Safier, David: Plötzlich Shakespeare

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Seiten: 320
Preis: 17,95 €, Hardcover
ISBN: 9783463405537
Erscheinungsdatum: März 2010
Bewertung:

Die von Liebeskummer geplagte Rosa bezeichnet sich selbst als wandelndes Klischee und hat damit ein doch recht realistisches Bild von sich selbst. Ein Zirkushypnotiseur versetzt die ungläubige Liebeskranke nach einer Vorstellung kurzerhand in ein früheres Leben, in dem sie die wahre Liebe finden soll, erst dann kann sie in die Gegenwart und ihren eigenen Körper zurückkehren. Rosa staunt nicht schlecht, als sich ihre frühere Inkarnation als William Shakespeare entpuppt. Doch alle Legenden haben einen Anfang und Shakespeares ist nicht so ruhmreich, wie man vielleicht dachte. Er ist ein mittelmäßiger Dichter, bezeichnet sich selbst als „Gott der Defloration“, glaubt nicht an die Liebe und hat mehrere Attentäter am Hals. Schöne Aussichten für Rosa also. Mal abgesehen davon, dass sie in einem bestrumpfhosten Männerkörper herumlaufen muss und von Shakespeares Stimme im Kopf genervt wird.

David Safier hat sich in seinem Buch einer berühmten historischen Person bedient: William Shakespeare. Hierbei hat er Fakten aus Shakespeares Leben mit Fiktion vermischt und dies zu einer interessanten fiktiven Lebensgeschichte des Dramatikers vermischt. Trotzdem fand ich „Plötzlich Shakespeare“ enttäuschend und inzwischen frage ich mich, ob ich mir „Mieses Karma“ einfach nur schöngeredet habe oder es mir wirklich so gut gefallen hat. Rosas und Williams Geplänkel sind zwar ganz nett, haben mir aber nicht einen lauten Lacher entlockt. Stattdessen gingen mir die ständigen homo- und sonstig erotischen Andeutungen sehr auf die Nerven. Shakespeare hat anscheinend nichts anbrennen lassen und jede halbwegs willige Frau verführt, was im weiteren Verlauf der Geschichte merkwürdig erscheint, als seine Ehegeschichte erklärt wird. Und Rosa ist komisch. Wie ist es sonst zu erklären, dass sie sich in eine Stimme in ihrem Kopf verliebt? ;-)

Mal davon abgesehen, dass ich die Geschichte an sich nicht besonders mitreißend und die „Liebe dich selbst“ Botschaft langweilig fand, bin ich beim Lesen auch des Öfteren über die gleichen Satzkonstruktionen und einige Fehler gestolpert. Die anderen zwei Bücher kamen mir nicht so uninspiriert vor. Hätte ich damals in deutscher Grammatik besser aufgepasst, könnte ich die Art des Nebensatzes womöglich benennen, so muss ich mir mit Zitaten helfen. Beispiele sind:

Verrückt, hatte ich doch nie zuvor über Wiedergeburt ernsthaft nachgedacht. (S. 36)

Shakespeare hatte Recht, dennoch gefiel es mir nicht, zerstörte er doch damit den magischen Moment. (S. 144)

Er war bereits im Flur, hatte er doch einen Schlüssel zu meiner Wohnung. (S. 226)

Für mich ist diese Formulierung außergewöhnlich und deshalb fällt sie mir bei derartigem Verschleiß natürlich auf. Ebenso begeistert scheint der Autor von Vergleichen der Art „1, 2, 3“ und 3 tanzt „lustig“ aus der Reihe zu sein. Ich fand die leider nicht lustig, nur fast genauso nervig. Sie kamen aber glücklicherweise nicht so inflationär im Text vor.

Gut, meine Seele würde wohl weiterziehen,so viel war ja mittlerweile klar. Sie würde ein neues Leben führen – hoffentlich nicht in Afghanistan, Bangladesch oder im Haushalt von Britney Spears. (S. 139)

Um diese Zeit befand sich nur noch das Gesindel unter dem Gesindel auf den Straßen und in den Hurenhäusern: Diebe, Räuber, Finanzbeamte. (S. 156)

Während der dröge Pastor seine langatmige, einschläfernde Predigt hielt, bei der er erklärte, dass eine Ehe vielen harten Prüfungen ausgesetzt sei (Krankheit, Eifersucht, die Renovierung des Eigenheims) [..] (S. 239)

Manche Leser werden diese Kritik zu pingelig finden, aber mich stört sowas einfach. Genauso natürlich inhaltliche Fehler, die eigentlich schon im Lektorat auffallen sollten. So wird Rosa in Shakespeares Körper von spanischen Spionen aufgesucht. Vier betreten den Raum und einer löst sich eine Handvoll Sätze später in Wohlgefallen auf. Puff. Weg war er und es ist nur noch von drei Spionen die Rede. (ACHTUNG AB HIER SPOILER!) Dafür trägt Shakespeare in Rosas Körper auf dem Weg zum Klo urplötzlich hochhackige Schuhe, die er kurz zuvor noch im Flur liegen gelassen hatte, weil er darauf nicht laufen konnte. Kann er dann aber anscheinend doch super, denn die „Herumeierei“ wird nicht mehr angesprochen.

Kurz gesagt: ich habe mir vom dritten David Safier Roman weitaus mehr versprochen. Ich kann nur hoffen, dass mir die Nr. 4 im Bunde „Happy Family“ wieder besser gefallen wird. Das neue Buch erscheint am 16. September.


2 Gedanken zu „Safier, David: Plötzlich Shakespeare

  1. Jaaaa, manchmal gibt es leider so Elemente in einem Buch, die einen einfach aufregen und einem alles versauen!

    Ich werds mir trotzdem zulegen und schauen, was ich dazu sag.

    Solche sprachlichen Patzer fallen mir in letzter Zeit übrigens öfter auf! Vor allem in Übersetzungen, bei denen ich mir dann Frage, ob überhaupt jemand noch mal den Text gelesen hat.

  2. Ich liebe das Buch, für mich das beste der drei die ich gelesen habe (Mieses Karma, Jesus liebt mich). Es gehört zu meinen Lieblingsbüchern, und ich freu mich riesig auf „Happy Family“, hab erst heute morgen davon gelesen.

    Was Deine Kritikpunkte angehen, mir ist das ehrlich gesagt gar nicht aufgefallen, aber ich bin da vielleicht wirklich nicht so pingelig. Finde es aber interessant Deine Meinung dazu zu Lesen.

    Liebe Grüße
    Melanie

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