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[Film] DUFF – Hast du keine, bist du eine

DUFF – Hast du keine, bist du eine ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches „The DUFF“ von Kody Keplinger, das 2013 unter dem Titel „Von wegen Liebe“ von cbt auch in Deutschland veröffentlicht wurde (Rezension). Die Hauptrollen spielen Mae Whitman (Parenthood, Vielleicht lieber morgen) und Robbie Amell, der aktuell in der Rolle des Ronnie Raymond in der TV Serie The Flash zu sehen ist.

Bianca, Jess und Casey sind seit Kindheitstagen befreundet und eigentlich immer nur zu dritt unterwegs. Deswegen ist Bianca auch zutiefst schockiert, als ihr Nachbar Wesley, Frauenschwarm und Football-Captain der Schule, sie beiläufig als DUFF (= Designated Ugly Fat Friend oder im Deutschen Die Unattraktive Fette Freundin) bezeichnet. Er erklärt ihr, dass eine Duff das unattraktivste Mitglied einer Gruppe ist und deswegen von anderen Leuten bevorzugt ausgenutzt wird, um an die attraktiven Gruppenmitglieder heranzukommen.

Bianca stellt rückblickend fest, dass sie ohne ihre beiden Freundinnen tatsächlich vollkommen unsichtbar ist und sich nicht einmal die Frau an der Essensausgabe nach Jahren ihren Namen merken kann. Kurzerhand bietet sie Wesley einen Handel an: sie gibt ihm Nachhilfe in Chemie und er hilft ihr dafür dabei, das „DUFF“ Label loszuwerden.

Der Film hat mit dem Buch Von wegen Liebe genau zwei Sachen gemein: die Namen der Charaktere und das Wort „DUFF“. Damit enden die Ähnlichkeiten aber auch schon. Um nur einige Unterschiede zu nennen: im Buch lebt Bianca mit ihrem Vater zusammen, der trockener Alkoholiker ist, im Film mit ihrer Mutter, die für ein paar schlaue Sprüche sorgt und ansonsten kaum in Erscheinung tritt. Als neue Figur wurde Madison eingeführt, eine Oberzicke und On-Off-Freundin von Wesley, die Bianca das Leben schwer macht. Außerdem ist die komplette Handlung um Biancas „Verwandlung“ neu.

Vergleicht man also Buch und Film, ist die Umsetzung auf keinen Fall gelungen. Da hier aber kaum mehr als der Titel und Charakternamen als Vorlage dienten, sehe ich den Film lieber als eigenständiges Werk. Und als Teenie High School Komödie macht der Film eine ganz gute Figur. Sicherlich bekommt DUFF – Hast du keine, bist du eine keinen Preis für Originalität, aber die Geschichte ist lustig und unterhaltsam. Die eingestreuten grafischen Elemente fand ich herrlich, so wird z. B. in einer Szene jede/r DUFF mit grünen Pfeilen markiert und Bianca flüchtet vor einem davon mit empörtem Gesichtsausdruck. Biancas Tagträume haben mich außerdem am meisten zum Lachen gebracht.

Oh, es gibt noch einen Punkt, den Buch und Film gemeinsam haben: die Botschaft am Ende. Und die ist auf jeden Fall gelungen.

Bilder © capelight pictures

[Film] Pitch Perfect 2

Pitch Perfect 2 ist die Fortsetzung des Überraschungserfolgs Pitch Perfect aus dem Jahre 2012 um eine Gruppe Studentinnen, die mit ihrer A-Cappella Gruppe bei einer Meisterschaft antreten. Der Film startete am 14. Mai 2015 in Deutschland und hat bereits mehr als das Doppelte des ersten Films eingespielt (Stand heute, Quelle: Box Office Mojo). Elizabeth Banks, die einen der Kommentatoren spielt, gibt hier ihr Spielfilm-Regiedebüt.

Auf dem Höhepunkt ihrer Collegechorkarriere dürfen die Barden Bellas vor dem US-Präsidenten auftreten. Nur leider blamieren sie sich dabei fürchterlich, als Fat Amys Akrobatikeinlage schief geht und sie ihre intimsten Körperstellen unfreiwillig allen Zuschauern und Kameras präsentiert. Die Gruppe wird zur Strafe von weiteren Collegemeisterschaften ausgeschlossen. Den Mädels gelingt es allerdings, einen Deal auszuhandeln: sollten die Barden Bellas bei den Weltmeisterschaften des A-Cappella gewinnen, dürfen sie wieder in Wettkämpfen antreten. Bisher hat es aber noch keine amerikanische Gruppe geschafft, den Titel nach Hause zu holen.

Nach dem Erfolg des ersten Pitch Perfect Films war es nur eine Frage der Zeit, bis die Fortsetzung in die Kinos kommt. Für den zweiten Teil konnten sämtliche wichtigen Darsteller, allen voran Anna Kendrick, wiedergewonnen werden. Hailee Steinfeld ersetzt als neue Bella Anna Camp, deren Figur im ersten Teil bereits ihren Abschluss machte. Sie ist aber in neuer Funktion in einer Nebenrolle zu sehen.

Keine Frage, Pitch Perfect 2 macht genauso viel Spaß wie der erste Film. Der ganze Kinosaal hat an vielen Stellen herzhaft gelacht. Die Musik war definitiv wieder ein Highlight und Amys Bootsfahrt ein denkwürdiger Moment, bei dem mir vor Lachen die Tränen kamen. Aber da ist eben auch dieser fade Beigeschmack, dass der Drehbuchautor die komplette Erzählstruktur aus dem ersten Teil übernommen hat. Am Anfang eine peinliche Szene, die das Ansehen der Gruppe vernichtet. Die Aufnahme neuer Mitglieder bzw. eines neuen Mitglieds. Ein Riff-Off, die Selbstfindungsphase und das große Meisterschaftsfinale. All das haben wir im ersten Film bereits genau so gesehen. Hier wäre es viel spannender gewesen, Becas Praktikum intensiver zu beleuchten, denn die wenigen Ausschnitte, die wir davon sehen, haben Lust auf mehr gemacht. Immerhin wurden die Kotzszenen nicht wiederholt, dafür aber leider durch Furzwitze und frauenfeindliche Sprüche ersetzt, die genauso zum Fremdschämen sind wie Amys Fauxpas in der Eingangssequenz.

Insgesamt ist Pitch Perfect 2 eine lustige Fortsetzung, bei der man im Kino auf jeden Fall 105 Minuten lang gut unterhalten wird. Den Preis für das kreativste Drehbuch wird der Autor aber wohl eher nicht einheimsen. Dafür ist der Film perfekt für all jene, die den ersten Film genial fanden und nochmal „sowas ähnliches“ suchen ;)

Fun Fact: Der Anführer der deutschen Gruppe „Das Sound Machine“ wird von Flula Borg gespielt, der in den USA anscheinend ein sehr bekannter deutscher Youtuber ist und mit einem (gespielten?) Pörfeckt Tschörmän Äksentt redet (und singt!!). Lieber Flula, wieso hast du den Machern nicht mal gesagt, dass es nicht DAS Sound Maschine heißen kann und man Pieter nicht mit i schreibt?

Bilder © Universal Pictures

[Film] Die Bestimmung – Insurgent

Die Bestimmung – Insurgent ist der zweite Teil der Kino-Tetralogie um Tris und Four im dystopischen Chicago. Der Film startete in Deutschland am 11.03.2015. Für die Fortsetzung von Die Bestimmung konnten wieder einige bekannte Darsteller gewonnen werden, so spielt z. B. Oscar-Preisträgerin Octavia Spencer die Anführerin der Amite und auch die 2x für den Oscar nominierte Naomi Watts ist in einer größeren Nebenrolle zu sehen. Die Autorin Veronica Roth hat den Film mit produziert. Der dritte Teil Die Bestimmung – Allegiant (Teil 1) wird voraussichtlich am 17.03.2016 anlaufen.

Der Film setzt kurz nach Ende des ersten Teils ein: Tris, Four, Caleb, Peter und Marcus sind bei den Amite untergekommen. Besonders Tris fällt es schwer, die Auflage, keine Gewalt anzuwenden, zu beherzigen, denn sie gerät schnell mit Peter aneinander. Aber die friedliche Stimmung währt sowieso nicht lange, denn die abtrünnigen Ferox durchkämmen die Amite nach Unbestimmten, sodass die Gruppe um Tris fliehen muss. Die Ereignisse überschlagen sich, als Tris, Four und Caleb von Fraktionslosen gefangen genommen werden. Und währenddessen schmiedet Jeanine, die Anführerin der Ken, gefährliche Pläne, um die Unbestimmten loszuwerden.

Es ist mir noch nie passiert, dass ich gerne meine Bewertung eines Buches herunterstufen wollte, nachdem ich die dazugehörige Verfilmung gesehen hatte. Insurgent ist aber leider so ein Fall, denn er zeigt ganz deutlich die Schwächen der Vorlage auf.

Im Grunde genommen wurde für den Film nur eine große Sache verändert: es wurde eine Box eingeführt, die Jeanine um jeden Preis öffnen will (Dass sie eine Ken ist, hat das Drehbuch echt gut ignoriert, sonst wäre der Frau ja mal in den Sinn gekommen, wie unlogisch ihre Schlussfolgerungen dazu sind). Im Buch gibt es diese Box nicht, den Inhalt aber schon. Es waren kleine Anpassungen notwendig und ein Handlungsteil im letzten Drittel des Buches fällt aufgrund der Box komplett weg, aber ansonsten hält sich der Film recht eng an die Vorlage. Nur macht ihn das leider noch lange nicht gut. Was mir eigentlich erst im dritten Buch aufgestoßen ist, fiel mir in bewegten Bildern schon jetzt auf: Tris und Four nerven! Gefühlt besteht ein Großteil der Handlung daraus, dass Tris und Four irgendwohin laufen, Four Tris am Arm zieht, damit sie stehen bleibt und die beiden dann über irgendwas reden. Wenn nicht gerade herumgeballert wird und Menschen sinnlos ermordet werden.

Neben der dazugedichteten Box haben die Ken im Film außerdem ein Gerät entwickelt, mit dem sie die Unbestimmtheit einer Person ermitteln können. Genau genommen ist dies der größte Bullshit des ganzen Films. Wer das dritte Buch gelesen hat, weiß, dass es keine prozentuale Unbestimmtheit gibt. Erst wollte ich die Autorin für diese dumme Änderung bemitleiden, nur musste ich dann feststellen, dass die gute Frau den Film mit produziert hat. Verstehe das mal einer.

Lange Rede, kurzer Sinn: der gute und mehrfach preisgekrönte Cast hat in dieser Verfilmung eigentlich nichts verloren und tut mir sehr leid. Blöd, dass sie jetzt noch zwei Filme durchstehen müssen, denn diese werden garantiert auch nicht besser werden, bei der schlechten Vorlage. Die Einführung der Box ist eigentlich interessant und nachvollziehbar (sie gibt Kate Winslet mehr Szenen), nur leider sind die Erklärungen dazu wirr, unlogisch oder schlichtweg nicht vorhanden – woher z. B. weiß Jeanine von der Box? Warum hat sie ein komplett eingerichtetes Labor, dass auf die Arbeit mit der Box ausgerichtet ist?

Ich bleibe bei meinem finalen Urteil zur Buchvorlage: nach dem ersten Teil hätte Schluss sein sollen, das wäre besser gewesen. Aber immerhin die Filmindustrie freut sich.

Bilder © 2015 Concorde Filmverleih GmbH / Andrew Cooper

[Film] Still Alice – Mein Leben ohne gestern

Still Alice – Mein Leben ohne gestern ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Lisa Genova über eine Linguistikprofessorin, die mit 50 Jahren an einer früh einsetzenden Form von Alzheimer erkrankt. Der Film startete am 5. März 2015 in den deutschen Kinos. Hauptdarstellerin Julianne Moore gewann für ihre Darstellung den Oscar in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“. Still Alice ist der letzte Film des Regisseurs Richard Glatzer. Er starb am 10. März 2015 im Alter von 63 Jahren.

Alice Howland ist eine angesehene Linguistikprofessorin, ihr Lehrbuch ist DAS Standardwerk an den Unis. Kurz nach ihrem fünfzigsten Geburtstag bemerkt Alice, dass sie immer öfter Wörter vergisst oder Dinge verlegt. Beim Joggen verliert sie kurzzeitig die Orientierung. Die furchtbare Diagnose: Alice leidet an einer genetisch bedingten, früh einsetzenden Form von Alzheimer. Der Schock sitzt tief. Alice definiert sich hauptsächlich über ihren Intellekt und die Fähigkeit, sich auszudrücken. Nun müssen sie und ihre Familie verarbeiten, dass sie sich selbst Stück für Stück verlieren wird.

Julianne Moore hat ihren Oscar mehr als verdient. Sie spielt Alice sehr eindringlich und jede Gefühlsregung ist ihr im Gesicht sofort ablesbar. Auch die ständig fortschreitende Erkrankung empfand ich als sehr gut dargestellt. Es ist schon furchtbar, dabei zusehen zu müssen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, selbst Alzheimer zu haben.

Was den Film so besonders macht, ist, dass mit Alice die an Alzheimer erkrankte Person in den Fokus gerückt wird. Der Zuschauer erfährt aus ihrer – teils unscharfen – Perspektive, wie neben ihr selbst auch ihre Umwelt mit der Krankheit umgeht. In mehreren Szenen ist Alice z. B. im Raum anwesend, trotzdem redet ihre Familie über sie, als wäre sie nicht da. Dies empfand ich fast noch deprimierender als die Krankheit selbst.

Bei Kristen Stewart in der Rolle von Alice‘ jüngeren Tochter Lydia gibt es keine Überraschungen. Sie bleibt ihrem Casting-Typ der unangepassten, burschikosen jungen Frau anscheinend treu. Auch das Erscheinungsbild ist wie gewohnt: die Haare verwuschelt auf einer Seite, wenig Make-Up, oft steht ihr Mund leicht offen (I blame Honest Trailers for this one!). Trotzdem zeigt sie in dieser Rolle wieder einmal, dass sie mehr kann, als nur Vampire anzuschmachten. Für sie ist es wohl die beste Entscheidung, sich von popcornlastigen Blockbustern fernzuhalten und auf Produktionen zu konzentrieren, die abseits von Spezialeffekten eine gute Geschichte zu erzählen haben.

Von mir gibt es für Still Alice – Mein Leben ohne gestern eine uneingeschränkte Empfehlung. Schaut euch den Film an, solange er noch im Kino läuft!