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[Rezension] Die Assistentinnen

Originaltitel:
The Assistants
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 320
Preis: 15,00 €, Trade Paperback
ISBN: 9783863960957
Erscheinungsdatum: 11.11.2016
Bewertung:

Seit sechs Jahren arbeitet Tina Fontana als Assistentin für den Chef eines weltumspannenden Medienunternehmens. Sowohl Gehalt als auch Karriere stagnieren seitdem, aber viele Möglichkeiten, dies zu ändern, sieht Tina nicht. Sie hat sich fast schon damit abgefunden, für immer in einem schimmeligen Apartment wohnen zu müssen, als sie durch eine übereilte Spesenabrechnung plötzlich 20.000 $ mehr auf dem Konto hat. Tina ergreift die Gelegenheit und zahlt ihren Studienkredit auf einen Schlag zurück. Schuldenfrei sieht die Welt schon viel rosiger aus, allerdings nur solange, wie ihr eine Kollegin aus der Reisekostenabteilung auf die Schliche kommt. Und plötzlich verstrickt sich eine Gruppe von Frauen des Unternehmens in einem Netz aus Lügen, während alle versuchen, ihre Schulden loszuwerden.

Klingt bescheuert? Ist es größtenteils auch. Ich stehe mal wieder vor dem klassischen Dilemma: ist das Buch wirklich so schlecht oder sind meine Ansprüche in den letzten Jahren einfach zu hoch geworden? Ich bearbeite selbst Reisekosten und konnte mit einem zugedrückten Auge noch nachvollziehen, wie die 20.000 $ auf Tinas Konto gelandet sind. Ein glücklicher Zufall für Tina, der niemandem hätte auffallen können. Da die Geschichte aber irgendwie ins Rollen kommen muss, kommt Emily aus der Reisekostenabteilung ihr auf die Schliche. Wie? Ist doch egal. Emily erpresst Tina, auch ihren Kredit zurückzuzahlen. Ein Blinder mit nem Krückstock hätte bei der Bearbeitung der Spesenabrechnungen gemerkt, dass da etwas faul ist, also ist es kein Wunder, dass die beiden Frauen schnell erwischt werden. Wie gut aber, dass es keine ehrlichen Menschen in diesem Buch gibt, denn auch Person Nr. 3 erpresst lieber, statt irgendetwas zu melden. Und so geht es munter weiter.

Die Figuren bleiben alle oberflächlich und bemitleiden sich selbst, anstatt auf ehrlichem Wege zu versuchen, ihre Situation zu verbessern. Die Botschaft des Buches bleibt unklar: ist es eine Liebesgeschichte? Eine Geschichte über zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber trotzdem anfreunden? Oder eine Kritik am Bildungssystem der USA, das seine Bürger dazu zwingt, horrende Schulden anzuhäufen, um später einen guten Job zu bekommen, was sich in den meisten Fällen dann aber leider nicht erfüllt? Keiner der Punkte sticht positiv heraus, letzterer sogar eher negativ, da Tinas und Emilys Projekt „Durchstarten“, mit dem sie die Schulden unterbezahlter Assistentinnen abbauen wollen, so schlampig durchdacht ist, dass das System in der realen Welt sofort zusammenbrechen würde.

Fazit: als leichte Unterhaltung ist das Buch vielleicht geeignet, aber wer wie ich dazu neigt, Dinge zu hinterfragen, stößt hier schnell an die Grenzen des Buches. Lieber was besser recherchiertes lesen.


[Rezension] Zwei Worte vor und eins zurück

Originaltitel:
Landline
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 430
Preis: 14,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783863960742
Erscheinungsdatum: 04.12.2014
Bewertung:

Die Handlung

Georgie und Neal sind seit vielen Jahren verheiratet, haben zwei bezaubernde Töchter und ein schönes Haus. Während Neal sich um die Kinder und den Haushalt kümmert, arbeitet Georgie an ihrer Karriere als Showrunnerin und Drehbuchschreiberin im TV. Als sie zu Weihnachten das Angebot ihres Lebens bekommt, hängt der Haussegen schief. Ihre Familie fliegt nach Omaha, während sie zuhause bleibt und in einer Woche mit ihrem Partner Seth vier Drehbücher schreiben muss. Als sie bei ihrer Mutter mit ihrem alten gelben Telefon versucht, Neal zu erreichen, glaubt Georgie verrückt zu werden, denn sie hat nicht ihren Ehemann, sondern Neal aus dem Jahr 1998 an der Strippe! Und während sie mit der Vergangenheit telefoniert fragt sie sich, ob es die richtige Entscheidung war, Neal zu heiraten.

Das war gut

Georgies Schwester Heather ist zwar etwas merkwürdig und man sollte ihr vielleicht keine Kinder anvertrauen, aber die Szenen, in denen sie vorkam, waren die besten des Buches. Außerdem ist sie in die Person vom Pizzaservice verliebt, bestellt deswegen ständig Pizza und wartet dann nervös an der Tür auf deren Ankunft. Das war so süß!

Auch Georgies Kinder sind purer Zucker, kommen aber leider nicht allzu häufig vor, da sie ja mit Neal zu ihrer Großmutter geflogen sind.

Rainbow Rowell hat hier das klassische Familienmodell einfach mal umgedreht. Die Frau macht Karriere und bringt Geld ins Haus, der Mann schmeißt den Haushalt. Ist mal was anderes, wobei ich mich über etwas mehr als den Klischeetausch auch gefreut hätte.

Das hat mir nicht gefallen

Ist euch schon mal aufgefallen, dass Geld in den meisten Büchern nie ein Thema ist, obwohl das höchst unrealistisch ist? Da werden mal eben Unsummen für ein Flugticket ausgegeben oder das Handy mit dem kaputten Akku gedankenlos in die Mülltonne geschmissen. Auf so eine Idee würde ich nie nie nie kommen. Aber das ist wahrscheinlich einfach die andere Mentalität.

Warum Georgie und Neal überhaupt verheiratet sind, ist mir schleierhaft. Besonders viele positive Charaktereigenschaften scheint der Mann ja nicht zu haben. Stattdessen ist er unzufrieden und bockig. Auch in den Rückblenden in die Vergangenheit war das nicht viel anders. „Sie liebt ihn halt“ reicht mir als Erklärung nicht.

Dieses Ende. Schon wieder. Verdammt, Rainbow, warum machst du das? Da sind so verdammt viele Fragen offen geblieben, dass ich mir eigentlich einen zweiten Band wünschen würde, um zu sehen, wie es mit Georgie und Neal (und auch Seth) weitergeht. Ob sie ihre Probleme in den Griff bekommen.

Und daraus folgt

Mit Zwei Worte vor und eins zurück hat Rainbow Rowell einen ganz netten Roman für Erwachsene geschrieben, ein Wow-Effekt hat sich bei mir aber nicht eingestellt. Dafür ist mir die Geschichte nicht rund genug. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass die Autorin beim Schreiben ähnlich verloren war wie Georgie bei dem Versuch, ihre Ehe und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Auch das Ende erschien mir wie eine Notlösung, als hätte die Autorin selbst eingesehen, dass die Situation zu verfahren ist und nicht zu einem befriedigenden Abschluss gebracht werden kann. Meine letzte Hoffnung auf ein gutes Ende in einem Rainbow Rowell Roman liegt jetzt ganz in den Händen von Fangirl ;)