Nachgemachte Cover und Titel: wie sich Verlage gegenseitig kopieren

Beim Durchblättern der aktuellen Vorschauen habe ich mich mal wieder des öfteren über die Einfallslosigkeit der Verlage aufgeregt. Da wird teilweise so dreist kopiert, dass einem der Mund offen stehen bleibt und man sich fragt, warum sich die Verlage oder Coverdesigner nicht dagegen wehren. Hier mal ein paar aktuelle Beispiele:


Jojo Moyes läuft gut. Sehr gut. Da hat man sich bei Blanvalet wohl gedacht, dass man sich davon eine Scheibe abschneiden könnte, indem man Wenn ich bleibe sowie die Fortsetzung Nur diese eine Nacht (vormals Lovesong) einer Neugestaltung unterzieht. Für Wenn ich bleibe ist es wohlgemerkt schon das zweite neue Cover, das Hardcover sah ganz anders aus als das erste Taschenbuch.
Ich muss zugeben, dass die neuen Cover echt schick aussehen. Aber sie schreien auch PLAGIAT!

Wer kennt das Buch nicht, Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand? Der Titel ist skurril und trotz der Länge einigermaßen einprägsam, die Covergestaltung sticht aus der Masse heraus. und was macht btb? Der 50-Jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte veröffentlichen. Da ist nicht nur ein Elefant drauf (geht’s noch offensichtlicher?), sondern der Titel ist auch noch eine so deutliche Anlehnung an den Bestseller, dass selbst ein Blinder das sehen würde. Noch dazu beginnt der erste Satz der Inhaltsangabe mit „Die 50 liegt weit hinter ihm“ … der Typ ist noch nicht mal 50!!
Die alte Dame ist der Vollständigkeit halber auch dabei. Hier sind die Parallelen nicht so offensichtlich, aber dennoch erkennbar. Wir können uns wohl in Zukunft auf viele Buchtitel alla „Die soundsoalte Person, die dies machte und jenes tat“ freuen.


„Oh. Ein Jugendbuch über Götter. Cool. Lasst uns das Originalcover nehmen, den Jungen rausschneiden, seine Klamotten ändern und dann in den Hintergrund einen Götterkopf kopieren, der nur gaaaaanz leicht an die Gestaltung der Percy Jackson Bücher erinnert. Merkt bestimmt keiner. Aber lasst uns zur Sicherheit den ersten Band in blau statt grün gestalten, dann sind wir auf der sicheren Seite. Ja, so machen wir das.“

Was haltet ihr davon? Anscheinend geht die Strategie der Verlage auf, sich bei der Gestaltung und Benennung neuer Bücher an vorherigen Erfolgen zu orientieren, denn sonst würden sie es ja nicht immer wieder machen. Ich hatte vor ein paar Jahren hier schon mal so einen Fall, bei dem das Cover letztendlich nochmal geändert wurde, weil die Parallelen zu offensichtlich waren. Aber das ist wohl leider die Ausnahme.

Mich persönlich nervt es tierisch. Ich erinnere mich noch an die große Flut von Cecelia Ahern Kopien, die alle himmelblau mit weißer Schrift waren. Oder die allgegenwärtigen erotischen Blütenkelche, die zu Hunderten in den Regalen stehen. Nicht zu vergessen Familienromane mit geschwungenen Treppen und vielen vielen Blumen. Und ich denke über niedliche Tiere auf einfarbigem Hintergrund müssen wir auch nicht mehr reden.

15 thoughts on “Nachgemachte Cover und Titel: wie sich Verlage gegenseitig kopieren

  1. Ohje, das ist teilweise wirklich sehr offensichtlich. Natürlich greifen viele Verlage auf ein und dieselbe Stockfotodatenbank zurück, um ihre Cover zu gestalten. Das ist das Hauptproblem dabei. Als nächstes spielt natürlich der Trend eine Rolle und was läge näher, als auf den erfolgversprechenden Look oder die Titelform zurückzugreifen, die richtig erfolgreich war, v.a. wenn das Buch noch im selben Genre angesiedelt ist. Das ist öde, aber die Verlage denken da einfach zu sehr mainstream-orientiert. Mahct es einer, machen es viele nach. *gähn* Das langweilt mich als Leser mehr als dass es mich anzieht. Und oftmals ist es auch wirklich so dreist übernommen, das man sich denkt „Wo bleiben die neuen Ideen?“

    Da lobt man sich wirklich manche kleineren Verlage oder Selfpublishing-Autoren, die eigene Illustratoren haben oder gar selbst in die kreative Kiste greifen und manchmal wirklich tolle Cover und Titel aus dem Hut zaubern.

    Ich kann verstehen, dass dich das nervt… ;-)

    Liebe Grüße
    Sandra

  2. Ich finde es teilweise auch wirklich nervig. Manchmal verweigere ich diesen offensichtlichen Kopien dann auch jegliches Interesse. Ich will halt nicht immer das gleiche Lesen und keine Duplikate von erfolgreichen Büchern. Und wenns schon genauso aussieht…
    Nach „Shades of Grey“ habe es doch auch diese zweite Erotik-Blumen-Cover-Sache. Leider ist das immer so offensichtlich, dass man sich an den Erfolgszug einfach nur dranhängen möchte.

    Ich erinnere mich auch noch gut an ein Buch, das zwar im Original aus den USA kommt, aber in Deutschland zuerst veröffentlicht wurde. Man, habe ich da einen Mecker-Kommentar bekommen, weil ich geschrieben habe, das die Dialoge und Szenen teilweise 1:1 an „Bis(s)…“ erinnerten. Dabei sah das deutsche Cover ganz anders aus („Touched“, wenn du es kennst)…und dann wurde das US-Cover bekannt gegeben. Weiße Hände, die vor schwarzem Grund eine rote Rose halten (keinen Apfel – in der Leserunde bestand jemand darauf, dass das Cover dadurch vollkommen anders sei. Es sieht aber natürlich trotzdem genau aus wie Twilight…). Ich weiß noch, wie ich mir einen abgelacht habe. Man merkte es dem Inhalt an – und dann kommt auch noch dieses offensichtlich kopierte Cover um die Ecke.

    Was mich dann aber überrascht hat, ist, dass es wohl wirklich Leser gibt, die genau das wollen. ich hatte schon mehrere Kommentare dieser Art. Wenn sie ein Buch/eine Buchreihe lieben, dann ist es doch schön, dass zehn andere eine kopierte Geschichte unter kopiertem Cover erzählen – kann man direkt weiterlieben. Die _wollen_ immer wieder genau das Gleiche haben. Ich bin immer genervt, wenn mir offensichtliche Parallelen auffallen, besonders dann, wenn es soweit geht, dass z.B. sogar Dialoge gleich sind, aber viele Leser wollen eben anscheinend genau das.

    Ich kann es auch nicht verstehen – aber es wundert mich dann nicht mehr, dass Verlage ihre Marktchancen nutzen, indem sie genau diesen Lesern vorgaukeln: Guck mal, ich habe hier ein Buch, das ist genau wie dein Lieblingsbuch. Ich ignoriere es dann vielleicht, aber hundert andere schlucken die billige Masche und kaufen, kaufen, kaufen.
    Manchmal frage ich mich dann, wie viele innovativere Ideen es nicht zur Veröffentlichung gebracht haben….

    LG (und bis morgen in Essen?)

    1. Hahaha, das mit Touched ist ja auch wieder typisch. Ich hab das Buch nicht gelesen, fand die Inhaltsangabe nicht sonderlich ansprechend.
      Ich fürchte auch, dass es zum Großteil an den Lesern liegt. So oft sind Leute in die Buchhandlung gekommen und haben mich gefragt, ob ich was ähnliches wie dies und das hätte. Dabei ist es doch viel schöner, auch mal was anderes zu lesen!

      Und ja, bis morgen in Essen :D Freue mich dass du auch kommst!

  3. Krass! Das mit dem 50-Jährigen finde ich ja schon echt selten dämlich.
    Die „Wenn ich bleibe“-Bücher finde ich jetzt gar nicht sooo sehr an Jojo Meyers angelehnt. Ich finds nur schade, denn ich mochte die alten Cover total gerne. Und dass sie den Titel des Zweiten geändert haben, verstehe ich auch nicht.

    1. Dass sie den Titel geändert haben, kann ich schon verstehen. „Lovesong“ ist halt schon irgendwie langweilig. Aber ich hätte „Wohin sie ging“ oder sowas in der Art besser gefunden, beim ersten Teil haben sie ja auch einfach das Original übersetzt.

  4. Ich hab so sehr auf Cover noch nie wirklich geachtet, aber es ist wirklich erschreckend wie dreist hier vorgegangen wird. Ich meine, das Erfolgsstories gerne kopiert werden sieht man ja schon ab den Markensüßigkeiten und ihren Billigversionen beim Discounter, aber bei Büchern???? Glauben Verleger wirklich dass so viele Leute nur wegen dem Cover kaufen?

  5. Ich muss sagen, mich schrecken solche Cover- und teilweise Titelkopien eher ab. Wenn ich sowas sehe denke ich nur „Muss das sein?“. Wie du ja geschrieben hast, immer das gleiche Muster: Es erscheint ein Buch, es wird ein Bestseller und plötzlich kommen hunderte ähnlicher Bücher heraus, ähnliches Cover, ähnlicher Titel, ähnliche (fast gleiche?) Geschichte.. Also ich kann mich dann wirklich gar nicht mehr dafür begeistern.

    Da gab es letztens sogar einen Artikel im Tagesspiegel über genau dieses Thema. Und es wurden noch mehr Bücher genannt, z. B. „Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte“, „Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten“ und „Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr“ (Cover find ich auch alle ziemlich ähnlich, von der Schriftart und den stilisierten Bildern). Lustigerweise haben diese Bücher in der Originalsprache meist einen ganz kurzen Titel.

    Aber ich finds immer wieder interessant, wenn du diese Coverklone vorstellst. :)

  6. Ab und zu sind mir solche Ähnlichkeiten auch schon aufgefallen, auch wenn ich nicht gezielt danach gesucht habe oder mich damit auseinandergesetzt habe. Schließlich springt einem das in manchen Buchläden ja direkt entgegen.

    Ich finde soetwas eher abschreckend und mir wäre es, wenn ich Autorin wäre, mega peinlich. Gleiches Cover – gleiche Geschichte? Ich hätte irgendwie Bedenken dabei. Das wäre dann ja gar nicht mehr „mein Werk“.

  7. *lach* Besonders schön finde ich die letzte Zeile! :D Könnte schreiend weglaufend, wenn ich, egal ob im Laden oder im Programmheft, die immer gleichen Tierbabies vor knalligem Farnhintergrund sehe, am liebsten noch in einen Schuh oder eine Gießkanne gesetzt! Was soll das?

    Cover-Doubles sind ja sowieso ein Thema für sich, hab hier auch noch nen Beitrag dazu rumfliegen. Genauso schlimm sind doch auch die immer gleichen Sunnyboys auf Urban Fantasy-Büchern, obwohl im Buch zentnerschwere, grimmige Heavy Metal-Kerle beschrieben werden. *schnauf*
    Bin da mit deinem Ärger ganz bei Dir, finde ich abschreckend!

    Leider ist aber nunmal doch so, dass man beim Durchblättern der Programme zuerst auf Cover und Text guckt. Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich mir nicht die Klappentexte aller 600 Neuerscheinungen pro Monat durchlesen kann, wenn ich auf der Suche nach lohnenswerten Neuerscheinungen bin.
    Und wenn ein Cover oder ein Titel eine Assoziation zu einem anderen Buch weckt, denke ich, muss ja was ähnliches sein. Und wenn mir das andere gefiel, denke ich, es wird wohl in die selbe Kerbe schlagen, guckst du mal genauer, worum es geht. So, und zack hat es funktioniert. Kann aber auch nach hinten losgehen. Gibt und gab ja zig Bücher, die das Cover von „Zwei an einem Tag“ nachgeahmt haben und deren Geschichte dann aber viel zu große Fußstapfen füllen musste. Da geht sowas schnell nach hinten los.

    Puh, ein Thema ohne Ende! :D

  8. Eine große Schwäche des deutschen Büchermarktes sind ohnehin seine Cover :) Wie oft sah ich im englischen Original wunderbar konzeptionelle Cover, die auch fabelhaft zum Inhalt passten – und im deutschen klebte man eine Stockfotografie eines Mädels drauf, pappt einen Mond dahinter, vllt noch einen Rabe oder Blumen und fertig.
    Unsere Verlage wissen leider nicht ein Buch in seinem Gesamtkonzept zu schätzen. Nun gut, leider viel zu selten, manchmal gelingt dann doch ein Treffer (die deutschen Monstrumologen Bücher sind sogar illustriert!). Ich bemerke momentan einen Wandel was das Bewusstsein für Bücher angeht.
    Dennoch, man zielt hier noch immer viel zu oft auf plumpes Zielgruppenmarketing. Wenn ein Buch mit einem bestimmten Cover sich super verkauft hat, dann lässt man alle weiteren mit ähnlichem Genre genauso aussehen damit die vorherige Zielgruppe es auch unbedingt kaufen will.
    Ein Graus für mich ist die Fantasyabteilung. Lese bevorzugt Low-Fantasy, da ich zum Glück der englischen Sprache mächtig bin, lese ich die Originale. Mein Buchregal sieht wirklich bunt und vielseitig aus. Gehe ich dann aber im Dussmann zu den deutschen Fantasybüchern, sehe ich auf den meisten Ausgaben im Grunde das gleiche Cover. Täte ich die Bücher auf deutsch lesen, sähe mein Regal eher düster und monoton aus und man könnte meinen alles gehört zu ein und derselben Buchreihe *lach* Man hat bei uns leider eine Masche entdeckt die sich gut zu verkaufen scheint. Leider.

  9. Ich bin da ganz der Meinung von Effi Pampelmuse. Erst vor wenigen Tagen stöberte ich durch die Abteilung englischsprachiger Bücher in einer großen Buchhandlung, und war völlig hin und weg von den kreativen, ungewöhnlichen und vor allem passenden Buchcovern. Auch der Haptik wurde viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Da gab es Materialien, die sich einfach nur spannend anfassten, von der Textur interessant aussahen. Dann wechselte ich in die deutschsprachige Romanabteilung und irgendwie war das zwar alles ganz nett, aber doch recht einseitig. Ein paar schnöde Layer in Photoshop übereinander gebaut, fertig. Und dann alles in die gleiche, glatte Pappe gekleidet.

    Ich finde, hier gibt man sich zu wenig Mühe. Vielleicht haben die Verlage auch nicht begriffen, dass sie sich allmählich zu einem einzigen langweiligen Coverbrei entwickeln. Wirklich überraschende Gestaltungen sind ziemlich selten.

    Dass dann auch gerne mal fröhlich rum plagiatiert wird, ist daher auch extrem traurig. Denn noch desinteressierter kann man sein Buch ja gar nicht anpreisen. Wenn man die Bekanntheit eines anderen Covers nutzen will/muss, um sein eigenes Buch an den Leser zu bringen, ist das zwar irgendwie verständlich, zeugt aber auch davon, dass der Verlag selbst keine Ideen hat. Sonst wäre ihm ja vielleicht selbst was geiles eingefallen. Wenn der Grundsatz „Lieber gut kopiert, als schlecht selbst gemacht“ lautet, sagt das eigentlich schon alles aus…

  10. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie es in den Verlagen zugeht: „Ey, guck mal, wie die Konkurrenz es macht. Und dann mach es genauso!“ Frei nach dem Motto, was andere machen, kann nicht schlecht sein.

  11. Also das ist schon echt dreist hier. Aber sowas hat man ja leider einfach immer wieder, ist ja mit dem stereotypischen Mädchengesicht auf dem Cover auch nicht anders. Total schade, dass sich die Verlage da nicht trauen, einfach mal was Neues zu probieren, anstatt auf diese Verkaufsstrategien zu setzen.

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