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[Rezension] Amy & Matthew – Was ist schon normal?

Originaltitel:
Say what you will
Autor:

Verlag:

Themen:
, , ,
Reihe:
-
Seiten: 352
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783453269163
Erscheinungsdatum: 30.03.2015
Bewertung:

Die Handlung

Amy und Matthew sind beide aus unterschiedlichen Gründen Außenseiter an ihrer Schule: Matthew leidet an Zwangsstörungen und gilt deswegen als Sonderling, während Amy auf eine Gehhilfe angewiesen ist und sich nur mithilfe eines Sprachcomputers verständigen kann. Matthew wird im letzten Schuljahr einer von Amys Betreuern. Die beiden freunden sich an und unterstützen sich gegenseitig bei ihren jeweiligen Problemen.

Das war gut

Die Themenauswahl hat mir sehr gut gefallen. Über ein Mädchen mit Zerebralparese liest man nicht alle Tage und auch die Kombination mit Matthews Zwangsstörungen hat erstaunlich gut funktioniert.

Die Perspektive war genau richtig. Der allwissende Erzähler lässt einen an Amy und Matthews Gefühlen teilhaben und in ihren Kopf schauen. Besonders bei Amy fand ich es sehr hilfreich, ihre Sicht der Dinge zu erfahren, da man so mehr von ihr „sieht“ als nur eine zuckende junge Frau, die sich nicht richtig artikulieren kann. Ich muss gestehen, dass ich bisher immer davon ausgegangen war, dass Leute mit Zerebralparese sich nicht verständigen können. Umso beeindruckter war ich davon, dass Amy bis auf ihre körperlichen Einschränkungen ein ganz normales Mädchen ist.

Die Geschichte deckt einen langen Zeitraum ab, geht über die Schule hinaus bis ins Studium. So vergehen mindestens zwei Jahre. Ich fand es sehr interessant, die Entwicklung der Freundschaft zwischen Amy und Matthew über diese Zeit beobachten zu können, statt wie so oft nur einen kurzen Ausschnitt aus ihren Leben zu sehen.

Das hat mir nicht gefallen

Die Autorin schießt an einer Stelle für meinen Geschmack über das Ziel hinaus. Amy und Matthew haben schon mehr als genug Probleme, die das Buch locker gefüllt hätten, aber Cammie McGovern setzt noch einen drauf. Es ärgert mich besonders, dass man diesen einen Konflikt komplett aus dem Buch entfernen könnte und an der Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren dadurch trotzdem nichts ändern würde. Für mich ist das der Beweis, dass der Handlungsstrang vollkommen überflüssig ist.

Ich finde es etwas merkwürdig, dass erst Amy Matthew darauf bringen muss, dass er an Zwangsstörungen leidet. Diese scheinen ziemlich offensichtlich zu sein, warum also hat noch niemand anders aus der Schule oder Matthews Familie reagiert?

Und daraus folgt

Cammie McCovern hat mit Amy & Matthew – Was ist schon normal? ein Buch geschrieben, über das man sich streiten kann. Die Charakterisierung der Hauptfiguren ist definitiv gut gelungen und auch die Auswahl der Probleme kann Lesern dabei helfen, Vorurteile abzubauen. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dass die Autorin es „cool“ fand, die eh schon schwierigen Situationen unnötig weiter zu dramatisieren, vor allem mit dem oben bereits erwähnten Handlungsstrang, der so nicht hätte sein müssen.

Denkt man sich diesen Abschnitt weg, bleibt eine unkonventionelle Freundschafts- und Liebesgeschichte zwischen zwei Außenseitern, die es nicht leicht im Leben haben, dieses aber trotzdem so gut wie möglich zu meistern versuchen. Und man wünscht ihnen alles Glück dieser Welt dafür.


[Rezension] Steelheart

Originaltitel:
Steelheart
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
Reckoners 1 von 3
Seiten: 448
Preis: 17,99 €, Hardcover
ISBN: 9783453268999
Erscheinungsdatum: 09.06.2014
Bewertung:

Die Handlung

In einer nicht allzu fernen Zukunft erscheint ein roter Stern namens Calamity am Himmel, der einigen Menschen Superkräfte verleiht. Der Protagonist David ist noch ein Kind und sein Vater glaubt daran, dass die „Epics“ genannten Supermenschen Helden sein werden. Doch es kommt anders. Die Epics entpuppen sich als wahnsinnig, ausnahmslos böse und reißen die Herrschaft an sich. Davids Vater wird bei einem Aufeinandertreffen mit Steelheart, dem neuen selbsternannten Herrscher von Chicago, getötet.
Zehn Jahre später sucht David noch immer nach einem Weg, Steelheart zu besiegen und schließt sich einer Gruppe Untergrundkämpfer an, die es sich zum Ziel gemacht hat, Epics auszuschalten. Doch nicht jeder ist begeistert von dem Plan, den scheinbar unbesiegbaren Herrscher von „Newcago“ abzusetzen.

Das war gut

Die Welt! Eine Stadt aus Stahl, was für eine coole Idee ist das bitte? Ich habe mir die Stadt beim Lesen immer wie ein auf Hochglanz poliertes Metalllabyrinth vorgestellt. Auch wenn da natürlich in völliger Dunkelheit nicht wirklich etwas glänzen konnte. Aber die Vorstellung war trotzdem cool.

Die Fähigkeiten der Epics sind facettenreich und interessant gestaltet, auch die Schwächen ergaben für mich Sinn und fügten sich gut in die Geschichte ein. Besonders gefallen hat mir die Idee, dass manche Epics ihre Kräfte verschenken können.

Zu keiner Zeit kam beim Lesen Langeweile auf, die Geschichte ist durchgehend spannend und mit Action gespickt, sodass man kaum zwischendurch kaum unterbrechen kann, um zu erfahren, wie es weitergeht. Im Grunde liest sich das Buch wie ein Kinofilm, eine Verfilmung ist also wahrscheinlich (hoffentlich) nur eine Frage der Zeit.

Das hat mir nicht gefallen

Ich fands schade, dass die Epics zwar coole Fähigkeiten haben, aber ansonsten nicht über den Status „zu bekämpfender Bösewicht“ hinaus kommen. Besonders Steelheart blieb etwas blass. Was sind seine Beweggründe? Warum herrscht er genau auf diese Art und nicht anders? Hat er auch andere Seiten als die des grausamen Herrschers? Alles was ich aus der Geschichte mitnehme ist „Steelheart ist böse, er muss vernichtet werden“. Da hätte man stattdessen auch ein instinktgesteuertes Monster einsetzen können.

Und daraus folgt

Mit Steelheart hat mich Brandon Sanderson vollends überzeugt. Das wird nicht mein letztes Buch des Autors gewesen sein und ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Teil Firefight, der im Januar auf englisch erscheinen wird. Ich hoffe, dass wir in den Fortsetzungen mehr über die Welt erfahren und woher Calamity eigentlich kommt bzw. warum sich nur einige Menschen dadurch verändert haben.

Die Reihe

Steelheart (Reckoners, #1) Mitosis Firefight (Reckoners, #2) Calamity (Reckoners, #3)


[Rezension] Ich und Earl und das sterbende Mädchen

Originaltitel:
Me & Earl & the Dying Girl
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 304
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783453267848
Erscheinungsdatum: 30.09.2013
Bewertung:

Die Handlung

Greg hat ein einfaches Prinzip: freunde dich mit niemandem an der High School an, dann bleibst du unauffällig und bekommst keine Probleme. Blöderweise erzählt seine Mutter ihm dann, dass seine Mitschülerin Rachel Leukämie hat und er sie doch mal besuchen solle, da sie früher mal irgendwie sowas wie befreundet waren. Rachel wiederum kann auf Gregs Mitleid gut verzichten. Und dann ist da noch Earl, der irgendwie geistesgestört ist und mit Greg zusammen bescheuerte Filme dreht.

Das war gut

Das Buch ist verdammt realitätsnah. Es beschönigt nichts. Da Greg das Buch selbst schreibt, streut er immer wieder Kommentare in die Richtung „Wenn das hier ein Roman wäre, dann…ist es aber nicht“ und dann passiert das genaue Gegenteil :D So ist es halt im richtigen Leben. Da gibt es nicht immer die perfekte Liebe, die perfekten Antworten, die perfekten Enden.

Leider bekommt er in diesem Buch nicht viel Raum, aber Gregs Lehrer Mr. McCarthy war auch toll. Wir brauchen mehr von diesen Lehrern, die sich um ihre Schüler bemühen, an ihren Problemen interessiert sind und lehren wollen statt von denen, die keinen Bock auf ihren Job und ihre Schüler haben.

Das hat mir nicht gefallen

Gregs Erzählweise ist sehr anstrengend. Wie gesagt verfasst er das Buch selbst, liefert dabei aber keine fertige Geschichte ab, sondern schreibt seine Gedanken ungefiltert auf, was dazu führt, dass er zwischendurch den Faden verliert und sich für den Quatsch, den er schreibt, entschuldigt. Da er außerdem Filmemacher ist, schiebt er öfters Gespräche im Drehbuchstil ein.

Greg ist teilweise unerträglich peinlich. Ja, das trägt zum positiven Aspekt Realitätsnähe bei, aber manchmal war es einfach nur noch eklig, Stichwort Alien-Kotze. Hier war der Fremdschämfaktor sehr hoch.

Und daraus folgt

Jesse Andrews liefert mit seinem Debütroman ein interessantes Buch ab, das so ganz anders ist, als andere Titel seines Genres. Das muss man mögen und man muss sich darauf einlassen. Wer sich für die Thematik interessiert, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ aber zu pathetisch fand, ist bei Greg und Earl und seinem sterbenden Mädchen vielleicht besser aufgehoben.


Mlynowski, Sarah: Zehn Dinge, die wir lieber nicht getan hätten

Originaltitel:
Ten things we did (and probably shouldn't have)
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 410
Preis: 8,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783453314238
Erscheinungsdatum: 08.10.2012
Bewertung:

Als Aprils Vater kurzfristig verkündet, dass sie aufgrund seines neuen Jobs in wenigen Tagen quer durch die USA umziehen werden, weigert sich April mitzukommen. Mit Hilfe ihrer besten Freundin Vi und viel Schummelei schafft April es, in der Stadt bleiben zu dürfen. Offiziell wohnt sie für das nächste Schulhalbjahr bei Vi und deren Mutter Suzanne. In Wirklichkeit ist Suzanne überhaupt anwesend und die beiden Jugendlichen leben ohne jegliche Aufsicht. Zwei gefälschte E-Mail Konten und nicht sehr misstrauische Eltern garantieren den beiden ein entspanntes Leben. Keine Lust in die Schule zu gehen? Macht nichts, der unechte Daddy-Mail-Account schreibt eine Entschuldigung an die Schule. Die Nachbarn haben einen schicken Whirlpool? Von dem monatlichen Haushaltsgeld, das Daddy überweist, können wir uns auch einen kaufen!

Zehn Dinge, die wir lieber nicht getan hätten hat mir leider wieder unmissverständlich aufgezeigt, dass ich typische Teenager nicht leiden kann. Ich war keiner, wollte keiner sein und verstehe sie nicht. April ist egoistisch und in vielen Bereichen dumm und naiv. Weil sie keine Lust hat, mit ihrem Vater nach Cleveland zu ziehen, belügt sie ihn nach Strich und Faden, um bei ihrer Freundin Vi einziehen zu können. Die ist zwar ein Jahr älter als April, hat dafür aber auch eine Klatsche weg. Alleine in einem großen Haus machen die beiden dann, was Teenager so tun: sie trinken, sie schwänzen die Schule (glücklicherweise aber nicht ständig – und ihre Hausaufgaben erledigt April auch vorbildlich), schmeißen Geld zum Fenster raus, laden Jungs ein und planen ihr erstes Mal. Das muss ich Sarah Mlynowski allerdings hoch anrechnen: sie geht für eine US-Autorin sehr unverkrampft mit dem Thema Sex um. Dankenswerterweise bleibt es hier nicht bei keuschen Küssen und schüchternen Blicken, wie es in amerikanischen Jugendbüchern ja oft der Fall ist. Sogar Verhütung und Geschlechtskrankheiten werden thematisiert.

Auch die Textgestaltung hat mir gut gefallen. Die einzelnen Kapitel sind in viele Abschnitte mit Teilüberschriften gegliedert, die entweder Erklärungen einschieben oder Rückblenden aus Aprils Vergangenheit sind. Wie inzwischen so oft erlebt der Leser die Geschichte aus Aprils Perspektive und ist so hautnah mit dabei. Dies war allerdings auch einer der Gründe, warum ich dem Mädchen gerne des öfteren links und rechts ein paar gescheuert hätte (Keine Sorge, ich bin nur in Gedanken gewalttätig).

Ich möchte meine Bewertung etwas differenzieren: wer pubertierende Jugendliche genauso hasst wie ich, kann getrost die Finger von diesem Buch lassen. Wer sich aber gut vorstellen kann, dass er mit den Figuren sympathisiert (wie z. B. crini), für den bietet dieses Buch sicherlich amüsante Lesestunden. Und für „typische“ Teenager ist das Buch bestimmt genau das Richtige ;-)