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McMann, Lisa: Wake

Die siebzehnjährige Janie hat eine besondere Gabe, oder eher einen Fluch: sie kann die Träume anderer Menschen sehen. Immer wenn jemand im selben Raum einschläft wird Janie in dessen Traum gezogen und kann nichts tun als warten, bis es vorbei geht. Die Träumer selbst sprechen Janie zwar manchmal an, erinnern sich nach dem Aufwachen aber nicht mehr daran, sie gesehen zu haben. Janie ist diese Gabe äußerst lästig, weil sie sie nicht kontrollieren kann. Noch nicht einmal ihrer Mutter hat sie davon erzählt, weil sie Angst hat, für verrückt gehalten zu werden. Und selbst wenn man ihr glauben würde, wer will schon, dass seine Träume von jemandem beobachtet werden?
Doch eines Tages ändert sich etwas: Janie wird in einen furchtbaren Albtraum gezogen, der sie vollkommen bewegungsunfähig macht und ihr Angst einjagt. Und das merkwürdigste daran ist: sie selbst kommt in diesem Traum vor. Der Träumer stellt sich als ihr Mitschüler Cabel heraus, der von allen gemieden wird und angeblich als Drogendealer arbeitet. Für Janie völlig unverständlich ist außerdem, das Cabel sich daran erinnert, dass sie seinen Traum beobachtet hat! Wie soll sie jetzt ihre Fähigkeit geheimhalten?

Wake erscheint mir als ein experimentelles Jugendbuch. Es hat zwar über 200 Seiten, diese sind aber sehr sparsam bedruckt. Lisa McMann arbeitet mit vielen Absätzen und unterteilt den Text in viele kurze Passagen, die jeweils auf den Tag und die Uhrzeit hinweisen. Außerdem verwendet sie unterschiedlichen Schriftarten, um den Wechsel zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterstreichen. Den Schreibstil kann man als spartanisch beschreiben. Nach dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ bestehen viele Sätze nur aus drei Wörtern oder sogar noch weniger, sofern man dies noch als Sätze bezeichnen kann. Dieser Stil war für mich gewöhnungsbedürftig, hat mir aber gut gefallen, genau wie die Geschichte. Wer wollte nicht schon mal die Träume anderer Leute sehen? Janie kann es, aber sie würde diese Gabe lieber loswerden.

Wieder mal handelt es sich hier um den Auftakt zu einer Trilogie, den zweiten Teil habe ich auch schon gelesen und der dritte liegt bereits auf dem SuB. Auch Teil 2 hat mir gut gefallen. Wer eine leicht zu lesende Geschichte sucht, die originell ist und nicht die altbekannten Fantasywesen abarbeitet, sollte hier mal einen Blick riskieren! Der ungewöhnliche Schreibstil sorgt nochmal zusätzlich für Abwechslung.