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[Rezension] Der verschollene Prinz

Originaltitel:
Captive Prince
Autor:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
Captive Prince 1 von 3
Seiten: 320
Preis: 12,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783453316089
Erscheinungsdatum: 15.06.2015
Bewertung:

Die Handlung

Eigentlich ist der Kriegerprinz Damen der rechtmäßige Erbe von Akielos, doch dann gerät er in Gefangenschaft und wird in die Sklaverei verkauft – ausgerechnet an Laurent, den Kronprinzen des verfeindeten Königreiches Vere. Laurent ist eitel, arrogant und grausam, und er steht für alles, was Damen hasst. Doch noch während er Fluchtpläne schmiedet, lernt Damen Laurent besser kennen, und schon bald weiß er nicht mehr, was wichtiger für ihn ist: Seinen eigenen Thron zurückzugewinnen oder an Laurents Seite zu kämpfen und das Geheimnis um dessen eiskaltes Herz zu lösen.

Quelle: Heyne

Meine Meinung

Ich habe es schon auf Twitter geschrieben: „Wenn ich bei einer Rezension Schwierigkeiten habe, die Themen des Buches zu definieren, ist das immer ein schlechtes Zeichen.“ Wenn ich ein Buch mit den Schlagwörtern „Politik“ und „Sklaverei“ markiere, dann denke ich eigentlich nicht an eine Geschichte wie Der verschollene Prinz, aber es kommen Sklaven und politische Spannungen vor, also immerhin.

Die Welt des Buches besteht aus den privilegierten Reichen auf der einen und (männlichen) Lustsklaven auf der anderen Seite. Die Welt dazwischen ist für das Setting vollkommen uninteressant und deshalb wird das gewöhnliche Volk nur am Rande erwähnt. Das liegt auch daran, dass sich 99 % der Handlung in einem Palast abspielen. Dieser wird hauptsächlich von männlichen Sklaven bevölkert, weil die adeligen Männer so keine unwillkommenen Nachkommen befürchten müssen, wenn sie sich Gespielen ins Bett holen. Die Erklärung leuchtet mir sogar ein.

Beim Lesen des Buches musste ich unweigerlich an die 16+ Boys Love Sparte bei Mangas denken, denn bei denen hatte ich früher oft das Gefühl, dass die Autorinnen ihre feuchten Träume zu Papier brachten. Das ist hier auch nicht anders. Es gibt regelrechte Orgien, bei denen zwei Sklaven gegenseitig versuchen sich zu vergewaltigen, während das Publikum ringsum sich daran aufgeilt und mit seinen eigenen Sklaven vergnügt. Viel mehr passiert dann auch nicht mehr. Es wird gebadet, gesalbt, geblasen (ja, das meine ich so) und alle paar Seiten mal das Wort „ficken“ eingestreut. Und währenddessen fragt man sich: was ist jetzt nochmal genau die Handlung des Romans?

Pluspunkte und den zweiten Stern bekommt die Autorin erstens dafür, dass sie in einer bestimmten Szene, in der ein unfreiwillig verabreichtes Potenzmittel eine Rolle spielt, auf den klischeehaften Verlauf verzichtet (Mangaleser werden es verstehen wenn ich sage, dass ich mich dabei zuerst sehr stark an „Verliebter Tyrann“ erinnert fühlte *hust*) und ich zweitens trotz allem immer noch wissen will, wie die Geschichte um Damen und Laurent weitergeht. In der Hoffnung, dass mich in der Fortsetzung mehr Handlung und vielleicht etwas Romantik statt Geilheit erwartet, werde ich im Januar 2016 wohl auch Das Duell der Prinzen lesen.

Weitere Meinungen

Amerdales Blog mit 4 von 5 Sternen
Books & Pride mit 4 1/2 von 5 Sternen
Dahlia liest mit 5 von 5 Herzen

Die Reihe

Der verschollene Prinz  (Captive Prince, #1) Das Duell der Prinzen Die Rückkehr des Prinzen (Captive Prince, #3)


Münk, Katharina: Die Eisläuferin

Originaltitel:
-
Autor:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 256
Preis: 14,90 €, Trade Paperback
ISBN: 9783423248815
Erscheinungsdatum: 01.11.2011
Bewertung:

Der Regierungschefin einer westlichen Nation fällt bei ihrem heimlichen Sommerurlaub mit der Transsibirischen Eisenbahn in Omsk ein Bahnhofsschild auf den Kopf, welches sie nicht nur die letzten 20 Jahre vergessen lässt, sondern auch dafür sorgt, dass sie keine neuen Erinnerungen mehr bilden kann. Fortan wacht sie jeden Morgen auf und glaubt sich in einer Phase „demokratischen Aufbruchs“ zu befinden, in der gerade die Mauer gefallen ist. Ihren engsten Mitarbeiterstab stellt dies vor eine schwierige Herausforderung. Es steht kein geeigneter Ersatzkandidat für die Regierungsposition zur Verfügung und so entscheidet man sich notgedrungen, die Chefin jeden Morgen zu briefen und weiterhin als Kanzlerin auftreten zu lassen. Leider haben sie nicht damit gerechnet, das die erinnerungslose Frau ihre ganz eigenen Vorstellungen von Regierungsarbeit hat.

Vielleicht merkt man es schon an meiner Zusammenfassung. Es handelt sich um die „Regierungschefin einer westlichen Nation“. Der Autorin gelingt es dabei hervorragend klarzumachen, dass sie natürlich Deutschland meint, die Handlung in weiten Teilen in Berlin spielt und die Bundeskanzlerin wohl Angela Merkel sein soll, auch wenn sich die Figur teilweise sehr vom öffentlichen realen Bild unterscheidet. Dies geschieht aber alles nur aufgrund von Andeutungen, alles wird umschrieben. Die Regierungschefin bleibt ebenso wie das Land und ihre zahlreichen Mitarbeiter und Mitpolitiker namenlos, einzige Ausnahmen stellen hierbei ihr Leibwächter Herr Bodega und ihr aus Russland eingeschiffter Therapeut Dimitrij dar. Dadurch entsteht leider eine große Distanz zu den Figuren und ihrer Geschichte, man fühlt sich als weit entfernter Beobachter statt mittendrin zu sein. Die Sprache tut ihr übriges dazu. Sie war mir zu sperrig und gewollt gehoben ausgedrückt, als das sie mich hätte mitreißen können.

Gelesen habe ich das Buch aufgrund des verheißungsvoll klingenden Klappentextes. Mit Gedächtnisverlusten kann man mich sowieso immer locken und dann auch noch bei einer Regierungschefin? Klingt lustig, war für mich im Endeffekt aber genauso interessant wie die Debatte um Wulffs diverse Affären. Nämlich gar nicht. Die Rettungsversuche des Beraterstabs sind unlustig und die Verkettung der Umstände, die zu den positiven Schlagzeilen führt, hat mir nur ein Augenrollen entlockt. Das Traurige an der Sache ist, dass ich es mir absolut vorstellen kann, dass die Regierungs“arbeit“ in Wirklichkeit genauso unkoordiniert abläuft, wie sie hier persifliert wird.