The Normal Heart

The Normal Heart ist die gleichnamige Adaption des Broadway-Stücks von Larry Kramer, der auch für die Drehbuchumsetzung verantwortlich zeichnet. Der Film wurde am 25. Mai 2014 erstmals in den USA auf HBO ausgestrahlt und entstand unter der Regie von Ryan Murphy (Glee, American Horror Story).

Wie schon bei meiner Trailervorstellung erwähnt, spielt The Normal Heart noch ein paar Jahre früher als das oscarnominierte Drama Dallas Buyers Club. Der Film beginnt im Sommer 1981, als AIDS noch nicht einmal als Krankheit anerkannt war. Wir lernen den homosexuellen Schriftsteller Ned Weeks (Mark Ruffalo) kennen, der aus der Zeitung von einer vermehrt auftretenden Form von „Schwulenkrebs“ erfährt und daraufhin die Ärztin Dr. Emma Brookner (Julia Roberts) aufsucht, um sich zu informieren. Dr. Brookner legt ihm nahe, die Leute in der Szene zu sensibilieren, vorsichtiger zu sein. Gemeinsam mit weiteren Männern (u.a. Taylor Kitsch, Jim Parsons) gründet Ned eine Hilfsorganisation, um auf die neue Krankheit aufmerksam zu machen und Hilfe einzufordern. In dieser schwierigen Zeit lernt Ned den Journalisten Felix (Matt Bomer) kennen und verliebt sich das erste Mal in seinem Leben.

In einigen Punkten ist The Normal Heart das, was sich Dallas Buyers Club nicht trauen wollte (oder durfte?). Bereits nach zwei Minuten weiß man, dass man bei HBO gelandet ist, nachdem das erste männliche Geschlechtsteil durchs Bild baumelt. Das macht es Skeptikern wahrscheinlich nicht unbedingt leichter, den Film zu mögen, ist aber konsequent. Denn hier ist die Hauptfigur nun mal kein homophobes Arschloch, nur damit sich die Zuschauer besser mit ihr identifizieren können. Ned ist vielmehr eine der wenigen offen schwulen Charaktere der Geschichte und dementsprechend gut in die New Yorker Szene integriert. Und das ist gut so. Außerdem geht es hier nicht um die verzweifelte Suche nach neuen, lebensverlängernden Medikamenten, sondern darum, die Krankheit überhaupt erstmal ins das Bewusstsein der Leute zu rücken. Zu dieser Zeit hieß AIDS noch GRID (Gay-related immune deficiency), das muss man sich mal vorstellen!

Ich kann nur noch mal betonen, wie gut ich es finde, dass wir dieses Jahr gleich zwei Filme zum Thema HIV/AIDS in den Achtzigern sehen dürfen. Wenn ich daran denke, welche Geschehnisse dieser Geschichte wahrscheinlich alle auf wahren Begebenheiten beruhen, treibt es mir schon wieder die Tränen in die Augen. Das geht von der Weigerung eines Fernsehtechnikers, den Raum eines AIDS-Kranken zu betreten, bis zur Entsorgung einer Leiche in einer Mülltüte, weil der Gerichtsmediziner sich nicht dazu bereit erklärt, eine Obduktion durchzuführen. Die Menschheit wird sich wohl nie ändern. Dieser Hass auf alles Unbekannte ist einfach nur krank.

Aber: wenn ihr nicht zu dieser engstirnigen Sorte unserer Gesellschaft gehört und auch kein Problem damit habt, viele Taschentücher zu verbrauchen, dann guckt euch bei Gelegenheit diesen Film an. Es lohnt sich. Gegen das Vergessen.