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[Rezension] Die Drei

Originaltitel:
The Three
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
Die Drei 1 von 2
Seiten: 512
Preis: 14,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783442313716
Erscheinungsdatum: 11.08.2014
Bewertung:

Die Handlung

Vier Flugzeuge stürzen kurz nacheinander an vier unterschiedlichen Orten ab. Niemand hätte diese furchtbaren Unfälle überleben können – und doch findet man an drei der Absturzstellen jeweils ein Kind. Sämtliche Medien stürzen sich auf „die Drei“. Man spricht von einem Wunder, vermutet hinter den Abstürzen Anschläge von Terroristen. Doch die hastig aufgenommene Handynachricht einer sterbenden Passagierin verändert alles.

Das war gut

Die Autorin hat sich etwas sehr interessantes ausgedacht: anstatt die Geschichte „normal“ zu erzählen, liest man hier das fiktive Sachbuch einer ebenso fiktiven Autorin, die dem Leser mithilfe von Zeitungsartikeln, Interviews, Chatprotokollen und Skype-Telefonaten einen Einblick in die Monate nach den Flugzeugabstürzen gewährt. Dabei kristallisieren sich einige Personen heraus, die die Hauptrollen in den weltweiten Verschwörungstheorien spielen. Die meisten davon sind Charaktere aus dem direkten Umfeld der drei überlebenden Kinder, aber auch ein fanatischer Prediger, der fest davon überzeugt ist, dass die Kinder drei der vier apokalyptischen Reiter sind und das Ende naht.

Über das Buch hinweg bleibt offen, ob es sich bei den Kindern um ganz normale, traumatisierte Menschen handelt und die Leute sich dazu manipulieren lassen, Gespenster zu sehen, oder sie vielleicht wirklich übernatürliche Wesen sind, die das Ende der Welt planen. So kann sich jeder Leser das aussuchen, was ihm am besten gefällt. Ich persönlich bevorzuge z. B. die erste Theorie.

Das hat mir nicht gefallen

Durch das Nachwort wird meiner Meinung nach die Interpretationsmöglichkeit stark eingeschränkt, da hier recht unmissverständlich in eine bestimmte Richtung gedeutet wird. Das fand ich vor allem im Hinblick auf eine mögliche Fortsetzung (die bisher nur vom deutschen Verlag wirklich kommuniziert wird) sehr schade.

Und daraus folgt

Die Autorin liefert einen stilistisch ungewöhnlichen und trotz der Sachbuchanleihen spannenden Thriller ab. Erst gegen Ende des Buches wird eine grausame Wahrheit enthüllt, die über weite Strecken nur angedeutet wurde, sodass man gar nicht anders kann, als dabei zu bleiben und immer weiter zu blättern.

Besonders gruselig an der Geschichte finde ich, dass ich mir genau vorstellen kann, dass so etwas auch in der Realität passieren könnte. Gerade in den doch immer noch sehr konservativ eingestellten USA könnte die Aussage der sterbenden Passagierin wohl wirklich für so viel Wirbel sorgen, wie sie es in Die Drei geschafft hat. Die meisten Menschen sind in dieser Hinsicht einfach sehr beeinflussbar. Hoffen wir also, dass niemals der verrückte Zufall eintreten wird, dass vier Flugzeuge gleichzeitig abstürzen und es dabei unmögliche Überlebende gibt ;)

Die Reihe

Die Drei Day Four (The Three #2)


[Rezension] Linkshänderland – Der Auftrag

Originaltitel:
-
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 352
Preis: 12,99 €, Hardcover
ISBN: 9783833901171
Erscheinungsdatum: 15.08.2014
Bewertung:

Die Handlung

Das Linkshänderland, kurz LHL, ist eine virtuelle Welt, die nur Linkshänder betreten können. Erst mit 13 wird Trix als unentdeckte Linkshänderin gemeldet und wird Teil des LHL. Der 16-jährige Liam wird ihr Mentor und Freund in dieser neuen Welt. Zusammen bekommen sie den Auftrag, sich undercover bei den sogenannten Abtrünnigen einzuschleusen, um den Verbleib einer verschollenen Agentin aufzudecken.

Jannik gehört zu den Abtrünnigen und hat für die Gruppierung sein Medizinstudium aufgegeben. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern ist er auf der Suche nach der Bestimmung des LHL, die vor langer Zeit verschwunden ist.

Das war gut

Das Cover macht richtig neugierig, es verspricht Spannung und Abenteuer UND verzichtet auf Mädchengesichter. Top.

Den Golfclub würde ich gerne mal besichtigen, besonders die Bibliothek natürlich. Das ganze Gebäude besteht aus Holz und Papier, was ich mir sehr gemütlich vorstelle.

Es gibt keine erzwungene Liebesgeschichte. Trix und ihr Mentor Liam sind eher wie Geschwister. Trix und Jannik verstehen sich zwar sehr gut, aber es bleibt auch hier bei einer Freundschaft.

Das hat mir nicht gefallen

Das Linkshänderland entpuppt sich als ein Spiegelbild unserer Welt. Hier ist nichts besser oder schöner. Die Menschen sind genauso egoistisch, bösartig und korrupt wie in der richtigen Welt. Das fand ich beim Lesen sehr schade, denn man hätte so viel mehr aus der Idee herausholen können. Stattdessen bekommt man eine Welt, in der alles genauso ist wie immer, nur dass man sich zuerst einloggen muss, um dort hinzukommen und dass es dort keine Rechtshänder gibt (was aber nicht weiter auffällt, schließlich sieht man die Figuren nicht).

Davon ausgehend ist die Geschichte auch ganz anders gewesen, als ich gedacht hatte. Ich dachte, mich erwarten fantastische Abenteuer in einer Fantasiewelt nur für Linkshänder. Stattdessen bekam ich eine Mafia-Regierungsverschwörungs-Story, die auch genauso gut außerhalb des LHL funktioniert hätte, nur dass dafür die jugendlichen Protagonisten etwas zu jung gewesen wären.

Am Anfang der Geschichte gibt es mehrmals von einer auf die nächste Seite Zeitsprünge von teils mehreren Monaten, die so beiläufig erwähnt werden, dass man erst gar nicht wirklich realisiert, wie viel Zeit eigentlich vergangen ist. Das fand ich sehr unglücklich gelöst. Es wäre vielleicht besser gewesen, die Geschichte zu einem späteren Zeitpunkt starten zu lassen, statt die Anfänge der Figuren vorstellen zu wollen, da dies zeitlich nicht so ganz in die Handlung passte.

Und daraus folgt

Da ich selbst Linkshänderin bin, fand ich die Idee eines geheimen Linkshänderlandes natürlich richtig toll. Üblicherweise ist „links“ eher mit negativen Attributen behaftet, von daher war ich sehr gespannt darauf, wie die Linkshänder in diesem Buch im Vordergrund stehen. Leider habe ich dann nicht allzu viel positives gefunden. Die Linkshänder in ihrer virtuellen Welt sind auch nicht besser als der Rest in echt.

Gerade am Anfang fiel es mir sehr schwer, dem Verlauf der Geschichte zu folgen, da der Text oft zwischen Liams, Trix‘ und Jannicks Leben hin und her sprang. Es wurden viel zu viele Charaktere in zu kurzer Zeit eingeführt, die man kaum unterscheiden konnte.

Das Buch bekommt von mir trotz allem noch drei Sterne, da das Buch abzüglich des blass bleibenden LHL eine routinierte Agentengeschichte bietet, die einen ganz gut unterhält, wenn man auf die Ausarbeitung der virtuellen Welt verzichten kann. Es bleibt der fade Beigeschmack eines offenen Endes, denn dieses und auch der Untertitel lassen darauf schließen, dass hier noch eine Fortsetzung geplant ist. Da ich dazu aber noch keine Informationen gefunden habe, liste ich es vorerst als Einzelband.

Danke an Blogg dein Buch und Bastei Lübbe für dieses Rezensionsexemplar.


Mafi, Tahereh: Ich fürchte mich nicht

Originaltitel:
Shatter Me
Autor:

Verlag:

Themen:
, , ,
Reihe:
Shatter Me 1 von 3
Seiten: 320
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783442313013
Erscheinungsdatum: 23.07.2012
Bewertung:

Seit 264 Tagen ist Juliette eingesperrt. In der ganzen Zeit hat sie keinen einzigen Menschen gesehen, war völlig allein. Ihre eigenen Eltern haben sie in diese Situation gebracht, denn Juliette hat eine ungewöhnliche Gabe ist ein „Monster“. Mit ihrer Berührung saugt sie Menschen das Leben aus und sie kann diese Fähigkeit nicht kontrollieren.
Am 264. Tag wird plötzlich ein junger Mann namens Adam in ihre Zelle gesperrt. Juliette kennt ihn noch von früher aus der Schule, aber er scheint sich nicht an sie zu erinnern. Er sieht aus wie ein Häftling, doch als die Zelle gestürmt wird und Adam und Juliette an einen anderen Ort verschleppt werden, stellt sich heraus, dass er in Wahrheit ein Soldat des skrupellosen Reestablishment ist, dass die Welt regiert ins Chaos gestürzt hat. Adam sollte Juliette testen, herausfinden, ob sie nach all der Zeit in Isolationshaft noch bei klarem Verstand oder verrückt verrückt verrückt ist.

Adams Vorgesetzter Warner enthüllt Juliette, dass er sie bzw. ihre Kräfte für seine Zwecke nutzen will, weshalb er sie seit langer Zeit gesucht hat. Verständlicherweise will Juliette keine Mörderin sein und verweigert sich Warners Wünschen. Mit Hilfe von Adam, der sie überraschenderweise ohne Gefahr berühren kann und in den sie sich verliebt, plant Juliette ihre Flucht.

Wenn ich rückblickend versuche, mich detailliert an den Inhalt des Buches zu erinnern, habe ich Schwierigkeiten. Mehr als – Juliette ist gefangen, Juliette wird in in ein anderes, luxuriöses Gefängnis verlegt und flieht mit Adam – will mir nicht mehr einfallen. Und dann gibt es natürlich noch die X-Men Anleihen am Schluss des Buches. Der Rest sind die üblichen Zutaten: eine besondere Fähigkeit, die nur bei DER einen Person nicht funktioniert, sodass man sich fragt, ob sich die beiden wirklich ineinander verlieben oder die Person mit der Gabe sich nur in die Tatsache verliebt, dass die Fähigkeit bei der anderen Person nicht funktioniert. Das fünfte Rad am Wagen, hier in Gestalt von Warner, der aus welchem Grund auch immer natürlich auch scharf auf Juliette ist. Hervorragend, um für die geplante Verfilmung Team Adam und Team Warner zu bilden. Und nicht zu vergessen natürlich die dystopische Außenwelt am Rande der Zerstörung oder vielmehr weit darüber hinaus. Da sich Juliette aber im Großteil des Buches in geschlossenen Räumen aufhält und mit nicht mehr als einer Handvoll Personen interagiert, bekommt man von der Welt „da draußen“ kaum etwas mit. Genauso gut hätte Juliettes Geschichte also auch in der heutigen Zeit spielen können, aber „kaputte Welt mit machtgeilen Herrschern“ verkauft sich momentan einfach besser als „Oh, spielt 2012 – willkommen in der Gegenwart!“.

Um auch noch etwas positives zu sagen: der Anfang des Buches hat mir wirklich gut gefallen. Juliette ist seit 264 Tagen isoliert isoliert isoliert und ihr einziger Gesprächspartner ist ihr Notizbuch. Die Autorin vermittelt Juliettes Wahnsinn innere Zerissenheit durch die durchgestrichenen Sätze und Wortwiederholungen hervorragend. Nur leider hört Juliette damit nicht auf. Der Anteil reduziert sich zwar erheblich, aber trotzdem tauchen hin und wieder weiterhin die Dreier-Wiederholungen einzelner Wörter auf, was mich als Leser irgendwann nur noch genervt hat. Weniger ist mehr!

Wer noch nicht so viele Bücher nach dem Schema F gelesen hat, wird mit Ich fürchte mich nicht ganz gut bedient sein. Ich persönlich setze meine Hoffnungen auf den zweiten Teil, denn sollte sich der mehr auf den Superheldenaspekt konzentrieren, könnte es noch ganz interessant werden.

Die Serie


Lane, Andrew: Young Sherlock Holmes – Der Tod liegt in der Luft

Originaltitel:
Young Sherlock Holmes 1 - Death Cloud
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
Young Sherlock Holmes
Seiten: 416
Preis: 8,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783596193004
Erscheinungsdatum: 17.02.2012
Bewertung:

Der jugendliche Sherlock Holmes soll seine Sommerferien überraschend bei Verwandten auf dem Land verbringen, statt zu seiner Familie nach London zu fahren. Sherlock ist nicht sehr angetan von der Vorstellung, sich den ganzen Sommer zu langweilen. Doch schnell findet er einen Freund, mit dem er durch die Stadt ziehen kann. Nach kurzer Zeit wird Sherlock auf Wunsch seines Bruders Mycroft außerdem noch ein Hauslehrer zur Seite gestellt. In ihrer ersten Unterrichtsstunde entdecken sie im Wald eine Leiche und plötzlich ist es auf dem Land doch gar nicht mehr so langweilig, wie Sherlock befürchtet hatte, denn er steckt mitten in einer Verschwörung, die ganz England zu Fall bringen könnte.

Sherlock Holmes ist durch die zahlreichen aktuellen Umsetzungen in aller Munde und begeistert mich sehr, sodass ich mir natürlich auch Sherlocks ersten Fall nicht entgehen lassen wollte. Bereits als Jugendlicher soll er also seine geniale Kombinationsfähigkeit unter Beweis gestellt haben. Leider nicht. Viel mehr scheint der Autor Sherlocks Mentor Amyus Crowe an der erwachsenen Sherlock Holmes Figur orientiert zu haben, denn der Hauslehrer verfügt über bemerkenswerte Ermittlungsfähigkeiten und leitet Sherlock an. Natürlich ist klar, dass Sherlock nicht als herausragender „Consulting Detective“ geboren wurde und sich seine Fähigkeiten irgendwann im Laufe seines Lebens angeeignet haben muss, aber es entzaubert den Mythos Sherlock Holmes doch ziemlich, wenn man einen Jungen vor sich sieht, der dumme Fragen stellt und wichtige Details vergisst. Könnten natürlich auch Logikfehler im Manuskript sein. So erzählt Virginia Sherlock z. B., welcher Arbeit Amyus vor seiner Tätigkeit als Hauslehrer nachging. Später deutet Amyus dies selber an, was ihm nur verwunderte Blicke von Sherlock und Matty einbringt, die sich keinen Reim auf seine Anspielung machen können?! Auch erkennt Sherlock im entscheidenden Moment ein Tablett nicht wieder, welches er zu einem früheren Zeitpunkt allerdings sogar in verhülltem Zustand identifizieren konnte. Ganz schön launenhaftes Gedächtnis hat der Junge.
Er wirkt sowieso eher wie ein typischer Jugendlicher mit erhöhtem IQ, da er sich auch auf den ersten Blick in Amyus Tochter Virginia verguckt und ihr Anblick reicht, um sein Herz rasen zu lassen und ihm schwitzige Hände zu bescheren.

Handwerklich betrachtet liefert Andrew Lane aber solide Krimikost für Jugendliche ab, auch wenn sich – gerade im Hinblick auf Sherlocks Konfrontation mit den Gegnern – leider einiges wiederholt. Das Setting im viktorianischen England wird durch die Beschreibungen gut vermittelt, ich konnte die stinkenden Kanäle beinahe selbst riechen. Mit Sherlocks Charakterisierung konnte ich mich aber wie gesagt nicht anfreunden. Für meinen Geschmack war zudem Sherlocks Freund Matty viel zu abgebrüht. Gleich zwei Mal ermordert er ohne mit der Wimper zu zucken Handlanger des Barons, der der große Gegenspieler im Buch ist.

Fans von Sherlock Holmes sollten Andrew Lanes Buch mit Vorsicht genießen, da der 14-jährige Junge nicht viel mit seinem zukünftigen genialen Ich gemeinsam hat. Wer darüber hinwegsehen kann, wird vielleicht seinen Spaß mit dem Buch haben.

Die Serie