[Rezension] Und es schmilzt

Originaltitel:
Het smelt
Autor:

Verlag:

Themen:
,
Reihe:
-
Seiten: 512
Preis: 22,00 €, Hardcover
ISBN: 9783103972825
Erscheinungsdatum: 24.08.2017
Bewertung:

Was für ein tolles Cover! Und dieser wundervolle grüne Buchschnitt! Direkt habe ich mich bei einem kurzen Abstecher in die Buchhandlung in Und es schmilzt von Lize Spit verliebt.

Tatsächlich hatte ich vorher noch nichts von dem Buch gehört und stieg völlig unvoreingenommen in die Lektüre ein. Puh, mit dem was dann kam habe ich so nicht gerechnet, denn die Geschichte hat es in sich und hat mich ziemlich aufgewühlt zurückgelassen.

Die 27-jährige Eva lebt in Brüssel und erhält eines Tages eine Einladung von ihrem ehemaligen Schulfreund Pim zu einer Gedenkfeier für seinen schon vor vielen Jahren verstorbenen Bruder und zur Einweihung seiner neuen Melkmaschine. Die Einladung landet erst mal im Abfalleimer. Und doch macht sich Eva an besagtem Tag mit einem großen Eisblock im Kofferraum auf den Weg in ihre alte Heimat.

Rückblende in den Sommer 2002, der Evas eh schon verkorkstes Leben für immer verändern sollte. Eva lebt mit ihrer Schwester Tesje und ihrem Bruder Jolan in einem heruntergekommenen Haus in Bovenmeer. Jolan ist ein intelligenter Junge, der sich für allerlei Dinge, besonders Tiere und Natur, interessiert. Tesje ist ein zartes Wesen, das immer und immer mehr Zwangsstörungen entwickelt, was aber von den Eltern ignoriert wird. Die Mutter ist Alkoholikerin, der Vater hasst sein Leben und erklärt Eva auch gerne mal, wie er es sich am liebsten nehmen würde.

Eva verbringt so gut wie jede Sekunde ihrer freien Zeit als Teil der „Drei Musketiere“ mit ihren Freunden Pim und Laurens. Ob Freunde jedoch das richtige Wort ist, sei mal dahingestellt. Pim ist der Mittelpunkt ihrer kleinen Gemeinschaft; Eva und Laurens buhlen um seine Aufmerksamkeit, doch mit Einsetzen der Pubertät wird Eva mehr und mehr ausgeschlossen. Sie kann ja schließlich beim gemeinsamen Wettmasturbieren nicht mitmachen und auch als heranwachsende Frau weckt sie kein Interesse bei den Jungen. Pim und Laurens interessieren sich vielmehr für all die anderen Mädchen in Bovenmeer, die sie nach einem Punktesystem bewerten, und sich schließlich ein Spiel für die Mädchen ausdenken. Dafür brauchen sie Eva dann doch und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Die Geschichte wird auf drei Zeitebenen erzählt und zu jeder Zeit ist das Leben der Protagonistin und eigentlich aller Figuren im Buch nur trist, traurig und abstoßend. Von Seite zu Seite wird die Geschichte eindringlicher und entfaltet einen Sog, dem ich mich trotz des spätestens ab Mitte des Buches einsetzenden Angewidertseins nicht entziehen konnte.

Ich kann beim besten Willen nicht sagen, was ich von Und es schmilzt halten soll. Einerseits haben mich die drastischen Beschreibungen der teils vulgären, widerlichen Handlung dermaßen schockiert, dass ich das Buch kurz zuklappen musste oder es einfach in die Ecke pfeffern wollte, um wieder klar zu kommen. Andererseits ist das Buch fantastisch geschrieben, die Geschichte ließ mich einfach nicht los und das Ende ist ob seiner Entsetzlichkeit meisterhaft entwickelt und vollkommen einleuchtend. Die Sache mit dem Eisblock… Fürchterlich, aber genial.

Und es schmilzt wurde mit dem Preis des niederländischen Buchhandels für den besten Roman des Jahres ausgezeichnet. Ich würde das Buch wirklich niemandem empfehlen, schon allein um euch die seelischen Qualen beim Lesen zu ersparen. Und doch bietet dieses Buch ein Leseerlebnis, dass niemanden kalt lässt und unbedingten Redebedarf weckt.

Also: Lesen! Oder auch besser nicht!


12 Gedanken zu „[Rezension] Und es schmilzt

    1. Kann ich total verstehen! Hab jetzt auch ein paar andere Stimmen gehört und irgendwie kann kaum jemand das Buch aus vollem Herzen empfehlen.. Bin immer noch ganz zwiegespalten.
      Liebe Grüße!

  1. Eine Rezension, die mir absolut Lust auf das Buch gemacht hat! Alle Meinungen, die ich bisher zum Buch gelesen habe, steigern mein Interesse! Es steht schon ganz groß und breit auf meiner Wunschliste!

    GlG vom monerl

    1. Das freut mich! Je mehr ich darüber nachdenke, bzw. je mehr sich das Buch setzt, bin ich echt froh es gelesen zu haben. Dir viel Spaß beim Lesen!
      Viele Grüße, Michelle

  2. Eine tolle und vor allem ehrliche Rezension. Ich habe das Buch über Vorablesen gewonnen und warte noch darauf. Ein bisschen bange wird mir jetzt aber doch, wenn ich das so lese…

    Liebe Grüße,
    Jenny

    1. Vielen Dank, Jenny! Es ist echt schwer in Worte zu fassen, was das Buch mit einem macht. Es ist echt heftig; vielleicht hast du ja mittlerweile schon reingelesen?
      Liebe Grüße, Michelle

  3. Das klingt wirklich nach einem unheimlich interessanten Buch. Ob ich es mal lesen werde, weiss ich noch nicht, doch ich behalte es auf jeden Fall im Hinterkopf.

    Schönes Wochenende, Sina

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