Schlagwort-Archive: Erschienen 2011

Steinert, Andrea: Haut, so weiß wie Schnee

Originaltitel:
-
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 304
Preis: 12,99 €, Hardcover
ISBN: 9783833900426
Erscheinungsdatum: 16.09.2011

Jette ist ein hübsches Mädchen mit sehr reiner Haut, macht sich aber nichts aus ihrem Aussehen. Ganz im Gegensatz zum skrupellosen Vorstandsvorsitzenden eines Kosmetikkonzerns, der glaubt in Jettes makelloser Haut die Revolution der Kosmetikindustrie gefunden zu haben. Er beauftragt seinen Gärtner damit, Jettes Tagesablauf auszukundschaften und ihr möglichst bald und ohne viel Aufsehen Blut abzunehmen. Natürlich lässt sich diese verrückte Idee nicht ohne Komplikationen umsetzen. Der vernachlässigte Sohn des Vorstandsvorsitzenden hört mit seinem blinden Freund Jonah sämtliche Gespräche des finsteren Duos ab. Jonah erkennt die dramatische Lage und beschließt, Jette zu warnen. Eine Reihe abstruser Zufälle führt dazu, dass Jonah Jette aufspürt und mit ihr zusammen entführt wird. Während ihrer Gefangenschaft kommen sich die beiden näher und versuche einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden, derweil die Polizei vollkommen im Dunkeln tappt und die Jugendlichen auf einer Liebesreise in Italien wähnt.

Klingt an den Haaren herbeigezogen? Ist es auch! Während der Lektüre der 304 Seiten habe ich nicht nur einmal verständnislos den Kopf geschüttelt. Die Grundkonstruktion des Buches ist schon so lächerlich, dass man sich gar nicht traut sie wiederzugeben. Beim Vorstandsvorsitzenden Dr. Kai Saalfeld sind wohl so einige Schrauben locker. Aus Angst, dass die Konkurrenz ihm seine grandiose Idee wegschnappt, entspinnt er den wahnwitzigen Jette-Entführungsplan, den sein GÄRTNER ausführen soll. Anstatt einfach die Eltern von Jette anzurufen, seine Vermutung zu schildern, ihnen ein bisschen Geld zu zahlen, Jette Blut abzunehmen und die gesamte Familie zur Verschwiegenheit zu verpflichten. Aber nö, ist ja nur halb so spannend. Ach ja und seine Motivation? Er steht wegen sinkender Aktien kurz vor der Entlassung, muss aber noch sein neu angeschafftes Tropenhaus bezahlen. Logisch, für meine Pflanzen entführe ich ja auch regelmäßig junge Mädchen.

Andere Charaktere des Buches scheinen sich ebenfalls in einer Art Delirium zu befinden. So schnappt sich Jettes Freundin Klara in einem entscheidenden Moment mal eben so den Kinderwagen einer unbeteiligten Mutter, um ihn vor ein Auto zu werfen und den Gärtner aufzuhalten. Hallo? Die Mutter kümmert das allerdings überhaupt nicht, jedenfalls gibt es keinen lesbaren Protest von ihrer Seite. Jonah ist auch nicht besser. Er rät Jette, sich selbst Blut abzunehmen und an einem geheimen Ort zu hinterlegen. Als Druckmittel. Da hat wohl jemand zu viele Krimis gelesen. Genau wie der Aufzugführer des Kosmetikkonzerns, dessen Figur eigentlich völlig überflüssig ist, der den Jugendlichen aber mit seinem „unerschöpflichen Krimiwissen“ zur Seite steht. Welches er aus Kriminalromanen bezieht. Und Jette und Jonah gemeinsam sind der Gipfel der umnachteten Charaktere. Sie sind tatsächlich enttäuscht, als sie durch eine Befreiungsaktion ihrer Freunde bei ihrer körperlichen Annäherung unterbrochen und aus dem Verlies geholt werden. Enttäuscht! Wie soll man sich in diese zwei Kinder hineinversetzen, wenn sie ihre eigene Entführung nicht ernst nehmen?

Leider kaufe ich der Autorin die in Deutschland spielende, realitätsferne Geschichte nicht ab. Das gleiche Problem hatte ich auch schon bei Arno Strobels Thriller Der Trakt. Andrea Steinert bedient sich übrigens derselben Holzhammermethode, was die Namen angeht. Kai Saalfeld und Wim Tanner waren mir schon allein deswegen unsympathisch, weil sie nur aus Vor- und Nachnamen zu bestehen scheinen. Wenn ich ständig Sätze lesen muss wie „Offenbar auch nichts, was Kai Saalfeld hätte belasten können. Dennoch stand es um Kai Saalfeld nicht gut.“ dann werde ich wahnsinnig dabei. Wo ist die Variation?

Meine Empfehlung: spart euch das Geld und kauft euch irgendein anderes schönes Buch. Der Baumhaus Verlag hat ja auch bessere Titel im Angebot…


Desplechin, Marie: A & O

Originaltitel:
La Belle Adèle
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 112
Preis: 10,99 €, Hardcover
ISBN: 9783414823144
Erscheinungsdatum: 16.09.2011

Amelie und Oscar sind beste Freunde und Außenseiter an ihrer Schule. Amelie, weil sie nicht das typische Mädchen ist und sich über ihr Aussehen keine Gedanken macht. Und Oscar verheimlicht seine Intelligenz nicht, sondern stellt sie offen zur Schau, korrigiert in der Schule sogar die Lehrer mitten im Unterricht. Eigentlich ist Amelie auch ganz zufrieden mit der Situation, bis ihre Tante einen schicksalhaften Satz fallen lässt: „Kannst du dich nicht wenigstens ein kleines bisschen bemühen?“
Aus einer Reihe von Zufällen reift in Oscar und Amelie die Idee, sich als Liebespaar auszugeben, um „mit der Masse zu verschmelzen“ und nicht mehr aufzufallen. Dieser Plan setzt allerdings etwas größeres in Gang, als die zwei sich je hätten träumen lassen.

Ich war sehr neugierig darauf, welche Geschichte die Autorin auf den knappen 112 Seiten zu erzählen vermag, sodass ich sogar darüber hinweg sehen konnte, dass es sich um ein französisches Buch handelt. Bisher bin ich mit Büchern aus diesem Land nicht wirklich warm geworden. A & O ist dann auch sehr flott durchgelesen. Durch die Kürze wirkt die Handlung sehr zusammengepresst, denn in der knappen Zeit werden Amelie und Oscar nicht nur von Außenseitern zum beliebtesten Paar der Schule, sondern auch Gesichter einer landesweiten Werbekampagne, die zudem noch ein großes Problem in Oscars Familie mal eben so löst. Sehr schön für Oscar, aber doch sehr unglaubwürdig. Man merkt, auch dieses Buch konnte mich nicht für die französische Erzählweise erwärmen, sodass ich das Buch nur mit „ganz nett“ bewerten kann.

Wer sich übrigens über den Originaltitel wundert: der Boje Verlag hat aus mir unbekannten Gründen die Namen der Hauptfiguren geändert. Amelie heißt eigentlich Adèle und Oscar im Original Frédéric. Keine Zungenbrechernamen also, die hätte man doch getrost belassen können.


Blackman, Malorie: Boys Don’t Cry

Originaltitel:
Boys Don't Cry
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 302
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783414822987
Erscheinungsdatum: 19.08.2011

Der 17-jährige Dante hat gerade seinen Schulabschluss mit glänzenden Noten gemacht und träumt von einer erfolgreichen Zukunft. Er will in Kürze sein Studium beginnen. Da steht plötzlich seine Ex-Freundin Melanie vor der Tür und hat ein Baby im Schlepptau. Nachdem sie ihm eröffnet, dass die kleine Emma Dantes Tochter ist, verlässt sie unter einem Vorwand das Haus und kehrt nicht wieder zurück.
Dantes Vater ist verständlicherweise anfangs nicht begeistert über den ungeplanten Familienzuwachs und lässt seinen Sohn die Enttäuschung über seinen „Unfall“ auch spüren. Dantes Bruder Adam ist hingegen vom ersten Augenblick ganz vernarrt in seine Nichte. Emma stellt das Leben im Männerhaushalt gehörig auf den Kopf. Und was wird jetzt eigentlich aus Dantes Zukunft?

Wie am Cover schon gut zu erkennen ist, spielt in Boys Don’t Cry ein Baby bzw. ein Kleinkind die Hauptrolle. Dante wird von seiner Vaterschaft vollkommen überumpelt und ist von einer auf die anderen Minute verantwortlich für einen Menschen. Verständlich, dass er mit der Situation überfordert ist und die kleine Emma am liebsten sofort wieder loswerden möchte. Seinem Vater ist es zu verdanken, dass Dante sich dieser Herausforderung – wenn auch unwillig – stellt. Heimlich meldet er sich aber trotzdem für sein Studium an und bestellt sich im Internet einen Vaterschaftstest sowie informiert sich darüber, wie man ein Kind in Pflege geben oder zur Adoption freigeben kann. Dantes Vater hat dafür kein Verständnis, ich finde diese Reaktion aber nachvollziehbar. Dante möchte sich Gewissheit verschaffen und braucht Zeit um zu verarbeiten, dass seine Zukunft wohl nicht so verlaufen wird wie er es sich gewünscht hat. In diesem Zusammenhang komme ich zum größten Kritikpunkt des Buches: das Problem löst sich zu schnell in Luft auf. Noch bevor der Vaterschaftstest überhaupt geliefert wird hat Dante sich mit seinen neuen Lebensumständen bereits arrangiert, seinen Studienplatz abgesagt und liebt seine Tochter bedingungslos. Das geht einfach zu schnell. Und genauso ist es auch mit dem Rest des Buches. Es werden viele Themen angeschnitten, aber keines intensiver beleuchtet. So bekommt Dante z. B. in der Öffentlichkeit die geballten Vorurteile einer Frau zu spüren, die ihn dafür kritisiert ein Teenagervater zu sein. Dante fühlt sich ungerecht behandelt und ist frustriert. Damit ist das Thema dann aber auch abgehakt. Obwohl Dante anscheinend fast jeden Tag mit Emma spazieren geht, wird er danach in Ruhe gelassen.

Gleiches gilt für den Besuch einer Sozialarbeiterin, die die Freundin von Dante der Familie auf den Hals hetzt. Es wird viel Wirbel darum gemacht, dass Dante sich davor fürchtet Emma zu verlieren. Letztendlich passiert dann aber doch nichts. Natürlich erwarte ich dabei nicht, dass das Jugendamt als bösartige Behörde dargestellt wird, die allen ihre Kinder entreißen will, aber mir erschien die Lösung einfach zu glatt.

Als wäre das neue Baby in der Familie nicht schon genug Drama für ein Buch, hat die Autorin zusätzlich noch die Probleme von Dantes Bruder Adam mit eingeflochten. Schließlich ist der Titel ja auch Boys Don’t Cry, nicht Boy.
Adam ist schwul und steht auch offen dazu. Seine Familie schweigt das Thema allerdings lieber aus, sodass sich Adam nicht verstanden fühlt. Er verliebt sich ausgerechnet in einen Jungen, der zu seiner Neigung nicht stehen will, was zu nichts Gutes führt.

Achtung, hier wird das Ende verraten!
Adam wird von seinem Freund – der auch noch Dantes bester Kumpel war – beinahe zu Tode geprügelt. Er überlebt schwer verletzt, ist aber im Gesicht für immer entstellt. Für Adam ist dies der Weltuntergang, da er Schauspieler werden wollte. Er zieht sich vollkommen zurück und versucht sich sogar umzubringen. Aber dann reicht ein kleines Gespräch mit seinem Bruder, um ihn aus der Isolation zu bewegen und ein kitschiges Happyend herbeizuführen. Unglaubwürdig!

Fazit: Boys Don’t Cry ist durch seine ungewöhnliche Perspektive auf eine Teenieschwangerschaft bzw. deren Folgen sicherlich einzigartig und lesenswert. Leider ist das Buch aber viel zu vollgestopft, sodass die vielen interessanten Ansätze nicht zu Ende geführt werden.


Lim, Rebecca: Gefangen

Originaltitel:
Mercy
Autor/in:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
Mercy 1 von 4
Seiten: 256
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783473400645
Erscheinungsdatum: Oktober 2011

Mercy ist ein Wesen ohne Körper. Sie kennt ihren richtigen Namen nicht, weiß nicht wer sie ist und wo sie herkommt. Sie kann sich nur verschwommen an Vergangenes erinnern. Doch eins weiß sie sicher: in kurzen Zeitabständen wacht sie in den Körpern fremder Mädchen auf und übernimmt diese. Sie hat das Phämonen „Souljacking“ getauft.
Diesmal hat es Carmen erwischt. Mercy schlüpft in den zierlichen Körper des Mädchens, als diese auf dem Weg zu einer zweiwöchigen Chorveranstaltung an einer anderen Schule ist. Mercy erkennt schnell, dass sie diesmal wohl nicht ihrem Wirt helfen muss, sondern ihrer Gastfamilie, deren Tochter Lauren zwei Jahre zuvor entführt wurde. Dabei verliebt sich Mercy in Laurens Bruder Ryan.

Die Idee der Körperübernahme hat mich an diesem Buch besonders interessiert. Gleichzeitig habe ich mit Mercy gerätselt, warum sie zu dieser Art des Daseins wohl verdammt wurde. In ihren Träumen begegnet Mercy regelmäßig einer Person namens Luc, die Mercy näher zu kennen scheint und sie beschwört, ihn zu suchen. Gleichzeitig warnt er sie vor „den Acht“, die ihr Schaden zufügen wollen. Bis zum Ende des Buches kann Mercy sich nur vage daran erinnern, wer sie vor der Souljackingzeit war und es wird nicht klar ausgesprochen, was sie denn nun eigentlich ist. Dieses Rätsel hat für mich den Hauptreiz an der Geschichte ausgemacht, die eigentlich – kaum da sie angefangen hat – schon wieder vorbei ist. Nach der letzten Seite musste ich wirklich überlegen, was im ganzen Buch passiert ist, denn viel ist es nicht. Mercy geht in Carmens Körper zu den Chorproben und in die Schule, wo sie sich gegen die stichelnden Mitschüler behauptet und geht nach kurzer Überzeugungsarbeit ein bisschen mit Ryan auf die Suche nach Lauren. Zwischendurch träumt sie von Luc und beginnt an ihrem bedingungslosen Vertrauen ihm gegenüber zu zweifeln. Und dann ist irgendwie viel zu schnell Schluss…

Wenn man statt des Klappentextes die Beschreibung auf Amazon liest oder sich die englischen Bücher anschaut, verliert die Geschichte ein wenig von ihrem Reiz, denn dort steht bereits, was Mercy in Wirklichkeit ist. Natürlich habe ich mir das im Laufe des Buches auch halbwegs zusammengereimt, aber da es nicht bestätigt wird, war da immer noch ein kleiner Zweifel und die Spannung auf Teil 2, die mir jetzt teilweise genommen wurde. Weiterlesen werde ich trotzdem, denn ich bin sehr gespannt darauf, wohin Mercys Weg am Ende führen wird.

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