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[Rezension] Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance

Originaltitel:
This Raging Light
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 256
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783737353267
Erscheinungsdatum: 10.03.2016
Bewertung:

Das Leben meint es nicht gut mit Lucille: ihr Vater ist durchgedreht und hat die Familie verlassen und ihre Mutter ist ebenfalls verschwunden, um für zwei Wochen eine Auszeit zu nehmen. Deswegen muss sich Lucille um ihre kleine Schwester und das Haus kümmern, außerdem Geld verdienen und darf den Anschluss in der Schule nicht verlieren. Unterstützung erhält sie von einem anonymen guten Samariter und der Familie ihrer besten Freundin Eden. Aber keiner darf erfahren, dass ihre Mutter auch nach zwei Wochen nicht wieder auftaucht, denn sonst käme das Jugendamt und würde die Geschwister womöglich trennen.

Harter Tobak für ein Jugendbuch, elternlose Kinder und das drohende Jugendamt. Die Autorin meinte offenbar, dies sei noch nicht genug Stoff für 256 Seiten, sodass sie unter anderem noch ein kompliziertes Liebesdreieck bestehend aus Lucille, Edens Bruder und dessen langjähriger festen Freundin zwischen die Buchdeckel quetscht. Und das ist das große Problem von Estelle Laures Roman. Sie weiß weder mit ihren Charakteren noch mit der Geschichte an sich groß etwas anzufangen und versucht die entstehenden Lücken durch neue Geschehnisse zu stopfen, anstatt sich auf die Ausgangssituation zu konzentrieren, nämlich dass Lucille durch das Verschwinden ihrer Mutter viel zu früh erwachsen werden muss und mehr Verantwortung zu tragen hat, als einer Jugendlichen in ihrem Alter zugemutet werden sollte.

Als Leser hat man gar keine Möglichkeit, den Ernst der Lage komplett zu erfassen. Das Leben für die zwei Mädchen ist zwar hart, aber ein guter Samariter bügelt die schlimmsten Probleme in Abwesenheit der beiden regelmäßig heimlich aus und auch die Nachbarn oder Lehrer in der Schule werden nicht misstrauisch genug, um wirklich gefährlich zu werden. Stattdessen hat Lucille also genügend Zeit, sich mit Eden über Nichtigkeiten zu streiten und sich danach gegenseitig zu ignorieren oder Edens Bruder um den Finger zu wickeln, ohne dass einem wirklich klar ist, warum genau er für sie seine langjährige Freundin betrügt, mit der er schon Collegepläne geschmiedet hat.

Die einzigen Figuren, die einem positiv in Erinnerung bleiben, sind Lucilles kleine Schwester und Edens Eltern, die aber leider nicht genug Auftritte haben, um die restlichen Schwächen und merkwürdigen Charakterentwicklungen wiedergutzumachen.

Insgesamt ist zu sagen, dass „Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ leider sein Potenzial verschenkt. Wie bei so vielen Jugendbüchern üblich, dreht sich ein Großteil des Buches um eine Liebesbeziehung, der Rest verkommt zu unwichtiger Kulisse. Wenn man darüber hinwegsehen kann und gerne von unerwarteten Schockern abgelenkt wird, um sich nicht mit der Haupthandlung beschäftigen zu müssen, dann ist man mit diesem Buch gut bedient. Allen anderen rate ich, zu anderer Lektüre zu greifen.

(In meinem Leserückblick Januar habe ich das Buch mit 3 von 5 Sternen bewertet, beim Schreiben der Rezension musste ich diese Bewertung leider nach unten korrigieren.)

Weitere Meinungen

Collection of Bookmarks mit 3 von 5 Kirschen
Nickis Bücherwelt mit 5 von 5 Eulen


[Rezension] Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke

Originaltitel:
We Are All Completely Beside Ourselves
Autor:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 352
Preis: 17,99 €, Hardcover
ISBN: 9783442547371
Erscheinungsdatum: 11.05.2015
Bewertung:

Die Handlung

Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke, das sind Rosemary und Fern. Die beiden sind ein unzertrennliches Gespann, bis zu dem Tag, an dem Fern verschwindet und Rosemary allein mit ihren Eltern und ihrem größeren Bruder zurücklässt. Die Familie verkraftet den Verlust nicht. Die Mutter zieht sich zurück, der Vater wendet sich dem Alkohol zu und Rosemarys Bruder Lowell fühlt sich so entfremdet, dass er die Familie kurz vor seinem Schulabschluss verlässt. Erst im Erwachsenenalter gelingt es Rosemary, die Fragezeichen ihrer Kindheit aufzudecken und herauszufinden, was mit Fern geschah.

Das war gut

Die Abschnitte, in denen man Rosemary und Ferns Leben verfolgen konnte, haben mir am besten gefallen. Die zwei sind ein tolles Team und man sieht sie förmlich vor dem inneren Auge herumtollen und Schabernack treiben.

Ich mag es normalerweise überhaupt nicht, wenn die Erzählstimme mit dem Leser redet. Und Rosemary tut dies oft und gerne, um Situationen zu erklären oder in der Geschichte vorzugreifen. Aber hier hat es mich nicht gestört, im Gegenteil. Der Autorin gelingt es ganz wunderbar, den Leser neugierig zu machen und die Erzählerin authentisch wirken zu lassen. Man hat das Gefühl, mit Rosemary an einem Tisch zu sitzen und sich ihr Leben anzuhören. Und im Gegensatz zu einem vorgeplanten Roman erzählt Rosemary, was ihr gerade einfällt, ohne sich dabei an Chronologien aufzuhalten. Stattdessen schweift sie ab, wenn sie sich an etwas erinnert und vertröstet einen an bestimmten Stellen auf später, da ihr in dem Moment andere Erinnerungen wichtiger erscheinen. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal ein Buch in diesem Stil gelesen zu haben.

Das hat mir nicht gefallen

Es gibt in dem Buch nach ca. 100 Seiten eine Enthüllung, die mich wohl sehr überrascht hätte, wäre ich nicht vorher vom deutschen Verlag und einer Fernsehsendung gespoilert worden. Die Autorin erzählt dort in einem Interview, warum sie diese Enthüllung nicht direkt auf Seite 1 gebracht hat und ich fand ihre Erklärung sehr nachvollziehbar. Umso bedauernswerter ist es, wenn der Wunsch der Autorin nicht respektiert wird.

Es gibt eine Nebenhandlung, die sich um einen verlorenen Koffer und eine Handpuppe dreht, die aber eigentlich nicht mehr zur Geschichte beiträgt, als Rosemary durch die Stadt zu jagen. Der Sinn davon hat sich mir nicht erschlossen.

Und daraus folgt

Karen Joy Fowler erzählt in Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke eine außergewöhnliche, mitreißende und auch traurige Geschichte über eine Familie, die mit zwei ganz besonderen Töchtern gesegnet ist und an dem Verlust der einen zerbricht. Der reale Bezug zu den wissenschaftlichen Versuchen von Rosemarys Vater sind dabei genauso interessant wie die schrittweise Annäherung seiner Tochter an ihre Kindheit und die zögerliche Entwicklung, diese als Teil ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren, statt verstecken zu wollen.


[Rezension] Bird Box – Schließe deine Augen

Originaltitel:
Bird Box
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 320
Preis: 19,99 €, Hardcover
ISBN: 9783764531218
Erscheinungsdatum: 16.03.2015
Bewertung:

Die Handlung

Gerade als Malorie bemerkt, dass sie schwanger ist, passieren überall auf der Welt merkwürdige Vorfälle, bei denen Menschen wahnsinnig werden und sich auf grauenvolle Weise das Leben nehmen. Schnell wird klar, dass alle Betroffenen etwas gesehen haben, dass sie wahnsinnig gemacht hat. Aber um was es sich dabei handelt, weiß niemand. Die Menschen verbarrikadieren sich in ihren Häusern und verhängen alle Fenster und Öffnungen, in der Hoffnung, verschont zu bleiben. In dieser neuen Welt, die von Dunkelheit und Augenbinden bestimmt ist, wird Malorie ihr Kind aufziehen müssen.

Das war gut

Dem Autor gelingt es hervorragend, eine gruselige Atmosphäre zu schaffen. Obwohl der Schrecken sehr abstrakt ist, reichen schon die Szenen mit Augenbinden, um Gänsehaut hervorzurufen. Und obwohl ich mehr als alt genug bin, um zu wissen, dass Übernatürliches nicht existiert, habe ich den Weg vom Lichtschalter zum Bett im Dunkeln in 3-facher Geschwindigkeit zurückgelegt ;)

Malorie ist Anfang 20 und schwanger und trotz allem der wohl stärkste Charakter in dem Haus voller Überlebender. Sie schreckt nicht vor unangenehmen Wahrheiten zurück und tut, was getan werden muss, auch um ihr Kind zu beschützen.

Das hat mir nicht gefallen

Ich hätte mir – wie so oft – mehr Erklärungen gewünscht: was verursacht den Wahnsinn genau? Warum? Woher kommt das, was man sieht, wenn man verrückt wird usw. Aber im Horrorgenre ist diese Ungewissheit wahrscheinlich üblich, vermute ich.

Ich fand es schade, dass die Figuren rund um Malorie kaum über Statistenrollen hinaus dargestellt werden. Die Gruppe Überlebender macht immerhin die Hälfte des Buches aus und hätte ruhig mehr Hintergrundgeschichte bekommen können. Ich verstehe aber, dass der Autor sich hier voll auf Malories Perspektive und Gefühle konzentriert, um diese spürbar zu machen.

Und daraus folgt

Mit Bird Box ist Josh Malerman ein furchterregendes Debüt gelungen, dass einem die Haare zu Berge stehen lässt, ohne dabei auf effekthaschende Splattermomente setzen zu müssen. Wer wie ich eher subtilen Horror statt Gemetzel bevorzugt, der sollte mal einen Blick riskieren. Aber vergesst eure Augenbinden nicht und schließt eure Türen gut ab!


[Rezension] Einfach Schicksal

Originaltitel:
Just Like Fate
Autor:

Verlag:

Themen:
, , ,
Reihe:
-
Seiten: 301
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783846600108
Erscheinungsdatum: 12.02.2015
Bewertung:

Die Handlung

Carolines Großmutter liegt nach einem Schlaganfall im Krankenhaus, ihr Zustand ist kritisch. Caroline wird von ihrer besten Freundin zu einer Party eingeladen und muss sich entscheiden: bei ihrer Großmutter BLEIBEN, falls diese aufwacht, oder GEHEN und ein wenig Abstand von all dem Familiendrama bekommen? Von diesem Zeitpunkt an erzählen die Autoren beide Varianten der Geschichte und Caroline wird mit völlig verschiedenen Situationen und Möglichkeiten konfrontiert, die sich aus ihrer Entscheidung ergeben.

Das war gut

Einfach Schicksal hat ein sehr interessantes Konzept, das man auch aus dem Film „Sliding Doors“ mit Gwyneth Paltrow kennt. Die Protagonistin muss an einem bestimmten Punkt eine Entscheidung treffen, die ihre gesamte Zukunft beeinflusst. So zieht Caroline z. B. im Handlungsstrang „gehen“ zu ihrem Vater in eine andere Stadt, während sie in „bleiben“ zu ihrer Mutter in ihr altes Zimmer zurückkehrt. Beide Erzählstränge haben ihre Höhen und Tiefen und sind einzigartig. Die Umsetzung hat mir sehr gut gefallen.

Die Figuren sind realitätsnah gezeichnet, alle haben ihre Probleme und Fehler und man kann ihr Verhalten gut nachvollziehen. Besonders bei Carolines Familie fiel es mir nicht schwer, Sympathien zu entwickeln, auch wenn nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen ist.

Das hat mir nicht gefallen

Caroline ist während oder nach der Scheidung ihrer Eltern zu ihrer Großmutter gezogen und hat besonders zu ihrer Mutter und Schwester ein sehr angespanntes Verhältnis. Hier hätte ich mir mehr Erklärung gewünscht, da für mich nicht ganz klar war, was nun eigentlich das Problem zwischen den Figuren war.

Und daraus folgt

Besonders gut gefiel mir, dass das Buch die Botschaft vermittelt, dass es nicht die eine richtige Entscheidung gibt, dass keine Alternative perfekt ist und es eher darauf ankommt, was man aus der Wahl macht, die man getroffen hat. Trotz der zwei verschiedenen Zeitstränge ist es eine sehr realistische Geschichte mit Ecken und Kanten. Mir hat Einfach Schicksal sehr gut gefallen und ich kann eine klare Leseempfehlung aussprechen.