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[Rezension] Erst wirst du verrückt und dann ein Schmetterling

Originaltitel:
Hotel De Grote L
Autor:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 256
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783522303941
Erscheinungsdatum: 09.03.2015
Bewertung:

Die Handlung

Bei einem Fußballspiel, bei dem Kos das Tor seines Lebens schießt, erleidet sein Vater einen Herzinfarkt. Während dieser sich im Krankenhaus erholt, müssen Kos und seine drei nervigen Schwestern das Familienhotel bewirtschaften, denn das Haus ist verschuldet, Hilfe bekommen sie keine. Außerdem steht demnächst ein Fußballspiel an, bei dem ein Talent-Scout von Ajax Amsterdam anwesend sein wird! Und als wäre das noch nicht genug, hat Kos auch noch Beziehungsstress mit Isabel, bevor ihre Beziehung überhaupt angefangen hat.

Das war gut

Kos nimmt seine Geschichte auf Tonbändern auf, weil Tagebücher ja nur was für Mädchen sind. Isabel durfte sich diese Tonbänder anhören und hat Kos‘ Erzählungen aufgeschrieben und mit Kommentaren versehen. Und dieses Buch bekommt man nun zu lesen. Das Buch liest sich auch wirklich so, als hätten es zwei 13-Jährige aufgeschrieben. Die Geschichte springt hin und her, sodass man schnell den Überblick verliert und dankbar für Isabels eingeworfene Anmerkungen ist, was wann passierte und wie die Szene zeitlich einzuordnen ist. Kos ist nicht gerade der beste Schriftsteller, aber durch diesen Stil wirkt das Buch sehr authentisch. Die Idee und Umsetzung gefiel mir sehr. Hut ab vor Sjoerd Kuyper!

Überhaupt nimmt Kos kein Blatt vor den Mund und spricht auf die Tonbänder, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das bedeutet unter anderem, dass er seine – zugegebenermaßen wirklich sehr nervigen – Schwestern gerne mal beleidigt oder dem geneigten Leser davon erzählt, wie es gerade um sein Geschlechtsorgan bestellt ist. Seine Sprüche sind auf jeden Fall der Knaller und ich habe beim Lesen nicht nur einmal herzlich aufgelacht.

Das hat mir nicht gefallen

Die drei Schwestern von Kos kann man getrost als Vollpfosten bezeichnen. Über weite Teile des Buches waren sie mir einfach nur unsympathisch, weil sie ständig für sich bleiben und so tun, als hätten sie gar keinen Bruder. Kos nimmt die Situation relativ gelassen hin, aber Mitleid hat man mit ihm trotzdem. es wird leider auch nicht wirklich erklärt, warum die drei Mädchen sich so verhalten. Der Autor scheint es als normale Geschwisterstreitereien verkaufen zu wollen.

Teilweise wurde es mir ein bisschen zu abgedreht, z. B. schleppt Kos kleinste Schwester ein totes Kaninchen mit sich rum und ist der festen Überzeugung, dass sie es wieder zum Leben erwecken kann.

Und daraus folgt

Erst wirst du verrückt und dann ein Schmetterling war definitiv mal eine Abwechlsung in meiner Lektüre. Die Geschichte ist an sich nichts großartig Neues – Familie muss Krise überstehen und die Kinder finden ihre erste Liebe – aber die rotzige Erzählweise aus der Sicht des 13-jährigen Kos hat mir sehr viel Spaß gemacht. Hier ist die Jugendsprache auch nicht so erzwungen cool und aufgesetzt wie z. B. beim furchtbaren So oder so. Für die Zielgruppe sicherlich eine gute Empfehlung und auch wer Geschichten über 13-jährige aus der Sicht von 13-jährigen mag, kann hier einen Blick wagen.