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Day, Sylvia: Crossfire – Versuchung

Originaltitel:
Bared to you
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
Crossfire 1 von 3
Seiten: 416
Preis: 9,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783453545588
Erscheinungsdatum: 14.01.2013
Bewertung:

Die Handlung

Die attraktive Eva ist gerade nach New York gezogen und lernt bei der Besichtigung ihres neuen Arbeitsplatzes ihren mindestens genauso attraktiven Chef Gideon kennen. Allein von seinem Anblick wird sie so geil, dass sich ihr Gehirn für den Rest des Buches komplett ausschaltet. Da Gideon sich nur mit den unteren Regionen ihres Körpers beschäftigt, findet er natürlich auch leider diesen höher gelegenen Schalter nicht, sodass sich zwischen den beiden eine unglaublich erotische Beziehung entwickelt, die nach dem Schema Sex – aus dämlichem Grund wegrennen – Versöhnungssex funktioniert. GE-NI-TALES äh GE-NI-ALES Buch! Wer seinen eigenen Schalter zur Hirnbedienung sucht, wird hier sicherlich auf den ersten Seiten fündig und ist dankbar dafür, ihn zu nutzen.

Dramatis Personae

Eva Tramell Wäre sie ein Mann, würde man sie als schwanzgesteuerte Person bezeichnen. Was ist sie dann als Frau? Vaginagesteuert? Kommt hin, denn sobald sie Gideon erblickt, kreisen ihre Gedanken nur noch um dessen perfektes Aussehen und den Wunsch, dass er sie möglichst schnell und hart besteigt. Natürlich hat die Dame eine dunkle Vergangenheit, zu der ich mich in einem Spoilerblock weiter unten nochmal äußern möchte.
Gideon Cross Der männliche Gegenpart zu Eva, den man eigentlich genau wie diese beschreiben kann, nur passt hier natürlich „schwanzgesteuert“ besser. Ach ja und er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Vielleicht sogar DER erfolgreichste Geschäftsmann der Welt, frau gibt sich schließlich nur mit dem besten zufrieden. Auch er hat eine dunkle Vergangenheit, die – soweit die Andeutungen das möglich machen – ein Klon von Evas Vergangenheit zu sein scheint. Well done Sylvia. Der Award für die kreatiefste Charaktererstellung ist dir sicher.

Das Urteil

Ich hatte es mir schon gedacht, aber das Buch war die endgültige Entscheidung: Erotik und ich, das wird nix. Ich kann einfach nichts damit anfangen, wenn ein hohles Handlungsgerüst gestrickt wird, nur um die Protagonisten in dessen löchrigem Gewand in unterschiedlichsten Szenen auf die immer gleiche Weise vögeln zu lassen. Um dann den Anschein von Charaktertiefe zu geben, wird den Figuren noch eine nebulöse, dunkle Vergangenheit angehängt. Diese bringt einen dann aber nur dazu, sich die Haare ausreißen zu wollen, während die Protagonisten selbst ihre Tiefe nur an der Höhe des Treppenhauses bemessen, durch welches sie regelmäßig vor ihrem Gegenüber flüchten müssen, damit es eine neue Krise mit Versöhnungssex zu bewältigen gibt. Ehrlich, wie kann man sich als Autorin so einen Scheiß ausdenken und das auch noch gut finden? Ganz zu schweigen von den Lesern, die sich in ihren Begeisterungsstürmen kaum zügeln können, wenn sie über das Buch sprechen. Wiesoooooooooooooooooooooooooooooooo?

Spoiler bezüglich Evas Vergangenheit

Die Reihe

Crossfire. Versuchung Crossfire. Offenbarung (Crossfire #2) Erfüllung (Crossfire, #3) Hingabe (Crossfire, #4) One with You (Crossfire, #5)


Shorts, Shelena: Zeitenlos – Der Anfang

Originaltitel:
The Pace
Autor:

Verlag:

Themen:

Reihe:
The Pace 1 von 4
Seiten: 368
Preis: 8,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783843210003
Erscheinungsdatum: 07.04.2012
Bewertung:

Sophie ist mit ihrer Mutter gerade frisch nach Kalifornien gezogen. Um nicht schon wieder „die Neue“ zu sein, hat Sophie sich bei einer Online Highschool angemeldet, die sie von zuhause aus absolvieren kann. Damit sie nicht vollends im Haus vereinsamt, trifft sie sich einmal in der Woche mit ihrer Mutter zum Lunch an der Uni. Nach einem dieser Treffen baut Sophie versehentlich einen Unfall: sie rammt beim Ausparken das Auto des mysteriösen und perfekten Weston. Diese Begegnung und Westons Weigerung, Sophie den Schaden am Auto bezahlen zu lassen, reichen bereits aus, um das Mädchen davon zu überzeugen, der größten (und bisher einzigen) Liebe ihres Lebens begegnet zu sein. Und so nimmt die Geschichte Kurs auf das Unausweichliche…

…nämlich unendliche Langeweile. Die Autorin hat die Hauptfiguren Sophie und Wes nicht nur völlig nichtssagend gestaltet, sie hat sich in Bezug auf Wes leider auch sehr stark von einem gewissen Edward inspirieren lassen. Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie perfekt Wes aussieht, läuft, isst, lächelt und atmet? Nein? Seine ganze Erscheinung, allein seine Anwesenheit ist perfekt. Gott hat sich bei seiner Erschaffung offenbar besonders viel Zeit genommen. Und dann hat er ja auch noch besondere Fähigkeiten. Z. B. stalkt er Sophie mindestens genauso romantisch wie sein vampirisches Ebenbild und kann auch genauso sexy „Nein, kein Sex Liebling, ich kann mich nicht beherrschen!“ sagen. Wow! Was. Für. Ein. Mann!

Schon bald ist Wes neben der Schule Sophies einziger Lebensinhalt. Ist es nicht furchtbar praktisch, dass sie gerade erst in die Stadt gezogen ist, sie ihre Schulaufgaben von zuhause erledigen kann und ihre einzige Freundin nur übers Telefon mit ihr kommuniziert? Wenn man sozial so vereinsamt ist, kommt ein fester Freund, der jeden Tag Zeit hat, natürlich gerade recht. Ich habe allerdings in der Realität schon beobachten dürfen, dass diese Fixierung aufeinander und das Ausblenden der restlichen Welt nicht gut gehen kann. Egal. Wes ist ja perfekt, da klappt das schon.

Um noch etwas Dramatik in die Geschichte zu bringen (denn zwei klettende Teenager sind ja doch auf Dauer „etwas“ langweilig), gibt es dann noch die mysteriösen Enthüllungen aus Westons Vergangenheit, die irgendwie mit Sophie zusammenhängen und für tränenreiche, vorübergehende Abschiede sorgen. Und die tödliche Gefahr darf auch nicht fehlen. Die ist allerdings so dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass ich mir selbige gerne ausgerissen hätte. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber die Rachegelüste, die da jemand verspürt, sind ziemlich bescheuert, nicht nachvollziehbar und hätten bei einem normalen Menschen längst verraucht sein müssen.

Ich denke man kann ungefähr erkennen, wie ich das Buch fand. Zeitverschwendung! Wie man sich die DREI Nachfolgebände – deren Inhaltsangaben mich fast schon eingeschläfert haben – freiwillig antun kann, wird mir ein Rätsel bleiben.

Die Serie


Steinert, Andrea: Haut, so weiß wie Schnee

Originaltitel:
-
Autor:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 304
Preis: 12,99 €, Hardcover
ISBN: 9783833900426
Erscheinungsdatum: 16.09.2011
Bewertung:

Jette ist ein hübsches Mädchen mit sehr reiner Haut, macht sich aber nichts aus ihrem Aussehen. Ganz im Gegensatz zum skrupellosen Vorstandsvorsitzenden eines Kosmetikkonzerns, der glaubt in Jettes makelloser Haut die Revolution der Kosmetikindustrie gefunden zu haben. Er beauftragt seinen Gärtner damit, Jettes Tagesablauf auszukundschaften und ihr möglichst bald und ohne viel Aufsehen Blut abzunehmen. Natürlich lässt sich diese verrückte Idee nicht ohne Komplikationen umsetzen. Der vernachlässigte Sohn des Vorstandsvorsitzenden hört mit seinem blinden Freund Jonah sämtliche Gespräche des finsteren Duos ab. Jonah erkennt die dramatische Lage und beschließt, Jette zu warnen. Eine Reihe abstruser Zufälle führt dazu, dass Jonah Jette aufspürt und mit ihr zusammen entführt wird. Während ihrer Gefangenschaft kommen sich die beiden näher und versuche einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden, derweil die Polizei vollkommen im Dunkeln tappt und die Jugendlichen auf einer Liebesreise in Italien wähnt.

Klingt an den Haaren herbeigezogen? Ist es auch! Während der Lektüre der 304 Seiten habe ich nicht nur einmal verständnislos den Kopf geschüttelt. Die Grundkonstruktion des Buches ist schon so lächerlich, dass man sich gar nicht traut sie wiederzugeben. Beim Vorstandsvorsitzenden Dr. Kai Saalfeld sind wohl so einige Schrauben locker. Aus Angst, dass die Konkurrenz ihm seine grandiose Idee wegschnappt, entspinnt er den wahnwitzigen Jette-Entführungsplan, den sein GÄRTNER ausführen soll. Anstatt einfach die Eltern von Jette anzurufen, seine Vermutung zu schildern, ihnen ein bisschen Geld zu zahlen, Jette Blut abzunehmen und die gesamte Familie zur Verschwiegenheit zu verpflichten. Aber nö, ist ja nur halb so spannend. Ach ja und seine Motivation? Er steht wegen sinkender Aktien kurz vor der Entlassung, muss aber noch sein neu angeschafftes Tropenhaus bezahlen. Logisch, für meine Pflanzen entführe ich ja auch regelmäßig junge Mädchen.

Andere Charaktere des Buches scheinen sich ebenfalls in einer Art Delirium zu befinden. So schnappt sich Jettes Freundin Klara in einem entscheidenden Moment mal eben so den Kinderwagen einer unbeteiligten Mutter, um ihn vor ein Auto zu werfen und den Gärtner aufzuhalten. Hallo? Die Mutter kümmert das allerdings überhaupt nicht, jedenfalls gibt es keinen lesbaren Protest von ihrer Seite. Jonah ist auch nicht besser. Er rät Jette, sich selbst Blut abzunehmen und an einem geheimen Ort zu hinterlegen. Als Druckmittel. Da hat wohl jemand zu viele Krimis gelesen. Genau wie der Aufzugführer des Kosmetikkonzerns, dessen Figur eigentlich völlig überflüssig ist, der den Jugendlichen aber mit seinem „unerschöpflichen Krimiwissen“ zur Seite steht. Welches er aus Kriminalromanen bezieht. Und Jette und Jonah gemeinsam sind der Gipfel der umnachteten Charaktere. Sie sind tatsächlich enttäuscht, als sie durch eine Befreiungsaktion ihrer Freunde bei ihrer körperlichen Annäherung unterbrochen und aus dem Verlies geholt werden. Enttäuscht! Wie soll man sich in diese zwei Kinder hineinversetzen, wenn sie ihre eigene Entführung nicht ernst nehmen?

Leider kaufe ich der Autorin die in Deutschland spielende, realitätsferne Geschichte nicht ab. Das gleiche Problem hatte ich auch schon bei Arno Strobels Thriller Der Trakt. Andrea Steinert bedient sich übrigens derselben Holzhammermethode, was die Namen angeht. Kai Saalfeld und Wim Tanner waren mir schon allein deswegen unsympathisch, weil sie nur aus Vor- und Nachnamen zu bestehen scheinen. Wenn ich ständig Sätze lesen muss wie „Offenbar auch nichts, was Kai Saalfeld hätte belasten können. Dennoch stand es um Kai Saalfeld nicht gut.“ dann werde ich wahnsinnig dabei. Wo ist die Variation?

Meine Empfehlung: spart euch das Geld und kauft euch irgendein anderes schönes Buch. Der Baumhaus Verlag hat ja auch bessere Titel im Angebot…


Milne K. A.: Glückstreffer

Originaltitel:
Sweet Misfortune
Autor:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 352
Preis: 8,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783442377060
Erscheinungsdatum: März 2011
Bewertung:

Sophie geht als unverbesserliche Pessimistin durchs Leben. In ihrer Chocolaterie verkauft sie selbstgemachte Unglückskekse, die nicht nur ungenießbar bitter schmecken, sondern ebenso bittere Nachrichten enthalten. Ihre Einstellung lässt sich leicht erklären: an ihrem neunten Geburtstag starb ihre gesamte Verwandtschaft und nur sie überlebte. Zudem gibt sich Sophie die Schuld am tödlichen Autounfall, der einen weiteren Mann das Leben und einen anderen vier Finger kostete. Seither hat sie große Probleme damit an Glück zu glauben. Trotzdem schafft es der gutaussehende Garrett, ihr Herz zu erobern. Er verspricht ihr, sie nie zu verletzen – um sie dann eine Woche vor der Hochzeit ohne Erklärungen zu verlassen und aus ihrem Leben zu verschwinden. Auch nach einem Jahr hat Sophie dies immer noch nicht verkraftet, da taucht Garrett plötzlich wieder auf und verlangt ein klärendes Gespräch. Sophie ist nicht bereit ihm diese Chance zu geben und stellt Garrett vor die schier unmögliche Aufgabe, per Zeitungsannonce 100 gute Gründe für das Glück zu finden. Erst dann will sie ihn anhören.

K. A. Milne hat anscheinend ein Händchen für Tragödien. Nicht eine tragende Person dieses Romans wird davon verschont. Da ist Sophie, die ihre Eltern und Großmutter in dem Unfall verlor. Ihre Pflegeschwester Evalynn, deren Mutter Drogen konsumierte, deshalb ihre Tochter verlor und Evalynn damit das Gefühl gab, nicht geliebt zu werden. Ellen, die Pflegemutter der beiden, deren Ehemann kaltblütig ermordet wurde. Und natürlich Garrett, der sein ganz eigenes Päckchen zu tragen hat, dies aber erst zum Ende des Romans hin enthüllt. Und bis auf Ellen scheinen sich auch alle selbst zu bemitleiden oder sich die Schuld für irgendetwas zuzuweisen. Das Gejammer von Sophie und die ewige Vertrauensfrage an Garrett hätten auch mich vor dieser Frau flüchten lassen, auch wenn dies im Buch (leider) nicht der Grund für Garretts Handlungen ist. Nein, der ist natürlich viel tragischer.

Die Grundidee des Buches gefällt mir eigentlich sehr gut, nämlich die Suche nach Glück. Leider spielen die zahlreichen Zusendungen zu diesem Thema eine Nebenrolle und nur vereinzelt erfährt man etwas genaueres zum Inhalt der Briefe. Meistens werden sie einfach nur in Stapel sortiert und das war es dann. Dafür gibt es zum Anfang jedes Kapitels einen Unglückskeksspruch als Einleitung. Überhaupt sind die Unglückskekse das Beste an dem ganzen Buch, so einen möchte ich auch mal essen!

Ich kann nicht sagen, dass ich mich durch die 352 Seiten quälen musste. Das Buch lässt sich leicht lesen und ist auch sprachlich nicht sonderlich anspruchsvoll. Spaß gemacht hat mir die Lektüre aber nicht besonders. Schon nach ca. der Hälfte des Buches ahnte ich, worauf die Geschichte hinausläuft und wartete von dort an nur noch darauf, dass Sophie sich endlich einen Ruck gibt und mit Garrett redet. Ich verstehe sowieso nicht, wieso sie sich nicht einfach Garretts Erkärung angehört hat, so hätte sie sich viel Quälerei erspart. Aber halt, sie musste ja einen Grund haben, sich in Selbstmitleid zu suhlen…
Außerdem: für jemanden, der sich zwanzig Jahre lang täglich als Mantra vorbetet, Schuld am Unfall der Eltern zu sein, ist Sophies Wandlung zum Ende des Buches hin meiner Meinung nach absolut unglaubwürdig und viel zu abrupt.

Fazit: Obwohl ich tragische Geschichten eigentlich sehr mag, ging mir die Tragik in Glückstreffer im wahrsten Sinne des Wortes nur auf den (Unglücks)Keks. Ich hätte vielleicht auf den Hinweis „Für alle Leserinnen von Nicholas Sparks und Cecelia Ahern“ achten sollen. Für Leserinnen von Nicholas Sparks, weil K. A. Milne ebenfalls ein männlicher Schmonzettenautor ist…für Leserinnen von Cecelia Ahern, weil ständig von Vorsehung und Schicksal gefaselt wird und alle Ereignisse auf wundersame Weise miteinander verknüpft sind. Na dann. Viel Spaß an die Leserinnen dieser beiden Autoren. Nichts für mich.