Hey, NA?! Mit Nadine Wilmschen

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Aus den deutschen Buchhandlungen sind sie aktuell nicht mehr wegzudenken. Sie sind bunt, oft pastellig, versprechen Drama, Liebe und vor allem Protagonist:innen im jungen Erwachsenenalter – New Adult Liebesromane. In den letzten Jahren haben sie Regale, Tische und Leser:innen für sich eingenommen und dabei nicht nur amerikanischen oder englischen, sondern auch immer mehr jungen, deutschen Autor:innen die Türen geöffnet. Trotzdem halten sich gegenüber dem Genre, das eigentlich gar keins ist, hartnäckige Vorurteile: Es gehe nur um Sex, ein Buch gleiche dem anderen und von einem richtigen Plot kann in zumeist Liebesromanen doch sowieso nicht die Rede sein.

In der Beitragsreihe „Hey, NA?“ will ich den Stärken, Schwächen, den Vorurteilen und dem Potenzial von NA Liebesromanen mit der Hilfe von Autor:innen auf den Grund gehen.

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Für das dritte Interview der Reihe habe ich mich mit der New Adult Autorin Nadine Wilmschen unterhalten. Nadine hat 2020 ihr Debüt „Catch My Girl“ im Romance Edition Verlag veröffentlicht und in wenigen Tagen folgt mit „Hold My Girl“ die Fortsetzung der Sport Romance mit College Setting. Dass solche NA Romane 2021 (inter)national immer noch wunderbar funktionieren und wieso die Vorherrschaft der dramatischen Schicksalsschläge ihrer Meinung nach enden muss – das erzählt mir die im Ruhrgebiet lebende Autorin im heutigen Interview.

Gleich zu Anfang: Wie würdest du NA in einem Satz für dich persönlich definieren?

New Adult schließt die Lücke zwischen der klassischen Jugendliteratur (Young Adult) und den genretypischen Romanen für Erwachsene.

Welches Thema liegt dir besonders am Herzen, ist aber deiner Meinung nach vollkommen unterrepräsentiert?

Geschichten in diesem Genre sind oft sehr dramatisch. Es passieren schlimme Dinge, die natürlich auch Spannung erzeugen und Emotionen bei Leser:innen hervorrufen sollen. Ich würde mir wünschen, dass Bücher zwar fesselnd sind, diese Spannung jedoch nicht immer von außen auf die Figuren wirkt. Es muss nicht immer die Krankheit, der Unfall, das lebenserschütternde Ereignis sein – zumal es oft auch unwahrscheinlich ist, dass diese Dinge den Protagonist:innen in solch einer Häufigkeit passieren. Ich würde mir wünschen, dass gute New-Adult-Geschichten ohne diese aufgesetzte Dramatik auskommen und die Figuren den Leser an die Geschichte binden. Dass man mit den Protagonist:innen leidet, weil man sie ins Herz schließt und sie echt wirken, nicht weil der dritte Schicksalsschlag auf fünfzig Seiten passiert ist. Authentizität der Figuren wäre da wohl eine passende Zusammenfassung.

Wo, glaubst du, kommt diese Entwicklung her?

Angefangen hat es mit Sport Romance – wie ich sie ja auch schreibe – und irgendwann war das einfach nicht mehr genug. Die Charaktere müssen ganz furchtbare Dinge durchmachen, damit Dramatik in die Geschichte kommt, die sonst so gefehlt hätte. Ich lese selbst auch gerne mal dramatische Geschichten, bevorzuge aber welche, in denen ich mich anderweitig mit den Charakteren identifizieren kann. In meinen eigenen Büchern traue ich mir auch nicht zu, diese Sachen aufzunehmen, weil ich sie selbst so nie erlebt habe.

Da reflektierst du über Repräsentation. Eine Debatte, die so alt ist wie die Zeit selbst – aber auch genauso wichtig! Du sagst, dass du Dinge, die du selbst nicht erlebt hast, auch nur bedingt gut beschreiben kannst?

Ich würde sagen, es ein schmaler Grat. Ich habe nie in Amerika studiert und auch keinen Footballer gedated – verdammt! – aber man lebt durch seine Figuren ja in dem Moment auch ein Leben, das man nicht hat. Was das Emotionale angeht, bin ich da einfach vorsichtiger als was beispielsweise das Setting angeht. Ein College in den USA kann ich googeln – aber bei den Gefühlen der Charaktere hilft mir Google nicht. Da kann ich nur aus meinem eigenen Fundus schöpfen.

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In meinem letzten Interview mit Rebekka habe ich im Zuge dessen ja auch darüber gesprochen, dass das Schreiben eine Art Therapie sein kann, beispielsweise wenn Charaktere ein ähnliches Problem haben und dieses durcharbeiten müssen. Stellst du das bei dir auch fest?

Eine vermutlich untypische Aussage für eine Autorin, aber: nein. Der Vorgang oder der Akt des Schreibens an sich ist definitiv therapeutisch, aber ich verarbeite durch die Geschichten selbst nichts. Zumindest ist das bei den aktuellen Projekten so. Das kann sich in Zukunft natürlich noch ändern, wenn ich mich vielleicht auch an härteren Stoff heranwage.

Schätzfrage: Wie viele Stories hast du begonnen, bis du die erste beendet hast?

Oh, das ist schwer zu sagen. So viele waren das für Autor:innenverhältnisse gar nicht. Zwanzig vielleicht.

Was hat deiner Meinung nach beim ersten Buch, dass du fertig gestellt hast, den Unterschied gemacht?

Die erste fertige Geschichte, die länger als nur eine Kurzgeschichte war, ist eine Fan-Fiction gewesen. Dadurch, dass die Geschichte parallel zum Schreibprozess online gestellt wurde, hat mich das Feedback damals gepusht.

Funktioniert dieser „Feedback-Loop“ heute noch genauso? Oder gibt es – außer dem Feedback von außen – noch etwas anderes, was dich antreibt?

Das hat sich mit der Zeit schon ein bisschen geändert. Deadlines pushen einen beispielsweise auch ganz schön. Aber ich habe auch eine Schreibgruppe – unter anderem mit Nina Bilinszki und Rebekka Weiler. Wir schreiben teilweise auch parallel, veranstalten Word Wars* und pushen uns gegenseitig. Das hilft auf jeden Fall. Gerade an Tagen, an denen einfach nichts geht und das Schreiben auch mal nicht so viel Spaß macht – das kennt bestimmt jeder, der schreibt. Was das Testlesefeedback angeht – um es mal mit den Fan-Fiction-Leser:innen zu vergleichen – da gibt es nur eine Person, die mitliest. Quasi meine Alpha-Leserin, die mir teilweise zu 500 Wörtern Feedback gibt, egal ob es positiv oder negativ ist.

*Bei einem Word War stellt man sich einen Timer auf eine bestimmte Zeit und schreibt dann für diese Zeitspanne konzentriert. Am Ende vergleichen wir, wer am fleißigsten war.)

Mit welchem Vorurteil über NA würdest du als erstes aufräumen oder tust es in deinen Büchern vielleicht sogar schon?

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Ein Vorurteil aktuell ist wohl, dass klassisches College-New-Adult mausetot ist. Das Genre hat mal mit genau diesen Geschichten angefangen und angeblich will die heute niemand mehr lesen. Glaube ich aber nicht. Ich persönlich liebe sie nach wie vor und ich denke, dass es vielen Leser:innen genauso geht. Die College-Romanze ist noch nicht klinisch tot und ich bin sehr froh, dass mein Verlag das ähnlich sieht.

Trotzdem ähneln sich diese College-Romanzen ja bis zu einem gewissen Punkt. Wie bringst du selbst trotzdem noch Abwechslung in die Stories und wie gern bedienst du dich auch an bekannten Klischees?

Ich bediene mich sehr gerne an Klischees, versuche da aber immer einen neuen Blickwinkel mit reinzubringen. Nehmen wir als Beispiel meinen Debütroman „Catch My Girl“: Natürlich haben wir hier die typische Geschichte – er ist der erfolgreiche Footballer, sie ist mehr oder weniger das Mädchen von nebenan. Es gibt in dem Buch eine Szene, in der Grace zu einer Freundin sagt, dass sie sie gern in ein Kleid stecken und schminken kann, sie aber dann trotzdem nicht aussieht wie die Ballkönigin. Das ist ein Klischee, dass ja sehr oft in solchen Geschichten vorkommt: Sie ziehen ihre Brille aus und plötzlich sehen alle, dass sie wunderschön ist. Solche Sachen nehme ich hier und da durch eine spitze Bemerkung gerne mal aufs Korn – weil es einfach Quatsch ist. Ich möchte auch nicht, dass meine Figuren so agieren, dass mein Protagonist die Protagonistin nur mag, weil sie plötzlich gut aussieht. Andere Klischees benutze ich aber tatsächlich einfach gerne. Das des erfolgreichen Sportlers, der am Ende eben doch ein goldenes Herz hat und gar nicht so arrogant ist, zum Beispiel.

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Wie gut ist da auch die Symbiose mit deiner Lektorin und wie lange habt ihr euch miteinander einarbeiten müssen?

Wir haben jetzt zwei Bücher zusammen lektoriert und es war definitiv ein Lernprozess auf meiner Seite. Das erste Manuskript habe ich aus dem Lektorat bekommen, aufgemacht, hab mal kurz geguckt, hab es wieder zugemacht und bin dann in Richtung Weinkeller gegangen. Mir war persönlich überhaupt nicht klar, was da eigentlich kommt. Ich hab dem Verlag eine Geschichte angeboten, von der ich dachte: „Ich finde sie gut so!“ Und dann habe ich das Manuskript zurückbekommen und mein erster Gedanke war „Du kannst gar nichts. Wieso haben sie deine Geschichte überhaupt genommen?“ Aber dann schläft man eine Nacht drüber und schaut sich eben doch an, was da überhaupt angemerkt wird. Zu 99,9 % hat sie auch recht, die 0,1 % beziehen sich auf Situationen, in denen der Protagonist barfuß ist und meine Lektorin sagte, dass er Schuhe tragen müsste. Darüber gab es im Zuge des Lektorats von „Catch My Girl“ eine ganz zauberhafte Diskussion (lacht). Nachdem ich mich in Band 1 an sie und ihren Stil gewöhnt hatte, lief Band 2 anders: Ich war nicht mehr schockiert und wusste auch von vornherein, was ich weglassen konnte. Ich hoffe sehr, dass ich in Band 3 auch wieder mit ihr zusammenarbeiten kann, denn aktuell will ich niemand anderen!

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Das klingt so, als sei das die beste Art auf die es laufen kann.

Ja, ich habe wahnsinnig viel gelernt in dem ersten Lektorat. Ich glaube, ich habe in meiner ganzen Schreibkarriere nicht so viel in so kurzer Zeit gelernt, wie in dem Lektorat. Du lernst auch erst da, worauf Verlage eigentlich achten, wo sie den Fokus legen und welche Szenen ihnen wichtig sind. So konnte ich meinen Verlag natürlich auch kennenlernen und weiß jetzt ganz gut, was passt und was nicht. Meine Lektorin Steffi und ich haben uns dadurch auch einfach aneinander gewöhnt.

NA hat in den letzten Jahren einen riesigen Aufschwung erlebt. Was, glaubst du, spricht die Leser:innen an NA besonders an?

Die Leser:innen bekommen Geschichten über Figuren, die in ihrem Alter sind und sich oft mit den gleichen Dingen wie sie selbst herumschlagen müssen. In meiner Teenagerzeit gab es den klassischen New-Adult-Roman nicht. Jedenfalls nicht in Deutschland. Ich habe damals viel Fantasy gelesen und musste mich bei Liebesromanen an welche halten, in denen die Protagonist:innen mindestens zehn Jahre älter als ich selbst waren. Mit meiner eigenen Lebenswirklichkeit hatten diese Bücher nur wenig zu tun. Genau das ist heute anders. Heute findet man auch mit 18 ganz leicht unzählige Bücher mit Protagonist:innen, mit denen man sich identifizieren kann.

Was ist deiner Meinung nach the most underrated und the most overrated book, auch abseits von NA? Warum?

Die Frage finde ich schwierig. Es gibt so viele Bücher, die overrated sind, weil sie gerade den Nerv der Zeit treffen. Nehmen wir doch eins, das ich selbst geliebt habe. So trete ich im besten Fall niemandem auf die Füße. Twilight. Es gab diesen riesigen Hype und heute weiß kaum noch jemand, warum. Die Geschichte ist bestenfalls einfallslos, im schlimmsten Fall problematisch. Aber damals habe ich die Bücher sehr gemocht, auch wenn ich heute durchaus ihre vielen, vielen Schwächen sehe und sie nicht noch einmal lesen würde.

Ich lese selbst viel im amerikanischen New-Adult-Bereich. Absolut underrated ist Linda Kage, die hierzulande niemand kennt. Warum sich noch kein Verlag die Übersetzungsrechte geschnappt hat, kann ich nicht verstehen. Andere Autor:innen, die in eine ähnliche Richtung gehen, werden ja in Deutschland schon übersetzt, beispielsweise Elle Kennedy bei Piper.

Linda Kage ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass NA in Amerika oft auch sehr locker und witzig sein kann, natürlich aber nicht ganz ohne dramatischen Twist. Denkst du, dass das der deutschen NA Szene in der breiten Masse fehlt?

Ich glaube, dass es leider auch von manchen Verlagen einfach so verlangt wird, gerade von den größeren. Ich bin da sehr froh, dass mich mein Verlag sehr klassische, aber lockere Geschichten hat schreiben lassen. Ohne ein bisschen Witz macht es mir persönlich einfach nicht ganz so viel Spaß. Allerdings kann Linda Kage das trotz allem auch ganz gut – in ihrer Reihe gibt es oft genug am Ende immer noch diese eine dramatische Entwicklung.

Was ist in deinen Augen das größte Problem von NA?

Ich weiß gar nicht, ob es ein größtes Problem gibt. Vielleicht ist es die Vermarktung. Wenn die Bücher in jeder zweiten Buchhandlung im Erotikbereich stehen, weiß man, dass sich niemand ernsthaft mit dem Inhalt auseinandergesetzt hat. New Adult ist so viel mehr als dumpfe Erotik für Jugendliche. Und diese stiefmütterliche Behandlung haben die Romane nicht verdient. Immerhin verkaufen sie sich verdammt gut und hätte ein bisschen mehr Liebe durch die Buchhandlungen verdient.

Kannst du schon etwas über deine nächsten Projekte und deine Ziele für 2021 verraten?

Mitte Februar erscheint mein zweiter Roman. Er ist Teil einer New-Adult-Reihe. Band 3 wird im Herbst 2021 erscheinen und Band 4 Anfang 2022. Ich bin dieses Jahr gut mit diesen beiden Projekten beschäftigt.

Hold my Girl“ erscheint ja schon in wenigen Tagen. Wie hast du da geplant? Stand für dich von Anfang an fest, dass du vier Bände schreiben würdest? Wie waren die Signale des Verlags?

Ich habe anfangs mit den ersten zwei geplant. Idealerweise sollte man nach dem ersten Band auch denken „Oh, interessant, die Geschichte von den beiden Charakteren würde ich jetzt aber auch gerne lesen, was ist da wohl passiert?“ Aber das kam natürlich auch darauf an, ob überhaupt jemand die Geschichte haben will. Das wäre auch anders gelaufen, wenn Band 1 gefloppt wäre, natürlich. Kein Verlag hat schließlich Geld zu verschenken. Nachdem Band 1 aber gut lief, haben wir – der Verlag und ich – uns dazu entschieden, auch Band 3 und 4 zu machen. Die Geschichten gab es in meinem Kopf auch schon, aber nie den konkreten Plan sie auch zu schreiben.

Du hast also 2021 vor, Band 3 und Band 4 zu schreiben. Das ist für deutsche NA Verhältnisse ja schon fast ein entspanntes Tempo. Glaubst du, dass das generell eher schnelle Tempo im NA Betrieb den Büchern insgesamt eher schadet als nützt?

Ich glaube, dass ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich möchte man als Verlag nicht, dass zwischen den einzelnen Bänden ein ganzes Jahr liegt. Dafür ist der Markt einfach viel zu hart umkämpft. Auf der anderen Seite gibt es aber die Autor:innen, die von ihrem Schreiben auch leben möchten. Die müssen dann natürlich gewisse Schlagzahlen haben, um ihre Miete zahlen zu können. Ich bin allerdings trotzdem kein Fan von diesen Schlagzahlen. Da kann ich auch nur von mir ausgehen: Meine Geschichten und ich, wir brauchen einfach Zeit, bis ich sie aufschreiben kann. Massenproduktion ist nie eine gute Idee, egal ob das Bücher oder etwas anderes betrifft. Da leidet dann auch die Qualität drunter. Und wenn ich mir vorstelle, dass ich in einem Jahr drei bis vier Bücher schreiben und nebenher vielleicht noch andere lektorieren müsste – ich wüsste einfach, dass meine Bücher nicht mehr gut wären. Deshalb bin ich auch sehr dankbar, dass mein Verlag mir da Zeit lässt und es wäre auch kein Problem, wenn ich signalisiere „Hey Leute, ich schaffe das nicht“. Ich habe ja auch noch einen Vollzeitjob. Dann würde der Verlag mich aber vermutlich einfach ins spätere Programm schieben. Wir haben aber auch gerade einen Hype und die großen Verlage planen voraus. Da wird uns in den nächsten 1 – 2 Jahren definitiv noch einiges begegnen: Neue Autor:innen, neue Reihen, vielleicht sogar neue Cover. NA verkauft sich auch einfach gut, viele Bücher aus der Ecke landen auf den Spiegel-BestsellerListen und jeder Verlag hätte gern den oder die nächste Bestseller-Autor:in. Es ist einfach ein lukratives Geschäft.

Nadine Wilmschen Bücher

Gerade jetzt sind große Absatzzahlen unfassbar wichtig, es geht dem Print ja schon seit ein paar Jahren sehr schlecht und da ist jeder auf der Suche nach dem nächsten großen Hit.

Das ist auch verständlich. Vor 15 Jahren gab es Millionen von Vampirbüchern, dann kamen – dank den Hunger Games – Dystopien und auf 50 Shades of Grey folgten jede Menge BDSM Bücher. Und jetzt ist es eben New Adult. Mal sehen, was als nächstes kommt.

Was glaubst du, ganz persönlich: Wo verschlägt es uns als nächstes hin? Was wird das nächste Hype „Genre“?

Das ist schwierig, da fragst du jemanden, der Geschichten schreibt, die eigentlich out sind (lacht). Ich glaube, dass sich der New Adult Markt bereinigen wird, um jetzt mal in diesem Dunstkreis zu bleiben. Die Bücher werden weiterhin gelesen werden, aber nicht mehr in dieser Masse. Die Leser:innen und der Markt werden irgendwann gesättigt sein und es wird nicht mehr so viel übrig bleiben. Dieses und nächstes Jahr wird auf jeden Fall das Thema Diversität und Own Voice sehr wichtig werden. Ob das allerdings das nächste große Ding wird – das weiß ich nicht.

Und zum Schluss ein kleines, kreatives Experiment: Vervollständige den folgenden Satz und mach daraus in einem oder zwei Absätzen den Auftakt eines NA Buches:

Als ich den Scherbenhaufen vor mir liegen sah, empfand ich alles, außer… Bedauern. Das dumme Ding war schon immer hässlich gewesen und jetzt lag es eben in all seinen Einzelteilen zu meinen Füßen. Natürlich würde mir niemand glauben, dass es lediglich ein Unfall gewesen war. Doch was spielte das überhaupt für eine Rolle? Bald wäre ich tausende von Meilen weit weg von diesem Ort, den Erinnerungen und all den Scherben meiner traurigen Existenz. Meiner traurigen und pathetischen Existenz.

»Was machst du da?«

Ruckartig wirbelte ich herum. »Nichts.« Eine Lüge, wie das Chaos zu meinen Füßen eindrücklich bewies.

»Sieht anders aus.« Sein Blick glitt zu den Überresten seines größten Triumphes auf dem Boden.

Entgegen meiner Annahme schien er nicht einmal sauer zu sein. Vielmehr war sein Blick neutral. So neutral, dass es mich furchtbar wütend machte, dass er nicht wütend war. »Willst du nichts dazu sagen?« Ich klang wie ein trotziges, kleines Kind. Und vielleicht war ich auch genau das.