[Rezension] Winger

Originaltitel:
Winger
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Themen:
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Reihe:
Winger 1 von 3
Seiten: 464
Preis: 19,99 €, Hardcover
ISBN: 9783551560278
Erscheinungsdatum: 29.09.2016
Bewertung:

Winger, das ist eine Spielposition im Rugby und gleichzeitig der Spitzname des Hauptcharakters Ryan Dean West. Ryan Dean ist 14 Jahre alt und hat zwei Klassen übersprungen, wodurch er der Jüngste in seiner Stufe ist. Dass er aufgrund seiner Intelligenz und seines Alters von seinen Klassenkameraden getriezt wird, ist allerdings nicht sein größtes Problem. Zum Start des neuen Schuljahres wird er in die O-Hall für auffällig gewordene Schüler versetzt und muss zwischen all den verrückten Mitschülern um sein Leben fürchten (nicht wirklich, aber Jugendliche übertreiben gerne mal). Außerdem ist er bis über beide Ohren in seine beste Freundin verliebt, die in ihm aber nur einen kleinen Jungen zu sehen scheint.

Wie in einem klassischen High School Roman üblich, begleiten wir die Figuren durch ihren gesamten Schulalltag, erzählt aus Ryan Deans Sicht. Und der junge Mann hat es wirklich nicht leicht, überall lauern Stolperfallen und Versuchungen in Form von gruseligen Lehrern, pokerbedingten Mutproben oder „heißen“ Mädchen und Frauen in der näheren Umgebung. Ryan Deans lebhafte Fantasie hat mich oft zum Schmunzeln gebracht. Die Attraktivität seiner weiblichen Gegenüber bewertet er mit je nach Situation individualisierter Skala, zwischendurch werden gezeichnete Diagramme eingestreut, die seine Hirnfunktionen oder deren Ausfall erläutern sollen und manchmal verwandelt Ryan Dean Dialoge, die sich in seinem Kopf abspielen, in Comicstrips. Er schreckt allerdings auch nicht davor zurück, so manche Peinlichkeit laut auszusprechen, bei der man unwillkürlich denkt „Echt jetzt?“

Aus feministischer Sicht gibt es in diesem Buch über weite Strecken nichts zu lachen. Der männliche Protagonist pubertiert ausgiebig und objektifiziert jedes weibliche Wesen, das nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Seine beste Freundin Annie ist der kleine Gegenpol, kann aber in den meisten Kapiteln auch nicht viel ausrichten. Gegen Ende merkt man, dass Ryan Dean so langsam etwas reifer wird und erkennt, dass man nicht alle Frauen nach der „Heißheit“ beurteilen sollte, aber es ist ein langer und steiniger Weg dorthin. Auf der einen Seite finde ich es sehr schade, dass das Buch so tief in diese Klischeekiste greift, statt den männlichen Lesern zu zeigen, dass Frauen nicht nur Lustobjekte sind. Auf der anderen Seite denke ich, dass Ryan Deans Gefühlswelt wahrscheinlich ein verdammt realistischer Einblick in die Gedankenwelt eines 14-jährigen Jungen ist und damit sehr viel Identifikationspotenzial für die Zielgruppe bietet (die ich nun mal nicht bin).

Als sehr positiv empfand ich dagegen die Einbindung eines schwulen Nebencharakters, bei dem sich die Handlung nicht um seine sexuelle Selbstfindung oder das Outing der Figur dreht. Joey ist schwul und so ist das, Punkt. Selbst ebenfalls Bewohner der O-Hall und Teil des Rugbyteams, entwickelt er sich im Verlauf des Buches zu Ryan Deans bestem männlichen Freund, der immer ein Ohr für seinen jüngeren Kumpel hat und allgemein die gute Seele des Teams darstellt. Aber auch hier der Zwiespalt: es ist wahrscheinlich (leider) immer noch sehr realistisch, dass Ryan Dean sich ständig genötigt fühlt, sein „unschwules“ Verhältnis zu seinem besten Freund zu betonen, aber auf der anderen Seite hätte ich mir gewünscht, dass der Autor nicht bei jeder Gelegenheit darauf herumreitet, wie unschwul das doch alles ist.

Auch wenn hier jetzt zwei große „Ja aber!“ stehen: das Buch hat mich sehr gut unterhalten. Schon lange habe ich nicht mehr so viele Seiten am Stück gelesen. Ryan Dean ist nervig, kann ein ziemliches Arschloch sein und ist kindisch (hihi, Brüste!), aber Autor Andrew Smith schafft es trotz allem, ihn als halbwegs liebenswert darzustellen. Ich bin ja immer der Meinung, dass man die Figuren in einem Buch nicht sympathisch finden muss, um das Buch zu mögen. Ryan Deans High School wird von einer Menge Umsympathen bevölkert, aber gerade das macht das Buch so besonders. Von mir gibt es eine Leseempfehlung mit Anmerkung: über Ryan Deans Vorstellung von Frauen und Homosexuellen sollte man beim Lesen etwas kritischer nachdenken.

Weitere Meinungen

Bücherwanderin mit 5 von 5 Punkten
Stellette Reads mit 4 von 5 Stellettes
Nightingale’s Blog

Die Reihe

Winger (Winger, #1) Stand-Off (Winger, #2) Untitled (Winger, #3)


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