Kuipers, Alice: Vor meinen Augen

Originaltitel:
Lost for Words
Autor:

Verlag:

Themen:
, ,
Reihe:
-
Seiten: 220
Preis: 14,95 €, Hardcover
ISBN: 9783841421210
Erscheinungsdatum: 05.08.2011
Bewertung:

Es ist Januar, die Schule beginnt wieder und Sophie hat von ihrer Therapeutin ein Tagebuch bekommen, das ihr dabei helfen soll, „alles zu verarbeiten.“ Was „alles“ ist, erfährt der Leser erst im Laufe des Buches. Die Umstände bleiben zwar lange im Dunkeln, aber man erfährt schnell, dass Sophies ältere Schwester Emily auf irgendeine Weise ums Leben gekommen ist und ein großes Loch in der Familie hinterlassen hat. Sophies Mutter geht nicht mehr arbeiten und versteckt sich den ganzen Tag über in ihrem Büro, wo sie sich mit ihrer Sammlung verlorener Dinge beschäftigt. Sophie kapselt sich ein und lässt niemanden an sich heran. Nicht ihre Therapeutin, nicht ihre beste Freundin Annabel und erst recht nicht ihre Mutter, wenn diese doch einmal versucht mit ihrer Tochter zu reden.

Sophie weigert sich, sich mit der Situation und dem Verlust ihrer Schwester auseinanderzusetzen. Der Autorin gelingt es, Sophies Hilflosigkeit und innere Taubheit durch die Tagebucheinträge nachvollziehbar darzustellen. Die Monate rauschen nur so vorbei und währenddessen blitzen die Schulkameraden nur ab und zu auf. Nur Annabels Charakter bekommt zum Ende hin ein wenig Tiefe spendiert, was leider sehr aufgesetzt wirkt. So als hätte sie unbedingt noch irgendeine Eigenschaft bekommen müssen, damit sie nicht ganz wie die gemeine Freundin, die die trauernde Sophie im Stich lässt, wirkt. Leider wird Annabels „Problem“ innerhalb weniger Seiten abgehakt und ohne Sophies Zutun gelöst, womit der gesamte Einschub sinnlos wird.

Mehr Raum bekommt dafür Sophies neue Mitschülerin Rosa-Leigh, die aus Kanada hergezogen ist. Rosa-Leigh ist anders als die anderen, hat eine riesige, laute Familie und schreibt gerne Gedichte. Durch sie entdeckt Sophie nicht nur ihre eigene poetische Ader, sondern die neue Freundin in ihrem Leben hilft ihr auch die Lücke zu schließen, die Annabel mehr und mehr hinterlässt und ist damit das erste Symbol dafür, dass das Leben weitergeht, auch wenn wir einige Personen freiwillig oder unfreiwillig hinter uns lassen.

Dass Sophie erst gegen Ende des Buches dazu bereit ist, über das Geschehene zu reden bzw. zu schreiben, macht die Tagebuchform sehr authentisch. Vor meinen Augen ist trotz einiger Schwächen definitiv ein lesenswertes und berührendes Buch.


Ein Gedanke zu „Kuipers, Alice: Vor meinen Augen

  1. Ich habe bisher erst ein Buch von Alice Kuipers gelsen (Sehen wir uns morgen?), was mir leider gar nicht zugesagt hat – aber vielleicht sollte ich ihr noch einmal eine Chance geben, denn dieses hier hört sich recht interessant an…

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