Schlagwort-Archive: Erschienen 2010

Szillat, Antje: Alice im Netz

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Seiten: 155
Preis: 6,95 €, Taschenbuch
ISBN: 9783935265485
Erscheinungsdatum: Mai 2010
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Alice ist 16 Jahre alt, besucht ein Gymnasium und hat sich im Internet eine zweite Identität zugelegt. Unter dem Pseudonym „Rasende Rita“ schreibt sie Blogeinträge über ihr Leben und die Schule. Den Großteil der Beiträge machen dabei Lästereien über Mitschüler und Lehrer aus. In der Schule ist es ein offenes Geheimnis, dass sich hinter de rasenden Rita Alice verbirgt, auch wenn sie es jedes Mal leugnet.
Eines Tages bekommt Alice eine bedrohliche E-Mail von jemandem namens Jared. Zuerst nimmt sie die Sache nicht ernst, doch nachdem Jared ihr ein Video schickt, dass vor ihrem Fenster gedreht wurde, durchschaut sie langsam den Ernst der Lage und beginnt ihre Offenheit im Internet zu hinterfragen. Geht sie mit ihren Daten wirklich so gewissenhaft um wie sie glaubt?

Alice im Netz beschäftigt sich mit einem sehr wichtigen Thema: der freizügigen Angabe von Daten im Internet und ihren möglichen Folgen. Alice hat ohne nachzudenken ihre gesamte Persönlichkeit im Netz ausgebreitet und für jeden zugänglich gemacht. Und so ist es für den Stalker, den die Autorin leider mit einer klischeehaften traumatischen Kindheit ausgestattet hat, sehr leicht Alice zu verfolgen. Er liest ihre Beiträge in Foren und interpretiert versteckte Hinweise an sich selbst hinein, glaubt, dass Alice sein perfektes Gegenstück ist und nur darauf wartet, von ihm zur Frau gemacht zu werden.

Alice ist der typische Teenager: sie glaubt alles zu wissen und hat doch in Wirklichkeit keine Ahnung. Als sie die erste E-Mail bekommt lacht sie darüber und nimmt sie nicht ernst. Auch später, als sie sich bedroht fühlt, vertraut sie sich nicht ihrer Mutter an, weil sie Angst vor einem Internetverbot hat. Diese Situation kommt mir auch noch durchaus realistisch vor. Ich wollte Alice am liebsten gründlich durchschütteln und ihr sagen, wie dämlich sie ist. Aber als sie dann ein Video von sich selbst im Internet findet, die Sache dennoch herunterspielt und meint ihre Reaktion sei übertrieben gewesen…ist das noch normal? Wäre da nicht eine gehörige Portion Panik angebracht?
Ebenso unglaubwürdig kam es mir vor, das Alice noch nie etwas von einer IP-Adresse gehört hat und nicht weiß, dass es anonyme E-Mails gibt. Die Generation der „Digital Natives“, die ihr halbes Leben bereits im Internet verbracht hat, sollte innerhalb dieser Zeit doch genug Spam von anonymen Absendern erhalten haben und auf einen E-Mail Anbieter gestoßen sein, bei dem man seinen Namen und Adresse nicht angeben muss, oder nicht? Vielleicht erwarte ich da aber als Nichtjugendliche auch einfach zuviel von den Protagonisten.

Trotz dieser Punkte, die mich gestört haben, halte ich das Buch für eine wichtige Lektüre zur Aufklärung für Jugendliche, die in Zeiten von Facebook und Co. immer notwendiger wird. Bisher ist mir leider kein anderes Jugendbuch bekannt, das dieses Thema aufgreift. Die Jugendlichen müssen im Umgang mit ihren Daten auf jeden Fall sensibilisiert werden, bevor es wie bei Alice zu spät ist und sie ihre Offenheit bereuen. Und wie der Untertitel des Buches schon sagt: Das Internet vergisst nie. Fotos und Informationen sind schnell online gestellt, aber sie zu löschen ist oft unmöglich.


Safier, David: Plötzlich Shakespeare

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Seiten: 320
Preis: 17,95 €, Hardcover
ISBN: 9783463405537
Erscheinungsdatum: März 2010
Bewertung:

Die von Liebeskummer geplagte Rosa bezeichnet sich selbst als wandelndes Klischee und hat damit ein doch recht realistisches Bild von sich selbst. Ein Zirkushypnotiseur versetzt die ungläubige Liebeskranke nach einer Vorstellung kurzerhand in ein früheres Leben, in dem sie die wahre Liebe finden soll, erst dann kann sie in die Gegenwart und ihren eigenen Körper zurückkehren. Rosa staunt nicht schlecht, als sich ihre frühere Inkarnation als William Shakespeare entpuppt. Doch alle Legenden haben einen Anfang und Shakespeares ist nicht so ruhmreich, wie man vielleicht dachte. Er ist ein mittelmäßiger Dichter, bezeichnet sich selbst als „Gott der Defloration“, glaubt nicht an die Liebe und hat mehrere Attentäter am Hals. Schöne Aussichten für Rosa also. Mal abgesehen davon, dass sie in einem bestrumpfhosten Männerkörper herumlaufen muss und von Shakespeares Stimme im Kopf genervt wird.

David Safier hat sich in seinem Buch einer berühmten historischen Person bedient: William Shakespeare. Hierbei hat er Fakten aus Shakespeares Leben mit Fiktion vermischt und dies zu einer interessanten fiktiven Lebensgeschichte des Dramatikers vermischt. Trotzdem fand ich „Plötzlich Shakespeare“ enttäuschend und inzwischen frage ich mich, ob ich mir „Mieses Karma“ einfach nur schöngeredet habe oder es mir wirklich so gut gefallen hat. Rosas und Williams Geplänkel sind zwar ganz nett, haben mir aber nicht einen lauten Lacher entlockt. Stattdessen gingen mir die ständigen homo- und sonstig erotischen Andeutungen sehr auf die Nerven. Shakespeare hat anscheinend nichts anbrennen lassen und jede halbwegs willige Frau verführt, was im weiteren Verlauf der Geschichte merkwürdig erscheint, als seine Ehegeschichte erklärt wird. Und Rosa ist komisch. Wie ist es sonst zu erklären, dass sie sich in eine Stimme in ihrem Kopf verliebt? ;-)

Mal davon abgesehen, dass ich die Geschichte an sich nicht besonders mitreißend und die „Liebe dich selbst“ Botschaft langweilig fand, bin ich beim Lesen auch des Öfteren über die gleichen Satzkonstruktionen und einige Fehler gestolpert. Die anderen zwei Bücher kamen mir nicht so uninspiriert vor. Hätte ich damals in deutscher Grammatik besser aufgepasst, könnte ich die Art des Nebensatzes womöglich benennen, so muss ich mir mit Zitaten helfen. Beispiele sind:

Verrückt, hatte ich doch nie zuvor über Wiedergeburt ernsthaft nachgedacht. (S. 36)

Shakespeare hatte Recht, dennoch gefiel es mir nicht, zerstörte er doch damit den magischen Moment. (S. 144)

Er war bereits im Flur, hatte er doch einen Schlüssel zu meiner Wohnung. (S. 226)

Für mich ist diese Formulierung außergewöhnlich und deshalb fällt sie mir bei derartigem Verschleiß natürlich auf. Ebenso begeistert scheint der Autor von Vergleichen der Art „1, 2, 3“ und 3 tanzt „lustig“ aus der Reihe zu sein. Ich fand die leider nicht lustig, nur fast genauso nervig. Sie kamen aber glücklicherweise nicht so inflationär im Text vor.

Gut, meine Seele würde wohl weiterziehen,so viel war ja mittlerweile klar. Sie würde ein neues Leben führen – hoffentlich nicht in Afghanistan, Bangladesch oder im Haushalt von Britney Spears. (S. 139)

Um diese Zeit befand sich nur noch das Gesindel unter dem Gesindel auf den Straßen und in den Hurenhäusern: Diebe, Räuber, Finanzbeamte. (S. 156)

Während der dröge Pastor seine langatmige, einschläfernde Predigt hielt, bei der er erklärte, dass eine Ehe vielen harten Prüfungen ausgesetzt sei (Krankheit, Eifersucht, die Renovierung des Eigenheims) [..] (S. 239)

Manche Leser werden diese Kritik zu pingelig finden, aber mich stört sowas einfach. Genauso natürlich inhaltliche Fehler, die eigentlich schon im Lektorat auffallen sollten. So wird Rosa in Shakespeares Körper von spanischen Spionen aufgesucht. Vier betreten den Raum und einer löst sich eine Handvoll Sätze später in Wohlgefallen auf. Puff. Weg war er und es ist nur noch von drei Spionen die Rede. (ACHTUNG AB HIER SPOILER!) Dafür trägt Shakespeare in Rosas Körper auf dem Weg zum Klo urplötzlich hochhackige Schuhe, die er kurz zuvor noch im Flur liegen gelassen hatte, weil er darauf nicht laufen konnte. Kann er dann aber anscheinend doch super, denn die „Herumeierei“ wird nicht mehr angesprochen.

Kurz gesagt: ich habe mir vom dritten David Safier Roman weitaus mehr versprochen. Ich kann nur hoffen, dass mir die Nr. 4 im Bunde „Happy Family“ wieder besser gefallen wird. Das neue Buch erscheint am 16. September.


Winter, Hanna: Die Spur der Kinder

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Seiten: 342
Preis: 8,95 €, Taschenbuch
ISBN: 9783548282558
Erscheinungsdatum: August 2010
Bewertung:

Vor zwei Jahren wurde Fiona Seebergs kleine Tochter Sophie entführt. Die Ermittlungen verliefen in der Sackgasse, Sophie wurde nie gefunden. Nun steht plötzlich der Kommissar Piet Karstens erneut vor Fionas Tür und teilt ihr mit, dass wieder ein Kind entführt wurde. Der Täter ist zurück und scheint nicht bei einem Kind Halt machen zu wollen. Zur selben Zeit wird eine Jugendliche im Spreewald ermordet. Die Polizei erkennt zwar keinen Zusammenhang, doch die beiden Fälle haben mehr gemeinsam als man ahnt.
Soviel zur Grundgeschichte des Buches. Im Rahmen meiner selbst auferlegten Krimichallenge habe ich mir das Lesexemplar einer Kollegin geschnappt, die kein Interesse an dem Krimi hatte. Vielleicht hatte sie da schon den richtigen Riecher, denn ich fand Die Spur der Kinder furchtbar. Die Protagonisten sind mir allesamt unsympathisch und die vielen Fehler im Buch haben mir die Haare zu Berge stehen lassen. Bin ich zu pingelig? Hier eine Auswahl der Dinge, die mich gestört haben (Achtung, Spoiler!):

# Fiona hat ein Alkoholproblem. Auf einer Party bestellt ihre Bekannte Theresa, die sie von den Anonymen Alkoholikern kennt, deshalb zwei Champagnergläser mit Apfelschorle bei der Kellnerin. Fiona und Theresa trinken ihre Apfelschorle allerdings bereits eine Seite bevor die Kellnerin ihnen die Gläser überhaupt bringt.

# Fiona ist Schriftstellerin und arbeitet an einem Roman. Insgesamt drei Mal wird aus ihrem Manuskript gelesen. Der Name ihrer Protagonistin wechselt dabei von Katrin Taubert zu Katrin Siebig und wieder zurück.

# Fiona hat einen Stalker, der über das Buch hinweg versucht, ihr einen Umschlag zuzustecken. Erst am Ende der Geschichte schaut sie sich den Inhalt an und erfährt so, was wirklich mit ihrer Tochter geschah. Der Stalker hat zwei Jahre zuvor das komplette Verbrechen mit Fotos dokumentiert und ist dann in den Knast gewandert. In all der Zeit hat er es nicht für nötig gehalten, der Polizei davon zu berichten? Es geht hier um den Tod eines Kindes!

# Die Partnerin des Kommissars, Frauke, ist bisexuell (auch ganz wichtig für die Handlung…) und feiert mit ihrer Freundin Astrid in einem Restaurant, als sie über Telefon die Nachricht erhält, dass ihr Partner spurlos verschwunden, womöglich tot ist. Natürlich will Frauke sofort los, um nach ihm zu suchen. Astrid ist daraufhin stinksauer und wirft ihr vor, dass es ja immer nur um sie und ihren Job gehe und macht quasi Schluss mit Frauke. Verzeihung? Der Partner ist vielleicht tot und die Freundin eifersüchtig, weil man deshalb die Feier abbläst?

# Der Täter bzw. die Täterin liefert das dämlichste Klischeegeständnis ab, das es gibt. Nach dem Motto „Haha ihr kommt hier eh nicht lebend raus, na dann erzähle ich euch erstmal meine Lebensgeschichte, bevor ich euch umbringe.“ erklärt sie haargenau ihr (absolut nicht nachvollziehbares) Motiv dafür, die Kinder grausam gefoltert und umgebracht zu haben. Klar.

# Die Mutter der entführten Luna hat sich praktischerweise erhängt, sodass die immer noch um Sophie trauernde Fiona am Ende des Buches ganz ohne Formalitäten die neue Mutter von Luna wird. Das schwer traumatisierte Kind lächelt bei dieser Nachricht auch noch. Kein „Wo ist meine Mama?“ oder ähnliches.

# Luna hat übrigens noch einen Vater. Der hat zwar Vorstrafen und befindet sich gerade in Kolumbien, aber er ist der Vater! Hat der kein Mitspracherecht? Kann man seine Tocher einfach so weiterreichen? Der Vater war zwischendurch auch ein Verdächtiger, weil zum Zeitpunkt der Entführungen verräterische Anrufe von seinem Telefon getätigt wurden. Ach, egal. Handlungsstrang ist gar nicht so wichtig, vergessen wir einfach. Der Vater wird mit keinem Wort mehr erwähnt.

Zusammengefasst: dämliche Ermittler, zu viele Fehler und zwei sinnlose Täter, die einfach nur auf Monster getrimmt wurden, ohne ein wirkliches Motiv erkennen zu lassen. Ich weiß nicht, ob meine schlechte Bewertung nur davon herrührt, dass ich keine begeisterte Krimileserin bin oder ich einfach ein derart schlechtes Händchen für dieses Genre habe. Eins ist jedenfalls sicher: es kann nur besser werden :-(


Grant, Michael: Gone 2 – Hunger

Originaltitel:
Gone 2 - Hunger
Autor:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
Gone 2 von 6
Seiten: 496
Preis: 17,95 €, Hardcover
ISBN: 9783473353224
Erscheinungsdatum: November 2010
Bewertung:

Nach dem Ende des ersten Buches hat Sam, der Bürgermeister der FAYZ, immer noch alle Hände voll zu tun. Nachdem die Kinder und Jugendlichen sich hauptsächlich von Keksen und Konservendosen ernährt haben sind Fleisch und Gemüse verdorben, das Essen geht zur Neige. Abhilfe könnten die Felder außerhalb der Stadt schaffen, doch die ernten sich nicht von allein. Sam und sein Team schaffen es trotz aller Bemühungen nicht, genügend arbeitsfähige Kinder für die Ernte zu mobilisieren. Die Überlebenden verbringen ihre Tage lieber damit, vor dem Fernseher zu hocken oder zu spielen, ohne sich dem Ernst der Lage bewusst zu sein. Erschwerend kommt hinzu, dass die Felder nach und nach von Killerwürmern in Beschlag genommen werden, die ein gefahrloses Betreten unmöglich machen, wie einer der Jugendlichen schmerzhaft am eigenen Leib erfahren muss.
Am liebsten würde Sam seinen Job einfach hinschmeißen, da er sich mit der Situation trotz Unterstützung von Astrid und Co. überfordert fühlt. Doch die plötzliche Rückkehr von Caine ins Geschehen lässt Sam kaum zu Atem kommen. Drei Monate war Caine außer Gefecht gesetzt. Und kaum ist wieder auf den Beinen, will er sich das Kraftwerk unter den Nagel reißen, um Druck auf die Stadt auszuüben. Wer den Strom hat, hat die Macht.

Im zweiten Teil der auf sechs Bücher angelegten Reihe passiert wieder so viel in so kurzer Zeit, dass einem selbst kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt. Während Sam z. B. in der Stadt noch mit der Essensbeschaffung zugange ist und Caine seine Pläne schmiedet, hat die Heilerin Lana ganz andere Vorstellungen davon, was zu tun ist. Sie will die Dunkelheit in der Mine vernichten, da diese sie nicht in Ruhe lässt und sie in Gedanken zu sich ruft. Gegen Ende verdichten sich die Handlungsstränge und führen alle Protagonisten hinaus in die karge Landschaft, um eine weitere Katastrophe zu verhindern.

Gleichzeitig entwickelt sich in der Stadt ein Hass auf die Kinder mit Fähigkeiten. Die „Normalos“ bezeichnen diese abfällig als Freaks und als versehentlich ein Normalo getötet wird, eskaliert die Situation. Unter der Führung eines Jungen namens Zil formiert sich eine Gruppe, die sich „Human Crew“ nennt und für Gerechtigkeit sorgen will, indem sie andere normale Kinder gegen die Mutierten aufstachelt und zur Hetzjagd aufruft. Dieser sich aufbauende Konflikt könnte im nächsten Band für reichlich Zündstoff sorgen, wie die kurze Leseprobe bereits vermuten lässt.

Die Geschehnisse in Gone 2 – Hunger bestätigen meine Einschätzung, dass die Reihe sich an Jugendliche ab mindestens 14 Jahre richtet, auch wenn der Ravensburger Verlag auf seiner Website an der Altersempfehlung ab 12 festhält. Allein der Anfang, als ein Jugendlicher vor den Augen seiner Freunde von den Würmern bis auf die Knochen abgenagt wird, ist so grausam, dass ich schockiert war. Michael Grant erspart seinen Protagonisten keine Tortur und scheint dem Horror sehr zugetan zu sein. So lässt er sein Buch auch genretypisch mit einer albtraumhaften Szene enden, die bei mir für Gänsehaut sorgte :-(
Obwohl meine Lektüre des ersten Teils bereits einige Zeit zurückliegt, hatte ich keine Schwierigkeiten, mich wieder in die Geschichte einzufinden. Mindestens so spannend wie Teil 1!