Simsion, Graeme: Das Rosie-Projekt

Originaltitel:
The Rosie Project
Autor:

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Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 384 Minuten
Preis: 19,95 €, Hörbuch
ISBN: 9783839813041
Erscheinungsdatum: 20.12.2013
Bewertung:

Die Handlung

Der Genetiker Don Tillman ist auf der Suche nach einer Ehefrau. Aber nicht irgendeine soll es sein, sondern eine Dame, die voll und ganz seinen Wünschen entspricht. Deshalb verfasst er einen seitenlangen Fragebogen, um all die unpünktlichen, geschminkten, rauchenden, Alkohol trinkenden und kein Fleisch essenden Frauen ohne Mathe-Gen herauszufiltern.

Darf ich vorstellen? Rosie: Barkeeperin, raucht, trinkt, kommt chronisch zu spät und kann nicht rechnen. Vegetarierin. Rosie ist all das, was Don nicht will. Und Rosie will Don nicht, sondern nur ihren leiblichen Vater finden. Schlimmere Voraussetzungen für eine potenzielle Beziehung kann es kaum geben. Oder?

Das war gut

Don! Seine Art ist einfach herrlich amüsant und gleichzeitig sympathisch. Er plant sein Leben bis ins kleinste Detail, sogar die Badezimmerreinigung bekommt ein vorgegebenes Zeitfenster. Als Hörer merkt man schnell, dass Don bei einem Vortrag nicht nur über Asperger-Syndrom-Kinder redet, sondern ebenfalls dazugehört, nur ihm selbst ist dies anscheinend überhaupt nicht bewusst. Stattdessen wundert er sich über das soziale Verhalten und die Ineffizienz seiner Mitmenschen und hält einem dabei auf witzige Weise einen Spiegel vor. Seine Ideen für das Ehefrau-Projekt sind so verrückt, dass es zum Scheitern verurteilt ist. Aber trotzdem hat man als Hörer Mitleid mit dem armen Kerl und wünscht ihm ein Happy End.

Das Ehefrau-Projekt muss an dieser Stelle ebenfalls genannt werden, denn so verrückt es auch ist, es macht einen großen Reiz der ersten Hälfte aus. Don lässt wirklich kein Fettnäpfchen aus. Sogar zum Speed Dating bringt er seine Fragebögen mit, nur um seine Gesprächspartnerinnen dann nach möglichst wenigen Fragen aus dem Pool der potenziellen Kandidaten zu werfen.

Das hat mir nicht gefallen

Dons Freund Gene, der alles Weibliche anspringt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, es sei denn, die Nationalität der Frau ist schon auf seiner Weltkarte abgehakt. Seine Frau Claudia weiß ganz offensichtlich von den Seitensprüngen ihres Mannes, nimmt dessen Natur aber mit gequälter Miene hin. Abgesehen von ihren merkwürdigen Ehevorstellungen sind sie Don aber ein sehr guter Freund und zeigen ihm bei seinem Ehefrau-Projekt den emotionalen Blickwinkel, der Don selbst fehlt.

Und daraus folgt

Ein herrlicher Spaß mit einem sehr angenehmen Sprecher (Robert Stadlober) und dem wohl unkonventionellsten „Helden“, dem ich seit langer Zeit begegnen durfte. Graeme Simsion werde ich mir merken! Große Leseempfehlung an alle, die auch schwierigere Figuren mögen und auf eine sehnsuchtsvolle, schmachtende Stimmung in Liebesgeschichten verzichten können.

Meine Version ist die knapp zwei Stunden längere, ungekürzte Fassung von Audible.


5 Gedanken zu „Simsion, Graeme: Das Rosie-Projekt

  1. Ach ja, das ‚Rosie-Projekt‘. Ich bin so zwiegespalten, was das Buch angeht (ich hab’s als englisches Hörbuch gehört). Als Mutter eines halbwüchsigen Asperger-Autisten tue ich mich immer schwer damit, wenn Bücher über Menschen auf dem autistischen Spektrum lustig sind. Denn Autismus ist nicht lustig. Oder zumindest in den aller seltensten Fällen.
    ABER auch ich habe beim Hören von ‚Das Rosie-Projekt‘ geschmunzelt und fand die ganze Geschichte hinterher doch besser als erwartet. Manchmal schimmert durch, dass Don auch harte Zeiten, ernste Zeiten durchgemacht hat, als er jünger war. Und ich gebe zu, dass Simsion seine Geschichte flott und mit Schwung geschrieben hat.
    Als witzig-skurille Liebesgeschichte funktioniert ‚Das Rosie-Projekt‘ also. Und genau das soll es ja auch wohl sein.
    Wer sich für die Realitäten des Asperger-Syndroms interessiert, der bekommt hier allerdings viele Klischees und wenig Ernsthaftes und sollte sich dessen bewusst sein.
    Ist für mich immer interessant, die Meinung von Nicht-Betroffenen zu solchen Büchern zu hören. Ich bin da sehr subjektiv beeinflusst. Danke dafür!

    LG,
    papercuts1

    1. Der Autor selbst hat auch absichtlich nicht geschrieben, dass Don Asperger hat. So kann das jeder für sich selbst entscheiden. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es in der Realität ist, aber gibt es nicht auch „leichtere“ Formen davon? Ich fands jedenfalls mal interessant, einen potenziell autistisch veranlagen Protagonisten aus dieser Perspektive zu sehen, denn normalerweise sieht man in Filmen, Serien etc. nur den typischen Stereotypen: ein geniales Kind, besonders auf dem Gebiet der Mathematik begabt, lässt sich nicht anfassen und hält keinen Augenkontakt. Viel mehr sieht man da meist nicht.

  2. Da bekomme ich doch glatt Lust, endlich mal wieder den Buchladen aufzusuchen. :-)
    Vielen Dank für die schöne Besprechung!

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