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[Rezension] Henrietta, mein Geheimnis

Originaltitel:
Henrietta är min hemlighet
Autor:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 208
Preis: 12,99 €, Hardcover
ISBN: 9783440149126
Erscheinungsdatum: 09.03.2016
Bewertung:

Möwe ist schon lange in Henrietta verliebt, aber viel zu schüchtern und unsicher, um ihr diese Gefühle zu gestehen. Als Henrietta stattdessen den ersten Schritt macht, ist Möwe total überfordert und zieht sich zurück, statt die Gelegenheit zu nutzen.

Diese wenigen Zeilen reichen meiner Meinung nach vollkommen aus, um die Geschichte zu beschreiben. Denn Möwe ist wirklich sehr unsicher, traut sich nichts zu und verkriecht sich lieber in Schneckenhäusern, als auch nur einen Schritt auf Henrietta zuzugehen, die verständlicherweise irritiert über dieses Verhalten ist.

Es hat einen Grund, warum im Klappentext und auch hier in meiner Beschreibung immer nur von Möwe geredet und nie ein Personalpronomen verwendet wird. Das ganze Buch über wird von der Autorin nämlich verschleiert, ob Möwe männlich oder weiblich ist. Den meisten Lesern wird das vielleicht gar nicht auffallen, ich wurde allerdings sofort stutzig. Auf der einen Seite ist es ein sehr interessanter Ansatz, die Figur so vage zu halten und ich habe auch noch kein Buch gelesen, in dem es so war. Im Grunde ist es ja – für entsprechend aufgeschlossene Leser – am Ende auch vollkommen egal, ob Möwe jetzt ein Junge oder ein Mädchen ist. Nur leider gestaltet sich die Geschichte abgesehen von diesem Mysterium ziemlich belanglos. Da es sich die Autorin wohl als Ziel gesetzt hatte, das „große Geheimnis“ erst am Ende zu lüften, tasten sich beide Figuren bis zum Schluss nur sehr sehr langsam vor und auch der Kontakt zu anderen Personen wird beschränkt, sobald die beiden zusammen sind, sodass kein Außenstehender Möwe „er“ oder „sie“ nennen kann.

Möwes Gedanken drehen sich dabei ständig im Kreis. Die Hauptfigur quält sich mit den immer gleichen Gedankengängen und auch wenn es zahlreiche Gegenbeweise gibt – z. B. ist Möwe davon überzeugt, dass Henrietta sowieso kein Interesse hat, obwohl sie bei vielen Gelegenheiten das Gegenteil beweist – kann Möwe wohl nicht anders, als trotzdem immer das Schlimmste zu vermuten. Möwes Familie erscheint vollkommen normal, natürlich sind es nervige Eltern, wie es sich für jugendliche Protagonisten gehört, aber nichts in ihrem Verhalten insgesamt oder ihrem Kind gegenüber lässt darauf schließen, dass Möwe ernsthafte Probleme hat (wie es z. B. in Mit anderen Worten: ich der Fall war), sodass die extreme Unsicherheit mich etwas gewundert hat.

Maja Hjertzells Buch glänzt mit interessantem und neuem Ansatz, legt dabei aber leider den Fokus zu sehr auf die Enthüllung am Ende des Buches, statt die Geschlechterfrage einfach außen vor zu lassen und eine romantische Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen zu erzählen. So erschien mir der Plot selbst für die kurze Seitenzahl leider etwas zu dünn.

Pluspunkte gibt es für Möwes Freundin, die mit Gedichten unterstützt, Henrietta gerne mal den ein oder anderen Wink mit dem Vorgartenzaun gibt, wenn es um Möwe geht und eine liebenswerte und verständnisvolle Freundin ist, mit der man sofort sympathisiert.


[Rezension] Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance

Originaltitel:
This Raging Light
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 256
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783737353267
Erscheinungsdatum: 10.03.2016
Bewertung:

Das Leben meint es nicht gut mit Lucille: ihr Vater ist durchgedreht und hat die Familie verlassen und ihre Mutter ist ebenfalls verschwunden, um für zwei Wochen eine Auszeit zu nehmen. Deswegen muss sich Lucille um ihre kleine Schwester und das Haus kümmern, außerdem Geld verdienen und darf den Anschluss in der Schule nicht verlieren. Unterstützung erhält sie von einem anonymen guten Samariter und der Familie ihrer besten Freundin Eden. Aber keiner darf erfahren, dass ihre Mutter auch nach zwei Wochen nicht wieder auftaucht, denn sonst käme das Jugendamt und würde die Geschwister womöglich trennen.

Harter Tobak für ein Jugendbuch, elternlose Kinder und das drohende Jugendamt. Die Autorin meinte offenbar, dies sei noch nicht genug Stoff für 256 Seiten, sodass sie unter anderem noch ein kompliziertes Liebesdreieck bestehend aus Lucille, Edens Bruder und dessen langjähriger festen Freundin zwischen die Buchdeckel quetscht. Und das ist das große Problem von Estelle Laures Roman. Sie weiß weder mit ihren Charakteren noch mit der Geschichte an sich groß etwas anzufangen und versucht die entstehenden Lücken durch neue Geschehnisse zu stopfen, anstatt sich auf die Ausgangssituation zu konzentrieren, nämlich dass Lucille durch das Verschwinden ihrer Mutter viel zu früh erwachsen werden muss und mehr Verantwortung zu tragen hat, als einer Jugendlichen in ihrem Alter zugemutet werden sollte.

Als Leser hat man gar keine Möglichkeit, den Ernst der Lage komplett zu erfassen. Das Leben für die zwei Mädchen ist zwar hart, aber ein guter Samariter bügelt die schlimmsten Probleme in Abwesenheit der beiden regelmäßig heimlich aus und auch die Nachbarn oder Lehrer in der Schule werden nicht misstrauisch genug, um wirklich gefährlich zu werden. Stattdessen hat Lucille also genügend Zeit, sich mit Eden über Nichtigkeiten zu streiten und sich danach gegenseitig zu ignorieren oder Edens Bruder um den Finger zu wickeln, ohne dass einem wirklich klar ist, warum genau er für sie seine langjährige Freundin betrügt, mit der er schon Collegepläne geschmiedet hat.

Die einzigen Figuren, die einem positiv in Erinnerung bleiben, sind Lucilles kleine Schwester und Edens Eltern, die aber leider nicht genug Auftritte haben, um die restlichen Schwächen und merkwürdigen Charakterentwicklungen wiedergutzumachen.

Insgesamt ist zu sagen, dass „Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ leider sein Potenzial verschenkt. Wie bei so vielen Jugendbüchern üblich, dreht sich ein Großteil des Buches um eine Liebesbeziehung, der Rest verkommt zu unwichtiger Kulisse. Wenn man darüber hinwegsehen kann und gerne von unerwarteten Schockern abgelenkt wird, um sich nicht mit der Haupthandlung beschäftigen zu müssen, dann ist man mit diesem Buch gut bedient. Allen anderen rate ich, zu anderer Lektüre zu greifen.

(In meinem Leserückblick Januar habe ich das Buch mit 3 von 5 Sternen bewertet, beim Schreiben der Rezension musste ich diese Bewertung leider nach unten korrigieren.)

Weitere Meinungen

Collection of Bookmarks mit 3 von 5 Kirschen
Nickis Bücherwelt mit 5 von 5 Eulen


[Rezension] Die sieben Tode des Max Leif

Originaltitel:
-
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 368
Preis: 14,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783426517253
Erscheinungsdatum: 11.01.2016
Bewertung:

Die Handlung

Max Leif ist erfolgreicher Unternehmer, Besitzer eines Musiklabels und immer auf Achse. Als erst er einen Herzinfarkt bekommt und dann sein bester Freund plötzlich stirbt, bekommt Max es mit der Angst zu tun und wird zum Hypochonder. Jeder Husten, jedes Fieber scheint das Symptom für eine tödliche Krankheit zu sein. Kurzerhand verkauft Max sein Label und versucht, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen.

Das war gut

Max geht regelmäßig in ein Café, um dort Espresso zu trinken. Diese Abschnitte mit der grummeligen Bedienung Maja mochte ich am liebsten. Ich konnte mich mit Maja sehr gut identifizieren ;) Das Kennenlerntempo der beiden Figuren wirkte realistisch und nicht überstürzt, was ich sehr gut fand.

Das absolute Highlight des Buches sind Max‘ Versuche, Maja mit schlechten Grabsteinwitzen zum Lachen zu bringen. Bei mir hat’s auf jeden Fall super geklappt! Auch Max‘ Putzfrau Jekaterina ist für den ein oder anderen Lacher gut. Facebook-Star ist sie auch!

Pluspunkte gibt es ebenfalls dafür, dass ich wenig Ahnung hatte, wohin die Geschichte führen würde. Ich mag es, überrascht zu werden und nicht immer wieder das gleiche Schema F zu lesen.

Das hat mir nicht gefallen

Max soll ein Hypochonder sein, aber die meisten seiner Krankheiten fand ich gar nicht so abwegig, wie sie eigentlich sein sollten. Klar ist es nicht die beste Idee, seine Symptome zu googeln, aber wenn ich vor kurzem in Sansibar gewesen wäre und dann u. a. unerklärliches Fieber bekäme, dass dann genauso schnell wieder verschwindet, wie es aufgetaucht ist, dann wäre ich auch besorgt!

Die Ex-Freundin von Max hat genervt. Sie trägt rein gar nichts zur Handlung bei, taucht aber trotzdem ständig auf. Ich könnte rückblickend nicht sagen, dass Max irgendetwas an seinem Verhalten in irgendeine Richtung verändert hätte, wäre sie nicht dagewesen.

Und daraus folgt

Auch wenn Max Lebenssituation und Werdegang nicht weiter von meinen persönlichen Erfahrungen entfernt sein könnten, hatte ich doch das Gefühl, mich als Leserin mit Max identifizieren zu können. Er ist bei all seinem Machogehabe („Ich bin ein Kerl!“) und seiner Melodramatik nicht unbedingt ein Sympathieträger, aber gerade deshalb sehr menschlich.

Zusammengefasst ist Die sieben Tode das Max Leif die Geschichte eines Mannes, der nach dem Tod seines besten Freundes in eine Lebenskrise gerät und wieder lernen muss, das Leben zu lieben, statt sich vor dem Tod zu fürchten. Dabei helfen ihm sein Ex-Marketing-Manager, der Max des öfteren die Leviten liest, wenn er wieder zu sehr spinnt, seine russische Putzfrau, die immer einen hilfreichen Ratschlag zur Hand hat und geduldig Max‘ „Stall von Schweine“ auf Vordermann bringt, sowie die schon erwähnte schlecht gelaunte Barista Maja, hinter der eine Vergangenheit steckt, von der man zunächst wenig ahnt.

Liebevoll gezeichnete Charaktere und eine humorvolle Geschichte mit melancholisch stimmenden Einlagen machen das Buch lesenswert!


[Rezension] Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt

Originaltitel:
Everything, Everything
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 336
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783791525402
Erscheinungsdatum: 17.09.2015
Bewertung:

Die Handlung

Die 18-jährige Maddy hat ihr ganzes Leben lang in ein und demselben Haus verbracht, die Welt draußen kennt sie nicht. Maddy leidet an einem seltenen Immundefekt und muss so gut wie möglich vor Keimen geschützt werden. Sie hat sich mit dieser Tatsache arrangiert – bis nebenan neue Nachbarn einziehen und sie Olly kennenlernt. Er weckt in ihr die Sehnsucht nach dem normalen Leben, das sie niemals haben kann. Dafür ist Maddy sogar bereit, ihre Gesundheit zu riskieren.

Das war gut

Ich bin geradezu durch die Seiten geflogen. Die Autorin versteht es hervorragend, Maddys eigentlich tragische Geschichte mit einer Leichtigkeit zu erzählen, dass man unbedingt „nur noch die nächste“ Seite lesen möchte. Und noch eine. Und noch eine. Maddys Zeichnungen und ausgefüllten Formulare lockern das Buch zusätzlich auf.

Die Nebengeschichte um Ollys Familie fand ich beinahe noch interessanter als den Hauptplot um Maddy. Als Leser bekommt man nur Ausschnitte daraus mit, wenn Maddy und Olly sich unterhalten oder Maddy das Nachbarhaus vom Fenster aus beobachtet. Ollys Vater neigt zu Wutausbrüchen und sein Sohn fühlt sich hilflos. Das macht den ansonsten natürlich perfekten Jungen für den Leser menschlicher.

Das hat mir nicht gefallen

Als wir Maddy kennenlernen, hat sie schon 18 Jahre Isolation hinter sich. Ihre einzigen Bezugspersonen sind ihre Mutter und ihre Pflegerin Carla, nur ganz selten darf einer ihrer Online-Lehrer persönlich vorbeikommen. Körperkontakt mit den seltenen Gästen ist verboten. Hier hätte die Autorin noch mehr darauf eingehen können, wie sich dieses besondere soziale Umfeld auf Maddys Entwicklung ausgewirkt hat. Hat sie einen Therapeuten, um damit klarzukommen? Warum ist es in Ordnung, dass Maddy ihrer Mutter und Pflegerin berührt, aber ihren Lehrer nicht, auch wenn dieser komplett gecheckt wurde und nur durch eine Luftschleuse ins Haus gelangen kann?

Der Fokus lag mir zu stark auf Maddys Beziehung zu Olly und zu wenig auf den Problemen, die ihre Krankheit mit sich bringt. Vor allem am Ende des Buches wird dies sehr deutlich. Man kann es damit abtun, dass es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt, aber auch bei Literatur für Jugendliche erwarte ich bei ernsten Themen Realitätsnähe. Stattdessen bekomme ich eine verklärte Sicht der Dinge, die mir als Leser suggerieren soll, dass doch alles nur halb so schlimm ist wie es scheint.

Und daraus folgt

Nicola Yoon legt mit Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt ein vielversprechendes Debüt vor. Dabei folgt sie dem allgemeinen Trend und widmet sich thematisch einer seltenen und potenziell tödlichen Krankheit, schöpft das Potenzial dieser Geschichte aber leider zugunsten der obligatorischen jugendlichen Liebesgeschichte nicht voll aus. Lesenswert ist das Buch aber trotzdem, denn durch das angenehme Lesetempo, das wenigstens halbwegs neue Thema und die eingestreuten Illustrationen wird man gut unterhalten.