Nachhaltiger lesen, geht das?

Dieser Beitrag erschien zuerst in kürzerer Form im Onlinemagazin Generation Buch 01/2019

Photo by Susan Yin on Unsplash

Vor etwas mehr als einem Jahr begann ich, mich mehr mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Ich wollte vor allem meinen Plastikverbrauch reduzieren. Ich googelte nach Unverpacktläden in meiner Nähe und fand einen Verein in meiner Stadt, der nicht nur einen kleinen Lebensmittelladen betreibt, sondern sich beständig für eine nachhaltige Lebensweise in allen Bereichen einsetzt. Im Laufe des letzten Jahres habe ich also nicht nur wie geplant meine Einkäufe umgestellt (plastikfrei bin ich noch lange nicht, aber ich sehe jede eingesparte Verpackung als einen Fortschritt), sondern auch Vorträge des Vereins besucht, online Themen recherchiert und meinen kompletten Konsum hinterfragt.

Als Buchbloggerin und ehemalige Buchhändlerin ist es klar, dass ich eine recht große Büchersammlung besitze. Obwohl ich erst vor kurzem erneut einen großen Schwung Romane aussortiert habe, liegt mein Stapel ungelesener Bücher noch immer bei über 500 Titeln und wie viele Bücher insgesamt in meinen Regalen stehen, weiß ich gar nicht. Seit Jahren steigt dieser SuB an, weil ich größtenteils Bücher lese, die mir nicht gehören. Ich frage mich also: sollte ich weiterhin so viele Bücher kaufen, oder geht lesen nicht auch nachhaltiger?

Die Antwort ist ganz klar: JA! Und deshalb habe ich mir Anfang des Jahres vorgenommen, keine Bücher zu kaufen. Das tut nicht nur meinem Geldbeutel gut, sondern verbessert auch meine buchige Ökobilanz. Ich kann stattdessen zu Fuß in die Stadtbibliothek gehen und dort über 250.000 verschiedene Medien ausleihen, die meisten davon kostenlos. In der Onleihe warten über 20.000 E-Books darauf, auf meinen Reader heruntergeladen und gelesen zu werden (E-Book-Reader sind übrigens nur für Vielleser ökologisch sinnvoll, wie Ulrike Wilke in ihrer Masterarbeit „»Grüner« lesen: Buch oder eBook?“ feststellte.) Im Einkaufszentrum gibt es eine Bookcrossing-Zone, in der ich mir gebrauchte Bücher gratis mitnehmen oder meine eigenen aussortierten Bücher spenden kann. Ich habe FreundInnen, deren Bücherregale ebenso groß sind wie meine und die mir bereitwillig Bücher leihen. UND: ich könnte sogar meine eigenen 500 Bücher lesen! Man stelle sich das vor. Was für Möglichkeiten!

Zwischenstand

Inzwischen haben wir Mai und ich kann festhalten, dass der „Keine Bücher kaufen“ Teil recht gut funktioniert. Bisher stehen auf der Liste meiner Neuzugänge fünf Titel: einen habe ich geschenkt bekommen, einen ursprünglich als Geschenk gekauft und dann doch selbst gelesen und drei Bücher habe ich mir aufgrund von Social-Media-Empfehlungen angeschafft (auch auf diese Käufe hätte ich natürlich verzichten können, aber alle drei Bücher gibt es nicht in der Bibliothek und ich möchte sie wirklich gerne lesen…). Zum Vergleich: 2018 hatte ich im gleichen Zeitraum bereits 22 neue Bücher angesammelt.

Auch das Ausleihen klappt hervorragend: von meinen bisher 13 gelesenen Büchern stammten vier aus meinem Regal, die restlichen neun waren geliehen. Das tut zwar meinem SuB-Abbau nicht so gut, aber das Gras auf der anderen Seite war schließlich schon immer grüner.

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr euch schon mal mit Nachhaltigkeit beschäftigt und wenn ja, würdet ihr auch bei eurem Bücherkonsum etwas verändern wollen?

6 thoughts on “Nachhaltiger lesen, geht das?

  1. Huhu,

    ich hab mich schon damit beschäftigt und auch zweimal drüber gebloggt. Ich finde es aber ein wenig schwer. Gerade Bibliothekennutzung macht mir ein extrem schlechtes Gewissen. Ich hab gehört, Autoren kriegen da pro Leihe gerade mal 3 Cent – und die müssen ab dem neuen EU-Urheberrecht auch noch mit dem Verlag geteilt werden. Selbst Ebook-Abos bringen Autoren nur einen Betrag meist zwischen 20 und 60 Cent, je nach Abo. Wenn man also will, dass Autoren sich das Schreiben leisten können, müsste man jedes Buch (möglichst als Ebook, da da die Tantiemen höher sind) kaufen. Das wiederum verkraftet aber mein nicht existierendes Gehalt nicht. Hier kann man nur sagen: Wie man es macht, macht man es verkehrt. Umwelt und Wertschätzung der Arbeit UND noch Geld sparen? Man kann meist nur eines von dreien, maximal zwei. Das ist irgendwie traurig und sorgt dafür, dass ich eigentlich Bauchschmerzen mache, was auch immer ich entscheide. (Aber Nichtlesen mag nicht nur mein Hirn nicht, den ohnehin schon oft am Existenzminimum lebenden Autoren hilft das auch nicht.)

    Liebe Grüße
    Taaya

  2. Hallo Anja,
    interessantes Thema – ich habe das auch immer wieder im Hinterkopf. Für die Papierherstellung wird enorm viel Wasser und Holz verbraucht und gerade bei Büchern werden selten Recycling-Papiere verwendet. Hinzu kommt, dass nicht wenige Verlage in Ländern produzieren lassen, die viel laxere Umweltgesetze haben als wir, was gerade bei Bleichmitteln problematisch sein kann.
    Ich lese viele „ältere“ Bücher und versuche immer, sie gebraucht zu kriegen oder in der Bib auszuleihen. Ausnahmen mache ich, wenn ich ein Buch sofort lesen will oder es von einer/einem Lieblingsautor_in ist – dann kaufe ich das auch gerne mal. Ich will ja eigentlich auch gerne den lokalen Buchhandel unterstützen. Aber ich schätze, in den letzten zwölf Monaten habe ich maximal 5 – 10 Bücher für den Eigenbedarf neu gekauft.
    Umgekehrt versuche ich auch immer, meine gelesenen Bücher weiterzugeben, sei es an interessierte Freund_innen oder über den Tauschschrank. Was sollen die Bücher hier Staub sammeln, wenn jemand anders sie noch haben will?
    Guter Ansatz auf jeden Fall und weiterhin viel Erfolg mit Plastikreduktion – da bin ich auch viel schlechter drin, als ich gerne wäre :-)

  3. Hallo Anja,
    schöner Beitrag! Bei mir wird Nachhaltigkeit auch ein immer größeres Thema und ich freue mich immer, wenn jemand das in einen neuen Bereich zieht und nicht nur Verpackungen beachtet werden, sondern auch andere Ressourcen. Weniger Bücher zu kaufen ist im Hinblick auf die Möglichkeiten, die man durch Onleihe etc. heute hat, wirklich einfach, gerade wenn man eine große Bibliothek hat und seine eigenen Bücher hin und wieder mehr zu beachten ist ja auch keine schlechte Idee :D Das sind beides Argumente, weshalb ich selbst auch weniger Bücher kaufen wollte, auch wenn ich sagen muss, dass Nachhaltigkeit dabei nicht in der Überlegung war. Die letzten meiner Neuzugänge habe ich aber zumindest alle als ebook gekauft und darauf möchte ich in Zukunft auch mehr umsteigen – zusätzlich zur Bibliothek natürlich.
    Freut mich zu hören, dass das bei dir auch gut funktioniert!

  4. Liebe Anja,
    Ein sehr schöner Blog, dem ich noch lange folgen werde!
    Mit der „Nachhaltigkeit“ beim Bücherlesen: Ich finde Bücher gar nicht so unglaublich Umwelt-vernichtend, weil das Holz meist aus wiedererneubaren Resourcen stammen: Wäldern. Man glaubt es kaum, aber Wälder werden auch neu gepflanzt. Bei den Digitalbüchern ist das anders. Die Rohstoffe und Edelmetalle sind eben nicht erneuerbar. Es wäre also viel ökologischer, wenn die Leute ab und wann auch wieder zum Buche griffen als zu ihrem iPad oder Kindle. Bei den Bücherblogs ist das eigentliche Problem eines der Lagerung. Wer hat soviel Platz für die eigene Bibliothek. Da ist es richtig, einfach mal in die viel größere Stadtbibliothek zu gehen, oder sogar in die Unibibliothek, keine Frage. Dann bleibt aber der Aspekt des Sammelns und Hortens weg. Und wer hat nicht gerne volle Bücherregale im Haus!
    Alles Gute aus Tokio, wo es nur sehr kleine Häuser gibt! Mach weiter so mit deinem Blog!
    Dein
    Thorsten J. Pattberg, Autor der Lehre vom Unterschied

  5. hallo anja,
    ich selbst leihe bücher seit vielen jahren aus. aber immer mit einem etwas mulmigen gefühl und gedanken an die autoren. sicher kommt es vor, dass man ein buch das man selbst mochte weierverschenkt, aber ob es reicht ? ……
    lg wolfgang

  6. Hallo Anja,

    ich finde das großartig. Im Moment würde ich an liebsten alles rausschmeißen, um mal wieder das Gefühl von „Ich brauche ein Buch, weil ich nichts zu lesen habe“ zu haben.
    Wahrscheinlich wird das nicht passieren, aber ich muss mir auf jeden Fall was einfallen lassen.

    Liebe Grüße
    Mona

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