[Buch und Film] Raum

Im Rahmen der Gedruckte Seiten und bewegte Bilder Challenge möchten Sandy und ich aktuelle Buchverfilmungen anschauen und die dazugehörigen Vorlagen lesen. Als erstes haben wir uns Raum von Emma Donoghue ausgesucht. Brie Larson hat für ihre Rolle in der Verfilmung erst kürzlich den Oscar als beste Hauptdarstellerin verliehen bekommen.

Jack ist gerade fünf Jahre alt geworden. Er lebt mit seiner Mutter in Raum und glaubt, dass alles außerhalb dieser wenigen Quadratmeter „Weltall“ oder „nicht echt“ ist. Seine Mutter hatte ihn in dem Glauben gelassen, um ihn zu schützen. Doch als Jacks Mutter einen Plan in Gang setzt, um dem Gefängnis zu entkommen, erwartet Jack seine größte Herausforderung: die reale Welt.

Emma Donoghues Buch ist vor allem deshalb etwas besonderes, weil es komplett aus der Sicht des fünfjährigen Jack erzählt wird. Seine kindliche Unschuld lässt Raum zu Beginn viel weniger bedrohlich erscheinen, als es wirklich ist. Für Jack sind Raum und seine Mutter die ganze Welt, lediglich unterbrochen von gelegentlichen Besuchen von „Old Nick“, der Lebensmittel und „Sonntagsgutti“ mitbringt und das Bett quietschen lässt. Dass an dieser Welt etwas nicht stimmt, versteht er nicht, schließlich kennt er es nicht anders.

Jack sieht durch das Oberlicht in RaumAuch der Film konzentriert sich die meiste Zeit auf Jacks Perspektive. Untermalt wird dies am Anfang mit aus dem Buch entnommenen Zitaten, die Jack aus dem Off spricht und die einige Erklärungen liefern, unter anderem zu den Tagen, wenn Jacks Mutter „verschwindet“. In einigen wenigen Szenen rückt die Kamera aber plötzlich von Jack ab und wandert z. B. durch die Schranktür, hinter der Jack sich versteckt, um das Gespräch von Jacks Mutter und Old Nick besser zu verfolgen. Diese Szenen fand ich etwas merkwürdig, da der Perspektivwechsel nie konsequent beibehalten wird und der Zuschauer auch nicht wirklich mehr Informationen durch diese Änderungen erhält.

Die Autorin des Buches, Emma Donoghue, hat auch die Drehbuchvorlage für den Film geschrieben. Natürlich hat sie den Stoff entsprechend gestrafft und kleine Änderungen eingebaut. z. B. ist die Mutter im Film erst 17 Jahre alt, als sie entführt wird, im Buch war sie 19. Warum dies geändert wurde, kann wohl nur die Autorin selbst beantworten, mir erschließt sich der Sinn nicht. Nachvollziehbarer ist dafür, dass im Film Jack und seine Mutter auch nach der Flucht die meiste Zeit zusammen verbringen, wohingegen sie im Buch für längere Zeit getrennt sind. Hier wollte man sicherlich vermeiden, dass Jacob Tremblay, der Jack spielt, den Film über weite Teile allein tragen muss. Wobei er eine so tolle Leistung abliefert, dass er das sicherlich auch gut hinbekommen hätte.

Jack und seine Mutter liegen einer Hängematte Fazit: Raum ist ein beeindruckendes Buch, das tief in die Psyche eines besonderen Jungen und seiner Mutter blicken lässt, den Leser daran erinnert, wie wertvoll das Leben ist und dass man nie seinen ungetrübten und neugierigen Blick auf die Welt verlieren sollte, die so mehr zu bieten hat, als uns bewusst ist. Die Verfilmung ist gelungen und bleibt der Vorlage gegenüber treu. Brie Larson mag einen Oscar für ihre Rolle bekommen haben, der wahre Gewinner ist aber Jacob Tremblay, der als Jack eine beeindruckende Leistung abliefert. Von ihm werden wir hoffentlich noch viel sehen. Sowohl Buch als auch Film sind empfehlenswert.

3 Gedanken zu „[Buch und Film] Raum

  1. Hallöchen Anja,
    okay, also ich muss „Raum“ unbedingt im Kino gucken. Ich weiß noch, als ich das Buch gelesen habe, lag es auf dem Neuerscheinungen Tisch und es hat mich einfach sofort angesprochen. Ich musste es haben und ich habe es gelesen und geliebt. Selten hat ein Buch mir so gut die Sichtweise eines Kindes vermittelt. Ich war wirklich begeistert und hoffe, dass ich das auch vom Film sein werde. :D

    Liebst, Lotta

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