Es war nett gemeint…

…als meine Chefin mir anbot, mich mit nach Neuss zu nehmen, damit ich nicht durch den Regen laufen und ewig auf den Zug warten muss. Echt nett. Und bis Neuss war auch alles super. Dann mussten wir warten, weil ein Güterzug die Fahrbahn kreuzte. Beim Anfahren musste der Fahrer vor uns nur leider scharf bremsen, weil der Vollidiot vor ihm gebremst hatte. Natürlich hat meine Chefin auch gebremst…nur leider hat es nichts gebracht. Stattdessen hat ihr Auto einen auf Autoscooter gemacht. Fahrer und Beifahrerin des vorderen Autos haben natürlich sofort die Polizei gerufen und wir haben dann auf einem Parkplatz gewartet. Ohne Personenschaden können die sich ja Zeit lassen. Irgendwann tauchten sie aber auf, um dann einen Papierkrieg zu veranstalten. Wie Murphys Gesetz es denn will, hatte meine Chefin auch noch ihre Geldbörse im Laden vergessen, in dem sich sämtliche Dokumente befanden, mit denen sie sich hätte ausweisen können. Dumm gelaufen. Ich musste sie dann sozusagen identifizieren, hatte aber nicht viel mehr beizusteuern als ihren Vor- und Nachnamen statt auch noch des geforderten Geburtsdatums und der Adresse.
Nun denn, 35 Euro kostet es, auf ein anderes Auto aufzufahren, nur dass ihr Bescheid wisst. Die zwei Polizisten haben sich dann in ihren Wagen verzogen, um oben genannten Papierkrieg zu führen. Und das dauerte und dauerte und dauerte. Und gerade als wir dachten: „Jetzt sind sie endlich fertig!“, kam einer der beiden zu uns um zu verkünden, die Situation hätte sich geändert, die Beifahrerin habe über Kopfschmerzen geklagt. Und einfach so wurde aus einem kleinen Verkehrsunfall ein Verkehrsunfall mit Personenschaden und einer möglichen fahrlässigen Körperverletzung. So schnell kann es gehen! Dabei hat das nicht mehr geruckelt als bei einem zu Anfang genannten Autoscooter. Der Papierkrieg ging dadurch von vorne los, denn für dieses Szenario gibt es wohl andere Formulare oder was weiß ich. Außerdem wurden die Autos und die Unfallstelle fotografiert, ausgemessen usw. Als Beifahrerin bin ich natürlich automatisch Zeugin und musste eine Aussage machen. Die sich sehr detailliert gestaltete: angefahren, gebremst, gerumst. Nein, nicht auf die Ampel geachtet und erst recht nicht auf das Auto vor dem anderen Auto, das ja eigentlich für den ganzen Mist verantwortlich ist. Ich krieg jetzt wohl auch noch Post. Irgendwann. Wer weiß, wie lang das wieder dauert.
Und nach einer gefühlten Ewigkeit durften wir dann endlich endlich weiter. Im Endeffekt war ich später zuhause als wenn ich mit dem Zug gefahren wäre. Obwohl da natürlich die Frage bleibt, ob der Zug überhaupt gekommen wäre. Schließlich regnet es ja, da sind die Schienen bestimmt zu glitschig ;-)

3 thoughts on “Es war nett gemeint…

  1. Ja klar, wenn dich jemand anfährt, sag sofort du hättest Kopfschmerzen! Das ist so, da wollen die natürlich mehr Geld aus der Versicherung deiner Chefin rausschlagen.
    Sowas passiert natürlich nur genau DANN, wenn man mal was außer der Reihe macht….

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