Smith, Tom Rob: Kolyma

Originaltitel:
The Secret Speech
Autor:

Verlag:

Themen:
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Reihe:
Leo Demidov 2 von 3
Seiten: 480
Preis: 19,95 €, Hardcover
ISBN: 9783832180898
Erscheinungsdatum: 04.01.2009
Bewertung:

Im Moskau des Jahres 1956 arbeitet der ehemalige KGB-Agent Leo Demidow als Leiter eines geheimen Morddezernats. Offiziell gibt es keine Verbrechen und so wird die Existenz der Abteilung geleugnet. Der Staat ist allgegenwärtig, die Bürger leben in Angst und nur ein falsches Wort zur falschen Zeit kann den Tod oder Schlimmeres bedeuten. Leo und seine Frau haben zwei Mädchen adoptiert. Die ältere, Soja, kann nicht vergessen, dass Leo für den Tod ihrer Eltern verantwortlich ist und hasst ihn so sehr, dass sie sogar versucht, ihn im Schlaf zu töten.
Als Nikita Chruschtschows geheime Rede, in der er Stalin kritisiert, in der Öffentlichkeit verteilt wird, beginnt eine brutale Mordserie. Leo und seine Mitarbeiter nehmen die Ermittlungen auf. Schon bald stellt sich heraus, dass die Mordfälle mit Leo selbst im Zusammenhang stehen. Die Toten geben Hinweise auf einen Priester namens Lasar, den Leo sieben Jahre zuvor verhaftete und damit in ein Gulag nach Kolyma beförderte. Lasars Frau Frajera will Rache. Sie entführt Leos Adoptivtochter Soja und stellt eine ebenso einfache wie grausame Forderung: Lasars Leben gegen Sojas. Leo bleibt keine andere Wahl, als sich in das Gulag einschleusen zu lassen, in dem Lasar seine Strafe absitzt. Doch nichts verläuft nach Plan: Leos Mitstreiter, der als Beweis ihrer Glaubwürdigkeit einen Brief von Frajera bei sich trägt, taucht nicht auf. Und schon am ersten Abend wird Leo enttarnt. Natürlich glaubt Lasar kein Wort seiner Geschichte. Stattdessen entscheiden er und seine Mithäftlinge, dass Leo für seine Verbrechen büßen soll und lassen ihn am eigenen Leib spüren, was sie während der Verhöre und Folterungen ertragen mussten.

Tom Rob Smith erzählt Kolyma vor dem Hintergrund wahrer historischer Ereignisse und webt dabei gekonnt fiktive Elemente ein. So erfindet Smith z. B. eine glaubwürdige Erklärung für den ungarischen Aufstand vom 23. Oktober 1956. Und mittendrin befindet sich Leo mitsamt seiner Frau, auf der Suche nach ihrer Tochter Soja. Leo versucht verzweifelt, Sojas Zuneigung zu gewinnen. Obwohl er sich geändert hat, kann er seine Vergangenheit als Lakai des Staates nicht hinter sich lassen und Sojas Liebe scheint seine einzige Chance auf Vergebung zu sein.

Auch wenn Titel und Klappentext nicht darauf hindeuten, ist Kolyma weitaus mehr als eine einfache Rachegeschichte. Denn Leos Leidensweg ist im Gulag noch lange nicht beendet.

Kolyma ist ein äußerst spannend geschriebener Thriller mit historischem Hintergrund. Es ist schockierend zu lesen, was damals in der Sowjetunion an der Tagesordnung war. Die Menschen denunzierten sich gegenseitig und konnten nicht ohne Angst leben. Der Staat hatte das eigene Leben in der Hand und entschied über alles; Wohlergehen oder Verderben. Hat Leo sich wirklich von seiner Zeit als KGB-Mann gelöst? Verdient er für die Verbrechen, die er begangen hat, überhaupt Vergebung? Oder ist Soja im Recht, die krampfhaft versucht, an der Erinnerung ihrer Eltern festzuhalten und nicht glücklich werden kann? Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Erst im Nachhinein habe ich bemerkt, dass auch Smith‘ erster Roman Kind 44 von Leo Demidow handelt und ich würde das Buch wirklich gerne lesen.