Wohlergehen von Belly bemüht. Es müssen doch nicht immer die verschlossenen, mürrischen Typen sein, die attraktiv sind!

Ohne dich kein Sommer ist ein würdiger Nachfolger des ersten Teils. Belly entwickelt sich weiter, legt kindische Verhaltensweisen ab und wird so langsam erwachsen. Ich drücke ihr die Daumen, dass sie im letzten Band das große Glück findet und nach vorne blicken kann.

Die Serie