Schlagwort-Archive: Erschienen 2015

[Rezension] Zusammen werden wir leuchten

Originaltitel:
The Art of Being Normal
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 384
Preis: 12,99 €, Trade Paperback
ISBN: 9783733500764
Erscheinungsdatum: 10.12.2015
Bewertung:

Die Handlung

Schon seit seiner frühen Kindheit weiß David, dass er anders ist. Statt mit Autos spielte er lieber mit Barbies und für Fußball konnte ihn sein Vater nie begeistern. Seine Eltern glauben, dass er homosexuell ist und haben sich auf ein mögliches Coming-Out schon vorbereitet. In Wirklichkeit verheimlicht David aber etwas ganz anderes: er möchte ein Mädchen sein. Nur seine zwei besten Freunde wissen davon. David läuft die Zeit davon, denn die beginnende Pubertät ist sein schlimmster Feind.

Das war gut

Der Autorin gelingt es sehr gut, David und Leos Gefühle zu transportieren. Beim Lesen habe ich mitgelacht, war genauso frustriert wie David, wenn er seine wöchentliche „Inspektion“ durchgeführt hat und habe mit beiden Figuren gelitten, wenn die Mitschüler wieder besonders fies zu ihnen waren.

Davids Freunde Essie und Felix sind zwei Highlights des Buches. Sie sind die einzigen beiden Personen, denen David erzählt hat, dass er eigentlich ein Mädchen ist und sie unterstützen David vollkommen.

Das hat mir nicht gefallen

Leider verliert die Autorin nach einem starken Anfang David etwas aus den Augen und fokussiert sich mehr auf die zweite Erzählstimme, Davids neuen und geheimnisvollen Mitschüler Leo. Für meinen Geschmack wird erst zu spät klar, wie Leo genau in die Geschichte passt.

Ich hätte mir gewünscht, dass sich das Buch vollkommen auf die Transgender-Thematik konzentriert, statt noch das Fass um Leos verschwundenen Vater aufzumachen, den dieser Teil der Geschichte hat mich eher weniger interessiert.

Und daraus folgt

Lisa Williamson hat sich hier ein hochaktuelles Thema ausgesucht. Wer den einschlägigen Seiten z. B. bei Facebook folgt, der weiß, wie schwer es Transgender-Frauen und -Männer in der Welt haben. Umso schöner ist es, dass in der Literatur Identifikationsfiguren für Kinder- und Jugendliche geschaffen werden und hoffentlich dabei helfen, Vorurteile abzubauen und Betroffenen Mut zu machen. Jede positive oder zumindest wertfreie Behandlung des Themas ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Und auch wenn Zusammen werden wir leuchten seine Schwächen hat, ist das Buch äußerst lesenwert. Es erzählt die Geschichte zweier Jugendlicher, die gerade dabei sind, ihren Platz in der Welt zu finden und dabei von wundervollen Freunden und ihrer Familie unterstützt werden. Unabhängig von der Transgender-Thematik ist es eine Geschichte über Freundschaft, Vertrauen, erste Liebe und Familie sowie ein Appell an mehr Toleranz und Akzeptanz, den wir uns alle zu Herzen nehmen sollten.


[Rezension] Selbst wenn du mich belügst

Originaltitel:
Even when you lie to me
Autor:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 416
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783570163849
Erscheinungsdatum: 31.08.2015
Bewertung:

Die Handlung

Die 17-jährige Charlie ist ein klassisches Mauerblümchen. Sie fühlt sich nicht wohl in ihrer Haut und hat eigentlich nur eine richtige Freundin, Lila. Die ist das genaue Gegenteil von Charlie: sie sprüht vor Lebensfreude, lässt in Bezug auf Jungs nichts anbrennen und ist bei allen beliebt. Erst als Charlie im neuen Schuljahr einen neuen Lehrer bekommt, taut sie etwas auf: der Literaturlehrer Mr Drummond fasziniert sie und auch er scheint in Charlie mehr als eine Schülerin zu sehen.

Das war gut

Viel positives kann ich über das Buch leider nicht sagen, aber wenn es eins gibt, dann, dass die Autorin Charlies Unsicherheiten glaubwürdig dargestellt hat. Ich konnte ihre Selbstzweifel sehr gut nachvollziehen und es tat mir jedes Mal leid, wenn ihre Mutter versucht ihr zu vermitteln, dass sie mit ein bisschen Schminke „endlich“ einen Jungen an Land ziehen könne und damit alle Probleme gelöst seien. Charlie wehrt sich glücklicherweise dagegen und lässt sich nicht verbiegen, nur um dazu zu gehören.

Das Ende hat mich ein wenig versöhnlich gestimmt. Eine der Figuren zieht aus ihren Handlungen die entsprechenden und richtigen Konsequenzen, ohne dass es zu viel Drama kommt/kommen muss.

Das hat mir nicht gefallen

Die Charaktere sind beinahe durchgehend unsympathisch. Von der Mutter über Lila und die anderen Schüler bis zu Mr Drummond gibt es keinerlei positive Identifikationsfiguren. Selbst die Protagonistin Charlie ist einfach nur nervig. Die einzigen Figuren, mit denen ich mich anfreunden konnte, waren die Zwillinge Asha und Dev, nur leider bleiben ihre Rollen viel zu nebensächlich, um wirklich Tiefe zu erhalten.

Die Autorin konnte mich nicht davon überzeugen, dass es sich bei der Beziehung von Charlie und Mr Drummond wirklich um Liebe handelt. Vielmehr hat man das Gefühl, dass Mr Drummond ein kleiner Junge ist, der eigentlich gar keine Ahnung hat was er will. Und Charlie liebt eine Idealvorstellung von ihm. Als die beiden sich endlich näherkommen, ist die Szene alles andere als romantisch. Stattdessen mutiert Charlie zur Teenie-Domina und befiehlt ihrem Lehrer, was er sagen soll. Und zwischendurch ist Charlie sogar angeekelt von dem Mann, den sie doch eigentlich so sehr will. Wer weiß, vielleicht wollte die Autorin genau diese falsche Liebe zu Idealbildern kritisieren, aber wenn, dann ist das leider überhaupt nicht angekommen.

Der Erzählzeitraum erstreckt sich über ein ganzes Schuljahr und das Buch ist in die einzelnen Monate unterteilt. Wären diese Einschübe nicht gewesen, hätte ich leider keine wirklich zusammenhängende Handlung erkennen können, denn die Geschichte springt ohne gelungene Übergänge von einer Szene zur nächsten und wiederholt sich dabei viel zu oft. So besteht Charlie und Lilas Freundschaft hauptsächlich aus Diskussionen mit herabwürdigenden Beleidigungen, nach denen sich beide dann gegenseitig entschuldigen, nur um wieder von vorne anzufangen. Wenn sie nicht gerade Mr Drummond in immer wieder gleich ablaufenden Szenen anhimmeln.

Und daraus folgt

Ich habe generell keine Abneigung in Bezug auf verbotene Liebesgeschichten und so habe ich bei Selbst wenn du mich belügst auf eine Lehrer-Schüler-Liebesgeschichte auf Augenhöhe gehofft, bei der man die Anziehung nachvollziehen kann und den beiden Figuren nur das Beste wünscht. Bekommen habe ich stattdessen ein recht inhaltsleeres Buch, bei dem man sich nicht sicher sein kann, ob die Autorin es ernst meint oder eigentlich ein kritisches Buch zum Thema schreiben wollte – was ihr in diesem Fall nicht geglückt ist. Das Lesen kann man sich sparen.

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[Rezension] Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt

Originaltitel:
Everything, Everything
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 336
Preis: 16,99 €, Hardcover
ISBN: 9783791525402
Erscheinungsdatum: 17.09.2015
Bewertung:

Die Handlung

Die 18-jährige Maddy hat ihr ganzes Leben lang in ein und demselben Haus verbracht, die Welt draußen kennt sie nicht. Maddy leidet an einem seltenen Immundefekt und muss so gut wie möglich vor Keimen geschützt werden. Sie hat sich mit dieser Tatsache arrangiert – bis nebenan neue Nachbarn einziehen und sie Olly kennenlernt. Er weckt in ihr die Sehnsucht nach dem normalen Leben, das sie niemals haben kann. Dafür ist Maddy sogar bereit, ihre Gesundheit zu riskieren.

Das war gut

Ich bin geradezu durch die Seiten geflogen. Die Autorin versteht es hervorragend, Maddys eigentlich tragische Geschichte mit einer Leichtigkeit zu erzählen, dass man unbedingt „nur noch die nächste“ Seite lesen möchte. Und noch eine. Und noch eine. Maddys Zeichnungen und ausgefüllten Formulare lockern das Buch zusätzlich auf.

Die Nebengeschichte um Ollys Familie fand ich beinahe noch interessanter als den Hauptplot um Maddy. Als Leser bekommt man nur Ausschnitte daraus mit, wenn Maddy und Olly sich unterhalten oder Maddy das Nachbarhaus vom Fenster aus beobachtet. Ollys Vater neigt zu Wutausbrüchen und sein Sohn fühlt sich hilflos. Das macht den ansonsten natürlich perfekten Jungen für den Leser menschlicher.

Das hat mir nicht gefallen

Als wir Maddy kennenlernen, hat sie schon 18 Jahre Isolation hinter sich. Ihre einzigen Bezugspersonen sind ihre Mutter und ihre Pflegerin Carla, nur ganz selten darf einer ihrer Online-Lehrer persönlich vorbeikommen. Körperkontakt mit den seltenen Gästen ist verboten. Hier hätte die Autorin noch mehr darauf eingehen können, wie sich dieses besondere soziale Umfeld auf Maddys Entwicklung ausgewirkt hat. Hat sie einen Therapeuten, um damit klarzukommen? Warum ist es in Ordnung, dass Maddy ihrer Mutter und Pflegerin berührt, aber ihren Lehrer nicht, auch wenn dieser komplett gecheckt wurde und nur durch eine Luftschleuse ins Haus gelangen kann?

Der Fokus lag mir zu stark auf Maddys Beziehung zu Olly und zu wenig auf den Problemen, die ihre Krankheit mit sich bringt. Vor allem am Ende des Buches wird dies sehr deutlich. Man kann es damit abtun, dass es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt, aber auch bei Literatur für Jugendliche erwarte ich bei ernsten Themen Realitätsnähe. Stattdessen bekomme ich eine verklärte Sicht der Dinge, die mir als Leser suggerieren soll, dass doch alles nur halb so schlimm ist wie es scheint.

Und daraus folgt

Nicola Yoon legt mit Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt ein vielversprechendes Debüt vor. Dabei folgt sie dem allgemeinen Trend und widmet sich thematisch einer seltenen und potenziell tödlichen Krankheit, schöpft das Potenzial dieser Geschichte aber leider zugunsten der obligatorischen jugendlichen Liebesgeschichte nicht voll aus. Lesenswert ist das Buch aber trotzdem, denn durch das angenehme Lesetempo, das wenigstens halbwegs neue Thema und die eingestreuten Illustrationen wird man gut unterhalten.


[Rezension] Eve sieht es anders

Originaltitel:
This Girl Is Different
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 316
Preis: 16,95 €, Hardcover
ISBN: 9783868738193
Erscheinungsdatum: 20.08.2015
Bewertung:

Die Handlung

Evie hat ihre bisherige Schulzeit zuhause verbracht und wurde von ihrer Mutter unterrichtet. Diese hat sie liberal, feministisch und zu eigenständigem Denken erzogen. Ihr letztes Schuljahr will Evie nun die Institution Schule kennen lernen. Doch dort ist alles ganz anders, als sie erwartet hat, die Regeln gehen ihr zu weit und die Schüler werden ihr zu sehr unterdrückt. Evie versucht, daran etwas zu ändern und zettelt eine Revolution an, die nur leider schnell außer Kontrolle gerät.

Das war gut

Wow, was für eine Hauptfigur! Evie ist eine starke Persönlichkeit, die zu ihrer Meinung steht und sich durch nichts und niemanden verbiegen lässt. Gerechtigkeit und Wahrheit sind für Evie oberstes Gut und sie setzt sich in der Schule vom ersten Tag an dafür ein.

Vom Hausunterricht selbst bekommt man zwar nichts mit, da Evie zu Beginn des Buches auf die öffentliche Schule wechselt, aber es wird ein interessantes Bild von Evie und ihrer Mutter gezeichnet. Ich glaube, Hausunterricht ist sonst eher negativ behaftet, aber Evies Mutter hat auf jeden Fall einen guten Job gemacht. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass Evie gebildeter als ihre Mitschüler ist. Auch Evies ungetrübter Blick auf das Schulsystem ist faszinierend und lädt zum Nachdenken ein.

Das hat mir nicht gefallen

Mir fehlte eine erwachsene Figur, die als Vorbild fungieren könnte. Die Lehrer scheinen allesamt Dreck am Stecken zu haben und der Direktor unterstützt Evie auch nicht gerade.

Evies Freunde Rajas und Jacinda hatten viel Potenzial, doch als es ernst wird, stellen sie sich gegen Evie, das fand ich sehr schade. Evie hätte starke Mitstreiter an ihrer Seite gebrauchen können.

Und daraus folgt

Der englische Buchtitel bringt es auf den Punkt: dieses Mädchen ist anders! Und das ist genau richtig. In vielen von Evies Gedanken habe ich mich wiedergefunden und ich wünschte, ich wäre auch so mutig wie sie, entschieden etwas gegen Ungerechtigkeiten zu unternehmen. Gerade jetzt ist das Thema Zivilcourage und Widerstand gegen Unterdrückung aktueller den je. Eve sieht es anders ist dafür genau das richtige Buch zur richtigen Zeit – auch wenn es hier „nur“ um Unterdrückung an der Schule und nicht um Flüchtlinge geht.