Blackman, Malorie: Boys Don’t Cry

Originaltitel:
Boys Don't Cry
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Themen:
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Reihe:
-
Seiten: 302
Preis: 14,99 €, Hardcover
ISBN: 9783414822987
Erscheinungsdatum: 19.08.2011
Bewertung:

Der 17-jährige Dante hat gerade seinen Schulabschluss mit glänzenden Noten gemacht und träumt von einer erfolgreichen Zukunft. Er will in Kürze sein Studium beginnen. Da steht plötzlich seine Ex-Freundin Melanie vor der Tür und hat ein Baby im Schlepptau. Nachdem sie ihm eröffnet, dass die kleine Emma Dantes Tochter ist, verlässt sie unter einem Vorwand das Haus und kehrt nicht wieder zurück.
Dantes Vater ist verständlicherweise anfangs nicht begeistert über den ungeplanten Familienzuwachs und lässt seinen Sohn die Enttäuschung über seinen „Unfall“ auch spüren. Dantes Bruder Adam ist hingegen vom ersten Augenblick ganz vernarrt in seine Nichte. Emma stellt das Leben im Männerhaushalt gehörig auf den Kopf. Und was wird jetzt eigentlich aus Dantes Zukunft?

Wie am Cover schon gut zu erkennen ist, spielt in Boys Don’t Cry ein Baby bzw. ein Kleinkind die Hauptrolle. Dante wird von seiner Vaterschaft vollkommen überumpelt und ist von einer auf die anderen Minute verantwortlich für einen Menschen. Verständlich, dass er mit der Situation überfordert ist und die kleine Emma am liebsten sofort wieder loswerden möchte. Seinem Vater ist es zu verdanken, dass Dante sich dieser Herausforderung – wenn auch unwillig – stellt. Heimlich meldet er sich aber trotzdem für sein Studium an und bestellt sich im Internet einen Vaterschaftstest sowie informiert sich darüber, wie man ein Kind in Pflege geben oder zur Adoption freigeben kann. Dantes Vater hat dafür kein Verständnis, ich finde diese Reaktion aber nachvollziehbar. Dante möchte sich Gewissheit verschaffen und braucht Zeit um zu verarbeiten, dass seine Zukunft wohl nicht so verlaufen wird wie er es sich gewünscht hat. In diesem Zusammenhang komme ich zum größten Kritikpunkt des Buches: das Problem löst sich zu schnell in Luft auf. Noch bevor der Vaterschaftstest überhaupt geliefert wird hat Dante sich mit seinen neuen Lebensumständen bereits arrangiert, seinen Studienplatz abgesagt und liebt seine Tochter bedingungslos. Das geht einfach zu schnell. Und genauso ist es auch mit dem Rest des Buches. Es werden viele Themen angeschnitten, aber keines intensiver beleuchtet. So bekommt Dante z. B. in der Öffentlichkeit die geballten Vorurteile einer Frau zu spüren, die ihn dafür kritisiert ein Teenagervater zu sein. Dante fühlt sich ungerecht behandelt und ist frustriert. Damit ist das Thema dann aber auch abgehakt. Obwohl Dante anscheinend fast jeden Tag mit Emma spazieren geht, wird er danach in Ruhe gelassen.

Gleiches gilt für den Besuch einer Sozialarbeiterin, die die Freundin von Dante der Familie auf den Hals hetzt. Es wird viel Wirbel darum gemacht, dass Dante sich davor fürchtet Emma zu verlieren. Letztendlich passiert dann aber doch nichts. Natürlich erwarte ich dabei nicht, dass das Jugendamt als bösartige Behörde dargestellt wird, die allen ihre Kinder entreißen will, aber mir erschien die Lösung einfach zu glatt.

Als wäre das neue Baby in der Familie nicht schon genug Drama für ein Buch, hat die Autorin zusätzlich noch die Probleme von Dantes Bruder Adam mit eingeflochten. Schließlich ist der Titel ja auch Boys Don’t Cry, nicht Boy.
Adam ist schwul und steht auch offen dazu. Seine Familie schweigt das Thema allerdings lieber aus, sodass sich Adam nicht verstanden fühlt. Er verliebt sich ausgerechnet in einen Jungen, der zu seiner Neigung nicht stehen will, was zu nichts Gutes führt.

Achtung, hier wird das Ende verraten!

Fazit: Boys Don’t Cry ist durch seine ungewöhnliche Perspektive auf eine Teenieschwangerschaft bzw. deren Folgen sicherlich einzigartig und lesenswert. Leider ist das Buch aber viel zu vollgestopft, sodass die vielen interessanten Ansätze nicht zu Ende geführt werden.


4 Gedanken zu „Blackman, Malorie: Boys Don’t Cry

  1. Das finde ich wirklich, wirklich schade, dass dich dieses Buch nicht begeistern konnte. Ich fand es so wunderbar und toll zu lesen und habe mich so richtig in die beiden Brüder hineinfinden können.
    Hmm, aber deine Rezension, die gefällt mir trotz allem! :)
    LG

  2. @Charlousie Ich fürchte, da klingt meine Rezi wieder etwas härter als beabsichtigt. Ich hab dem Buch immerhin noch drei Sterne gegeben, ich fand es also nicht schlecht. Emma ist auch total süß, aber wie gesagt wird in dem Buch einfach zu viel angeschnitten und dafür nichts so richtig. Ich hätte als Autorin lieber aus Adams Geschichte ein eigenes Buch gemacht und mich mehr auf Dante und Emma konzentiert.

  3. Auch hier klingt es für mich nach einem Buch, das nicht richtig zu Ende gedacht wurde, weshalb es eher unrealistische Lösungen gibt. Oder liegt es einfach wieder daran, dass es ein Jugendbuch ist und eine „Wie können alles schaffen, wenn wir nur wollen“-Atmosphäre geschaffen wird?

  4. Ich hab den Spoiler jetzt mal noch nicht gelesen, weil ich nicht sicher bin ob ich das Buch wirklich lesen will oder eben nicht.
    An sich gefällt mir die Beschreibung der Geschichte, aber deine Rezi schreckt mich doch irgendwie ab. Als HC werd ich es wohl nicht kaufen, vielleicht irgendwann mal als günstiges Taschenbuch oder bei Medimops…

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