Haubold, Christina: Payoff

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Seiten: 224
Preis: 9,99 €, Taschenbuch
ISBN: 9783862650880
Erscheinungsdatum: 01.11.2011
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Sabine ist Moderatorin der erfolgreichen Morningshow eines Privatradios. Der Star der Sendung ist aber ihr Co-Moderator Klaus, der eigentlich Andreas heißt – aber Andreas war nicht geil genug. Sagt jedenfalls der Radioberater, den Sabine „Frettchen“ getauft hat und der in Besprechungen ständig wie ein Flummi durch die Gegend hüpft und nicht mehr beizusteuern hat als „Geil ist das!“

Eigentlich will Sabine ja lieber ins Fernsehen, aber man kann schließlich nicht alles haben. Und so teilt Sabine den ungeschminkten Alltag eines Radiomoderators mit dem Leser. Das geht von getürkten Gewinnspielen bis hin zu Weihnachtsfeiern, bei denen Sabine eröffnet wird, dass sie sich umgehend einer Brustoperation unterziehen muss, weil die Zuhörer große Brüste bevorzugen. Und über alledem schwebt das Damoklesschwert namens „Payoff“. Auf der einen Seite bezeichnet dieser Begriff die Gewinnausschüttung eines Gewinnspiels, die sorgsam geplant sein will. Auf der anderen Seite erwartet der Sender jedes Jahr seinen ganz persönlichen Payoff in Gestalt der Veröffentlichung der Marktanteile der Radiosender.

Für ihren Debütroman hat die Autorin Christina Haubold ein Gebiet gewählt, in dem sie sich bestens auskennt: die Radiolandschaft. Ich hatte beim Lesen unwillkürlich die Morgenshow meines Lieblingsradiosenders im Kopf und kann nur hoffen, dass die im Buch beschriebenen Zustände nicht der Wahrheit entsprechen, denn dann möchte ich kein Radio mehr hören. Sabine und Klaus sind zwar die Moderatoren der Show, sind im Grunde genommen aber nur Vorleser, denn die Redaktion schreibt bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Drehbücher für jede Sendung, von denen die zwei nicht abweichen dürfen. Klaus ist damit vollkommen zufrieden. Es scheint sowieso, als würde er sein Gehirn zuhause weiterschlafen lassen, statt es mitzunehmen. Wahrscheinlich ist es so beabsichtigt, aber ich konnte für keiner der Figuren wirkliche Sympathien aufbringen. Sabine kommt einer Identifikationsfigur schon am nächsten, hat mich aber auch nicht großartig berührt.

Payoff bietet einen interessanten und verrückten Einblick in das Radiogeschäft. Ich kann leider nicht beurteilen, wie viel davon der Wahrheit entspricht, ich befürchte aber, dass hier nur ein wenig übertrieben wurde. Ich möchte jedenfalls nicht mit Sabine (und Sabines gigantischen Augenringen) tauschen.


3 Gedanken zu „Haubold, Christina: Payoff

  1. Ich kann mir schon sehr gut vorstellen, dass es so oder so ähnlich hinter den Kulissen abgeht.
    Wenn man mal unterschiedliche Sender hört, bekommt man sehr schnell mit, dass alles aus derselben Feder stammt. Und Jobangebote beim Radio, die mit einem Praktikum beginnen: 40-Stunden-Woche, Wochenendarbeit, kein Urlaub, keine Bezahlung. Nein, danke, definitiv nichts für mich!

  2. Beim Fallen der getürkten Gewinnspiele habe ich mich sofort an ein paar Gewinnspiele in Radiosendungen erinnert mich mich gefragt ob die wohl auch getürkt warn und wenn nicht woher die Leute das Geld für die Gewinne herhatten. Fragen, auf die ich gerne eine Antwort wüsste…

    Das Büch hört sich spannend an. Es hört sich irgendwie so an als wären die Radiosendnung im Buch in etwa so wachrüttelnd wie die Gott bewahre von John Niven. Das Buch hat in mir das erste Mal den Gedanken aufgeworfen, dass sowas wie Superstars oder – talente ja auch total leicht zu türken is, dass in unserer Zeit eigentlich alles nur Show sein könnte. Vielen Dank für den Buchtipp :) vllt seh ich ihn ja demnächst irgendwo.

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