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Kundengeschichten von der anderen Seite

Im Buchhandel arbeite ich nicht mehr, daher habe ich (leider?) keinen Stoff mehr für neue Beiträge. Aber Kundin bin ich ja auch selbst, von daher lasst uns doch mal ein Erlebnis von der anderen Seite aus betrachten:

Ein Kino. Abends. Ich habe bei der Dame an der Kasse gerade Kinokarten gekauft. Folgendes Gespräch trägt sich zu:

Ich: Achso, ich habe vor ein paar Stunden versucht, online Karten zu reservieren, aber da war überhaupt kein Programm verfügbar, weder für heute noch die folgenden Tage. Und…

Sie: Das Programm ist schon seit Dienstag online.

Ich: Nein, da war gar nichts. Aber…

Sie: Unterbricht mich und erklärt mir, zu welchem Zeitpunkt das neue Programm genau für wie viele Tage online geht.

Ich: Ich weiß wie das funktioniert. Aber da war trotzdem kein Programm verfügbar. Ich war ja auf der Seite drauf, so gegen 16 Uhr. Vielleicht können Sie das mal weitergeben. Und außerdem…

Sie: Also das Programm ist online (zeigt auf den Bildschirm, den ich nicht sehen kann) und ich habe hier viele Reservierungen im System.

Ich: Aha, dann lüge ich also?

Sie: Nein, das habe ich nicht gesagt. Aber ich habe hier viele Reservierungen im System.

Ich: Als das Programm dann wieder verfügbar war, wollte ich die Karten reservieren und bekam beim Einloggen die Meldung, dass ich zu spät sei und nur noch Kundenkartenbesitzer reservieren könnten. Aber ich konnte mich gar nicht einloggen um zu sagen, dass ich eine Kundenkarte habe.

Sie: Haben Sie denn eine Kundenkarte?

Ich: Ja! Aber soweit kam ich gar nicht. Vielleicht können Sie das mal so weitergeben, da scheint irgendwas nicht zu stimmen, am Anfang war da ja auch ein Fehler drin, dass man gar nicht reservieren konnte.

Sie: Ja aber das war ganz am Anfang und ist behoben. Das ist ein neues System, Sie müssen sich da neu registrieren.

Ich: Habe ich bereits am Anfang gemacht. Aber da scheint es wohl immer noch Fehler zu geben.

Ein Kollege erscheint zufällig, die Dame spricht ihn auf die Sache mit der Kundenkarte an.

Er: Da gab es heute Nachmittag ein Problem, das Programm war auch weg, ist aber jetzt behoben, sie müssten sich wieder einloggen können. (Wusste er auch nur von einem anderen Kunden, der darauf aufmerksam gemacht hatte. Da kam die Info also an.)

Ich: HA!

Sie: Davon wusste ich nichts.

Ich: Nur weil Sie nichts davon wissen heißt das aber nicht, dass alles funktioniert und die Leute Sie anlügen.

Sie: Das habe ich ja gar nicht gesagt, so meinte ich das nicht.

Ich: Ich wollte Ihnen doch nur die Info geben, dass da was nicht stimmt und ein „Vielen Dank, ich gebe das weiter“ von Ihnen hätte mir vollkommen gereicht.

Er: *mit einem Blick hinter mich* Bitte sprechen Sie nicht so laut. (Das Gespräch fand in einer völlig normalen Lautstärke statt.)

Ich: Ich wollte sowieso gehen.

Sie: (Nachdem ich mich umgedreht habe) Trotzdem viel Spaß beim Film!

„Entschuldigung“ habe ich übrigens im ganzen Gesprächsverlauf nicht gehört. Ich habe mich noch den ganzen Abend darüber aufgeregt und erst Ruhe gehabt, als ich das Gespräch aufgeschrieben habe. Wenn meine Schwester das hier liest sagt sie wieder, ich solle mich nicht so viel aufregen. Aber ich kann einfach nicht anders :P Immerhin habe ich davon abgesehen, noch eine Beschwerde bei Facebook zu posten, das muss reichen.
Warum fiel es der Trulla auch so schwer, einfach das Feedback des Kunden aufzunehmen und weiterzugeben? So kompliziert ist das doch nicht und wenn wirklich etwas kaputt ist, ist so ein Hinweis wichtig.

Best of Kunden Folge 5

Die fremde Ehefrau
Kunde: Ich suche ein Buch für meine Frau.
Ich: Was liest sie denn gerne?
Kunde: … Ich guck mir die Bücher nie an, die sie liest.
Ich: Ok, für was interessiert sich ihre Frau denn?
Kunde: ………

Ich hätte ihm gerne noch einen Scheidungsratgeber dazu empfohlen.

Wink mit dem Zaunpfahl(?)
Kunde: Ich suche so ein Spanischbuch. (Hat sonst keine Infos parat. So ein Spanischbuch halt, reicht doch. Und knallt mir die ISBN hin.)

Ich gebe die ISBN ein und auf dem Bildschirm erscheint ein Integrationskurs für Deutsch. Passt.

Auf der Suche nach dem richtigen Gesetzestext
Kunde: Ich habe schon die deutsche Verfassung und suche jetzt die englische…
Ich: *setzt schon zur Antwort an, dass man das wohl nur bestellen könnte*
Kunde: …vom Hobbit.

Mehr davon bitte!
Kundin sucht Wanderführer zu einem bestimmten Thema. Ich gehe mit ihr zum Regal, zeige ihr verschiedene und wir überlegen gemeinsam, welcher denn als Geschenk am Passendsten wäre. Zum Abschied gibt mir die Kundin die Hand und bedankt sich überschwänglich dafür, dass ich mir für sie Zeit genommen habe. Sie ist mir so unglaublich dankbar, dass ich ganz leichtfüßig und vor mich hin grinsend den Rückweg zur Info antrete :-) (Das erlebe ich so selten! Sowas muss ja auch mal gewürdigt werden <3)

Best of Kunden Folge 4

Ja wo sind sie denn nun, die Kalender?
Ein Kunde fragt mich nach bestimmten Abreißkalendern, die er in der Kalenderabteilung nicht finden kann. Ich erkläre ihm, dass wir einige der Kalender in andere Abteilungen ausgelagert haben, da der Platz zu knapp wurde. So stehen die Mondkalender z. B. bei den Esoterikbüchern und Gartenkalender in der Gartenabteilung. Ich sage dem Kunden, wo er seine gewünschten Kalender finden kann.
Kunde: Haben Sie noch mehr Abreißkalender?
Ich: Ja, suchen Sie was bestimmtes?
Kunde: Ich suche nichts bestimmtes, wo sind denn die Kalender?
Ich: Wenn Sie mir sagen was Sie suchen, kann ich Ihnen sagen in welcher Abteilung Sie das finden. Die stehen nicht zusammen.
Kunde: Sie wissen also nichts!
Ich: o_______________O
Ich: Die Kalender sind thematisch sortiert, ich…
Kunde dreht sich mit missbilligendem Gesicht um und geht.
Hä?

Welches Jahr haben wir?
Ein Kunde kommt mit einem Buch zu mir:
Kunde: Wenn da vorne drin steht „von 2011“ – von wann ist das denn dann?
Ich: Von 1867, ganz klarer Fall.

Dieses Geschäft ist unter unserem Niveau!
Seit Oktober 2010 haben wir eine Kundenkarte. Wenn möglich fragen wir an der Kasse bei jedem Einkauf danach, so wie das ja z. B. bei der Paybackkarte auch üblich ist. Neulich also an der Kasse:
Ich: Haben Sie eine Kundenkarte?
Kunde: Nein, wir kaufen hier nicht.

Ich hätte gerne auch noch einen Kalender dazu
Zur Erklärung vorweg: die bestellten Bücher stehen im Abholfach. Wenn ein Kunde morgens etwas abholen will frage ich immer „Haben sie das gestern bestellt oder ist es schon länger her?“, weil die Bücher vom Vortag dann noch nicht einsortiert sind.
Neulich an einem Dienstag:
Kunde: Ich habe ein Buch bestellt und möchte es abholen.
Ich: Haben sie das gestern bestellt oder ist es schon länger her?
Kunde: Nee, das war vor zwei oder drei Tagen.
Ich stutze schon, ist doch vor zwei Tagen Sonntag gewesen.
Kunde setzt nach: Am Dienstag oder Mittwoch war das.
Wie gut, dass wir auch dieses Jahr wieder kostenlose Kalender im Scheckkartenformat anbieten ;-)

Stille Post
Kollege im Erdgeschoss erklärt einem Kunden, dass er das Buch „Business-Etikette“ einer bestimmten Autorin im Untergeschoss in einer Drehsäule in der Wirtschaftsabteilung findet.
Kunde kommt zu mir und wirft mir folgenden „Satz“ an den Kopf: „Benimmbuch von XY…auf rundem Tisch. Wirtschaftsteile“
Da musste ich dann nochmal nachfragen…

Der Horror im Schulbuch: Eine Überlebende berichtet

Es ist jedes Jahr wieder eine Erfahrung, die man eigentlich nicht machen will. Aber man kommt nicht darum herum: die Schüler benötigen ihre Lehrwerke für den Unterricht. Ich möchte zuerst betonen, dass es natürlich auch die gut vorbereiteten Exemplare gibt, die direkt am Anfang der Ferien gut gelaunt und entspannt mit dem Zettel der Schule den Laden betreten, super unkompliziert sind und einem die Füße küssen, wenn man ihnen die passenden Bücher reicht. Ja, die gibt es. Der Großteil gehört aber in die „Ey Alter, voll korrekt ey, isch war voll krass noch nie in einer Bücherei und muss jetzt meine Schulbücher kaufen“ Fraktion. Die kommen dann in die Buchhandlung und sagen „Isch brauch Buch.“ Ich Tarzan, du Jane. Rülps.
Ich bin furchtbar dankbar, dass ich nicht jeden Tag in der Abteilung verbringe. Denn die drei Tage, die ich ausgeliehen wurde, haben mir vollkommen gereicht! Ich will keine Ratespielchen mehr spielen oder in ausdruckslose Gesichter starren, während ich sinnloserweise zu erklären versuche, dass „Das Englischbuch“ als Information nicht ausreicht. Oder mir die Haare raufen, weil auch die Schulen zu dämlich sind, auf ihre Zettel die richtigen oder vollständigen Informationen zu drucken. Ich. will. nicht. mehr.
Hier eine kleine Auswahl der faszinierenden Gespräche:

AN DER VERFICKTEN KASSE VERDAMMT NOCHMAL!
Kunde: Ich habe gestern ein Buch bestellt.
Ich: Ja, das bekommen Sie dann dort an der Kasse (Ich zeige auf die Kasse direkt gegenüber, an der „Kasse“ und „Abholfach“ zu lesen ist).
Kunde: Wo?
Ich: An der Kasse (Ich zeige auf die Kasse direkt gegenüber…schon wieder).
Kunde: Oben an der Kasse?
Ich: Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa an der Kasse (Ich zeige auf die Kasse direkt gegenüber…und versuche Ruhe zu bewahren).

Wir sind einfach nur inkompetent!
Kunde: Ich möchte das Lösungsheft zu Mathebuch XY haben.
Ich: Das kann nur der Lehrer mit Schulstempel beim Verlag bestellen, das kann ich Ihnen nicht besorgen.
Kunde: Dann gehe ich zur Buchhandlung B, vielleicht können die das ja bestellen.
Ich: #&%$§

Wir sind einfach nur inkompetent! x2
Kunde: Ich hätte gerne das Lösungsbuch zum Deutschbuch XY.
Ich: Ich glaube nicht, dass es das gibt. Aber ich schaue mal im Katalog des Verlags nach…blätter…blätter…Da steht es. Zu diesem Buch gibt es nur noch eine Version mit CD-ROM und Handreichungen für den Unterricht, das können aber nur Lehrer bestellen. Schauen Sie (Ich halte ihm den Katalog vor die Nase.)
Kunde: Vielleicht rufe ich mal beim Verlag an und bestelle es da.
Ich: #&%$§

Wir wollen die Kunden betrügen!
Kunde: Ich brauche diese Schulbücher (Reicht mir einen Zettel.)
Ich: Kleinen Moment, die haben wir vorrätig. (Ich suche die richtigen Bücher mit der ISBN raus und gebe sie dem Kunden.)
Kunde: Sind das jetzt auch die richtigen?

Jemals mit dem Buch gearbeitet?
Kunde: Ich brauche das Englischbuch für die 7. Klasse.
Ich: Haben Sie den Zettel von der Schule dabei?
Kunde: Nein.
Ich: Es gibt aber sehr viele Englischbücher. Welches brauchen Sie denn?
Kunde: Weiß nicht.
Ich: Sieht aus wie das vom letzten Jahr???

Und inmitten all des Trubels kam vor ein paar Tagen eine ältere Dame zu mir, die ein gutes Buch für jemanden suchte, der Deutsch lernen möchte. Sie wurde von dem aufgebauten Schulbuchmarkt magisch angezogen und hatte schon ein Deutschbuch für die Oberstufe in der Hand. Ich habe versucht ihr zu erklären, dass jemand, der noch kein Deutsch kann, überhaupt nichts mit diesem Buch anfangen kann und ihr stattdessen Alternativen gezeigt, aber sie ließ sich nicht beirren und hielt an dem Deutschbuch fest. Ich hoffe sie ist damit glücklich geworden :-(

Ach ja…und dann war da noch ein Mädel, das nach „Der Richter und sein Henkel“ suchte. Wann sind eigentlich mal die „Nazis in Dortmund“ Schullektüre? Das könnte so lustig werden *g*